Hebamme Sage-femme Levatrice Spendrera Hebamme Sage

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Hebamme Sage-femme Levatrice Spendrera Hebamme Sage
Titel_01_12
23.12.2011
10:07 Uhr
Seite 1
Hebamme
Sage-femme
Levatrice
Spendrera
1/2012
Schwangerschaft und Infektionen
Grossesse et infections
US_Seite_2_bis_4
23.12.2011
10:11 Uhr
Seite 2
Alle Kleinen brauchen ein Nest.
Boppy. Das erste Nest in Form einer Umarmung.
My love nest.
Inhalt_01_12
23.12.2011
11:01 Uhr
Seite 1
Inhalt
Contenu
Geschäftsstelle/Secrétariat central
Rosenweg 25C, Postfach, CH-3000 Bern 23
Tel. +41 (0)31 332 63 40 Fax +41 (0)31 332 76 19
Öffnungszeiten von Montag bis Freitag:
8.15–12 Uhr/13.30 –17.15 Uhr
Heures d’ouverture: lundi–vendredi:
8h15–12h /13h30 –17h15
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www.hebamme.ch
www.sage-femme.ch
Ausgabe 1 Schwangerschaft und Infektionen
2
4
Aktuell
Editorial
Ans Luyben, Bern
4
Herpes genitalis in der Schwangerschaft
Ioannis Mylonas, München
Offizielle Zeitschrift des
Schweizerischen Hebammenverbandes
Journal officiel de la Fédération suisse
des sages-femmes
Giornale ufficiale della Federazione
svizzera delle levatrici
Revista uffiziala da la Federaziun svizra
da las spendreras
110. Jahrgang/110e année
Erscheinungsweise: 11 Mal im Jahr
(Juli/August Doppelausgabe)
Parution: 11 éditions par année
(numero double juillet/août)
Impressum
Herausgeberin/éditeur
Schweizerischer Hebammenverband (SHV)
Fédération suisse des sages-femmes (FSSF)
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht
unbedingt die Meinung des SHV wieder.
Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion.
Les articles signés ne reflètent pas forcément
l’opinion de la FSSF. Toute reproduction est soumise
à autorisation de la rédaction.
Redaktion/rédaction
Deutschsprachige Redaktion und
verantwortlicher Redaktor:
Wolfgang Wettstein, Geschäftsstelle SHV,
Rosenweg 25 C, Postfach, CH-3000 Bern 23
Tel. +41 (0)31 331 35 20, Fax +41 (0)31 332 76 19
[email protected]
Rédaction de langue française
Josianne Bodart Senn, Chemin du Bochet 4a,
CH-1196 Gland, tél. +41 (0)22 364 24 66,
portable +41 (0)79 755 45 38,
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Redaktioneller Beirat
Inge Loos (il), Sue Brailey (sb), Zuzka Hofstetter (zh),
Lisa Mees-Liechti (lml), Lorraine Gagnaux (lg)
Josée Bernard Delorme (jbd), Edith de Bock-Antonier (ea)
10
Markus Knuf, Wiesbaden
17
19
Inseratemarketing/Régie d’annonces
Kömedia AG, Geltenwilenstrasse 8a,
CH-9001 St. Gallen, Tel. +41 (0)71 226 92 92,
Fax +41 (0)71 226 92 93
[email protected] www.kömedia.ch
Druck/Impression
Vogt-Schild Druck AG, Gutenbergstrasse 1,
CH-4552 Derendingen
www.vsdruck.ch
WEMF-beglaubigt
ISSN 1662-5862
SwissNOSO – Infektionsprävention in Schweizer Spitälern
Christian Ruf, Zürich
20
Der besondere Saft
Gottfried Schatz, Reinach
21
23
27
28
44
Bücher
Verband
Sektionen
Fortbildung SHV
Stellenangebote
Thema der Ausgabe 2/2012:
Kinder und Jugendgynäkologie
Erscheint Anfang Februar 2012
Édition 1 Grossesse et infections
32
34
Actualité
Editorial
Edith de Bock
34
Les infections les plus courantes dans la pratique
de la sage-femme à domicile
Entretien avec Evelyne Moreillon, Grens
37
Entre inconscience, panique et maîtrise de la situation
Josianne Bodart Senn, Gland
Layout/graphisme
Tygraline AG, Bern, Rosmarie Kerschbaumer
Jahresabonnement/Abonnement annuel
Nichtmitglieder/Non-membres
Fr. 109.–
inkl. 2,5% MWST/TVA
Ausland/Etranger
Fr. 140.–
Einzelnummer/Prix du numéro
Fr. 13.20
inkl. 2,5% MWST/TVA + Porto
Das Abonnement verlängert sich um ein weiteres Jahr,
wenn es nicht bis zum 31. Oktober des laufenden
Jahres schriftlich beim SHV gekündigt wird.
L’abonnement est automatiquement renouvéle pour
un an s’il n’est pas résilié par écrit auprès de la FSSF
au 31 octobre de l’année en cours.
Empfehlungen für den Infektionsschutz
in Spital-Kinderkrippen
Manuela Bühlmann, Aarau; Christoph Berger, Zürich; Bernard Vaudaux,
Lausanne; Ulrich Heininger, Basel und Andreas F. Widmer, Basel
Beraterin Hebammenforschung
Prof. Dr. Ans Luyben, Chur
Titelbild: David Nydegger, Bern
Influenzainfektion in der Gravidität. Alles nur Panik?
38
Le sang, un «suc particulier»
Gottfried Schatz, Reinach
40
Préparation à la naissance et à la parentalité basée
sur la pleine conscience
Anne Gendre, Genève
42
43
23
27
29
44
Erreurs dans les rapports d’analyse dictés et transcrits
Livres
Fédération
Sections
Formation FSSF
Offres d’emploi
Thème de l’édition 2/2012:
Gynécologie pour l’enfant et l’adolescente
Parution: début février 2012
Hebamme.ch
Sage-femme.ch
1/2012
1
Aktuell_S02_03
27.12.2011
7:25 Uhr
Seite 2
Aktuell
Physiotherapie: Tarif-Verhandlungen endgültig gescheitert
Die Verhandlungen über den
Taxpunktwert zwischen physioswiss und Tarifsuisse AG sind
definitiv gescheitert. physioswiss leitet umgehend die Festsetzungsverfahren ein.
Seit rund knapp 14 Jahren sind
die Physiotherapie-Tarife unverändert, sie wurden weder
der Teuerung noch den gestiegenen Anforderungen an
die PhysiotherapeutInnen angepasst. Der Tarifvertrag wurde
bereits gekündigt und somit
herrscht seit dem 1. Juli 2011
der vertragslose Zustand. Eine
erneute Verhandlungsrunde,
die auf Initiative von Bundesrat
Didier Burkhalter und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG)
erfolgte, trug trotz diverser
Lösungsvorschläge von physioswiss keine Früchte, da Tarifsuisse ag nach wie vor daran
festhält, dass die seit 14 Jahren
unveränderten Tarife völlig ausreichend seien. Die physioswiss
vorliegenden Daten belegen
das Gegenteil. Am anschaulichsten zeigt dies die Entwicklung der Preise, sowie der Lohn-
und Mietkosten, diese haben
seit 1998 um mehr als 17 Prozent zugenommen.
Physioswiss wird nun wie im
Gesetz vorgesehen, Tarif-Festsetzungsanträge bei den zuständigen Behörden stellen.
Damit liegt es nun an den Behörden, den PhysiotherapeutInnen in der Schweiz einen angemessenen Tarif zu gewähren
und damit die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit
der qualitativ hochstehenden
Leistung Physiotherapie sicherzustellen.
Quelle: Medienmitteilung von
physioswiss vom 11. November 2011
Weitere Informationen unter:
www.physioswiss.ch
Die Bevölkerung in der
Schweiz 2010
Die eben erschienene Broschüre des Bundesamtes für Statistik (BFS) ist eine kleine Fundgrube. Die interessierte Leserin
findet darin Angaben wie zum
Beispiel zum Jugend- und Altersquotient von 1900 bis 2010,
zur Alterspyramide, dem Altersaufbau der ständigen Wohnbevölkerung nach Geschlecht
und Informationen zu den
Staatsangehörigkeiten der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung. Weiter präsentiert
man die Zahlen der Lebendgeburten von 2007 bis 2010 und
die Zahl der Lebendgeburten
nach Zivilstand der Mutter.
Interessant ist die Entwicklung
der Anerkennung der Vaterschaft seit 2005, bzw. von 1980
bis 2010.
2
Hebamme.ch
1/2012
Sage-femme.ch
Gesundheit der Neugeborenen
Online beim Bundesamt für
Statistik (BFS) zu finden sind die
neuesten Zahlen zur Gesundheit der Neugeborenen sowie
zur Säuglingssterblichkeit in
der Schweiz. Heute sind mehr
als die Hälfte der Todesfälle von
Kindern im ersten Lebensjahr
Folge von einer Ursache im
Zusammenhang mit Schwangerschaft oder Geburt: vorzeitiger Blasensprung, Entzündung
der Gebärmutter, Frühgeburt,
Asphyxie unter der Geburt,
Atemnot beim Neugeborenen
und anderem. Die angeborenen Missbildungen und Chro-
mosomenanomalien sind Ursache von ungefähr einem
Drittel der Säuglingstodesfälle. Der Plötzliche Kindstod
(SIDS), der im Jahre 1990 mehr
als 17% der Todesursachen
darstellte, ist stark zurückgegangen und umfasst jetzt 4%
der Fälle.
Alle Daten sind seit Anfang November
2011 zu finden unter:
www.bfs.admin.ch > Gesundheit >
Gesundheit der Bevölkerung >
Fortpflanzung
Der Vater für gesunde Mütter
Der US-Amerikaner Marshall
D. Lindheimer kämpft bis heute unermüdlich gegen die
Schwangerschaftsintoxikation
– in Bern und rund um den
Globus. Die Medizinische Fakultät der Universität Bern verleiht ihm den Ehrendoktortitel.
Sein neuer Ansatz hat vielen
schwangeren Frauen und ihren
Kindern geholfen: Marshall
Lindheimer gilt als «Vater der
geburtshilflichen Nephrologie» und unermüdlicher Forscher im Bereich der Nierenphysiologie während der
Schwangerschaft. Der heute
79-jährige Wissenschaftler hat
sich besonders im Bereich der
Präeklampsie, der Schwangerschaftsintoxikation, verdient
gemacht – insbesondere an
der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und der Klinik
für Nephrologie / Hypertonie
der Universität Bern.
Bereits in den 1970er Jahren
hatte der gebürtige New Yorker
einen engen Kontakt zur hiesigen Nephrologie gepflegt,
und nicht zuletzt durch Lindheimer hat sich Bern zum wichtigsten Präeklampsie-Zentrum der
Schweiz entwickelt. Mit der Integration im neuen Nationalen
Forschungsschwerpunkt «Transcure» an der Universität Bern ist
das Zentrum fest in der schweizerischen Forschungslandschaft
verankert. Marshall Lindheimers Engagement hat aber eine
noch viel grössere Reichweite:
Er unterstützt bis heute die
World Health Organization
(WHO) bei der Bekämpfung der
Präeklampsie, da sie weltweit
die zweitgrösste Ursache der
mütterlichen Mortalität ist.
Quelle: uniaktuell, Universität Bern,
Dezember 2011
Die WHO hat dieses Jahr aktuelle Empfehlungen zur
Präklampsie und Eklampsie veröffentlicht.
WHO recommendations for
Prevention and treatment of
pre-eclampsia and eclampsia
Die Broschüre kann unter Angabe der
Nummer 348-1000 beim BFS bestellt
werden.
E-Mail an: [email protected]
ISBN 978 92 4 154833 5,
40 S., Genf, 2011,
(in englischer Sprache) mit einer
Zusammenfassung in Französisch
und Spanisch (4 S.)
Als PDF-Dokument zu finden unter:
www.who.int/publications/guidelines/en/
index.html > pre-eclampsia and eclampsia
Aktuell_S02_03
27.12.2011
7:25 Uhr
Seite 3
USA
Europäischer Aktionsplan
HIV/Aids (2012–2015)
STI in den USA
Sexually Transmitted
Disease Surveillance, 2010
(nur in englischer Sprache)
2011, rund 70 Seiten,
ISBN 978 92 890 0252 3
Kostenlos, und nur in
englischer Sprache
Der Bericht «Sexually Transmitted Disease Surveillance,
2010» stellt Statistiken und
STI-Trends in den USA vor. Er
erscheint jährlich und dient als
Referenzbericht für Politikerinnen und Politiker, für Gesundheitsfachleute, für Präventionsfachleute, Forscherinnen und
Forscher und all jene Personen,
die in die Umsetzung von STIPräventionsprogrammen involviert sind.
Im Osten der Europäischen Region der WHO breitet sich die
HIV-Epidemie schneller aus als
irgendwo sonst auf der Welt.
Nach Schätzungen hat sich die
Zahl der Menschen, die mit HIV
leben, seit 2000 verdreifacht.
Die Fortschritte im westlichen
Teil der Region zeigen, was sich
erreichen lässt, selbst wenn
auch hier noch erhebliche Anstrengungen notwendig sind.
Das übergeordnete Ziel des Europäischen Aktionsplans gegen
HIV/Aids ist klar: keine zusätzlichen HIV-Neuinfektionen, keine Diskriminierung und keine
Todesfälle durch Aids in der
Region.
Primäre Adressaten des Europäischen Aktionsplans HIV/Aids
sind die für Prävention, Diagnose, Behandlung, Pflege und
Betreuung im Bereich HIV zu-
Als PDF zu finden unter:
www.cdc.gov/std/stats10/default.htm
ständigen nationalen Behörden in den Ländern der Europäischen Region, insbesondere
die Gesundheitsministerien
und andere staatliche Behörden im Gesundheitsbereich.
Doch der Aktionsplan ist auch
für andere nationale Behörden
und Ministerien bestimmt, die
nicht unmittelbar für den Gesundheitsbereich zuständig
sind, insbesondere in den Ressorts Finanzen, Bildung, Soziales, Kinderschutz, Verkehr,
Infrastruktur, Strafrecht, Beschäftigung, Immigration, Entwicklung, Verteidigung und
Aussenpolitik, und er ist auch
von Bedeutung für Vereine und
Berufsverbände, Wissenschaft
und Forschung, die Zivilgesellschaft, Interessengruppen, Gewerkschaften und Privatwirtschaft sowie ein breites Spektrum internationaler Partner,
darunter bilaterale und multilaterale Geber.
Zu bestellen bei:
www.euro.who.int/de/home
Weltgesundheitsorganisation (WHO), Regionalbüro für Europa
Mobilität von Gesundheitsfachkräften und ihre Auswirkungen
auf die Gesundheitssysteme
Erkenntnisse aus 17 Ländern der Europäischen Region
Die Mobilität von Gesundheitsfachkräften hat Auswirkungen
auf die Leistungsfähigkeit von
Gesundheitssystemen. Dies gilt
in zunehmendem Maße seit
den beiden Erweiterungen der
Europäischen Union in den Jahren 2004 und 2007. In dieser
Publikation werden Forschungserkenntnisse über bestehende
Wissenslücken in Bezug auf die
einschlägigen Zahlen, Trends
und Folgen sowie die politischen Antworten auf diese
Dynamik präsentiert; sie stammen namentlich aus Belgien,
Deutschland, Estland, Finnland,
Frankreich, Italien, Litauen,
Österreich, Polen, Rumänien,
Serbien, der Slowakei, Slowenien, Spanien, der Türkei,
Ungarn und Grossbritannien.
Die im Rahmen des Projektes
PROMeTHEUS der Europäischen Kommission durchgeführten Forschungsarbeiten
haben eine Reihe von Fragen
aufgeworfen, die für politische
Entscheidungsträger von zentralem Interesse sind:
Welchen Umfang und welche
Formen nimmt die Mobilität
von Gesundheitsfachkräften in
der EU an?
• Welche Auswirkungen hat
die Erweiterung der EU?
• Welche Gründe gibt es für
die Mobilität der betreffenden Arbeitnehmer?
• Welche Auswirkungen auf
die Leistung der Gesundheitssysteme sind festzustellen?
• Inwiefern sind diese Auswirkungen politisch relevant?
• Welche Grundsatzoptionen
gibt es für eine Auseinandersetzung mit Fragen der Mobilität von Gesundheitsfachkräften?
Bei der Beantwortung dieser
Fragen bietet die Publikation
politischen Entscheidungsträgern Evidenz in Bezug auf Art
und Ausmass der Mobilität von
Gesundheitsfachkräften in der
EU, analysiert deren Folgen für
die Gesundheitssysteme der
Länder und skizziert einige der
wichtigsten Grundsatzstrategien für den Umgang mit dieser Mobilität.
Zu bestellen bei:
www.euro.who.int/de/home
Redaktion: Matthias Wismar,
Claudia B. Maier, Irene A. Glinos,
Gilles Dussault und Josep Figueras,
2011, rund 600 Seiten.
ISBN 978 92 890 0247 9
Preis: CHF 150.–
Bestellnr. 134 00 112
(nur in englischer Sprache)
Hebamme.ch
Sage-femme.ch
1/2012
3
Dossier_dt_S04_22
27.12.2011
14:19 Uhr
Seite 4
Dossier
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser
Es ist Winter. Also jene Zeit des Jahres,
in der wir vermehrt mit Infektionskrankheiten, und dabei besonders mit der
saisonalen Grippe, konfrontiert werden.
Uns Hebammen betrifft das
gleich in doppelter Hinsicht,
sowohl im Arbeitsleben als
auch in unserem privaten
Alltag. Infektionskrankheiten sind häufig Ursache von
verschiedenen Pathologien
während der Schwangerschaft; von Fehlbildungen
bis Fieber unter der Geburt.
In seinem Artikel zur Grippeinfektion
beziffert Knuf das erhöhte Krankheitsrisiko für Schwangere und die dadurch
verursachte Frühgeburtsrate auf bis zu
40 Prozent.
Damit wir Hebammen die betroffenen
Frauen optimal betreuen können, ist
aktuelles Hintergrundwissen wichtig.
Während meiner Ausbildung zur Hebamme hatte ich immer wieder etwas
Mühe, die verschiedenen Therapiemöglichkeiten auswendig zu lernen bzw. die
Übersicht über die verschiedenen Infektionskrankheiten nicht zu verlieren.
Artikel wie die von Knuf oder Mylonas,
sind für mich eine Hilfe im beruflichen
Alltag, denn sie fassen aktuelles Wissen
und mögliche Therapieoptionen übersichtlich zusammen.
Im persönlichen Alltag finde ich die
Grippethematik noch viel schwieriger.
Bis vor zwei Jahren habe ich mich eher
passiv damit befasst und abgewartet
bis ich krank wurde – oder eben nicht.
Ernsthaft krank wurde ich kaum je.
Aber im Jahr 2009 änderte sich die
Situation stark: Die H1N1-Grippe wurde
in der Fachwelt und der Öffentlichkeit
intensiv diskutiert, ich war selbst gerade
sehr krank gewesen, wir feierten Weihnachten und es gab viele kleine Kinder
in der Familie – und damit auch Ängste
vor einer Infektion und einer möglichen
schweren Erkrankung. Daraufhin habe
ich mich impfen lassen. Nachher kam
die Grippe dann doch, nur weniger
schlimm. Jetzt warte ich wieder ab,
weil ich auch nicht mehr sicher bin,
ob impfen die richtige Lösung ist.
Vielleicht wissen Sie es?
Ich wünsche euch allen ein gesundes,
gutes und erfolgreiches Jahr 2012!
Ans Luyben
Leiterin angewandte Forschung &
Entwicklung/Dienstleistung Hebammen,
Berner Fachhochschule BFH,
Fachbereich Gesundheit, Bern
4
Hebamme.ch
1/2012 Sage-femme.ch
Herpes genitalis in d
Die Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV) ist weltweit eine der
am häufigsten auftretenden, durch Geschlechtsverkehr übertragenen Viruserkrankungen [14, 23, 56, 67]. Der HSV Typ 2 (HSV-2) ist die Hauptursache
eines genitalen Herpes, wobei Infektionen des Genitaltraktes auch bei
HSV-1 vermehrt beobachtet werden [5, 21, 30, 50]. Etwa 75 – 90% der mit
HSV-2 Infizierten sind sich der Infektion nicht bewusst [3, 11, 19, 62].
Da fast 75% aller weiblichen Patienten mit genitalem Herpes – unabhängig
davon, ob es sich um eine Primärinfektion oder ein Rezidiv handelt – keine
oder sogar atypische Symptome aufweisen, gestaltet sich eine korrekte
Diagnose recht schwierig. Die primäre Gefahr in der Schwangerschaft besteht
in der Übertragung des Virus auf den Feten bzw. dem Neugeborenen mit
teils schweren klinischen Verläufen [5, 30, 50].
Priv.-Doz. Dr. med. Ioannis Mylonas
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe, Klinikum Innenstadt,
Ludwig-Maximilians-Universität München,
Maistrasse 11, D-80337 München
E-Mail: [email protected]
Epidemiologie
Die HSV-2-Virusprävalenz in der Normalbevölkerung in älteren Untersuchungen lag
bei 0,25–5%, während diese bei Frauen
mit anderen genitalen Infektionen (z.B. sexuell übertragene Erkrankungen, auf etwa
7% anstieg [19]. Während die HSV-2Prävalenz während der letzten Jahre in den
USA gesunken ist (von 21% in 1988–1994
auf 17% in 1999–2004), ist die HSV-1Seroprävalenz von 57,7% (1988 bis 1994;
[67]) auf 62% (1999–2004) angestiegen.
In Grossbritannien wurde eine Inzidenz
von 25% für HSV-2 beschrieben, während
die Seroprävalenzrate in den Entwicklungsländern zwischen 60 und 90% liegt,
in Abhängigkeit von weiteren Risikofaktoren (zum Beispiel Prostitution oder bekannte HIV-Infektion; [13]).
Obwohl HSV-2 die Hauptursache eines
genitalen Herpes ist, kommen auch vermehrt genitale Infektionen mit HSV-1 vor
[5, 21, 30, 50]. Interessanterweise zeigt
sich bei Patienten, die nur mit HSV-1 infiziert sind, eine ansteigende Inzidenz, an
einen Herpes genitalis zu erkranken [67].
Eine genitale HSV-1-Infektion ist in den
letzten Jahren häufiger geworden [24,
60]. Somit ist sie mittlerweile eine wichtige Ursache des Herpes genitalis bei jungen Patienten. Es wird angenommen,
dass etwa 80% der neuen Fälle eines
genitalen Herpes in dieser Altersklasse
durch HSV-1 verursacht werden [37, 47,
48]. Eine veränderte Sexualität sowie orogenitaler Geschlechtsverkehr sind die wichtigsten Risikofaktoren für eine genitale
HSV-1-Infektion [33].
Serologische Untersuchungen in den
USA zeigten, dass 22% der Schwangeren
mit dem HSV-2 infiziert sind [66]. Interessanterweise zeigten 63% eine Seropositivität für HSV-1, und bei 13% konnten
abgelaufene Infektionen beider Herpessimplex-Viren nachgewiesen werden [66].
In Skandinavien wird die Seroprävalenz
von HSV-2 auf etwa 33% während der
Schwangerschaft geschätzt [20], in Kanada ist sie mit 17% niedriger [44]. Vereinzelte Untersuchungen in Deutschland
weisen auf eine Durchseuchungsrate mit
HSV-2 von 20 – 25% in der Durchschnittsbevölkerung hin [21]. Die HSV-2-Antikörperprävalenz im Erwachsenenalter wird
auf etwa 15 – 40% geschätzt, dabei wird
eine Prävalenz bei Schwangeren zwischen 6,3 und 8,9% angenommen [18].
In den USA liegt die Infektionsrate
während der Schwangerschaft, je nach
untersuchter Population, zwischen 8 und
60 pro 100 000 Lebendgeburten [9, 10,
38, 60, 65]. Die geschätzte HSV-Infektionsrate bei Neugeborenen in den Vereinigten Staaten ist Schwankungen unterlegen und beträgt zwischen 1/1400 und
1/30.000 Lebendgeburten [4, 10, 34, 36,
64, 65]. In Grossbritannien wird eine jährliche Inzidenz von 1:60.000 Lebendgeburten angenommen [58], während in
Kanada eine niedrigere Inzidenz von
0,59:10.000 Lebendgeburten festgestellt
wurde [31]. Für das restliche Europa lie-
Dossier_dt_S04_22
27.12.2011
8:11 Uhr
Seite 5
n der Schwangerschaft
Abb. 1 Primärer Herpes genitalis [41]
gen noch keine ausreichenden Daten vor;
wahrscheinlich entspricht die Prävalenz
derjenigen in Nordamerika.
Am höchsten ist das Risiko
einer intrauterinen Virusübertragung während der ersten
20 SSW
Eine intrauterine Transmission findet wahrscheinlich bei 4 – 5% aller neonatologischen HSV-Erkrankungen statt [6]. Geht
Infobox 1: Symptome eines Neugeborenen mit einer Herpes-genitalis-Infektion
während der Schwangerschaft
– Abort
– Totgeburt
– Frühgeburt
– Herpessepsis mit
• Aphthen
• Konjuktivitis
• Fieber
• Generalisierter Bläscheneruption
– Ekzema herpeticatum
– Meningoencephalitis herpetica
– Mikrozephalie
– Krampfanfälle
– Koma
– Mikroophthalmie
– Dysplasie der Retina
– Chorioretinitis
– Geistige Retardierung
man von einer mittleren Inzidenz von
1:5000 Geburten mit einer intrauterinen
Transmissionsrate von 5%, ist etwa ein
Fall pro 100 000 Geburten durch eine intrauterine HSV-Infektion betroffen. Das
Risiko einer intrauterinen Virusübertragung ist während der ersten 20 Schwangerschaftswochen am höchsten. Die Transmission führt zu Abort, Totgeburt und
angeborenen fetalen Fehlbildungen (Infobox 1; [8, 9, 15, 20, 21, 22, 23, 24, 25]),
wobei perinatale Mortalität mit etwa
50% angenommen wird [16].
Symptome
Primärinfektion: Eine symptomatische
Primärinfektion mit HSV, die nach einer
Inkubationszeit von 2 bis 20 Tagen auftritt, kann Blasenbildung und Ulzeration
an den äusseren Genitalien (Abb. 1) und
am Gebärmutterhals verursachen und zu
Vulvaschmerzen, Dysurie, vaginalem Ausfluss und lokaler Lymphadenopathie führen [50]. Solche vesikuläre und ulzerative
Läsionen werden ebenfalls an Innenschenkel, Gesäss, Perineum oder der perianalen Haut beobachtet. Dennoch können bereits vorhandene HSV-1-Antikörper die klinischen Manifestationen einer
nachträglich erworbenen HSV-2-Infektion mindern [7, 9, 27]. Primärinfektionen während der Schwangerschaft können zu schwereren Erkrankungen führen
als bei nichtschwangeren Patienten. Gingivostomatitis und Vulvovaginitis herpe-
Abb. 2 Akute Symptomatik eines rezidivierenden Herpes genitalis in der 32. SSW
tica neigen besonders während einer
Schwangerschaft zur Dissemination, wobei diese jedoch nur sehr selten während
der Gestation beobachtet wurden [50].
Generell führt eine genitale HSV-1-Infektion zu einem klinisch ausgeprägteren
Ausbruch, doch zu weniger Rezidiven als
eine HSV-2-Infektion [30].
Rezidivierende Infektion: Die Symptome der Rezidive können denen einer
Primärinfektion ähneln. Jedoch weisen
diese Patienten weniger ausgeprägte
Symptome als nach einer ersten Krankheitsepisode auf (Abb. 2). Prodromale
Symptome, wie Juckreiz, Schmerzen
oder Neuralgie, können Stunden oder
Tage vor einer rezidiven Herpesepisode
auftreten [15, 30, 50].
Die asymptomatischen Phasen zwischen klinischen Ausbrüchen des genitalen Herpes sind von Bedeutung, da HSV
periodisch in latent infizierten Zellen reaktiviert werden kann [16]. Der Grossteil
der sexuellen Übertragungen von HSV
ereignet sich während der asymptomatischen Phasen, da sich die Patienten
der asymptomatischen Virusausscheidung
nicht bewusst sind und keine klinische
Symptomatik auftritt [17]. Fast alle HSV2-seropositiven Patienten zeigen eine
intermittierende Ausscheidung des Virus
an der genitalen Mukosa, wobei meistens milde bzw. keine Symptome dieser
Erkrankung vorhanden sind [59, 62].
Interessanterweise ist die asymptomatische Virusausscheidung bei HSV-2-infiHebamme.ch
Sage-femme.ch
1/2012
5
Dossier_dt_S04_22
27.12.2011
8:11 Uhr
Seite 6
Zusammenfassung · Abstract
zierten Frauen höher als bei Frauen mit
einer HSV-1 Infektion [15].
HSV kann in latent infizierten
Zellen reaktiviert werden
I. Mylonas
Herpes genitalis in der Schwangerschaft
Zusammenfassung
Weltweit haben Herpes-genitalis-Infektionen
zugenommen (überwiegend durch Herpesvirus Typ 2, HSV-2, vermehrt auch durch
HSV 1). Bei 75% der Infizierten verläuft die
Infektion untypisch, sodass keine exakte
Diagnose gestellt werden kann. Fast 90%
der Mütter von Kindern mit neonatalem
Herpes sind zum Geburtszeitpunkt symptomlos. Die intrauterine Infektion durch
transplazentare Transmission ist selten.
Hauptweg der neonatalen Infektion ist der
direkte peripartale Kontakt mit maternalem
Genitalsekret. Bei einer neonatalen Infektionsrate von 40–50% beträgt die Mortalität 40% und die Morbidität 20%.
Im Gegensatz dazu führt die rekurrierende
Infektion nur in etwa 1–5% der Fälle zu
einer neonatalen Infektion, bedingt durch
maternale IgG-Antikörper und geringe
Virusmengen. Das therapeutische Konzept
beinhaltet zunächst die ausführliche Aufklärung der werdenden Mutter und des
Partners. Bei symptomatischer Infektion
sollte spätestens 4 bis 6 Stunden nach dem
Blasensprung die abdominale Schnittentbindung erfolgen, sonst ist kein Vorteil für das
Kind zu erwarten. Die anamnestisch rekurrierende Infektion ist keine Indikation für
eine prophylaktische Sectio. Die suppressive
Aciclovir-Therapie ab der 36. SSW reduziert
Symptomatik und Rezidivhäufigkeit und
führt zu einem Sectiorückgang. Weder die
primäre Sectio noch die Aciclovir-Therapie
schliessen eine maternofetale Transmission
aus.
Schlüsselwörter
Aciclovir ·Valaciclovir · Sectio Caesarea ·
Viren · Herpes-simplex-Virus
Genital herpes in pregnancy
Abstract
Genital herpes infections have increased
worldwide, predominantly due to herpes
simplex virus type 2 (HSV-2) but also increasingly to HSV-1. In 75% of cases the course
of the infection is atypical so that an exact
diagnosis cannot be made. Nearly 90% of
mothers of children with neonatal herpes
are free of symptoms until the time of birth.
Intrauterine infections by transplacental
transmission are rare and the main route
of neonatal infection is direct contact with
maternal genital secretions peripartum.
The neonatal infection rate is 40-50% with
a mortality of 40% and a morbidity of 20%.
In contrast recurrent infections lead to
neonatal infections in only 1-5% of cases
due to maternal IgG antibodies and low
virus counts. The therapeutic concept includes initially a comprehensive consultation
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with the expectant mother and partner.
In cases of symptomatic infections a Caesarean section should be carried out within
4–6 h following the rupture of membranes,
otherwise no advantage for the child can be
expected. Recurrent infections are not an
indication for a prophylactic Caesarean
section. Suppressive acyclovir therapy from
36 weeks gestation onwards reduces
symptoms, the frequency of recurrence and
leads to a reduction in Caesarean sections.
Neither primary Caesarean section nor
acyclovir therapy can exclude a maternofetal transmission.
Keywords
Acyclovir ·Valacyclovir · Abdominal delivery·
Viruses · Herpes simplex virus
Neonataler Herpes: Obwohl das Risiko
einer vertikalen Übertragung gering ist,
muss ein genitaler Herpes als häufigste
Ursache für neonatale Infektionen angesehen werden, wobei die Passage durch
einen infizierten Geburtskanal der wahrscheinlichste Übertragungsweg ist [50].
Es gibt nur wenige Daten für eine neonatale Herpeserkrankung bei Immunsupprimierten. Da HIV-positive Frauen im
Vergleich zur normalen Population eine
höhere Inzidenz einer HSV-2-Infektion
haben (etwa 80%), scheint das Risiko
einer a- oder oligosymptomatischen genitalen Virusausscheidung zum Zeitpunkt
der Geburt erhöht [12, 55].
Bei bis zu 90% der Fälle eines neonatalen Herpes beruht das Risiko auf einer
perinatalen Infektion durch direkten Kontakt mit maternalem Genitalsekret. Diese
Transmission ist mit einer neonatalen Infektionsrate von 40 – 50%, einer neonatalen Mortalität von 40% und einer Morbidität von 20% behaftet. Im Gegensatz
dazu führt die rekurrierende Infektion
nur in etwa 1– 5% der Fälle zu einer neonatalen Infektion, bedingt durch maternale IgG-Antikörper und geringe Virusmengen.
Eine neonatale HSV-Infektionen kann
mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen (Infobox 1) und wird in drei
Verlaufsformen unterteilt, wobei die
Übergänge ineinander fliessend sind:
– Geringgradig mit lokaler Erkrankung
von Haut, Auge und Mund: Diese
Manifestation mit den typischen
Effloreszenzen an Haut, Auge und
Mund (ohne Beteiligung des ZNS
oder anderen Organen) betrifft etwa
45% der infizierten Kinder. Ohne
eine rechtzeitige Therapie mit Aciclovir
kann es zu einer Beteiligung des
zentralen Nervensystems und einer
generalisierten HSV-Dissemination
kommen. Obwohl die Prognose nach
einer Therapie sehr gut ist, kann es
zu weiteren Krankheitsausbrüchen
(vor allem an der Haut) während der
Kindheit kommen [28, 29, 50].
– Gravierende Infektionen des zentralen
Nervensystems: Eine Infektion des ZNS
kommt bei etwa 30% der infizierten
Neugeborenen vor. Es zeigen sich
primär Lethargie, Unruhe, Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme
sowie Krämpfe mit oder ohne Haut-
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effloreszenzen. Mit einer rechtzeitigen
Aciclovir-Behandlung sinkt die Mortalität auf etwa 6%. Allerdings zeigen
bis zu 50% der überlebenden Kinder
neurologische Auffälligkeiten
[28, 29, 50].
– Schwerwiegende disseminierte Erkrankung mit Einbeziehung multipler
Organe: Eine disseminierte Verbreitung
von HSV führt zu Beteiligung multipler
Organe und zum klinischen Bild einer
Sepsis. Diese Form betrifft etwa 25%
der HSV-infizierten Neugeborenen.
Mit einer intravenösen Aciclovir-Therapie sinkt die Mortalitätsrate auf 30%.
Allerdings ist die rechtzeitige Diagnose
und Therapie für die kindliche Prognose entscheidend [28, 29, 50].
Diagnose
Die Diagnose genitaler HSV-Infektionen gestaltet sich oftmals schwierig, da
sehr häufig keine oder sogar atypische
Symptome auftreten [25]. Allgemein wird
die Diagnose klinisch anhand der prodromalen Schmerzsymptomatik und der typischen kleinen vesikulären Effloreszenzen
bei der Schwangeren gestellt. Aus diesen
Vesikeln lässt sich bei diagnostischer
Unsicherheit leicht Herpesantigen durch
effloreszierende Antikörper nachweisen
und eine Virusanzucht bzw. PCR (Polymerasekettenreaktion)-Diagnostik durchführen [16].
Die Bestimmung des serologischen
HSV-Status der Schwangeren könnte in
bestimmten Situationen hilfreich sein
[22, 32]. Allerdings gehören solche routinemässigen Untersuchungen (Screening)
jedoch nicht zu den aktuellen Empfehlungen, da typenspezifische serologische
Tests gegenwärtig nicht weit verbreitet
sind und ihre Zuverlässigkeit fraglich ist [5].
Eine Untersuchung zur Identifizierung
des entsprechenden HSV-Typs könnte in
bestimmten Situationen hilfreich sein, da
dadurch eine bessere Beratung und Einschätzung eines fetalen Infektionsrisikos
bedingt möglich ist [8].
Therapie
Vor jeder Form der Behandlung (Tab. 1)
müssen die werdende Mutter und ihr
Partner ausführlich aufgeklärt werden.
Bei rezidivierendem Herpes
genitalis sollte auf das relativ
geringe Transmissionsrisiko und
die Möglichkeiten einer prophylaktischen Aciclovir-Gabe und
Sectio hingewiesen werden.
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Tab. 1 Therapie des Herpes genitalis in der Schwangerschaft
Medikament
Dosierung, Dauer
Aciclovir p.o.
5쎹200 mg/Tag über 5 Tage oder
3쎹400 mg/Tag für 10 Tage
In schweren Fällen Aciclovir i.v.
3쎹5 mg/kg KG/Tag
i.v. für 5 Tage
Rezidive
Aciclovir p.o.
5쎹200 mg über 5 Tage oder
3쎹400 mg/Tag für 5 Tage
Prophylaxe (ab der 36. SSW)
Aciclovir p.o.
4쎹200 mg/Tag
Bemerkungen
Aciclovir ist nicht in der Schwangerschaft zugelassen
Primärinfektion
Bei Behandlungsindikation ist Aciclovir zu bevorzugen, da die meisten Erfahrungen
mit diesem Medikament bestehen
Schwangere Frauen mit einer ersten klinischen Episode oder einem Rezidiv können mit Aciclovir oder Valaciclovir behandelt werden.
Da Aciclovir und Valaciclovir offiziell
nicht für die Behandlung in der Schwangerschaft zugelassen sind, sollten die Patienten vor einer antiviralen Therapie informiert und beraten werden [50]. Von einer
Zunahme fetaler Fehlbildungen, vorzeitiger Blasensprünge oder Frühgeburten
wurde bisher nicht berichtet, doch langfristige Ergebnisse stehen noch aus [42, 46].
Eine suppressive Behandlung mit Aciclovir und Valaciclovir ab der 36. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt reduziert erheblich sowohl die Häufigkeit klinischer
Manifestationen als auch die Virusausscheidung bei der Geburt. Dadurch wird
das Risiko einer vertikalen Übertragung
verringert und eine Kaiserschnittentbindung verhindert [1, 35, 53, 54, 63]. Daher
empfiehlt sich die prophylaktische Gabe
von Aciclovir oder Valaciclovir im dritten
Schwangerschaftstrimester für alle schwangeren Frauen mit regelmässigen Ausbrüchen eines genitalen Herpes und/oder
mit einer aktiven genitalen HSV-Infektion
kurz vor oder zum Zeitpunkt der Geburt
[1, 2, 7, 35, 52, 53, 54, 63].
Unabhängig von einer medikamentösen
Therapie sollte eine Kaiserschnittentbindung bei Patientinnen mit einem symptomatischen Herpes genitalis vor oder spätestens innerhalb eines Zeitraumes von
4 – 6 Stunden nach Blasensprung erfolgen, da sonst keine Vorteile für das Kind zu
erwarten sind. Durch einen Kaiserschnitt
vor dem Blasensprung wird das Risiko einer
intrapartalen Übertragung auf den Säugling reduziert [2, 10, 26, 43, 49, 50, 57]. Ein
prophylaktischer Kaiserschnitt bei Frauen
mit anamnestisch rezidivierendem Herpes
genitalis zur Verhinderung einer maternofetalen Transmission ist nicht indiziert. Es
müssten etwa 1580 Kaiserschnitte vorgenommen werden, um einen Fall von neonatalem Herpes zu verhindern [45].
Die Behandlung der Schwangeren im
dritten Trimenon mit einer Aciclovir-Dosis
von 4-mal 200 mg/Tag über einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen vor Entbindung
vermindert die Zahl der Sectioentbindungen dramatisch und erwies sich als vorteilhaft für primäre wie für rezidivierende
Infektionen mit genitalem Herpes. Allerdings könnte eine prophylaktische Aciclovir-Behandlung in bestimmten Situationen, z.B. bei Oligohydramnion oder fetaler
Niereninsuffizienz, eine Gefahr für das Kind
darstellen.
Eine orale oder topische Therapie des
neonatalen Herpes ist obsolet. Trotz einer
antiviralen Medikation sind Morbidität
und Mortalität bei disseminiertem neonatalen Herpes immer noch sehr hoch.
Trotz dieser Massnahmen muss festgestellt werden, dass in keinem Fall eine absolute Sicherheit für den Feten gegeben
ist.
Prävention
Generell
– Durch die hohe Rate an asymptomatischen und dadurch nicht diagnostizierten HSV-Infektionen sind prophylaktische Massnahmen erschwert
[30, 51]. Die Entwicklung eines Impfstoffes, der eine Infektion mit HSV-1
und HSV-2 verhindert, wäre die beste
präventive Strategie um die Anzahl
des Herpes neonatorum zu senken.
Allerdings steht gegenwärtig noch
kein effektiver prophylaktischer oder
auch therapeutischer Impfstoff zur
Verfügung.
– Eine ausführliche Anamnese sollte bei
allen schwangeren Frauen und deren
Partner im Rahmen der ersten Untersuchung erhoben werden (Abb. 3, [2, 49]).
– Frauen mit einer positiven HSV-Anamnese sollte geraten werden, während
eines Rezidivs vom Geschlechtsverkehr
(auch oralen Verkehr) abzusehen
[5, 30, 50].
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HSV-Infektion in der Schwangerschaft
erste HSV-Infektion
anamnestische HSV-Infektion
Aciclovir-Prophylaxe
Reinfektion
keine Infektion
Aciclovir-Prophylaxe ab der 36+0 SSW
während der Geburtsplanung
4–6 Wochen vor Entbindungstermin
positiver HSV-Nachweis
entsprechende klinische Symptomatik
während der Geburt
genitale Läsionen
Kaiserschnitt
keine genitale Läsionen
vaginale Geburt
Abb. 3 Vorgehen bei Herpes-genitalis-Infektion in der Schwangerschaft [21, 39, 40]
– Eine ausführliche Aufklärung sowie
Beratung sollte bei Frauen mit einer
negativen HSV-Anamnese über das
mögliche Ansteckungsrisiko erfolgen
[5, 30, 50]. Kondome scheinen das
Risiko einer sexuellen HSV-Übertragung
in bis zu 50% zu reduzieren und
bieten diesbezüglich einen Transmissionsschutz [61].
– Die Bestimmung des serologischen
HSV-Status der Schwangeren könnte
in bestimmten Situationen hilfreich
sein [22, 32]. Allerdings gehören solche routinemässigen Untersuchungen
(Screening) jedoch nicht zu den aktuellen Empfehlungen, da typenspezifische serologische Tests gegenwärtig
nicht weit verbreitet sind und ihre
Zuverlässigkeit fraglich ist [5].
– Eine typspezifische Untersuchung zur
Identifizierung des HSV-Typs könnte in
bestimmten Situationen sinnvoll sein,
da dadurch eine bessere Beratung und
Einschätzung eines fetalen Infektionsrisikos bedingt möglich ist [8].
Medizinische Prophylaxe
– Es empfiehlt sich die prophylaktische
Verabreichung von Aciclovir (oder
Valaciclovir; Abb. 3) im dritten
Schwangerschaftstrimesnon für
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• alle schwangeren Frauen mit rezidi-
vierenden Herpes genitalis
• mit einer aktiven genitalen HSV-Infek-
tion kurz vor oder zum Zeitpunkt der
Geburt [1, 2, 7, 35, 52, 53, 54, 63].
– Die Behandlung der Schwangeren im
dritten Trimenon mit einer AciclovirDosis von 4-mal 200 mg/Tag über
einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen
vor Entbindung vermindert die Zahl
der Sectioentbindungen.
– Eine Aciclovir-Prophylaxe war sowohl
beim primären als auch beim rezidivierenden Herpes genitalis effektiv. Allerdings könnte eine prophylaktische
Aciclovir-Behandlung in bestimmten
Situationen, z.B. bei Oligohydramnion
oder fetaler Niereninsuffizienz, eine
Gefahr für das Kind darstellen.
Geburtsmodus
– Unabhängig von einer medikamentösen Therapie sollte eine Kaiserschnittentbindung bei allen schwangeren
Frauen, bei denen der Verdacht auf
eine aktive genitale HSV-Infektion
besteht (oder prodromale Symptome
einer HSV-Infektion vorliegen), durchgeführt werden (Abb. 3). Durch einen
Kaiserschnitt vor dem Blasensprung
wird das Risiko einer intrapartalen
Übertragung auf das Neugeborene reduziert [2, 8, 9, 10, 26, 43, 49, 50, 57].
– Ein notwendiger Kaiserschnitt sollte
spätestens innerhalb von 4 bis 6 Stunden nach Blasensprung erfolgen, da
sonst keine Vorteile für das Kind zu
erwarten sind [2, 8, 9, 10, 26, 43, 49,
50, 57].
– Wird die Primärinfektion während der
ersten beiden Trimester der Schwangerschaft erworben, können sequenzielle Virusnachweise im Genitalsekret
ab der 32. Schwangerschaftswoche
durchgeführt werden. Zeigen zwei
aufeinander folgende Erregerbestimmungen ein negatives Ergebnis und
liegen zum Zeitpunkt der Entbindung
keine aktiven genitalen Herpesläsionen vor, könnte eine vaginale Entbindung angestrebt werden [50].
– Eine Amniotomie unter der Geburt
sollte vermieden werden [57].
– Auf das Legen einer Kopfelektrode
während der Geburt zur besseren
CTG-Ableitung sollte verzichtet werden.
– Eine Saugglocken- bzw. Zangenentbindung sollte ebenfalls vermieden
werden, da das Risiko einer HSVÜbertragung hierdurch erhöht wird
[10, 27, 57].
– Ein prophylaktischer Kaiserschnitt bei
Frauen mit anamnestisch rezidivierendem Herpes genitalis zur Verhinderung einer maternofetalen Transmission ist nicht indiziert. Es müssten etwa
1580 Kaiserschnitte vorgenommen
werden, um einen Fall von neonatalem Herpes zu verhindern [45].
왗
Interessenkonflikt. Der korrespondierende Autor
gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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Der SHV und die Redaktion danken dem Autor,
PD Dr. med. Ioannis Mylonas, und dem SpringerVerlag, Heidelberg (D), für die Genehmigung zum
Nachdruck dieses Artikels. Erstmals erschienen in:
Der Gynäkologe, Fortbildungsorgan der Deutschen
Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe,
Volume 44, Number 8, 623–629, ©Springer-Verlag
2011. Online publiziert: 23. Juli 2011
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Influenzainfektion in der Gravi
Schwangere unterliegen einem höheren Risiko, an einer Influenzavirusinfektion schwer zu erkranken oder gar zu versterben. Diese Beobachtung
konnte sowohl bei der saisonalen Influenza als auch bei den Pandemien
1918 –1919, 1957 –1958 und 2009 gemacht werden.
Die Berichterstattung rund um die A (H1N1)-Pandemie 2009 hat zu einer
erheblichen Verunsicherung hinsichtlich der Krankheitslast und der
Präventionsmassnahmen geführt. Im Folgenden werden daher die Morbiditäts- und Mortalitätsraten bei der saisonalen und pandemischen Influenza
dargestellt sowie Therapie- und Präventionsmöglichkeiten erläutert.
Prof. Dr. Markus Knuf
Klinik für Kinder und Jugendliche,
Dr. Horst Schmidt Klinik,Wiesbaden, Pädiatrische Infektiologie,
Universitätsmedizin Mainz,
Ludwig-Erhard-Strasse 100,
65199 Wiesbaden
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Erreger, Klinik und
Diagnostik
Erreger der Influenza sind Orthomyxoviren. Humanpathogen sind die InfluenzaA- und -B-Viren. Influenza-A- und -B-Viren
besitzen spikeartige Oberflächenstrukturen, die durch die Glykoproteine Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA) gebildet werden. Von HA sind 16, von NA
neun verschiedene Varianten bekannt.
Influenza-A-Viren werden nach Typ und
Subtyp unterschieden, z. B. A(H3N2). Bei
der Influenza B gibt es keine Subtypen,
aber seit Jahren zirkulieren weltweit zwei
genetisch unterschiedliche Linien (Yamagata-Linie und Victoria-Linie).
Influenza-A-Viren kommen sowohl beim
Menschen als auch bei Säugern (Schweine,
Pferde u.a.) vor, eigentliche Reservoirorganismen sind jedoch Vögel, insbesondere Wasservögel.
Die Übertragung der Influenzaviren erfolgt (wahrscheinlich) durch Tröpfchen
(Husten und Niesen), die eine Partikelgrösse von mehr als 5 μm aufweisen. Die
aerogene Übertragung durch «Tröpfchenkerne», die kleiner als 5μm sind und
auch beim Atmen und Sprechen entstehen, wird derzeit wissenschaftlich diskutiert. Darüber hinaus ist auch eine direkte
Übertragung (z.B. Hand zu Hand) möglich.
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Die Inkubationszeit der saisonalen Influenza beträgt 1 bis 2 Tage. Die Dauer der
Infektiosität ist bei saisonalen Influenzaviren und der pandemischen Influenza
A(H1N1) 2009 ähnlich. Sie beträgt etwa
vier bis fünf Tage (Mittelwert) ab dem
Auftreten der ersten Symptome. Unter
bestimmten Umständen (Kinder, hospitalisierte Patienten, chronisch Kranke) kann
diese auch sieben Tage betragen.
Wegen Influenza hospitalisierte
Patienten, sollten über einen
Zeitraum von sieben Tagen
isoliert werden
Eine Ausscheidung vor Symptombeginn
ist möglich. Die typische Symptomatik der
Influenza (auch «influenza-like illness»,
kurz ILI) ist gekennzeichnet durch
– einen plötzlichen Erkrankungsbeginn
mit Fieber (욷38,5°C),
– (trockenen) Reizhusten,
– Halsschmerzen sowie
– Muskel- und/oder Kopfschmerzen.
Denkbar sind darüber hinaus weitere
Symptome, wie Dyspnoe, Zyanose, Brustschmerzen, Kreislaufprobleme u.a. Während der Hochphase einer Influenzawelle
hat die ILI-Symptomatik einen so guten
Vorhersagewert, dass die Erkrankung bei
einer Vielzahl von Patienten mit hinreichender Wahrscheinlichkeit aufgrund des
klinischen Bildes diagnostiziert werden
kann.
Bei Risikopatienten, wie auch bei
Schwangeren oder wenn sich ein fulminanter Verlauf andeutet, sollte eine
schnelle Diagnostik initiiert werden. Hierzu steht der direkte Nachweis von viralen
Antigenen mit Schnelltests zur Verfügung. Ihre Sensitivität ist bei saisonalen
Influenzaviren gut, bei den pandemischen Influenzaviren A(H1N1) 2009 aber
eingeschränkt. Der Immunfluoreszenzund ELISA-Test sind in ihrer Sensitivität
mit dem Schnelltest vergleichbar. Im
Zweifelsfall (Klinik!) sollte auch bei negativem Testausfall und mit zeitgleicher
Initiierung einer sensitiveren Diagnostik
mit einer Therapie begonnen werden.
Der diagnostische Goldstandard, die
PCR, kann auch im klinischen Alltag zur
Sicherung der Diagnose von Bedeutung
sein.
Schwangerschaft
und Immunsystem
Zu den faszinierendsten Themen der
modernen Immunologie gehört das
«Paradoxon der Schwangerschaft», bestehend aus dem Nebeneinander von
Toleranz gegen fetale Antigene paternalen Ursprungs und der mütterlichen
Fähigkeit, schwere (Virus-) Infektionen
abzuwehren. Der Fetus wird (in Analogie
zu einem Transplantat) vom mütterlichen
Immunsystem durch eine physiologische
Suppression zellvermittelter Immunmechanismen toleriert. Das humorale maternale
Immunsystem dagegen ist weitgehend
intakt [1].
Die wesentlichen immunologischen
Veränderungen finden lokal an der
Schnittstelle Mutter-Fetus statt. Insbesondere die uterine Dezidua ist reich an
spezialisierten, mütterlichen Lymphozyten und Makrophagen [2], die fetale Antigene tolerieren. Der effektivste Bestandteil des maternalen Immunsystems zur
Bekämpfung bakterieller Infektionen ist
das (durch die Schwangerschaft unbeeinträchtigte) humorale Immunsystem, indem Bakterien mit Antikörpern beladen
und anschliessend durch Phagozytose
(Neutrophile, Makrophagen) eliminiert
werden. Dieser Prozess wird während der
Schwangerschaft durch eine ausgeprägte
T-Zell-Immunantwort vom T-Helfer Typ 2
vermittelt [2]. Zur Kontrolle von intrazellulären Pathogenen, die sich der Bindung
an Antikörper entziehen, wie z.B. Viren,
Parasiten und bestimmte Bakterien (u.a.
Listerien, B. pertussis) kommt es zu einer
Zerstörung der infizierten Zelle durch
Mechanismen der T-Zell-Immunantwort
vom Typ «T-Helfer 1». Die bedeutendsten
Effektorzellen der zellvermittelten Immunität sind zytotoxische T-Lymphozyten.
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ravidität. Alles nur Panik?
Diese sind auch für die Erkennung von
Fremdantigenen auf eigenen infizierten
Zellen verantwortlich. Die Frage, ob die
Aktivierung von T-Helfer-Zellen zu einer
T-Helfer-1- oder zu einer T-Helfer-2-Immunantwort führt, hängt von dem Erreger, der Art der Infektion, den beteiligten
Zytokinen, kostimulierenden Molekülen
und anderen Faktoren ab. Einer Hypothese
zur Folge, sezernieren Makrophagen, die
an der Schnittstelle Mutter-Fet lokalisiert
sind, Zytokine, welche die Aktivierung
einer T-Helfer-2-Immunantwort induzieren und damit zu einer Dominanz der
humoralen Immunantwort während der
Schwangerschaft führen [3]. Neben BLymphozyten supprimieren T-Helfer-2-Zellen wiederum die zytotoxische T-Zell-Antwort. Das Zytokinprofil in der uterinen
Dezidua aktiviert präferenziell B-Lymphozyten. Die physiologische Suppression der
zellvermittelten Immunität in Folge des so
genannten TH1-TH2-Shifts während der
Schwangerschaft schützt einerseits den
Feten durch die fehlende Identifikation als
Fremdantigen, führt andererseits aber zu
einer erhöhten Empfänglichkeit der
Schwangeren gegenüber intrazellulären
Pathogenen (siehe oben), insbesondere
Viren.
Neben den lokalen Effekten sind auch
systemische Veränderungen des Immunsystems während der Schwangerschaft
zu beobachten. Die beschriebene T-Helfer-2-Dominanz steht in Einklang mit der
beobachteten Remission/Milderung der
Symptome von Erkrankungen, z.B. multiple Sklerose (MS) oder rheumatoide Arthritis, die durch Störungen der zellvermittelten Immunität, (mit-) verursacht
werden. Patientinnen mit multipler Sklerose weisen nach der Schwangerschaft
häufig eine Exazerbation auf. Schwangere, die an einer autoantikörpervermittelten Erkrankung leiden, z.B. an systemischem Lupus erythematodes, erleben
während der Schwangerschaft oftmals
eine Verschlechterung des Krankheitsbildes [4, 5, 6].
Zusammenfassend trägt die lokale und
systemische Suppression der zellvermittelten Immunität während der Schwangerschaft zu einer erhöhten Suszeptibilität der Schwangeren gegenüber intrazellulären Pathogenen, wie dem Influenzavirus [1].
Influenzainfektion: Zunahme
der Krankheitslast während
der Schwangerschaft
Die Influenzainfektion führt während
der Schwangerschaft zu schwerer verlaufenden Erkrankungen, höheren Hospitalisierungsraten und erhöhter Mortalität.
Das Risiko für schwerwiegende Verläufe
der Influenzainfektion ist im dritten Trimenon am höchsten. Die Odds Ratio
(95%-Konfidenzintervalle) für kardiopulmonale Ereignisse während einer Influenzasaison bei Schwangeren, Nichtschwangeren und Frauen post partum im Alter
von 15 bis 44 Jahren gibt Abb. 1 wieder
[7].
Pandemische Influenza
Während der Pandemie 1918/19 betrug die Mortalitätsrate für schwangere
Frauen insgesamt 27%, im dritten Trime-
non fiel sie noch deutlich höher aus.
Wenn eine Pneumonie komplizierend
hinzu kam, stieg die Mortalität auf 50%
[8]. Freeman u. Barno [9] berichteten,
dass während der Pandemie 1957–1958
50% der Todesfälle bei Frauen in gebährfähigem Alter, auf Schwangere entfielen.
Während der H1N1-Pandemie 2009 war
der Anteil schwangerer Frauen an den
Todesfällen überproportional hoch [10];
5% aller Todesfälle in den USA entfielen
auf Schwangere, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug lediglich 1%.
Auch Hospitalisierungen kamen während
der Gravidität häufiger vor. Zur Einschätzung der Krankheitslast wurde kürzlich
eine systematische Literaturanalyse publiziert [11]. Es wurden wissenschaftliche
Arbeiten mittels des Suchprogramms
PubMed identifiziert, in denen Originaldaten von erkrankten Schwangeren zur
H1N1-Pandemie 2009 veröffentlicht worden waren. Aus 2153 Arbeiten wurden
den Einschlusskriterien (Fallzahl, Risikofaktoren, Komplikationen, Behandlung,
Outcome) entsprechend schliesslich 120
Studien in die Auswertung eingeschlossen. Das relative Risiko für Hospitalisierung, Intensivbehandlung, Tod oder
Komplikationen für Schwangere während der H1N1-Pandemie 2009 gibt Tab. 1
wieder.
Mehrere Studien konnten zeigen, dass
Schwangere im Vergleich zu Nichtschwangeren gleichen Alters ein höheres
Risiko für Hospitalisierung, Intensivbehandlung (ICU), Tod oder Komplikationen hatten (Tab. 1). Auch Frühgeburtlichkeit war während der Pandemie eine
häufig berichtete Komplikation. Geburts-
Abb. 1 Odds Ratio und 95%-Konfidenzintervalle für kardiopulmonale Ereignisse während einer Influenzasaison bei Schwangeren,
Nichtschwangeren und Frauen post partum im Alter von 15 bis 44 Jahren (SSW Schwangerschaftswoche). (Mod. nach [7],
mit freundl. Genehmigung des Robert-Koch-Institutes)
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Zusammenfassung ·
Abstract
M. Knuf
Influenzainfektion
in der Gravidität.
Alles nur Panik?
Zusammenfassung
Das Erkrankungsrisiko ist bei der pandemischen und saisonalen Influenzavirusinfektion für Schwangere erhöht.
Schwangere erkranken im Vergleich zu
nichtschwangeren Frauen in jüngerem
Alter, die Erkrankung verläuft schwerer,
sie müssen häufiger hospitalisiert und intensivmedizinisch behandelt werden.
Darüber hinaus sind vermehrt Todesfälle
bei Schwangeren zu beklagen. Die neonatale Morbidität und Mortalität ist relevant erhöht, wenn Schwangere an einer
Influenzavirusinfektion leiden. Die allgemeine Impfung von Schwangeren gegen
Influenza ist eine attraktive Lösung zu
Verhinderung der Krankheitslast und
Mortalität bei den schwangeren Frauen
und deren Kindern.
Schlüsselwörter
Virale Infektionen · Pandemie ·
Schwangerschaftskomplikationen ·
Vakzine · Impfung
Influenza during
pregnancy.
Nothing but panic?
Abstract
For pregnant women influenza (seasonal
and pandemic) may have a more severe
clinical course, increased complication rate,
and higher case fatality rate. Pregnant
women are at younger age when hospitalized. There is an increased risk for
adverse outcomes among infants born
to mothers infected with influenza
during pregnancy. Pregnant women
should be considered a high priority for
receipt of influenza vaccine with the aim
of preventing both the illness and
mortality in mother and infant.
Keywords
Viral infections · Pandemic · Pregnancy
complications · Vaccine · Vaccination
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modus, Gestationsalter, Anteil der Kaiserschnittentbindungen und das neonatale
Outcome sind in Tab. 2 aufgeführt. Die
Notwendigkeit zur Kaiserschnittentbindung, Totgeburten oder neonatale Todesfälle waren häufig Komplikation einer
H1N1-Infektion (Tab. 2).
Neben der systematischen Literaturanalyse liegt eine Reihe von Studien zur
Krankheitslast der H1N1-Pandemie vor.
Louie et al. [12] beschrieben die Mortalität der H1N1-Pandemie in Kalifornien.
Von April 2009 bis August 2010 mussten
541 Todesfälle bei über 20-jährigen beklagt werden. 80% der Verstorbenen
wiesen Komorbiditäten auf, worunter
ausdrücklich auch das Vorliegen einer
Schwangerschaft fiel. Jamieson et al. [13]
dokumentierten 34 Fälle von H1N1-Infektionen während der Gravidität: 50% der
Frauen erhielten eine antivirale Therapie
mit Oseltamivir, 24% innerhalb der ersten
zwei Tage nach Beginn der Symptome,
32% der Schwangeren mussten sich einer
Krankenhausbehandlung unterziehen. Die
Hospitalisierungsrate für Schwangere war
höher als die der «Normalbevölkerung»
[0,32/100.000 Schwangere (95%-KI
0,13–0,52) vs. 0,076/100.000 Bevölkerung (95%-KI 0,07–0,09)]. Von den erfassten 34 Schwangeren starben sechs
(Tab. 2). Alle sechs Frauen waren antiviral
behandelt worden, allerdings erst sechs
bis 15 Tage nach Beginn der Symptome.
An Vorerkrankungen lagen bei drei
Schwangeren vor: mildes Asthma und
Psoriasis, Übergewicht, Faktor-V-LeidenDefizienz. Häufigstes Symptom bei schwangeren Frauen mit einer pandemischen Influenza war Fieber (93%), gefolgt von
Husten (88%) und Halsschmerzen (60%).
Bei nichtschwangeren Frauen im Alter von
15 – 44 Jahren war Husten (94%) das
häufigste Symptom, gefolgt von Fieber
(92%) und Halsschmerzen (68%; [13]).
Auch aus der Bundesrepublik liegen
Zahlen vor: Aus Tab. 3 und Tab. 4 ist der
überproportional hohe Schwangerenanteil bei Hospitalisierungen und Pneumonien während der H1N1-Pandemie
2009 ersichtlich.
Zusammenfassend liegen internationale und nationale Daten vor, die eindrucksvoll die Morbidität und Mortalität
der pandemischen Influenza während
der Gravidität belegen.
Saisonale Influenza
Auch die saisonale Influenza ist für
Schwangere mit einem höheren Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko behaftet. Im
dritten Trimenon ist die Notwendigkeit
zur Krankenhausbehandlung im Vergleich zu Nichtschwangeren 3- bis 4-fach
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erhöht [14]. Das Risiko für akute respiratorische Komplikationen ist während der
Gravidität im Vergleich zu nichtschwangeren Frauen doppelt so hoch [15]. Das
Risiko für Schwangere ernsthaft an einer
(saisonalen) Influenza zu erkranken ist
deutlich erhöht, wenn weitere RisikoFaktoren, wie z.B. Asthma bronchiale,
vorliegen [16].
Schwangere haben bei
Influenzavirusinfektionen
deutlich höhere
Komplikationen
Gerade ist eine Arbeit erschienen, welche
die saisonale Influenza (2005/2006 bis
2008/2009) hinsichtlich der Morbidität
und Hospitalisierungsnotwendigkeit von
Schwangeren mit der pandemischen Influenza 2009 vergleicht ([17]; Tab. 5).
Schwangere, die wegen einer Influenzavirusinfektion (saisonal/pandemisch) hospitalisiert werden mussten, waren signifikant jünger als nichtschwangere Frauen.
Etwa die Hälfte (saisonal 46,7%, pandemisch 47,4%) der Frauen mit der Notwendigkeit einer Krankenhausbehandlung war jünger als 25 Jahre wohingegen 23,7% (saisonal) bzw. 19,5% (pandemisch) der Frauen ohne Gravidität ≥40
Jahre alt waren. Etwa 30% der Schwangeren wiesen eine Komorbidität auf, bei
den Nichtschwangeren waren es etwa
60%. Die H1N1-Pandemie führte zu einer
höheren Morbidität (Aufnahme auf die
Intensivstation, Beatmungsnotwendigkeit).
Grosse Unterschiede bestanden hinsichtlich der antiviralen Medikation: Schwangere erhielten bei Vorliegen der saisonalen Influenza deutlich seltener Oseltamivir. Da nichtschwangere Frauen häufiger
mit Risikofaktoren behaftet waren, lagen
konsequenterweise in dieser Gruppe
auch (wenige) Todesfälle vor. In einer von
Skowronski et al. [18] veröffentlichten
Übersichtsarbeit wurden angloamerikanische Studien verglichen, in denen die
influenzabedingte Krankheitslast sowie
Effektivität, Sicherheit und Immunogenität von saisonalen Influenzaimpfstoffen
untersucht wurden. Die Autoren kamen
zu dem Schluss, dass für gesunde
Schwangere ab dem zweiten Trimenon
ein signifikant höheres Risiko für eine influenzabedingte Hospitalisierung besteht.
Für schwangere Frauen mit einer Komorbidität lag dieses Risiko schon ab dem
ersten Schwangerschaftsdrittel [18] vor.
Neuzil et al. [14] analysierten eine FallKontroll-Studie (Fälle: n=4369/Kontrolle:
n=21.845) und eine retrospektive Kohortenstudie (1.393.166 Frauenjahre, Schwangere, Nichtschwangere), um die durch
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kardiopulmonale Erkrankungen verursachten Hospitalisierungen und Todesfälle bei Schwangeren zu quantifizieren.
Die Odds Ratio für kardiopulmonale Ereignisse während der Influenzasaison in
Abhängigkeit vom Schwangerschaftsstatus gibt Abb. 1 wieder. Das Risiko für
kardiopulmonale Komplikationen war
im letzten Trimenon am höchsten. Schanzer et al. [19] veröffentlichten 2007 eine
Studie mit retrospektiven Daten aus
kanadischen Patientenakten. Eine stationäre Behandlung wegen einer Atemwegserkrankung war bei 15/10.000
schwangeren Frauen notwendig. Eine
Asthmaerkrankung der Schwangeren
stellte den bedeutendsten Risikofaktor
dar.
Zusammenfassend wurden Schwangere aufgrund einer Influenzavirusinfektion in verschiedenen Erhebungen
nicht nur häufiger hospitalisiert, sondern es zeigte sich auch, dass die Gravidität mit einem erhöhten Risiko assoziiert ist, eine influenzabedingte Pneumonie zu entwickeln oder intensivmedizinsch behandelt zu werden bzw. zu
versterben.
Therapie und Prävention
Therapeutisch bietet sich der rechtzeitige Einsatz (innerhalb von 48 Stunden)
mit einer antiviralen Medikation (Oseltamivir; [20]) an. Liegt der Verdacht auf
einen schweren Verlauf einer Influenzaerkrankung oder ein erhöhtes Risiko für
einen fulminaten Verlauf vor, z.B. wenn
bei Vorerkrankungen oder Schwangerschaft, sollte eine antivirale Therapie
grosszügig erwogen werden. Eine vorherige Sicherung der Diagnose ist sinnvoll, sollte aber wegen der kurzen
Inkubationszeit den Beginn der Therapie nicht verzögern. Für die Therapie
stehen die Neuraminidasehemmer Oseltamivir und Zanamivir (Blockade der
Aktivität der viralen Neuraminidase) zur
Verfügung. Sie wirken sowohl gegen
Influenza-A- als auch Influenza-B-Viren.
Vereinzelt wurden Resistenzen gegen
Oseltamivir beobachtet. Das pandemische Virus A(H1N1) 2009, die saisonalen A(H3N2)- und die B-Viren sind dagegen weiterhin (mit Ausnahme von
Einzelfällen) sowohl gegen Oseltamivir
wie auch gegen Zanamivir suszeptibel
(Stand: Dezember 2010). Die empfohlene Dosis für Erwachsene von Oseltamivir beträgt zur Therapie der Influenza
2쎹75 mg/Tag, zur Prophylaxe 1쎹75
mg. Erwachsene erhalten von Zanamivir
2쎹10 mg/Tag zur Therapie und 1쎹10
mg zur Prophylaxe. Amantadin aus der
Klasse der M2-Membranproteinhem-
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Tab. 1 Relatives Risiko für Hospitalisierung, Intensivbehandlung, Tod oder Komplikationen für
Schwangere während der H1N1-Pandemie 2009 [11]
Literatura
Hospitalisierung
ICU
Tod
New South Wales
Public Health Network
RR 5,8
RR 10,2
ANZIC
RR 7,4
Campbell et al.
RR 0,7 (0,4–1,2)
Creanga et al.
Komplikation
RR 1,1 (0,3–4,1)
RR 0,7 (0,4–1,3)
RR 7,2
RR 4,3
a
Fuhrman et al.
OR 0,3 (0,04–3,0)
Geradin et al.
Hanslik et al.
OR 5,2 (4,0–6,9)
Jamieson et al.
RR 4,3 (2,3–7,8)
Kelly et al.
RR 5,2 (4,6–5,8)
RR 6,5 (4,8–8,8)
Loegelenberg et al.
OR 0,5 (0,2–0,8)
OR 1,4 (0,3–4,2)
RR 1,4 (0,4–4,5)
OR 1,13 (0,14–8,88)
Oliveira et al.
RR 1,07 (0,82–1,41)
Yang et al.
OR 0,8 (0,2–3,5)
Zarychanski et al.
a
a
RR 0,4 (0–2,6)
OR 0,4 (0,2–3,4)
OR 3,64 (0,86–15,4)
Die genannten Literaturstellen sind in [11] aufgeführt. RR Relatives Risiko, OR Odds ratio, ICU Intensivstation («intensive care unit»).
Tab. 2 Geburtsmodus, Gestationsalter, Anteil der Kaiserschnittentbindungen und neonatales
Outcome bei Schwangeren mit H1N1-Infektion [11]
Literatura
Schwangerschaften
FG
Kaiserschnitt
Fetales/neonatales
Outcome
CDC
9
5/9
2/9
1 Totgeburt, 1 neonataler Todesfall
Creanga et al.
22 (krank)
22 (nach Genesung)
3/22
3/22
11/22
7/22
2 neonatale Todesfälle
Jamieson et al.
6
6/6
6 (5 maternale
Todesfälle)
Louie et al.
35
25–28:3
>28:32
10
USA
Miller et al.
6
4/6
5/6
Siston et al.
169
30,2%
109/188
ANZIC
59
36%
20
Hewagama et al.
15
40%
1 neonataler Todesfall
Australien
4 Totgeburten, 2 neonatale Todesfälle,
1 postneonataler Todesfall
2 Totgeburten, 1 neonataler Todesfall
Frankreich (La Reunion)
Geradin et al.
115
17/115
21/114
153
45/153
42
13/42
6/42
6
1/6
5/6
UK
Yates et al.
6 Totgeburten
Singapur
Lim et al.
Israel
Honarvar et al.
a
1 neonataler Todesfall
Die genannten Literaturstellen sind in [11] aufgeführt. FG Frühgeburtlichkeit.
Tab. 3 Hospitalisierungen bei Frauen (17–49 Jahre) mit laborbestätigter A-(H1N1)v-2009-Virusinfektionen
Meldungen laborbestätigter A-(H1N1)b-2009Virusinfektionen
Davon hospitalisiert
(Anteil)
Schwangere
496
134(27%)
Nichtschwangere
32.804
1312(4%)
Gesamt
33.300
1445(4,3)%
Auf der Basis von IfSG-Meldedaten; Datenstand 23.03.2010 [7].
Tab. 4 Hospitalisierungen bei Frauen (17–49 Jahre) mit laborbestätigter A-(H1N1)v-2009-Virusinfektionen
Meldungen laborbestätigter A-(H1N1)v-2009Virusinfektionen
Davon mit Pneumonie
(Anteil)
Schwangere
451
12(2,66%)
Nichtschwangere
23.706
213(0,90%)
Gesamt
24.1571
255(0,93%)
Auf der Basis von IfSG-Meldedaten; Datenstand 23.03.2010 [7].
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Tab. 5 Charakteristika von Schwangeren und Nichtschwangeren mit saisonaler und pandemischer
Influenza [17]
Saisonale Influenza
2009 H1N1
n (%)
n (%)
Schwangere
p
n=150
Nichtschwangere
n=489
Schwangere
Nichtschwangere
n=1088
p
15–19
19 (12,7)
66 (13,5)
<0,001
20–24
51 (34,0)
78 (16,0)
72 (14,7)
147 (13,5)
<0,001
160 (32,7)
178 (16,4)
25–29
41 (27,3)
75 (15,3)
140 (28,6)
209 (19,2)
30–34
23 (15,3)
62 (12,7)
80 (16,4)
156 (14,3)
35–39
15 (10,0)
92 (18,89
29 (5,9)
186 (17,1)
40–44
1 (0,7)
116 (23,7)
8 (1,6)
212 (19,5)
n=489
Alter
Impfempfehlung
für Schwangere
Aufnahmezeitraum
1.–13. Woche
9 (6,0)
27 (5,5)
14.–28. Woche
40 (26,7)
144 (29,4)
욷29. Woche
69 (46,0)
280 (57,3)
Unbekannt
32 (21,3)
38 (7,8)
Vorerkrankungen
Mindestens 1
54 (36)
348 (71,2)
Keine
96 (64)
141 (28,8)
23 (15,3)
118 (24,1)
<0,001
156 (31,9)
758 (69,7)
333 (68,1)
330 (30,3)
Impfstatus
Saisonale Vakzine
53 (10,8)
123 (11,3)
2009H1N1Vakzine
0,055
6 (1,2)
9 (0,8)
Beide
4 (0,8)
8 (0,7)
Ja, unbekannt
16 (3,3)
4 (0,4)
<0,001
Keine Impfung
86 (57,3)
269 (55,0)
302 (61,8)
720 (66,2)
Unbekannt
41 (27,3)
102 (20,9)
108 (22,1)
224 (20,6)
2 (0–46)
3 (0–145)
0,005
<0,001
Krankenhausaufenthalt
Tage, Median (Bereich)
2 (0–21)
3 (0–221)
0,005
0,004
ICU
Ja
8 (5,3)
68 (13,9)
57 (11,7)
252 (23,2)
Nein
142 (94,7)
418 (85,5)
432 (88,3)
834 (76,7)
Unbekannt
0
3 (0,6)
0
2 (0,18)
Beatmung
Ja
5 (3,3)
39 (8,0)
27 (5,5)
137 (12,6)
Nein
145 (96,7)
448 (91,6)
0,048
462 (94,5)
949 (87,2)
Unbekannt
0
2 (0,4)
0
2 (0,2)
Ja
36 (24,0)
270 (55,2)
423 (86,5)
892 (82)
Nein
113 (75,3)
217 (44,4)
66 (13,5)
195 (17,9)
Unbekannt
1 (0,7)
2 (0,4)
0
1 (0,1)
Ja
0
8 (1,6)
5 (1,0)
31 (2,9)
Nein
150 (100)
479 (98)
484 (99)
1056 (97,1)
Unbekannt
0
2 (0,4)
0
1 (0,1)
<0,001
Antivirale Medikation
<0,001
0,028
Tod
0,208
0,027
ICU Intensivstation («intensive care unit»).
mer wird in der Praxis quasi nicht mehr
verwendet.
Von grösster Bedeutung ist die Prävention der Influenzainfektion durch eine Immunisierung. Das Robert-Koch-Institut
stellt zu den Influenzaimpfstoffen fest [7]:
«In Deutschland sind mit Stand April
2010 insgesamt 21 trivalente Impfstoffe
(20 inaktivierte Spaltimpfstoffe, davon
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ponente und wird jedes Jahr gemäss
WHO-Empfehlung an die aktuelle epidemiologische Situation angepasst. In der
Saison 2010/2011 ersetzt die Influenza-A- (H1N1)v-2009-Komponente die bis
dahin enthaltene saisonale H1N1-Komponente. Die H3N2-Komponente wurde
ebenfalls aktualisiert, die Influenza-BKomponente aus der Victoria-Linie wird
wie in Saison 2009/2010 beibehalten».
2 adjuvantiert und 18 nichtadjuvantiert;
1 Influenzaimpfstoff auf Basis von gereinigtem Oberflächenantigen) gegen saisonale Influenza zugelassen. Die Stammzusammensetzung der trivalenten Influenzaimpfstoffe beinhaltet aktuelle Varianten der zirkulierenden Influenzaviren
mit einer A(H3N2)-Komponente, einer
A(H1N1)-Komponente sowie einer B-Kom-
Die verfügbaren Influenzaimpfstoffe,
die Immunantwort nach der Influenzaimpfung im Allgemeinen, die Effektivität
der saisonalen Influenzaimpfung bei
Schwangeren sowie weitere Effekte der
Impfung Schwangerer und Aspekte zur
Sicherheit von Influenzaimpfstoffen in
der Schwangerschaft hat die STIKO
(Ständige Impfkommission am RobertKoch-Institut) im «Epidemiologischen
Bulletin Nr. 31 (2010)»[7] ausführlich dargelegt und begründet.
Auch wenn Daten zur Krankheitslast
und Mortalität der saisonalen Influenza
bei Schwangeren in Deutschland nicht
systematisch erhoben werden, so rechtfertigen doch die während der H1N1
2009-Pandemie gemachten Erfahrungen
in der Zusammenschau mit internationalen Daten, vorwiegend aus den USA
und Kanada, eine Impfempfehlung für
Schwangere. Die STIKO hat auf ihrer 68.
Sitzung am 06. 07. 2010 die Empfehlung
[7] zur Impfung gegen Influenza wie folgt
aktualisiert: «Zusätzlich zu den bisherigen Indikations- und Berufsgruppen
empfiehlt die STIKO die Impfung aller
Schwangeren gegen saisonale Influenza
(… gleichzeitig hat die STIKO ihre gesonderte ‹Empfehlung zur Impfung gegen
die neue Influenza A (H1N1)› bis auf Weiteres zurückgezogen …). Gesunde Schwangere sollen die Impfung vorzugsweise ab
dem 2. Trimenon erhalten. Für Schwangere mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens
wird die Impfung ab dem 1. Trimenon
empfohlen».
Die Sicherheit der Influenzaimpfung in
der Schwangerschaft wurde in einer
Übersichtsarbeit [21] dargestellt. Die
Autoren kommen zu dem Schluss, dass
inaktivierter Influenzaimpfstoff während
der Gravidität sicher und effektiv verabreicht werden können. In einer retrospektiven Studie von Munoz et al. [22]
wurden Daten (fünf Influenzasaisons)
einer grossen Klinik ausgewertet. Die
Daten von 225 im zweiten oder dritten
Trimenon gegen Influenza geimpften
Frauen wurden mit denen von 826 ge-
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sunden ungeimpften Schwangeren (Kontrollgruppe) verglichen. Es traten keine
schwerwiegenden Impfreaktionen während des Beobachtungszeitraumes (0 – 42
Tage nach der Impfung) auf. Unterschiede
hinsichtlich der Häufigkeit von Kaiserschnitten, Frühgeburtlichkeit sowie hinsichtlich des Gesundheitszustandes der
Kinder von der Geburt bis zum sechsten
Lebensmonat konnten nicht festgestellt
werden.
Schutz von Neugeborenen/
Säuglingen durch maternale
Immunisierung
Neben dem Schutz der Schwangeren
führt die Influenzaimpfung während der
Schwangerschaft zu einer deutlichen
Risikoreduktion bezüglich der Influenzainfektion und einer konsekutiven Hospitalisierung des Neugeborenen bzw. Säuglings. Im Nabelschnurblut von Kindern
geimpfter Mütter lassen sich als protektiv
einzustufende Antikörperspiegel messen,
die diaplazentar übertragen werden [23].
Eick et al. [24] untersuchten 1160 Mutter-Kind-Paare und konnten eine deutliche Risikoreduktion für eine laborbestätigte Influenza bzw. Notwendigkeit
zur Krankenhausbehandlung erarbeiten
(Infobox 1).
Zaman et al. [25] führten eine randomisierte Studie durch, in der 340 werdende Mütter entweder eine inaktivierte
Influenzavakzine oder einen Polysaccharidimpfstoff erhielten. In der Gruppe der
geimpften Frauen waren unter den Neugeborenen/Säuglingen deutlich weniger
laborbestätigte Influenzafälle (n=6) als in
der Kontrollgruppe (n=16) zu beobachten. Die Impfstoffeffektivität gegen Influenza wurde mit 63% (95%-KI 5 – 85)
berechnet und die Schutzrate gegen
«respiratorische Infektionen» betrug 29%
(95%-KI 7– 46).
Fazit für die Praxis
– Sowohl die pandemische als auch die
saisonale Influenzavirusinfektion stellt
für schwangere Frauen ein erhöhtes
Risiko dar: Schwangere erkranken im
Vergleich zu nichtschwangeren Frauen
in jüngerem Alter und schwerer, müssen häufiger hospitalisiert und intensivmedizinisch behandelt werden.
– Darüber hinaus sind vermehrt Todesfälle bei Schwangeren zu beklagen.
– Die allgemeine Impfung von Schwangeren gegen Influenza stellt eine
attraktive Lösung zu Verhinderung
der Krankheitslast und Mortalität bei
den schwangeren Frauen und deren
Kindern dar.
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– Zur Panik (und populistischen Abhandlung) besteht kein Anlass, wohl aber
zu einer sorgfältigen Diskussion und
Kenntnisnahme der epidemiologischen
Daten und Umsetzung der Präventionsmassnahmen.
왗
Interessenkonflikt. Der Autor gibt an, bei klinischen Studien zur Prüfung von Influenzaimpfstoffen im Kindes- und Jugendlichenalter für die
Firmen GSK, München, und Novartis, Holzkirchen, als Leiter der klinischen Prüfung bzw. als
Prüfarzt tätig zu sein. Er ist beratend für die
Firma Astra Zeneca, Wedel im Bereich Influenzaimpfstoffe für Kinder und Jugendliche tätig.
Literatur
1. Jamieson DJ, Theiler RN, Rasmussen SA (2006)
Emerging infections and pregnancy. Emerg Infect Dis 12:1638–1643
2. Gaunt G, Ramin K (2001) Immunological tolerance of the human fetus. Am J Perinatol 18:299–312
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4. Elenkov IJ, Wilder RL, Bakalov VK et al (2001)
IL12, TNF-alpha, and hormonal changes during
late pregnancy and early postpartum: implications for autoimmune disease activity during these times. J Clin Endocrinol Metab 86:4933–4938
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associated with a lower risk of onset and a better prognosis in multiple sclerosis. Brain 118:
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6. Imrie HJ, McGonigle TP, Liu DT, Jones DR (1996)
Reduction in erythrocyte complement receptor 1
(CR1, CD35) and decay accelerating factor (DAF,
CD55) during normal pregnancy. J Reprod Immunol 31:221–227
7. Robert-Koch-Institut (2010) Epidemiologisches
Bull Nr. 31
8. Harris JW (1919) Influenza occurring in pregnant
woman; a statistical study of thirteen hundred
and fifty cases. JAMA 72:978–980
9. Freeman DW, Barno A (1959) Deaths from Asian influenza associated with pregnancy. Am J
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10. Siston AM, Rasmussen SA, Honein MA et al
(2010) Pandemic 2009 influenza A (H1N1) virus
illness among pregnant woman in the United
States. JAMA 303:1517
11. Mosby LG, Rasmussen SA, Jamieson DJ (2011)
2009 Pandemic influenza A (H1N1) in pregnancy: a systematic review of the literature. Am
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12. Louie JK, Jean C, Acosta M et al (2011) A review
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influenza in California. PLoS One 6:e18221
13. Jamieson DJ, Honein MA, Rasmussen SA, Williams JL et al (2009) H1N1 2009 influenza virus
infection during pregnancy in the USA. Lancet
published online July 2009
14. Neuzil KM, Reed GW, Mitchel EF et al (1998) Impact of influenza on acute cardiopulmonary hospitalizations in pregnant women. Am J Epidemiol 148:1094–1102
15. Mullooly JP, Barker WH, Nolan TF (1986) Risk of
acute respiratory disease among pregnant women during influenza A epidemics. Public Health
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16. Cox S, Posner SF, McPheeters M et al (2006) Hospitalizations with respiratory illness among pregnant women during influenza season. Obstet
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17. Creanga AA, Kamimoto L, Newsome K, D’Mello T et al (2011) Seasonal and 2009 influenza A
(H1N1) virus infection during pregnancy. A population-based study of hospitalized cases. Am
J Obstet Gynecol in press
Infobox 1: Einfluss der maternalen
Influenzaimpfung auf das Neugeborene/
den Säugling. (Aus [24])
– 1160 Mutter-Kind-Paare
– 193 (17%) Säuglinge wurden mit
influenzaähnlichen Symptomen (ILI)
hospitalisiert
– 412 (36%) wurden wegen ILI
ambulant versorgt
– (48%) hatten keine ILI-Episode
– ILI-Inzidenz 7,2 und 6,7 pro 1000
Personentage für Säuglinge von
ungeimpften bzw. geimpften Müttern
– 41% Risikoreduktion für eine laborbestätigte Influenzavirusinfektion
(RR 0,59; 95%-KI 0,37– 0,93)
– Für Kinder geimpfter Mütter eine
39% Risikoreduktion für eine
ILI-Hospitalisierung
(RR 0,61; 95%-KI 0,45 – 0,84)
18. Skowronski DM, De Serres G (2009) Is routine influenza immunization warranted in early pregnancy. Vaccine 27(35):4754–4770
19. Schanzer DL, Langley JM, Tam TW (2007) Influenza-attributed hospitalization rates among
pregnant women in Canada 1994–2000. J Obst
Gynaecol Can 29(8):622–629
20. http://www.who.int. Global Alert and Response
(GAR). Pandemic influenza in pregnant women,
31. 07. 2009
21. Tamma PD, Ault KA et al (2009) Safety of influenza vaccination during pregnancy. Am J Obstet
Gynecol 201:547–552
22. Munoz FM, Greisinger AJ, Wehmanen OA et al
(2005) Safety of influenza vaccination during
pregnancy. Am J Obstet Gynecol 192:1098–1106
23. Steinhoff MC, Omer SB, Roy E et al (2010) Influenza immunization in pregnancy-antibody responses in mothers and infants. N Engl J Med
362:1644–1646
24. Eick AA, Uyeki TM, Klimov A et al (2011) Maternal influenza vaccination and effect on influenza virus infection in young infants. Arch Pediatr
Adolesc Med 165(2):104–111
25. Zaman K, Roy E, Arifeen SE et al (2008) Effectiveness of maternal influenza immunization in
mothers and infants. N Engl J Med 359:
1555–1564
Der SHV und die Redaktion danken dem Autor,
Prof. Dr. med. Markus Knuf, und dem Springer-Verlag, Heidelberg (D), für die Genehmigung zum
Nachdruck dieses Artikels. Erstmals erschienen in:
Der Gynäkologe, Fortbildungsorgan der Deutschen
Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Volume 44, Number 8, 593-600, © Springer-Verlag
2011. Online publiziert: 10. August 2011
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Informationen zu sexuell übertragbaren Infektionen (STI) (Auswahl)
Schweiz
Bundesamt für Gesundheit (BAG)
Informationen zu HIV und anderen sexuell
übertragbaren Infektionen (STI)
www.bag.admin.ch
> Themen > HIV und Aids > Andere sexuell
übertragbare Krankheiten
Infektionskrankheiten von A bis Z
www.bag.admin.ch
> Themen > Krankheiten und Medizin >
Infektionskrankheiten von A bis Z
Sexuelle Gesundheit Schweiz
Als Dachverband der Beratungsstellen für
Familienplanung, Schwangerschaft, Sexualität und Bildung zur sexuellen Gesundheit,
engagiert sich SEXUELLE GESUNDHEIT
Schweiz für die Rechte im Bereich der
sexuellen und reproduktiven Gesundheit
und dafür, dass der Zugang zu diesen Leistungen für jede Person gewährleistet ist.
www.plan-s.ch
Deutschland
Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (BZgA)
www.frauengesundheitsportal.de/
www.frauengesundheitsportal.de/themen/
sexuell-uebertragbare-krankheiten/
Was finden Sie im Frauengesundheitsportal
zum Thema sexuell übertragbare Krankheiten?
• Übergreifende Informationen/Materialien
• Dieser Abschnitt bietet Allgemeines und
Grundsätzliches zu sexuell übertragbaren
Krankheiten. Ausserdem finden sich hier
Quellen, die sich auf drei oder mehr STI
beziehen.
• durch Bakterien verursachte STI
• durch Viren verursachte STI
• Genitale Pilzerkrankungen
Pilzerkrankungen im Genitalbereich,
vor allem durch Candida-Arten, sind bei
Frauen häufig, wenn auch nicht immer
auf sexuelle Übertragung zurückzuführen.
• Parasiten
In diesem Abschnitt sind jene Quellen
gelistet, die sich mit endogenen (Trichomonaden, Lamblien) oder exogenen Parasiten
(Krätzmilben, Filzläuse) beschäftigen.
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Robert-Koch-Institut (RKI)
Das RKI ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Das RKI ist die zentrale Einrichtung der
Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention und damit auch die zentrale Einrichtung des Bundes auf dem Gebiet der anwendungs- und
massnahmenorientierten biomedizinischen
Forschung. Die Kernaufgaben des RKI sind
die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung
von Krankheiten, insbesondere der Infektionskrankheiten.
www.rki.de
> Infektionskrankheiten von A – Z > STD
Grossbritannien
Department of Health
www.dh.gov.uk/en
> Sexual Health
National Chlamydia Screening
Programme (NCSP)
Genital Chlamydia trachomatis infection is
the sexually transmitted infection diagnosed
most frequently in English genitourinary medicine (GUM) clinics. Prevalence of infection is
highest in young sexually active adults, especially those aged under 25 years. Untreated
infection can have serious long-term consequences, particularly for women, in whom it
can lead to pelvic inflammatory disease (PID),
ectopic pregnancy and tubal factor infertility.
www.chlamydiascreening.nhs.uk/ps/contact/
contact.html
USA
Centers for Disease Control and
Prevention (CDC)
The CDC is one of the major operating
components of the Department of Health
and Human Services.
www.cdc.gov/
Im November 2011 erschienen:
Sexually Transmitted Disease
Surveillance, 2010
The repor presents statistics and trends for
sexually transmitted diseases (STDs) in the
United States through 2010. This annual
publication is intended as a reference
document for policy makers, program
managers, health planners, researchers,
and others who are concerned with the
public health implications of these
diseases.
www.cdc.gov/std/stats10/default.htm
STD Trends in the United States:
2010 National Data for Gonorrhea,
Chlamydia, and Syphilis
This document summarizes 2010 national
data on gonorrhea, chlamydia, and syphilis
that are published in CDC’s report, Sexually
Transmitted Disease Surveillance, 2010.
The data are based on state and local STD
case reports from a variety of private and
public sources, the majority of which come
from non-STD clinic settings, such as
private physician offices and health maintenance organizations.
www.cdc.gov/std/stats10/trends.htm
National Center for HIV/AIDS,
Viral Hepatitis, STD, and TB Prevention
The National Center for HIV/AIDS, Viral
Hepatitis, STD, and TB Prevention maximizes public health and safety nationally and
internationally through the elimination,
prevention, and control of disease,
disability, and death caused by HIV/AIDS,
Viral Hepatitis, STDs and TB.
www.cdc.gov/nchhstp/
Nationale Institutes of Health NIH
The National Institutes of Health (NIH), a
part of the U.S. Department of Health and
Human Services, is the nation’s medical
research agency – making important discoveries that improve health and save lives.
www.nih.gov
Zum Thema Frauengesundheit siehe
health.nih.gov
> Womenshealth
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Fokus
Empfehlungen für den Infektionsschutz
in Spital-Kinderkrippen
Manuela Bühlmann, Aarau; Christoph
Berger, Zürich; Bernard Vaudaux, Lausanne;
Ulrich Heininger, Basel; Andreas F. Widmer,
Basel
Rahmen-Hygieneplan für Kindereinrichtungen [1] umgesetzt wurden. Die wichtigsten Inhalte sind in Tabelle 1 aufgelistet.
In den folgenden Ausführungen beschränken wir uns auf den Infektionsschutz für Kinderkrippen von Spitälern.
1. Einleitung
3. Infektionsschutz
Firmen und Spitäler stellen für die Kinder
ihrer Mitarbeiter Kinderkrippen zur Verfügung. Kinderkrippen im Spital sind ein
Spezialfall, da die Eltern Spitalmitarbeiter
sind, und so Infektionen der Kinder sehr
rasch via Eltern auf Patienten übertragen
werden können. Daher hat der Verein
SwissNOSO spezielle Empfehlungen für
diese Situation zusammengestellt, die
natürlich auch für andere Kinderkrippen
als Grundlage für den Infektionsschutz
dienen können. Der Aufenthalt in der Krippe gewährleistet eine geordnete, betreute
Tagesstruktur, beinhaltet für die Kinder jedoch ein erhöhtes Risiko von Infektionen
durch die enge Nähe zu anderen Kindern
und die gemeinsame Benutzung von Spielsachen. Infektionen bei Kindern sind oft
transient und harmlos, können jedoch in
Abhängigkeit von Erkrankungsalter und
Infektionserreger auch lebensbedrohlich
verlaufen oder mit bleibenden Folgeschäden verbunden sein (z.B. Masern). In Kinderkrippen von Spitälern besteht ausserdem das Risiko einer Krankheitsübertragung auf die Eltern und Einschleppung
von Infektionserregern ins Spital. Ein adäquates Konzept zur Infektionsprävention
in Kinderkrippen von Spitälern ist deshalb
besonders wichtig.
Umfassende Empfehlungen, für den Infektionsschutz in Kinderkrippen wie sie
z.B. im «Rahmen-Hygieneplan für Kindereinrichtungen» in Deutschland [1] oder in
ähnlicher Form in Frankreich [2] vorliegen,
sind in der Schweiz bisher nicht verfügbar.
Die folgenden Empfehlungen wurden
auf der Grundlage des Schweizerischen
Epidemiegesetzes [3] sowie in Anlehnung
an den deutschen Rahmen-Hygieneplan
für Kindereinrichtungen erstellt [1].
3.1 Impfungen
3.1.1 Impfungen der Kinder
Die Impfungen gemäss Empfehlung der
Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF, www.ekif.ch) und des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) [4] sind
grundsätzlich Voraussetzung für die Aufnahme in die Spital-Krippe. Die Krippenleitung überprüft bei Aufnahme und
dann jährlich anhand des Impfbüchleins
den Impfstatus der Kinder. Die Eltern
werden darauf aufmerksam gemacht,
fehlende Impfungen nachzuholen.
Kommentar: Ein Risiko für Tetanus besteht jederzeit, wenn die Kinder sich in
der Krippe verletzen, insbesondere beim
Spiel im Freien. Diphtherie, Pertussis, Hämophilus influenzae Typ b sowie Masern,
Mumps und Röteln (MMR) können sich
unter ungeimpften Kindern epidemisch
verbreiten und sind mit einer erheblichen
Morbidität und auch Mortalität verbunden. Erschwerend kommt bei MMR dazu,
dass die Impfung frühestens im Alter von
(6 –) 9 Monaten verabreicht werden kann.
In Krippen, die Säuglinge aufnehmen,
sind die Jüngsten also noch nicht gegen
3.1.2 Impfungen beim Personal
Die Krippenleitung überprüft bei Anstellung neuer Mitarbeiter (inklusive Praktikanten) den Impfstatus. Fehlende, gemäss
Schweizer Impfplan empfohlene Impfungen [4] müssen den Mitarbeitenden mitgeteilt und deren Nachholung überprüft
werden. Mitarbeiter, die sich nicht entsprechend der Empfehlung impfen lassen
wollen, müssen auf die Gefahren aufmerksam gemacht werden. Der Sachverhalt soll schriftlich festgehalten werden.
3.2 Vorgehen bei infektiösen
Erkrankungen
3.2.1 Ausschluss aus der Krippe
• Hochfebrile Kinder mit respiratorischen Beschwerden und/oder einem
Exanthem sowie Kinder mit Gastroenteritis (Erbrechen und/oder Durchfall)
sollen zu Hause bleiben. Die Kleinkinder-Erzieherin kann bei den aufge-
Tabelle 1 Hygiene- und Infektionsschutz in Kinderkrippen von Spitälern
Basishygiene
Maximale Kapazität von Säuglingen und Kleinkindern
(abhängig von Raumgrösse und Anzahl der Betreuungspersonen)
Anforderungen an Räume und Ausstattung (Toiletten, Wickeltische,
Waschgelegenheiten für Kinder und Personal; Abwaschbarkeit von
Oberflächen und Mobiliar)
Reinigung und Desinfektion der Räumlichkeiten und des Inventars
(Matratzen, Decken, Spielsachen etc.)
Händehygiene von Personal und Kindern
Umgang mit Lebensmitteln
Infektionsschutz
Impfungen der Kinder gemäss «Schweizer Impfplan» überprüfen
Vorgehen bei infektiösen Erkrankungen, Meldepflicht
Wiederzulassung zur Krippe bei infektiösen Erkrankungen
Überprüfung und Vervollständigung der Impfungen des Personals
Sondermassnahmen
Gehäuftes Auftreten (Ausbrüche) von Infektionskrankheiten
2. Schriftliche Hygiene- und
Infektionsschutz-Richtlinien
Jede Kinderkrippe sollte schriftliches
Hygiene- und Infektionsschutz-Richtlinien
besitzen, wie sie zum Beispiel im deutschen
MMR geschützt, obwohl sie im Fall einer
Erkrankung am meisten gefährdet sind.
Hier verleiht nur die Herdenimmunität,
d.h. indirekter Schutz durch adäquate
Impfungen beim Personal und bei den
Kindern, die bereits (6 –) 9 Monate oder
älter sind, in der Krippe wirksamen
Schutz [5]. Zudem besteht das Risiko einer
Übertragung auf die Eltern und eine Einschleppung ins Spital: rund 5 –10% des
Spitalpersonals sind gegen der mit der
MMR bekämpften Virusinfektionen nicht
immun [6].
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führten Beschwerden bzw. Symptomen
den Besuch des Kindes in der Kindertagesstätte ablehnen
• Falls das Kind während des Aufenthalts in der Krippe erkrankt, sollen
die Eltern informiert und das Kind
gleichentags baldmöglichst von der
Krippe abgeholt werden.
• Hochfebrile Kinder mit respiratorischen Beschwerden und/oder einem
Exanthem sind dem Kinderarzt vorzustellen, damit das Übertragungsrisiko
innerhalb der Krippe abgeschätzt und
die Dauer des Ausschlusses vom Krippenbesuch festgelegt werden kann
(siehe unten).
3.2.2 Vorgehen bei spezifischen hochansteckenden Infektionskrankheiten
Die Vereinigung der Kantonsärztinnen
und Kantonsärzte der Schweiz (VKS) hat
im Dezember 2005 eine umfassende Liste
für den Schul-, Kindergarten, Tagesstätten oder Krippenausschluss publiziert [7].
In Anwendung dieser Richtlinien darf das
Kind die Krippe des Spitals nicht besuchen, wenn der Kinderarzt eine der folgenden infektiösen Erkrankungen diagnostiziert:
• Akute Gastroenteritis
(unabhängig vom Infektionserreger):
bis asymptomatisch
• Salmonellen- und Shigelleninfektionen:
Ausschluss bis asymptomatisch
• Keuchhusten: bis 6. Tag nach Beginn
der antibiotischen Therapie
• Streptokokken-A-Angina, Scharlach
oder andere Infektionen durch Streptococcus pyogenes: bis 24 Stunden nach
Beginn der antibiotischen Therapie
• Impetigo contagiosa (ansteckende
Borkenflechte) sowie Furunkulose:
bis 24 Stunden nach Beginn der
antibiotischen Therapie
• Meningokokken-Erkrankungen (invasive): Ausschluss, Prophylaxe bei engen
Kontaktpersonen in Absprache mit
behandelnden Arzt bzw. Kantonsarzt
• Windpocken (Varizellen): nur bei
schlechtem Allgemeinzustand. Kinder
mit Immunschwäche müssen sofort
ausgeschlossen und deren Eltern informiert werden. [7]. Die Krippenleitung
kann ein grundsätzlich strengeres
Vorgehen festlegen (z.B. Ausschluss
bis alle Läsionen verkrustet sind, falls
z.B. immunsupprimierte Kinder oder
deren Eltern in der Krippe sind), soll
ein solches aber vor Krippenaufnahme
klar kommunizieren.
• Masern: bis 5 Tage nach Exanthembeginn. Bei Masern-Erkrankung müssen sowohl die Expositionsquelle als
auch enge Kontaktpersonen eruiert
werden [8]: Postexpositionelle Imp-
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fung von nicht oder unvollständig
geimpften Personen bis 72 Stunden
nach Kontakt; passive Immunisierung
von Risikopersonen mit Kontraindikationen für aktive Impfung (z.B. Kinder
< 6 Monate, wenn Masern IgG negativ) innert 6 Tage nach Kontakt. Ausschluss ungeimpfter Personen (Kinder
und Personal), die nicht innert 72 Std.
geimpft werden konnten.
• Hepatitis A. Ausschluss nur, wenn
Personal nicht immun
• Epidemische (Kerato)Konjunctivitis:
Ausschluss bis asymptomatisch
• Tinea corporis und/oder capitis:
Ausschluss bis Behandlungsbeginn
• Läuse (inkl. Nissenbefall) [9]:
Ausschluss bis Behandlungsbeginn
• Scabies (Krätze): Ausschluss bis
Behandlungsbeginn
Information: Voraussetzung für den
Schutz der Kinder in der Krippe vor hochansteckenden Krankheiten ist die rasche
und offene Weitergabe der Information.
Als erster Schritt ist dies die Weitergabe
der ärztlichen Information der Eltern des
erkrankten Kindes an die Krippenleitung.
Ebenso wichtig ist der 2. Schritt: wenn
Krippenausschlüsse aufgrund der unter
3.2.2 aufgezählten Infektionskrankheiten erfolgen ist es wichtig, dass die Krippenleitung die Eltern von Kindern mit
möglichem Kontakt zum erkrankten Kind
rasch informiert. Diese Information erlaubt es, weitere Erkrankungsfälle früh zu
erkennen und wenn nötig zu behandeln,
die Ausbreitung dieser Infektionen zu begrenzen und je nach dem besonders gefährdete Kinder (z.B. immungeschwächte
Kinder bei Varizellenkontakt zu schützen).
Meldepflicht: Der 3. wichtige Schritt betrifft den diagnostizierenden Arzt, der
angehalten ist, alle oben genannten
Krankheiten via Eltern der Krippe mitzuteilen. Er ist verpflichtet die meldepflichtigen Erkrankungen gemäss den Richtlinien des BAG [10] dem Kantonsarzt zu
melden. Meldepflichtig ist ebenfalls eine
Häufung von potentiell ansteckenden
Krankheiten [10]. Falls die Kinderkrippe
keinen zuständigen (Kinder)Arzt besitzt,
ist die Krippenleitung gemäss BAG verpflichtet, eine Häufung von folgenden
Erkrankungen dem Kantonsarzt zu melden:
• Gastrointestinale Erkrankungen
• Respiratorische Infektionen
• Lebensmittelübertragene
Erkrankungen
Meldeformulare unter
www.bag.admin.ch/infreporting/forms/
d//haeufung_2008_d.pdf
3.2.3 Wiederzulassung zur Krippe bei
infektiösen Erkrankungen
Die Wiederzulassung zur Kinderkrippe
kann erfolgen:
• Grundsätzlich sobald der Allgemeinzustand des Kindes das erlaubt und
die Symptome (wie Erbrechen/Durchfall, Husten, Fieber, Exanthem) abgeklungen sind.
• Bei Diagnose der unter 3.2.2 genannten ansteckenden Infektionskrankheiten: Wiederzulassung in Absprache
mit dem Kinderarzt.
왗
4. Literatur
[1] Rahmenhygieneplan in Deutschland: Rahmenhygieneplan gemäss § 36 Infektionsschutzgesetz für Kindereinrichtungen. Beispiel Bundesland Thüringen: www.thueringen.de/imperia/md/
content/tllv/medizinaluntersuchung/rhpl-kitathuerendfassung_13juli2007.pdf
[2] Guide des conduites à tenir en cas de maladie
transmissible dans une collectivité d’enfants.
Département de Santé, France. www.sante.gouv.
fr/htm/dossiers/maladie_enfant/sommaire.htm
[3] Schweizerisches Epidemiegesetz (Stand 2008,
Art. 21): www.admin.ch/ch/d/sr/8/818.101.de.pdf
[4] Bundesamt für Gesundheit, Eidgenössische
Kommission für Impffragen. Impfplan 2009. Bern,
2009. www.bag.admin.ch/themen/medizin/00682
/00684/02535/index.html?lang=de
[5] Bundesamt für Gesundheit Schweizerische
Kommission für Impffragen. Prävention von
Masern, Mumps und Röteln. Bern, 2003.
[6] Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln
beim Spitalpersonal. SwissNOSO 2001, Band 8,
Nr 2.
[7] Empfehlungen für den Schul-, Kindergarten-,
Tagesstätten- oder Krippen-Ausschluss bei
übertragbaren Krankheiten. Ausgearbeitet und
genehmigt von der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte der Schweiz
(VKS). Dezember 2005 www.gdk-cds.ch/file
admin/vks/Arbeitshilfen/empfehlung_schulausschluss2006_02.pdf
[8] Bundesamt für Gesundheit. Neu Welle der Masernepidemie Anfang 2009: Beschreibung und
Massnahmen. Bull BAG 2009: 27:484-491.
[9] Scabies und Pedikulosen: Epidemiologie, Management und Prävention. Swissnoso 1998, Band
5, Nr. 4.
[10] Bundesamt für Gesundheit: Informationen zur
Meldepflicht von Infektionskrankheiten. www.
bag.admin.ch/k_m_meldesystem/00733/02061/
index.html?lang=de
Der SHV und die Redaktion danken den Autorinnen und Autoren sowie dem Verein SwissNOSO
für den Nachdruck des Artikels. Erstmals erschienen in: Swissnoso Bulletin, 9. Mai 2010, Zürich.
www.swissnoso.ch
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SwissNOSO – Infektionsprävention
in Schweizer Spitälern
Prof. Dr. med. Christian Ruef
Facharzt FMH für Innere Medizin
und Infektionskrankheiten
Abteilung für Infektiologie und
Spitalhygiene
Institut für Allgemeine Innere
Medizin und Infektiologie
Klinik Hirslanden
Witellikerstrasse 40
CH-8032 Zürich
Tel. +41 (0)44 387 29 51
[email protected]
Bedeutung nosokomialer
Infektionen
Der Spitalaufenthalt ist für Patientinnen
und Patienten mit einem gewissen Risiko
verbunden, eine Infektion zu erwerben.
Eine solche wird als nosokomiale Infektion
bezeichnet und kann sich ungünstig auf
den Heilungsverlauf auswirken, kann unter
Umständen schwerwiegende Konsequenzen wie die Verlängerung des Spitalaufenthaltes, längerdauernde antibiotische Therapien, erneute Operationen oder sogar den
Tod zur Folge haben.
Je nach Art und Grösse des Spitals tritt
bei jedem zwanzigsten bis zu jedem zehnten Patient eine nosokomiale Infektion auf.
Die wichtigsten und häufigsten Infektionen sind Harnwegsinfektionen, postoperative Wundinfektionen, Infektionen der
unteren Atemwege sowie die Bakteriämie,
ausgehend von infizierten Venenkathetern. Die Prävention dieser Infektionen
gehört deshalb zu den zentralen Aufgaben
jedes Spitals. Im Laufe der vergangenen
20 Jahre stellten daher zahlreiche Spitäler
Ressourcen zur Verfügung, um die Mitarbeitenden bei der Umsetzung spitalhygienischer Massnahmen zu unterstützen. Zu
diesem Zweck wurde auch die Ausbildung
von Pflegefachpersonen zu Beraterinnen
und Beratern für Spitalhygiene auf nationaler Ebene durch den Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) in Zusammenarbeit mit
der Schweizerischen Gesellschaft für Spitalhygiene (SGSH) und anderen Organisationen gefördert.
SwissNOSO als nationaler
«Motor» der Infektionsprävention in den Spitälern
Bereits im Jahr 1994 erkannte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Notwendigkeit, Anfragen aus Spitälern und
von den Kantonen zu spitalhygienischen
Themen durch Fachleute beantworten zu
lassen. Zu diesem Zweck wurde auf Initiative des BAG die Gruppe SwissNOSO gegründet, die sich später als Verein konstituierte. Anfangs bestand SwissNOSO
aus den Leitern der Abteilungen für Spitalhygiene an den Universitätsspitälern.
Später wurde die Gruppe durch die Vertreter der Spitalverbände des Tessins und
des Wallis erweitert.
Der ursprüngliche Auftrag für SwissNOSO
bestand darin, Artikel und Empfehlungen
zu praxisrelevanten spitalhygienischen
Themen im SwissNOSO-Bulletin zu veröffentlichen. Diesen Auftrag erfüllt Swiss
NOSO nach wie vor, auch wenn seither
andere wichtige Aufgaben hinzugekommen sind.
Häufigkeit nosokomialer
Infektionen in der Schweiz
Im Jahr 1996 führte SwissNOSO die erste
Messung nosokomialer Infektionen an
vier Universitätsspitälern durch. Es handelte
sich um eine so genannte Prävalenzmessung, bei der an einem Stichtag der Prozentanteil der Patienten und Patientinnen
mit einer nosokomialen Infektion ermittelt
werden. Im Jahr 1999 fand die zweite Erhebung statt, an der sich bereits 18 Spitäler beteiligten. Dieses Projekt entwickelte
sich in den folgenden Jahren unter der
Abkürzung snip (Swiss Nosocomial Infections Prevalence) stetig weiter, sodass im
Jahr 2002 mehr als 50 Spitäler teilnahmen. Parallel dazu wurde SwissNOSO
auch auf dem Gebiet der Antibiotikaresistenz aktiv und führte zum Beispiel eine
epidemiologische Studie über die Häufigkeit und Verteilung von Methizillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) in
Schweizer Spitälern durch. Die Umsetzung der Empfehlungen zur hygienischen
Händedesinfektion wurde im Rahmen einer
nationalen Händehygiene-Kampagne durch
SwissNOSO zuerst gemessen, dann durch
koordinierte Schulungsmassnahmen in den
Spitälern gefördert.
Seit Juni 2009 führt SwissNOSO die systematische Messung der Inzidenz (Häufigkeit) postoperativer Wundinfektionen
durch. Diese Infektionserfassung, die im
Auftrag des Vereins für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) erfolgt, basiert auf einem Modell, das im
Wallis bereits seit Jahren erfolgreich im
Einsatz ist. Seit 2011 haben sich die
Spitäler, die vorher noch dem WalliserSystem angeschlossen waren, auch der
SwissNOSO-Messung angeschlossen, sodass die Infektionserfassung tatsächlich
als national flächendeckend bezeichnet
werden kann. Die Liste der erfassten chirurgischen Eingriffe umfasst neben viszeralchirurgischen, orthopädischen und herzchirurgischen Eingriffen auch die Sectio
caesarea. Die Methodik der Infektionserfassung durch SwissNOSO zeichnet sich
im Vergleich mit Erfassungssystemen in
anderen Ländern dadurch aus, dass Infektionen, die bei Patienten erst nach Spitalentlassung auftreten, ebenfalls registriert
werden. Die durchgeführten telefonischen Nachkontrollen ermöglichen eine
viel zuverlässigere Aussage über die Häufigkeit solcher Infektionen als eine auf den
oft relativ kurzen Spitalaufenthalt beschränkte Erfassung. Die Resultate der
Messungen sind zurzeit noch nicht öffentlich zugänglich, sondern dienen den teilnehmenden Spitälern als Basisinformation
für die Standortbestimmung im anonymisierten Quervergleich und als Basis für allfällige Verbesserungsmassnahmen.
Die Zukunft beinhaltet sowohl die Fortsetzung der Publikation von Empfehlungen und Richtlinien im SwissNOSO-Bulletin als auch die Weiterentwicklung der
Infektionserfassung in anderen Themenbereichen. Gleichzeitig stehen die Mitglieder von SwissNOSO dem BAG und
anderen Behörden bei Bedarf mit Rat und
Tat bei der Bewältigung von akut auftretenden epidemiologischen Problemen wie
zum Beispiel der Grippepandemie zur Verfügung. SwissNOSO trägt mit ihren Aktivitäten somit seit Jahren und auch zukünftig wesentlich zur stetigen Verbesserung
der Sicherheit für Patientinnen und Pati왗
enten in Schweizer Spitälern bei.
Weitere Informationen unter:
Verein Swissnoso
www.swissnoso.ch
Nationaler Verein für Qualitätsentwicklung
in Spitälern und Kliniken (ANQ)
www.anq.ch
Nationale Qualitätserhebung zu den Infektionsraten in den Schweizer Spitälern 2010
www.anq.ch > medien > archiv
Hebamme.ch
Sage-femme.ch
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8:44 Uhr
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Mosaik
Der besondere Saft
Wie die Zellen unseres Blutes reifen – und sterben.
Die Reifung unserer verschiedenen Blutzellen wird nicht nur von deren Genen, sondern auch von anderen Zellen und
vom Zufall bestimmt, wobei jeder Reifungsschritt die Möglichkeiten der weiteren Entwicklung einengt. – Der Schicksalsweg einer Blutzelle gleicht so in vielem dem eines Menschen.
Gottfried Schatz
«Blut ist ein ganz besondrer Saft»,
mahnt Mephistopheles den übermütigen
Faust, der den Wert seiner in Blut geleisteten Unterschrift verspottet. Blut gilt seit
Urgedenken als Symbol des Lebens. Es
versorgt unseren Körper mit Nahrung
und Sauerstoff, schützt ihn vor bedrohlichen Eindringlingen und durchspült ihn
mit Hormonen und anderen Wirkstoffen,
die den Gleichklang der Zellen regeln.
Unser Blut ist jedoch eher ein Symbol
des Todes. Die 25 000 Milliarden roten
Blutkörperchen, die in ihm treiben, sind
abgestorbene Zellen, die ihr Erbmaterial
und fast alle Zellorgane verloren haben.
Dennoch tragen sie etwa 120 Tage lang
unermüdlich Sauerstoff aus der Lunge in
die Gewebe, bis Fresszellen in der Milz
oder der Leber sie verschlingen. Etwa 200
Milliarden von ihnen fallen täglich diesem
Massaker zum Opfer. Und unsere 1500
Milliarden Blutplättchen sind nichts weiter als leblose, von Spenderzellen abgeschnürte Bläschen, welche die Gerinnung
des Blutes in Wunden einleiten.
Ein Mikrokosmos
Dennoch trägt Blut auch Leben. Die 50
Milliarden weissen Blutkörperchen – die
Leukozyten – sind lebendige, vollwertige
Zellen. Sie verteidigen uns gegen Infektionen und bilden eine weit verzweigte
Familie, deren Mitglieder unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen. Viele von
ihnen entweichen sogar dem Blutkreislauf, um auch in den Geweben oder der
Lymphe ihres Wächteramtes zu walten.
Dennoch sind auch Leukozyten Symbole
des Todes: Um bei Gefahren als schnell
abrufbare Reserve bereit zu sein, warten
unzählige von ihnen untätig im Knochenmark und begehen schliesslich dort
Selbstmord, ohne je eine Wirkung entfaltet zu haben. Wieder andere weisse
Blutzellen töten sich, wenn der Thymus
erkennt, dass ihr immunologisches Geschütz sich gegen uns selbst richten
könnte.
So sind die fünf Liter unseres Blutes ein
Mikrokosmos, in dem sich Leben und Tod
helfend die Hände reichen – und der uns
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beispielhaft zeigt, wie eine befruchtete
Eizelle die über 200 verschiedenen Zelltypen unseres Körpers bilden kann. Alle
die lebenden und abgestorbenen Blutkörperchen leiten sich nämlich von einer
einzigen Zellart ab, die im Knochenmark
mit ihres gleichen winzige Gemeinschaften bildet. Diese blutbildenden «Stammzellen» machen zwar nur ein Zehntausendstel aller Knochenmarkzellen aus,
doch eine einzige von ihnen kann einer
todgeweihten Maus, deren Knochenmark durch Bestrahlung zerstört wurde,
neues Blut und damit das Leben schenken.
Geheimnisvolles Netz
Diese wundersamen Stammzellen sichern ihren Fortbestand, indem sie sich
in zwei gleiche Tochterzellen teilen. Weit
häufiger jedoch bilden sie zwei verschiedene Tochterzellen: eine neue Stammzelle und eine «Progenitorzelle», deren
Nachkommen sich dann schnell vermehren und zu Blutzellen reifen. Je «unreifer»
eine solche Progenitorzelle ist, desto
grösser ist die Vielfalt der Blutzellen, die
sie hervorbringen kann. Anfangs umfasst
diese Vielfalt fast alle Blutzellen, engt sich
dann aber mitzunehmendem Reifungsgrad auf weisse oder rote Blutzellen ein,
um sich schliesslich auf einen einzigen
voll ausgereiften Zelltyp zu beschränken.
Ein geheimnisvolles Netz von ProteinBotenstoffen entscheidet, ob und wie
sich eine Stammzelle teilt und welchen
Reifungsweg eine Progenitorzelle einschlägt. Diese Botenstoffe kreisen entweder als Hormone im Blutstrom oder warten an der Oberfläche von Helferzellen.
Wenn sie sich an eine Stamm- oder Progenitorzelle binden, schalten sie in ihr bestimmte Gene an oder ab und bestimmen so das weitere Schicksal der Zelle.
Die Konzentration dieser Protein-Botenstoffe im Blut ist so verschwindend gering, dass lange Zeit ein dichter Schleier
sie verhüllte. Erst die Molekularbiologie
vermochte diesen Schleier in jahrelanger
mühevoller Arbeit zu lüften, so dass wir
heute viele dieser Proteine in reiner Form
und ausreichender Menge herstellen
können.
Das Hormon Erythropoetin – kurz EPO
genannt – ist das bekannteste unter
ihnen. Es fördert die Umwandlung unreifer Blutzellen, die noch keinen roten Blutfarbstoff besitzen, in funktionstüchtige
rote Blutkörperchen – und ist deshalb auch
als Dopingmittel berüchtigt. Ein anderes,
medizinisch eingesetztes Hormon, das
Filgrastim, beschleunigt die Reifung weisser Blutzellen, die uns vor Infektionen
schützen. Mit diesen hochwirksamen und
äusserst spezifischen Wundermitteln hat
die moderne Gentechnik unzähligen Menschen das Leben gerettet.
So verschieden unsere weissen Blutzellen auch sind – sie haben eines gemeinsam: Sie töten sich selber, wenn ihnen die
richtigen Hormone oder der direkte Kontakt mit den richtigen Helferzellen fehlen.
Das in ihnen schlummernde Selbstmordprogramm ist fast ebenso fein gewirkt
und genau gesteuert wie das, welches
das Wachstum der Zelle regelt. Gleiches
gilt auch für die (noch) lebendigen Vorstufen der roten Blutkörperchen. Mit zunehmender Reife verengt sich der Aufgabenbereich einer Blutzelle und zwingt
ihr meist auch eine streng begrenzte
Lebensspanne auf.
Die Evolution hat vielzellige Lebewesen
gelehrt, dass Wachstum die Gefahr von
Mutationen herauf beschwört, die das
delikate Zusammenspiel der verschieden
Zelltypen bedrohen. In Stammzellen, den
Urmüttern aller Blutzellen, wären solche
Mutationen besonders fatal, könnten sie
doch alle Blutzellen schädigen. Stammzellen teilen sich deshalb nur selten und
behalten bei einer asymmetrischen Zellteilung auf noch rätselhafte Weise die
Originalstränge des Erbmaterials DNS für
sich zurück. So schützen sie sich vor
Kopierfehlern, die zu vorzeitigem Altern
oder Krebs führen könnten. Die massive
Zellvermehrung für den Ersatz abgestorbener Blutzellen überlassen sie den Progenitorzellen, deren begrenztes Leben
die langfristigen Schäden von Kopierfehlern verringert.
Ein gesunder Körper regelt die Reifung
der verschiedenen Blutzell-Populationen
mit hoher Präzision, doch das Schicksal
einer einzelnen Zelle ist weitgehend dem
Zufall überlassen. Wenn sich eine unreife
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Progenitorzelle in zwei gleiche Tochterzellen teilt, wählen diese oft unterschiedliche Reifungswege, auch wenn sie den
gleichen Bedingungen ausgesetzt sind.
Solche Zufallsereignisse spielen bei der
Entwicklung von Lebewesen eine bedeutende Rolle und erlauben es der Natur,
die in Genen gespeicherte Erbinformation flexibel zu interpretieren. Bei der Entwicklung grosser Zellpopulationen verschleiert das Gesetz der grossen Zahl diese
individuellen Zufallsschwankungen. Hormone wie Erythropoetin, welche die Reifung von Blutzellen steuern, beeinflussen
lediglich die Wahrscheinlichkeit, mit der
eine reifende Progenitorzelle den einen
oder anderen Reifungsweg wählt. Das
Schicksal einer Blutzelle wird somit nicht
nur von ihren Genen, sondern auch von
ihrer Wechselwirkung mit anderen Zellen
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sowie vom Zufall bestimmt. Und dieses
Schicksal kann, wie uns die unermüdlich
arbeitenden leblosen roten Blutzellen zeigen, selbst den Tod überdauern.
Schicksalsweg
Auch unsere Hautzellen zeigen dies auf
eindrückliche Weise. Die äusserste Schicht
unserer Haut – die Epidermis – besteht
aus abgestorbenen Zellen, deren Proteinpanzer uns vor Verletzungen und Austrocknung schützt. Auch diese Zellen reifen aus Stammzellen, töten sich zur rechten Zeit, erfüllen dann ihre Aufgabe weit
über den Tod hinaus und schuppen
schliesslich von uns ab, um neuen Zellen
Platz zu machen und als Haushaltsstaub
zu enden. Wir bewundern die Häutung
einer Schlange – doch wir selbst erneu-
ern die Epidermis im Verlauf unseres
Lebens mindestens eintausendmal.
Der Schicksalsweg einer Blutzelle erinnert an den eines Menschen. Auch unser
Leben wird vom Wechselspiel zwischen
Genen, Umfeld und Zufall geprägt; auch
bei uns verringert jeder Reifungsschritt die
Vielfalt der noch möglichen Lebenswege;
und viele grosse Menschen haben bewiesen, dass auch bei uns der Tod nicht immer
das Ende eines Schicksals ist.
왗
Erschienen in der «Neuen Zürcher Zeitung» am
30.9.2011. Mit freundlicher Genehmigung der
«Neuen Zürcher Zeitung» und Prof. Gottfried Schatz.
Der Biochemiker Gottfried Schatz ist emeritierter Professor der Universität Basel. Die erste Staffel seiner in
loser Folge erscheinenden Essays zu Lebensfragen,
die die Wissenschaftsdisziplinen überschreiten, ist bei
NZZ-Libro als Buch erhältlich: «Jenseits der Gene».
Büchertipp
Lenny Maietta, Frank Hatch
Kinaesthetics – Infant Handling
2004, 165 S., 126 farbige Abb., 1 Tab.,
CHF 52.50
Verlag Hans Huber Bern
Kinästetik ist die Kombination der beiden
griechischen Wörter «Kinesis» (Bewegung)
und «aesthetics» (Wahrnehmung). Der Begriff wurde 1972 von Dr. Frank Hatch an
der University of California für seine Arbeiten kreiert, bei denen er untersuchte, wie
sich Menschen bewegen und wie sich die
Bewegung auf die Entwicklung von Menschen (geistig, gesundheitlich, sozial) auswirkt. Diese Arbeiten, bei denen erstmals
zwischen
– intensiver Bewegung
– Bewegungsfähigkeit
– Bewegungskompetenz
unterschieden wurde, bilden die Grundlage
für all jene Entwicklungen, die von Dr. Frank
Hatch und der Child-Development- Forscherin Dr. Lenny Maietta unter dem Begriff «Kinaesthetics» gemacht wurden.
Dieses Buch soll Eltern, Betreuern und Profis helfen, Bewegungen zu verstehen, die mit
Aktivitäten verbunden sind,
welche Kinder erlernen müssen. Es ist in vier Teile gegliedert:
1. Wie entstehen Bewegungsfähigkeiten?
2. Ihre Vorstellung über die kindliche
Entwicklung.
3. Gesundheit, Entwicklung und Lernen
und
4. Das Kinaesthetics Infant HandlingProgramm.
Viele Bilder illustrieren das Buch, um den
Leser zum Nachahmen der verschiedenen
Übungen anzuleiten und sie zu
erklären.
Das Kinaethetics Handling Programm zeigt an vielen Bildbeispielen, wie das Kind vom Neugeborenen bis zum Kleinkind
selbständige Bewegungen erlernt. Dem Buch sind zum Lernen der Erwachsenen Arbeitsblätter und Kurzzusammenfassungen beigefügt. Ich habe in
den Illustrationen und Beschreibungen
viele Bewegungsabläufe erkannt, die ich
automatisch mit meinen Kindern ausgeübt
habe, andere habe ich dazugelernt. Ich
würde das Buch Eltern empfehlen, die ihre
Kinder maximal fördern möchten.
Barbara Jeanrichard,
Hebamme
Hebamme.ch
Sage-femme.ch
1/2012
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27.12.2011
8:12 Uhr
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PR-WERBUNG
Master-Studium und Lehrgang
für Hebammen an der fh gesundheit
fh gesundheit
wir bilden die zukunft
Um eine qualitätsvolle Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeit
für die Berufsgruppe der Hebammen zu gewährleisten, starten im
Oktober 2012 an der fh gesundheit die Lehrgänge «Master of Science
in Advanced Practice Midwifery» und «Akademische Hebamme für
Perinatales Management».
Die Geburtshilfe verändert sich
in den Ansprüchen, den Erwartungen und in der Umsetzung.
Es liegt in unserer Verantwortung als Hebammen, die Geburtshilfe mitzugestalten. Unser
Ziel soll sein, die Geburtshilfe mit
unserem Hebammenwissen zu
erfüllen und zu bereichern.
Der Master-Lehrgang stellt eine
Weiterbildung auf hohem Niveau dar. Die Inhalte beziehen
sich auf die neuesten Erkenntnisse im geburtshilflichen Raum
und werden aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet.
Das Besondere in diesem sehr
Praxis bezogenen Master-Studiengang stellt die Kombination
von geburtshilflichen und psychosozialen Themen wie Migration
und Ethnizität, Psychosomatik in
der Geburtshilfe oder Trauma
und Stresspsychologie dar. Darüber hinaus werden sozialkommunikative Ansätze bis hin zu
den wissenschaftlichen Kompetenzen vermittelt. Es stellt einen
Transfer zwischen Praxis und
Wissenschaft mit dem Schwerpunkt Hebammenforschung dar.
Mit dem Lehrgang zur Weiterbil-
dung «Akademische Hebamme
für Perinatales Management» im
Ausmass von drei Semestern
werden aktuellste Wissensinhalte und Erkenntnisse in Theorie
und Praxis vermittelt. Ziel ist die
Vertiefung von geburtshilflichmedizinischen Inhalten sowie
der fachlich-methodischen Kompetenzen.
Beide Lehrgänge können unabhängig voneinander oder ergänzend absolviert werden. Bei einer
Aufschulung vom Lehrgang «perinatales Management» zum
«Master of Science in Advanced
Practice Midwifery» muss mit
einer weiteren Studiendauer von
zwei Semestern gerechnet werden.
Für Rückfragen wenden Sie sich
bitte an:
Mag. Claudia Potocnik
Tel. +43(0)50/8648-4705
Fax +43(0)50/8648-674705
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27.12.2011
7:35 Uhr
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Schweizerischer Hebammenverband SHV / Fédération suisse des sages-femmes FSSF / Federazione svizzera delle levatrici FSL / Federaziun svizra da las spendreras FSS
SHV/FSSF
Präsidentin/Présidente
Liliane Maury Pasquier, SHV,
Rosenweg 25 C, Postfach,
CH-3000 Bern 23
V e r b a n d s n a c h r i c h t e n /N o u v e l l e s d e l a F é d é r a t i o n
S e k t i o n e n /S e c t i o n s
Aargau-Solothurn
Priska Meier-Steffen, Ausserrainstr. 22,
4703 Kestenholz, Tel. 062 396 17 28
[email protected]
Daniela Freiermuth-Hari,
Solothurnerstr. 53, 4702 Oensingen,
Tel. 078 625 54 43
[email protected]
Bas-Valais
Daniela Sintado, Rue de Lausanne 24,
1950 Sion, tél. 079 471 41 60
[email protected]
Beide Basel (BL/BS)
Sandra Aeby, Hechtweg 31,
4052 Basel, Tel. 061 693 31 71
[email protected]
Regina Burkhardt, Ostenbergstr. 3,
4410 Liestal, Tel. 061 322 33 64
[email protected]
Bern
Marianne Haueter, Gotthelfstr. 14,
3013 Bern, Tel. 031 333 58 73
[email protected]
Fribourg
Daniela Vetter, Rte des Muguets 3,
1484 Aumont, tél. 026 660 12 34
[email protected]
Genève
Béatrice Van der Schueren,
13, chemin du Signal, 1233 Bernex
tél. 022 757 29 10, 079 328 86 77
[email protected] ou
[email protected]
Oberwallis
Ruth Karlen, Mühlackerstr. 26a,
3930 Visp, Tel. 027 945 15 56
[email protected]
Priska Andenmatten, Weingartenweg 4,
3930 Visp, Tel. 027 946 29 88
[email protected]
Ostschweiz
(SG/TG/AR/AI/GR)
Madeleine Grüninger, Weidenhofstr. 3,
9323 Steinach, Tel. 071 440 18 88,
079 238 40 78
[email protected]
Schwyz
Christine Fässler-Kamm, Chappelihof 26,
8863 Buttikon, Tel. 055 445 21 54,
079 733 18 48
[email protected]
Marie-Gabrielle von Weber, Urenmatt,
6432 Rickenbach, Tel. 041 811 13 26,
079 516 08 59
[email protected]
Ticino
Federazione Svizzera delle Levatrici
Sezione Ticino c/o Claudia Berta,
6746 Lavorgo
[email protected]
Vaud-Neuchâtel-Jura (VD/NE/JU)
Fabienne Rime, Route du Martoret 5,
1870 Monthey, tél. 079 654 64 71
[email protected]
Zentralschweiz
(LU/NW/OW/UR/ZG)
Esther Waser-Christen, Melchtalerstr. 31,
Postfach 438, 6064 Kern
Tel. 041 661 09 93
[email protected]
Susanne Leu, Untere Gründlistrasse 20,
6055 Alpnach, Tel. 071 440 25 14
[email protected]
Zürich und Umgebung (ZH/GL/SH)
Claudia Putscher, Tösstalstr. 10,
8492 Wila, Tel. 052 385 55 67
[email protected]
Nancy Bellwald-Pedegai, Katharina Sulzer,
Platz 10, 8400 Winterthur
Tel. 052 203 26 11
[email protected]
Statistik der frei praktizierenden Hebammen fpH
Wie bereits angekündigt, ist die
Entwicklung eines Onlineportals
für die Erfassung der SHV-Statistik der fpH erfolgreich realisiert
worden. Ab 1. Februar 2012
sind die Daten 2012 ausschliesslich auf dieser Plattform zu erfassen. Genauere Informatio-
nen und Instruktionen erhalten
die fpH zusammen mit der Mitgliederbeitragsrechnung im Januar 2012. In der Ausgabe 2/12
der Hebamme.ch erfolgt zudem
ein ausführlicher Bericht.
Bei der Erfassung der Daten
2011 ändert sich nichts: Sie ge-
ben diese wie gewohnt ein und
schicken sie bis spätestens Ende
Januar 2012 an die Sektionsverantwortliche.
SHV-Geschäftsstelle
Statistiques des sages-femmes indépendantes (sfi)
Comme cela a déjà été annoncé,
le développement d’un portail en
ligne pour la saisie des statistiques des sfi a été réalisé avec
succès. Dès le 1er février 2012, il
faudra saisir les données 2012
exclusivement sur cette plateforme. Les sfi recevront des in-
formations et des instructions
plus précises avec la facture pour
la cotisation de membre en janvier 2012. En outre, un rapport
complet paraîtra dans l’édition
2/12 de sage-femme.ch.
Pour la saisie des données 2011,
il n’y a pas de changement: vous
devez les saisir comme d’habitude et les envoyer jusqu’à fin
janvier 2012 au plus tard à la responsable de section.
Secrétariat central FSSF
Die Kriseninterventionsstelle des
Schweizerischen Hebammenverbandes (SHV)
Die Kriseninterventionsstelle ist
eine neue SHV-Dienstleistung.
Sie steht ab Anfang 2012 all jenen Mitgliedern zur Verfügung,
die in ihrem Berufsalltag ein
kritisches Ereignis erleben1. Die
Kriseninterventionsstelle besteht
aus folgenden Elementen:
1. Krisenkonzept
Das Krisenkonzept zeigt auf,
welche Massnahmen im Krisenfall ergriffen werden können,
um die Folgen so gering wie
möglich zu halten. Es vermittelt
den Betroffenen Handlungssicherheit.
2. Notfallpsychologische
Betreuung
Die notfallpsychologische Betreuung der betroffenen Hebamme wird während 365 Tagen
im Jahr durch Krisenintervention Schweiz2 sichergestellt. Die
Kosten für die ersten vier Betreuungsstunden werden vom
SHV übernommen, zusätzliche
Kosten muss das Mitglied selbst
bezahlen.
3. Verfahrensablauf
im Schadensfall
Das Dokument Verfahrensablauf im Schadensfall zeigt die
wichtigsten rechtlichen Aspekte
auf.
4. Notfallkarte
Die Notfallkarte enthält die wichtigsten Telefonnummern und gibt
in Form einer Checkliste vor, was
bei einem kritischen Ereignis zu
tun ist.
Die Dokumente der Kriseninterventionsstelle SHV sind unter
www.hebamme.ch, Bereich für
Mitglieder, Rubrik Dienstleistungen aufgeschaltet. Die Notfall-
karte wird allen Hebammen mit
dem Versand der Mitgliederbeitragsrechnung 2012 zugestellt.
In der Ausgabe 2/12 der Hebamme.ch werden zudem Ausschnitte aus dem Krisenkonzept
publiziert.
SHV-Geschäftsstelle
1
Kritisches Ereignis in der HebammengeburtshilfeEin kritisches Ereignis in der Hebammengeburtshilfe ist ein unerwünschtes Ereignis.
Dieses kann im Verlaufe einer Hebammenbetreuung, während der Schwangerschaft, der
Geburt, des Wochenbetts oder der Stillzeit
eintreten und zu Gesundheitsschädigungen
oder zum Tod der Frau und/oder des Kindes
führen. Rechtliche Auseinandersetzungen sind
in diesen Fällen die Regel.
2
Krisenintervention Schweiz ist eine gemeinnützige Stiftung, die 1989 gegründet wurde.
Sie bietet Unterstützung bei Krisensituationen
in Organisationen und bei Einzelpersonen,
www.krisen-intervention-schweiz.ch.
Hebamme.ch
Sage-femme.ch
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Innenteil_S23_31
27.12.2011
7:35 Uhr
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SHV/FSSF
V e r b a n d s n a c h r i c h t e n /N o u v e l l e s d e l a F é d é r a t i o n
La cellule de crise de la Fédération suisse des sages-femmes (FSSF)
Dès 2012, la cellule de crise – un
nouveau service de la FSSF – est
à la disposition de toutes les
membres qui sont confrontées à
la gestion d’un événement critique dans leur pratique professionnelle1. La cellule de crise est
constituée des éléments suivants:
1. Le concept de crise
Le concept de crise définit les
mesures à prendre en vue de
limiter au maximum les conséquences d’un événement critique, offrant ainsi une sécurité
d’action aux personnes concernées.
2. L’accompagnement
psychologique en situation
de crise
L’accompagnement psychologique des sages-femmes impliquées est assuré 365 jours par an
par Krisenintervention Schweiz4.
Les coûts des quatre premières
heures de soutien sont pris en
charge par la FSSF, les coûts additionnels par les membres.
3. La procédure en cas
de sinistre
Le document Procédure en cas
de sinistre contient les principaux aspects juridiques de la
gestion d’une crise.
4. La carte d’urgence
La carte d’urgence contient les
principaux numéros de téléphone d’urgence et indique aux
sages-femmes comment elles
doivent agir dans une situation
critique (check-list).
Les documents relatifs à la cellule de crise peuvent être téléchargés sur le site de la FSSF
www.sage-femme.ch, Domaine
pour les membres, rubrique Services. Les membres de la FSSF
recevront la carte d’urgence en
même temps que la facture
pour le renouvellement de leur
cotisation pour 2012. Par ail-
leurs, des extraits du concept de
crise seront publiés dans l’édition 2/12 du journal Sage-femme.ch.
Secrétariat général FSSF
1
2
L’événement critique dans la pratique obstétricale des sages-femmes. En obstétrique, un
événement critique est un événement qui survient de manière inopinée lors de soins dispensés par une sage-femme, pendant la grossesse, l’accouchement, le post-partum ou l’allaitement, et qui peut entraîner des lésions,
voire le décès de la femme et/ou de l’enfant.
Généralement, ces cas donnent lieu à une procédure juridique.
Krisenintervention Schweiz, fondation d’utilité
publique créée en 1989, met un accompagnement à la disposition des collectivités ou des
particuliers en cas de situations critiques,
www.krisen-intervention-schweiz.ch.
Der SHV unterstützt das Referendum gegen die
Managed-Care-Vorlage
Die Managed-Care-Vorlage –
mit der Förderung der integrierten Versorgung und einem neuen verfeinerten Risikoausgleich
– ist nach knapp sieben Jahren
Beratung am 30. September
2011 von den Eidgenössischen
Räten angenommen werden. Es
gibt zwei Gruppierungen, welche das Referendum gegen die
Managed-Care-Vorlage lanciert
haben: Die Verbindung der
Schweizer Ärztinnen und Ärzte
(FMH) wehrt sich gegen den
Verlust der freien Arztwahl, den
Managed-Care-Zwang und die
Marktverzerrung bzw. den Qualitätsverlust. Der Verband des
Personals öffentlicher Dienste
(VPOD) und der Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO)
stören sich daran, dass die medizinische Behandlung teurer
wird, dass die freie Arztwahl nur
noch für Gutverdiener möglich
ist, über die hohen Austrittsprämien bei den Managed-Care-
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Hebamme.ch
1/2012
Sage-femme.ch
Netzwerken, über die falschen
Anreize und über das Kassendiktat bei der Wahl der Managed-Care-Netzwerke.
In Bezug auf die Managed-CareVorlage haben wir Hebammen
noch ein ganz anderes Interesse: Es ist die Befreiung der Kostenbeteiligung auf allen Leistungen bei Schwangerschaft
und Mutterschaft, welche in
die Managed-Care-Vorlage integriert ist. Das ist sowohl ein
altes als auch wichtiges Anliegen des SHV. Und trotzdem hat
der SHV-Zentralvorstand entschieden, das lancierte Referendum gegen die Managed-CareVorlage zu unterstützen. Der
SHV findet es aus gesundheitsund sozialpolitischer Sicht als
stossend, dass diejenigen Personen, die einem Managed-CareNetzwerk nicht beitreten mehr
bezahlen müssen und dass nicht
diejenigen, die beitreten, weniger bezahlen. So muss für die
gleiche Leistung zukünftig mehr
bezahlt werden. Dies ist aus
Sicht des SHV inakzeptabel,
denn die Schweizerinnen und
Schweizer bezahlen im internationalen Vergleich für die Gesundheitsversorgung
heute
schon am meisten aus der eigenen Tasche. Zudem belastet dies
einmal mehr Personen mit kleinen Einkommen und Familien.
Die Referendumsfrist läuft bis
am 19. Januar 2012
Damit das Referendum zustande kommt, müssen 50 000
Unterschriften eingereicht werden. Auf der Website www.
nein-zur-mogelpackung.ch
können zwei verschiedene
Unterschriftenbogen heruntergeladen werden. Der SHV ruft
seine Mitglieder auf, die ausgefüllten Unterschriftenbogen bis
spätestens am 10. Januar 2012
an die aufgeführte Adresse abzuschicken damit für die Be-
glaubigung der Unterschriften
ausreichend Zeit bleibt.
Der SHV wird sich bei der Ablehnung der Managed-CareVorlage dafür einsetzen, dass
die Kostenbefreiung auf allen
Leistungen der Schwangerschaft und Mutterschaft so
schnell wie möglich wieder im
Parlament behandelt wird.
SHV-Zentralvorstand
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SHV/FSSF
V e r b a n d s n a c h r i c h t e n /N o u v e l l e s d e l a F é d é r a t i o n
La FSSF soutient le référendum contre le projet de loi
de managed care
Le 30 septembre 2011, après
sept ans de discussions, le projet
de réseaux de soins intégrés
(managed care), comprenant
l’affinement de la compensation des risques, a été adopté en
votation finale par le Parlement.
Deux groupements ont alors
lancé un référendum contre le
projet de loi en question. D’une
part, la Fédération des médecins
suisses (FMH) s’oppose à la perte du libre choix du médecin, à
la contrainte du managed care
ainsi qu’aux distorsions du marché et à la baisse de la qualité.
De leur côté, le Syndicat des
services publics (SSP) et l’Association suisse des médecinsassistant(e)s et chef(fe)s de clinique (ASMAC) désapprouvent
le fait que le traitement médical
devienne plus cher et que le
libre choix du médecin soit désormais réservé à ceux qui ga-
gnent bien leur vie; ils s’opposent en outre aux primes de sortie élevées des réseaux de soins,
aux fausses incitations et au dictat des caisses-maladie dans le
choix des réseaux de managed
care.
Dans ce projet de loi de managed care, il faut savoir que les
sages-femmes ont encore un
tout autre intérêt: la suppression de la participation aux frais
de toutes les prestations en cas
de grossesse et de maternité, laquelle est intégrée dans le projet de loi. Il s’agit là d’une revendication aussi ancienne qu’importante de la FSSF. Mais, malgré cela, le Comité central de la
FSSF a décidé d’apporter son
soutien au référendum lancé
contre le projet de loi sur le managed care. Du point de vue de
la politique sociale et sanitaire,
la FSSF trouve en effet choquant
que les personnes n’adhérant
pas à un réseau de soins doivent
payer davantage et que ce ne
soient pas les membres d’un tel
réseau qui paient moins. Avec
une telle solution, on payera
plus à l’avenir pour la même
prestation. Ce qui est inacceptable pour la FSSF, car, aujourd’hui déjà, ce sont les Suissesse-s qui, en comparaison internationale, paient le plus de leur
propre poche pour les soins de
santé. En outre, cela touche une
fois de plus les personnes à bas
revenu et les familles.
Le délai référendaire expire
le 19 janvier 2012
ger à choix deux feuilles de signatures différentes. La FSSF
demande à ses membres de renvoyer les feuilles de signatures
dûment remplies jusqu’au 10
janvier 2012 au plus tard à
l’adresse mentionnée, afin qu’il
reste suffisamment de temps
pour authentifier les signatures.
Tout en rejetant le projet de loi
de managed care, la FSSF s’engagera à obtenir que le Parlement traite à nouveau rapidement la question de la suppression de la participation aux frais
des prestations en cas de grossesse et de maternité.
Comité central FSSF
Pour qu’un référendum aboutisse, il faut récolter 50 000 signatures. Sur le site www.managedcare-non.ch, on peut téléchar-
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finden in Zürich beim Hauptbahnhof statt.
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speziell angefertigten, progressiven Feder
das vertraute Wiegen durch sein Strampeln
selbst zu erzeugen.
Dies hilft bei Blähungen, Kolik und Reflux,
regt Orientierungs- und Gleichgewichtssinn
an und stimuliert das Sprachzentrum.
Vor allem bei Schreibabys werden beruhigende
und schlaffördernde Ergebnisse erzielt.
Die runde Form der Liegefläche ist sehr
wichtig in den ersten Lebensmonaten.
Wenn sich der Rücken runden kann
kippt das Becken leicht nach vorn.
Dies unterstützt die gesunde
Entwicklung der Hüftgelenke.
Gleichzeitig wird das Gewicht
des Kopfes besser verteilt, was
einer Abflachung des Hinterkopfes
vorbeugen hilft.
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vom deutschen TüV Süd kontrolliert.
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Sektionen
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Genève
Aargau –
Solothurn
022 733 51 12
078 625 54 43
062 396 17 28
Neumitglied:
Huber Michèle, Neuenhof,
Studentin an der BFH
Nouveau membre:
Marchand Pauline, Rumilly FR,
2005, Nîmes FR
Oberwallis
Bern
027 946 29 88
031 333 58 73
Neumitglieder:
Cattin Annelore, Ruswil; Günter
Elena, Wangenried; Hert Linda,
Messen; Schneider Rahel, Bern;
Studentinnen an der BFH;
Minger Kathrin, Bern, 2009, Bern
Neumitglied:
Heimgartner Valèrie, Viège, 1995,
Metz FR; Mooser Romaine, Bern,
Studentin an der BFH
Ostschweiz
071 440 18 88
Fribourg
026 660 12 34
Nouveaux membres:
Lambert Gwendoline, Grolley,
Studentin an der BFH;
Wüthrich Maya, Schmitten FR,
Studentin an der BFH
Neumitglieder:
Aerni Corinna, Frauenfeld;
Huber Rahel, Frauenfeld;
Studentinnen an der ZHAW;
Buhre Gabriele, Eschen, 2002,
München DE
Vaud – Neuchâtel –
Jura
021 903 38 57
021 653 86 32
Nouveau membre:
Aouadj Fatema, Evian FR, 1998,
Strasbourg
Zentralschweiz
041 661 09 93
071 440 25 14
Neumitglieder:
Bisang Carmen, SempachStation; Klahre Daniela, Luzern;
Widmer Petra, Kriens;
Studentinnen an der BFH;
Frei Jeannine, Seedorf UR,
Studentin an der ZHAW
Zürich
und Umgebung
052 385 55 67
052 203 26 11
Neumitglieder:
Albrecht Imke, Zürich, 2004,
Berlin; Döring Julia, Winterthur,
Studentin an der ZHAW; MerzWettstein Rahel, Winterthur,
2009, St. Gallen; Ortmann
Stefanie, Oberengstringen,
1999, Göttingen DE
Weiterbildung der Sektion:
Reanimation des Neugeborenen
unter häuslichen Bedingungen.
Mit Anna Rockel-Loenhoff,
am 26. und 27. Januar 2012
in Winterthur.
Info und Anmeldung:
[email protected]
Mitgliederversammlung
2012:
Montag, 23. April 2012,
im Volkshaus Zürich,
16.00 –18.00 Uhr,
Weiterbildung zum Thema:
«Mutter-Kind-Beziehung der
Berggorillas» mit Jörg Hess,
Zoologe Basel.
Ab 19.00 Uhr Mitgliederversammlung.
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für Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Hebammen,
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Ausbildungstermine
Zürich
Teil 1+2
Aarau
Teil 1+2
Zürich
Teil 1+2
31.3./1.04.12
14./15.09.12
29./30.09.12
05./06.05.12
12./13.10.12
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Teil 2 auch für den männlichen Beckenboden möglich:
Zürich
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Detaillierte Unterlagen zum BeBo®-Erfolgskonzept unter:
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Hebamme.ch
Sage-femme.ch
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Fortbildung SHV
Formation FSSF
Kursorganisation
Bildungsbeauftragte Deutschschweiz: Marianne Luder-Jufer, Huttwilstrasse 55, 4932 Lotzwil
Telefon 062 922 15 45, E-Mail: [email protected]
Anmeldungen für SHV-Kurse: Schriftlich an die SHV-Geschäftsstelle in Bern.
Sie finden das Kursprogramm unter: www.hebamme.ch
Weiterbildung 11/2012
Sitzungen effizient leiten
Kommt Ihnen das bekannt vor?
Endlose Diskussionen an Sitzungen und trotzdem unbefriedigende Resultate sowie bleibende Frustration bei Ihnen und
Ihren Mitarbeitern. In diesem
Tagesseminar erwerben sie die
notendigen Kenntnisse und
Kompetenzen, damit Sie die
nächste Sitzung effizient durchführen können. Sie lernen,
trotz knapper Zeitressourcen,
Sitzungen optimal vorzubereiten und durchzuführen. Sie er-
kennen Motivationshilfen um
Teilnehmende für die aktive Mitarbeit zu gewinnen. Sie erkennen mögliche «Stolpersteine»
und reflektieren sich in der
Rolle als Vorsitzende. Sie arbeiten mit Fallbeispielen und erhal-
ten viele umsetzbare praktische
Tipps, denn vieles liegt in der
Hand der Sitzungsleitung.
Marianne Luder,
Bildungsbeauftragte SHV
Weiterbildung 28a /2012
Traditionelle Hebammenkunst mit Barbara Kosfeld
Aufgrund der grossen Nachfrage
habe ich mich entschlossen, ein
zusätzliches Angebot der Seminarreihe mit Barbara Kosfeld
zum Thema «Traditionelle Hebammenkunst» zu organisieren.
Die Mund-zu-Mund-Werbung
unter den Hebammen hat so
gut funktioniert, dass der Kurs
28 bereits bei Erscheinen der
Fort- und Weiterbildungsbroschüre 2012/2013 ausgebucht
war. Das Wiederholungsangebot, Kurs 28a, startet im April
2012 und findet erneut in Olten
statt. Alle Daten finden Sie auf
der SHV-Website.
Die Dozentin, Barbara Kosfeld, ist
freiberufliche Hebamme auf der
deutschen Insel Borkum. Sie stu-
dierte Komparatistik und trug
Hebammenwissen aus alten
Büchern zusammen. Während
sechs Jahren arbeite sie an
einem EU-Projekt mit, in dem es
um den Erhalt des originären
Hebammenberufes ging. Dabei
recherchierte sie an der Universität das Hebammenwissen aus
vier Jahrhunderten in der Originalliteratur. Dieses Wissen und
eine grosse praktische Erfahrung
stellt sie in der Fortbildungsreihe
«Traditionelle Hebammenkunst»
den Hebammen zur Verfügung.
Rund 100 Hebammen, aus verschiedensten Arbeitsumfeldern
und Dozentinnen der Fachhochschulen, haben das Seminar bereits besucht und bis auf
wenige Ausnahmen sind durchwegs positive Rückmeldungen
eingegangen. Gerne platziere
ich an dieser Stelle einige Rückmeldungen, die ich von Kursabsolventinnen erhalten habe:
• «Diese Weiterbildung ist für
alle Hebammen ein ‹Muss›,
die Inhalte gehören eigentlich
in die Grundausbildung einer
Hebamme»,
• «Es geht um die Professionalität und die Erhaltung der
Hebammenkompetenzen»,
• «Sehr gut, da mit Fakten
gearbeitet wird und nicht mit
Gefühlen. Keine Hebammenstübli-Atmosphäre, sondern
Hebammenwissen und Fachdiskussionen»,
• «Eine fachlich interessante
und wertvolle und auch ethische Auseinandersetzung
mit dem Berufsbild der
Hebamme»,
• «Das Seminar motiviert, Wissen, Erfahrungen und Fertigkeiten zu reflektieren, in
Einklang zu bringen und zu
begründen».
Zurzeit hat es noch freie Plätze.
Falls Sie Interesse haben, melden Sie sich unverzüglich für
dieses Seminar an.
Marianne Luder,
Bildungsbeauftragte SHV
Fortbildungsangebot 2012
Kursnummer und -themen
Datum/Kursort
DozentIn
5
Wiedereinstieg für Hebammen
Modul 1
Mo und Di, 05./06. 03. 2012
Olten
Dr. Gundula Hebisch
Leitende Ärztin GZO Wetzikon
6
Homöopathie Schwangerschaft, Geburt,
Wochenbett und Säugling, Modul 3
Mo bis Mi, 05.– 07. 03. 2012
Zürich
Heidi Grollmann, Homöopathin, Ausbildnerin
Regula Bucher, Hebamme, Homöopathin
7
Screening in der Schwangerschaft – neue Evidenzen
Di, 06. 03. 2012
Olten
Dr. Gundula Hebisch
Leitende Ärztin GZO Wetzikon
8
Präeklamsie, HELLP
Gerinnungsstörungen
Do, 08. 03. 2012
Olten
Dr. Gundula Hebisch
Leitende Ärztin GZO Wetzikon
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Fortbildung SHV
Formation FSSF
Organisation des cours de la FSSF:
Chargée de la formation la Suisse romande et le Tessin, Valentine Jaquier-Roduner, Rte de Fribourg 3,
1740 Neyruz, tél. 026 477 05 76, e-mail: [email protected]
Inscriptions aux cours de la FSSF: Secrétariat central de la FSSF à Berne, par écrit
Vous trouverez le programme complet des cours sur www.sage-femme.ch
Cours 3/2012–13
Accouchement et plancher pelvien: un conflit évitable?
Ce cours a été proposé en janvier
2011. Il avait remporté un très
grand succès, ce qui m’a menée à
vous le proposer à nouveau.
M.Hermstrüwer est un médecin
habitué à collaborer avec les
sages-femmes. Il est à notre écoute autant qu’à celle des femmes
qu’il suit durant ses consultations
et les accouchements. Toute la
problématique du plancher pelvien durant la grossesse et l’accouchement est un thème qui lui
tient à cœur depuis des années. Il
est spécialisé en uro-gynécologie.
L’éducation et la rééducation du
plancher pelvien font partie de
son quotidien. Ce médecin veut
partager ses observations, ses
conseils, ses expériences avec les
sages-femmes pour le bien de
chaque parturiente.
Cette journée de formation sera
théorique, mais je suis sûre que
vous allez en ressortir riches en
nouvelles idées. Je ne peux que
vous conseiller d’y participer.
Objectifs
Après compréhension de l’anatomie fonctionnelle du plancher
pelvien et des mécanismes de
l’accouchement, améliorer la
prise en charge avant, pendant
et après un accouchement en
prévention de dysfonctions pelvipérinéales.
Contenu
• Approfondissement des connaissances anatomiques et
physiologiques
• Les dysfonctions pelvi-périnéales et leurs conséquences
• Les influences de la grossesse
et des accouchements sur les
fonctions pelvi-périnéales
• Révision des mécanismes de
l’accouchement par voie basse, l’influence des positions de
la parturiente sur l’accouchement et le plancher pelvien
• Le rôle des sages-femmes
dans la prévention des dysfonctions pelvi-périnéales
Dr Martin Hermstrüwer, gynécologue-obstétricien, médecin agréé,
expérience positive avec une obstétrique respectant autant que
possible le déroulement naturel de
l’accouchement. Spécialisation en
uro-gynécologie, consultant agréé
de la Société allemande pour la
continence, participant à la formation continue des physiothérapeutes en Allemagne et des sagesfemmes en Suisse. Master en acupuncture.
Renseignements et inscription jusqu’au 12 février 2012 pour le
cours 3: www.sage-femme.ch
12 mars 2012 de 9h à 17h,
Lausanne
Formation organisée par la FSSF
Cours 4/2012-2013
Le portage: un besoin essentiel pour les bébés
Susi Milz. Une personne bien
connue dans le monde du portage. C’est elle qui a crée les
premières formations de monitrices de portage en Suisse à la
fin des années nonante. Au fil
du temps, ses formations ont
évolué, s’enrichissant d’études,
d’expériences, de nouvelles
théories.
Durant ces deux jours, vous
pourrez expérimenter différentes façons de nouer l’écharpe.
Une partie de théorie est aussi
prévue. Vous aurez les connaissances de base et les outils nécessaires pour transmettre votre
savoir et vos compétences aux
parents intéressés.
En 2011, cette formation avait
été proposée sur une journée.
Vu les appréciations des participantes, je vous la propose légèrement élargie sur deux jours en
espérant répondre au mieux à
votre demande.
Je ne peux que vous encourager
à vous inscrire à ces journées de
formation.
Contenu
– Portage et orthopédie
– Portage et psychologie
– Portage et sommeil
– Techniques de portage durant
les premières semaines de vie
– Techniques pour les femmes
enceintes
– Ateliers pratiques
Susi Milz, formatrice de conseillères en portage.
Renseignements et inscription
jusqu’au 21 février 2012:
www.sage-femme.ch
21–22 mars 2012,
9h30 –17h30, Yverdon
Formation organisée par la FSSF
Il reste encore des places pour les cours suivants:
2. Art du suivi global de la sage-femme traditionnelle. Module I: 26–28 janvier; Module II: 27–29 mars 2012 à Grens/Nyon
3. Accouchement et plancher pelvien: 12 mars 2012 à Lausanne
4. Le portage: 21–22 mars 2012 à Yverdon
5. La sage-femme face à la sexualité: 23 mars 2012 à Lausanne
6. Sages-femmes et médicaments: 23 avril 2012 à Lausanne
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Sage-femme.ch
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erfüllen Hebammen HF die Bedingung von 10 ECTS-Punkten für den Nachträglichen Titelerwerb «Hebamme FH». Dieser Titel ermöglicht die
Teilnahme an akademischer Weiterbildung und eröffnet neue berufliche Perspektiven. Zudem berechtigt er das Führen der Berufsbezeichnung
«Hebamme BSc».
Modul «Reflektierte Praxis – Wissenschaft verstehen» (August und September 2012)
Theorie, Praxis und Training für den Umgang mit wissenschaftlicher Methodik
Modul «Hebammenarbeit im Kontext von Best Practice» (März 2012)
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Beide Kurse dauern je 8 Tage und finden in Winterthur statt. Weitere Infos und das Anmeldeformular unter www.gesundheit.zhaw.ch.
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psychosozialen Belastungssituationen, indem sie
den allgemeinen Stresspegel senken und neue
innere Handlungsfreiräume schaffen. Gezielt eingesetzt wirken MEV stabilisierend auf die Affekte,
verbessern kognitive Funktionen (Konzentration
und Merkfähigkeit) und haben einen modulierenden
Effekt auf die zentrale Schmerzverarbeitung.
Neue Diplomlehrgänge ab April 2012 in Zürich,
EMR konform, SGMEV anerkannt.
Aktuell: Diplomlehrgang in med. Autogenem Training
und med. Progressiver Muskelentspannung
inkl. klinischer Psychopathologie
Diplomlehrgang in med. Achtsamkeits-Interozeption mit E-Learning Unterstützung
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27.12.2011
10:03 Uhr
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Actualité
Physiothérapie
Fribourg, 16 janvier 2012
Les négociations tarifaires ont
finalement échoué
Séance d’information sur les
titres attribués par l’OFFT
Les tarifs des prestations de physiothérapie n’ont pas
changé depuis presque 14 ans, et ni le renchérissement ni
l’augmentation des exigences auxquelles sont soumis les
physiothérapeutes n’ont été pris en compte.
Savez-vous que des passerelles sont désormais mises en
œuvre afin de préparer les
personnes certifiées en Management de Proximité pour
cadres niveau 1 (MP), Management de Proximité Cours de
Gestion pour Cadres Intermédiaires niveau 1 (MPCGCI) et
Management Supérieur (MS)?
Pour en savoir davantage sur
La convention tarifaire a déjà
été résiliée et l’on se trouve depuis le 1er juillet 2011 dans une
situation non contractuelle. La
nouvelle série de négociations,
organisée à l’initiative du Conseiller fédéral Didier Burkhalter
et de l’Office fédéral de la santé publique (OFSP), n’a pas porté ses fruits malgré les diverses
propositions de solutions apportées par physioswiss. tarifsuisse sa maintient en effet que
les tarifs, qui n’ont pas changé
depuis 14 ans, sont tout à fait
suffisants. Les données dont
dispose physioswiss attestent
pourtant du contraire. L’évolution des prix en est la preuve la
plus évidente, ainsi que celle
des salaires et des loyers, lesquels ont augmenté de plus de
17% depuis 1998.
physioswiss est extrêmement
irritée de voir que dans ce contexte, tarifsuisse sa ne veut faire
aucun pas en direction de son
partenaire tarifaire et qu’elle
s’oppose également au Conseiller fédéral. Le prétexte avancé par les assureurs, à savoir que
les physiothérapeutes maintiennent des structures improductives et inefficaces, n’est pas
compréhensible. physioswiss va
à présent, comme le veut la loi,
soumettre aux autorités com
pétentes des demandes de détermination des tarifs. Il revient
désormais aux autorités de garantir aux physiothérapeutes
exerçant en Suisse des tarifs
adaptés et de s’assurer ainsi
que la population puisse bénéficier de prestations de physiothérapie de haute qualité.
Source: www.physioswiss.ch –
Communiqué de presse du 11.11. 2011
Gynécologues français
Contre les «échographies
spectacles»
Le Collège national des gynécologues et obstétriciens
français (CNGOF) rappelle que le fœtus ne doit pas être
exposé inutilement et de façon prolongée aux ultrasons.
Lorsqu’il s’agit d’une échographie médicale, le faisceau, réglé au minimum de sa puissance, est constamment déplacé
et l’exposition de chaque zone
est brève. «L’imagerie est alors
bénéfique pour s’assurer de la
bonne santé du fœtus», souligne le Pr Jacques Lansac, président de la Commission nationale d’Echographie Obstétricale et Fœtale du CNGOF. A
l’inverse, «dans le cas d’une
échographie commerciale, il est
nécessaire d’exposer en conti-
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nu des parties localisées du fœtus, en particulier le visage, et
donc le cerveau et les yeux, et
les organes génitaux».
Aussi, le Prof. Lansac demande
que «cette pratique soit réservée au personnel formé: les
médecins et les sages-femmes.»
Voir aussi: «Les échographies fœtales
commerciales: un scandale sanitaire?» –
Communiqué de presse CNGOF du 5 décembre 2011 sur www.cgnof.asso.fr
l’organisation des Brevets et
Diplômes fédéraux ainsi que
les différents parcours possibles en management, venez
à notre prochaine séance d’information le 16 janvier 2012
de 16h00 à 17h30 – HFR Fribourg dans les locaux de l’Hôpital cantonal.
Inscriptions par e-mail:
[email protected]
Césariennes
Taux inchangé
En 2010, 79 470 mères ont été hospitalisées pour un accouchement, qui a eu lieu par césarienne pour environ
32,8% d’entre elles.
Les petits hôpitaux ont pratiqué
en moyenne davantage de
césariennes que les grands. Le
taux de césariennes a été le plus
élevé (43,1%) pour les mères
domiciliées dans le canton de
Zoug, et le plus faible (19,4%)
chez celles résidant dans le canton du Jura. Ces dernières ont
également affiché l’âge moyen
le plus bas au moment de l’accouchement (29 ans).
Une autre différence marquante
réside dans le taux élevé des césariennes pratiquées dans les cli-
niques privées (41,2%), par rapport aux cliniques de droit public
(31,6%). En moyenne, une parturiente séjourne 7,4 jours à l’hôpital lors d’un accouchement par
césarienne, 5,9 jours en cas d’accouchement au forceps ou par
ventouse et 5,3 jours en cas d’accouchement naturel. La durée
d’hospitalisation n’a cessé de se
réduire au cours des dix dernières années pour ces trois types
d’accouchement.
Source: OFS 01.12. 2011
Conseil fédéral
Priorités de la politique
de santé
Le système suisse de la santé est
réputé pour sa qualité et ses performances – même en comparaison internationale. Le potentiel actuel doit encore être mieux
utilisé selon le mot d’ordre «prévention et soins optimaux à des
coûts supportables». Cela dans
le but d’en améliorer encore la
qualité, mais aussi la transparence et l’efficacité, et par là d’en
contenir les coûts.
C’est pourquoi le Conseil fédéral pose les priorités suivantes
pour sa politique de la santé, un
des domaines les plus importants du Département de l’intérieur: premièrement renforcer
la surveillance des assurancesmaladie; deuxièmement, introduire des mesures d’économie
à court terme et troisièmement,
réformer le système de la santé
à moyen et long terme.
Pour en savoir davantage:
www.bag.admin.ch > Actualités >
Priorités de la politique de santé
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Projet suisse
Médecine de pointe
La CFQF réclame un congé
parental rémunéré
Concentration de la pédiatrie
hautement spécilaisée
La Commission fédérale pour
les questions féminines CFQF
invite instamment le Conseil
fédéral et le parlement à instaurer un congé parental rémunéré régi par la loi. Dans un
document de position, elle
salue la proposition faite par
la Commission fédérale de coordination pour les questions
familiales COFF d’instaurer
congé parental en Suisse.
Le modèle de la COFF prévoit
un congé parental d’une durée maximale de 24 semaines.
Chaque parent a un droit individuel de quatre semaines, qui
n’est pas transmissible à l’autre parent. La CFQF considère
que 24 semaines est un minimum voire un minimum absolu. Du point de vue de la politique de l’égalité, il est impor-
L’Organe de décision, composé
des directrices et directeurs de
la santé de 10 cantons, a pris
en septembre 2011 des décisions importantes sur la concentration de la médecine hautement spécialisée. Des jalons
importants ont été posés dans
sept domaines de la pédiatrie
et de la chirurgie pédiatrique.
Les cantons manifestent ainsi
clairement leur volonté de poursuivre le processus de concentration de la médecine de pointe. Ils soutiennent de plus la
création déjà amorcée par les
pédiatres d’un petit nombre de
centres de compétence dans
notre pays.
tant que ces 24 semaines
soient partagées par moitié
entre la mère et le père.
La CFQF diverge du projet de
la COFF en ceci qu’elle juge
nécessaire de prescrire un
droit paritaire des parents.
Comme le montrent les réglementations en vigueur dans
d’autres pays et l’expérience
de leur application, il faut imposer un droit et créer une
incitation forte pour que les
pères participent davantage à
la prise en charge des enfants
dans les faits et pour que les
entreprises soient prêtes à
consentir un congé parental
aux pères qu’elles emploient
aussi.
Vous trouverez la prise de position
complète de la CFQF sur le site:
www.comfem.ch
Suède
Un clampage retardé permet
d’éviter une carence en fer
Une récente étude randomisée contrôlée incluant 382
nouveau-nés à terme dans un
même hôpital, après une grossesse normale, a montré les
avantages d’un clampage retardé.
Méthodologie
Pour 189 de ces nouveau-nés
le cordon avait été coupé
moins de 10 secondes après la
naissance alors que, pour les
193 autres, la section avait été
retardée au-delà de 180 secondes après la naissance.
Résultats
A 4 mois, il n’y a pas de différence significative pour la concentration en hémoglobine,
mais les enfants dont le cordon a été coupé plus tard ont
un taux moyen de ferritine
supérieur de 45% à celui de
l’autre groupe (117 μg/l vs
81 μg/l). La prévalence du déficit en fer est inférieure dans
ce groupe à celle du groupe de
clampage précoce (1 enfant
soit 0,6% vs 10 enfants soit
5,7%).
Pendant la période néonatale,
la prévalence de l’anémie (à 2
jours) est moindre aussi pour
les enfants dont la section a
été retardée (1,2% vs 6,3%).
Aucune différence significative n’a été trouvée en ce qui
concerne les symptômes respiratoires, les polyglobulies ou
les hyperbilirubinémies nécessitant une photothérapie.
Source: Andersson Olga et al.: Effect of
delayed versus early umbilical cord clamping on neonatal outcomes and iron status at 4 months: a randomised controlled
trial. BMJ 2011; 343:bmj.d7157
Une prise en charge
optimale des très grands
prématurés
En Suisse, 800 prématurés environ requièrent chaque année des soins intensifs hautement spécialisés. En particulier
la prise en charge des très
grands prématurés, c’est-àdire des prématurés nés avant
la 28ème semaine de grossesse,
exige beaucoup des médecins
et du personnel soignant.
Le traitement et les soins de ces
jeunes patients à risque doivent
à l’avenir être concentrés sur
neuf centres de périnatologie.
Ce sont les centres de périnatologie des hôpitaux universitaires de Genève, Lausanne,
Berne et Zurich et les hôpitaux
pédiatriques universitaires des
deux Bâles et de Zurich, ainsi
que des hôpitaux cantonaux de
Lucerne, Aarau, Coire et SaintGall (conjointement avec l’Hôpital pédiatrique de Suisse
orientale). Ces unités de néonatologie du niveau de soins le
plus élevé disposent de l’expérience et de l’infrastructure
nécessaires pour garantir une
prise en charge optimale de ces
nouveau-nés et leur permettre
de la sorte un début optimal
dans la vie.
Pour en savoir davantage:
www.gdk-cds.ch > Actualités >
Communiqué de presse du 23.09.2011
Grande-Bretagne
Naissances à domicile
et transferts à l’hôpital
Selon le responsable d’un groupe de recherche britannique, quand l’accouchement est «normal», le risque de le
«finir» à l’hôpital est très mince.
L’étude porte sur quelque
64 538 femmes ayant accouché dès 37 semaines de grossesse entre avril 2008 et avril
2010. Etaient exclues: les grossesses multiples, les césariennes programmées, les naissances à domicile inopinées. Parmi cette population, 17 000
ont donné naissance à domicile et on n’a compté que 250
cas de complications sévères,
soit 4,3‰.
2,8% de naissances à domicile
aboutissent à un transfert en
clinique pour césarienne, alors
qu’en maternité, ce taux s’élevait à 11,1%. Jusqu’à 45%
des primipares qui souhaitaient donner naissance à la
maison ont finalement été
transférées en maternité pour
des raisons de sécurité, alors
que jusqu’à 13% des multipares ont été transférées pour
les mêmes raisons.
Pour en savoir davantage:
Birthplace in England Collaborative. Group:
Perinatal and maternal outcomes by
planned place of birth for healthy women
with low risk pregnancies: the Birthplace
in England national prospective cohort
study. In: BMJ. 2011 Nov 23; 343.
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Dossier
Editorial
Les infections les plus
pratique de la sage-f
Pour la sage-femme, la grossesse est essentiellement un processus physiologique. Quand survient une infection, aussi bénigne soit-elle, que peut-elle
Chère lectrice, cher lecteur
Pour ce début d’année, nous vous
proposons un numéro plutôt hétéroclite, mais qui traite, de près ou de
loin, de notre défense immunitaire
face aux infections.
D’abord, un article intéressant sur la
pratique indépendante de la gestion
des infections courantes qui touchent
les femmes dont nous nous occupons
et qui met en évidence l’importance
de l’hygiène dans notre vie citadine
moderne.
Par ailleurs, nous avons la chance
de découvrir une nouvelle méthode
de gestion du stress qui peut nous
ouvrir la voie à une nouvelle forme
de préparation à la naissance. Il s’agit
de la présentation d’un projet qui
vient de démarrer. Nous verrons plus
tard ce que cette expérience de la
HES de Genève donnera.
Enfin, une traduction intéressante
nous rappelle comment apparaissent
– et comment meurent – les cellules
de notre sang: un texte qui nous
«porte» vers la poésie de la vie.
Voilà donc un numéro qui nous ouvre
bien des voies de réflexion.
Pour ma part, je vous souhaite une
excellente année 2012 et une bonne
lecture.
Edith de Bock
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apporter à la future mère et comment gère-t-elle son intervention en tant
que sage-femme? C’est ce que nous avons demandé à une sage-femme
indépendante particulièrement expérimentée.
Evelyne Moreillon
Delachaux,
Maison de naissance
«La Grande Rouge»,
Grens
Quelle est aujourd’hui votre attitude
devant les infections qui peuvent surgir
en cours de grossesse?
Tout dépend de l’infection! Pour ce qui
concerne la femme enceinte, les infections
les plus courantes, les plus banales, celles
que j’observe au quotidien, ce sont les mycoses vaginales. Elles sont dues au changement du pH: habituellement d’environ
4.4, ce pH, de par l’état de grossesse, va
monter à 5 ou 5.5. Ce qui contribue à un
environnement favorable au développement du candida albican, populairement
appelé «le muguet». La première fois, l’inflammation est violente et la femme se
plaint de fortes brûlures qui, de surcroît,
rendent les rapports sexuels douloureux.
Les sages-femmes connaissent bien cette
plainte et beaucoup d’entre elles traitent
ce problème avec succès en déstabilisant la
colonisation par un traitement qui va augmenter le pH ou le diminuer, afin de réduire le candida à bas bruit. Le supprimer
est souvent illusoire, car il y en a partout et
la plupart des gens sont porteurs sains.
Traiter la femme localement va lui permettre d’éviter tant soit peu les risques,
d’éraillures ou de déchirures des petites
lèvres ou du vagin, voire d’éviter de coloniser son bébé pendant l’accouchement.
Les risques encourus ne sont pas plus
grands, sauf pour les femmes immunodéprimées bien évidement et les nouveaunés à risque de complications. Dans les
traitements d’urgence à portée de toutes,
on proposera de mettre une gousse d’ail
pelée dans le vagin à renouveler chaque
nuit pendant 7–10 jours, des rinçages et
petites toilettes avec une solution de bicarbonate de soude. Ce premier soin permet
de gagner du temps pour entreprendre
une répertorisation homéopathique uniciste afin d’améliorer le terrain de la cliente.
Il est important de s’assurer que la cliente
n’ait pas pris la mauvaise habitude de faire
des douches vaginales ou autres concepts
de nettoyage, car tout produit au pH
neutre – l’eau y compris – ne feront qu’aggraver son cas.
Le traitement antimycotique du couple
reste la dernière solution pour prévenir les
déchirures superficielles à l’accouchement
qui sont souvent mal vécues de par l’effet
de brûlure générale dans une zone déjà
suffisamment sollicitée par le passage du
bébé. Le traitement aux ovules à base
d’iode est proscrit pendant la grossesse et
l’allaitement au risque de perturber les
fonctions thyroïdiennes de l’enfant. Mais
ce traitement reste très efficace en dehors
de la maternité chez les femmes non allergiques à l’iode et qui n’auraient pas réussi
à se débarrasser de leur mycose récidivante
en phase de maternité.
Vous parliez des mycoses vaginales.
Y a-t-il d’autres infections qui concernent
la femme enceinte?
Pour les infections urinaires, on redoute
en premier lieu la rupture prématurée des
membranes. Il est important de ne pas
perdre de temps et de proposer sur-lechamp un traitement de 20–25 gouttes
de teinture-mère de Myrtillus à raison
de 3 쎹 par jour (attention: les teinturesmères de la marque Cérès sont concentrées, veuillez prendre garde à un dosage
de 2– 4 gouttes 3 쎹 par jour). Ceci en
attendant le résultat de l’antibiogramme
ou de l’aromatogramme. Il est également
intéressant de prescrire, vu les bons résul-
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plus courantes dans la
ge-femme à domicile
tats qu’engendre ce traitement homéopathique, une dose unique de Cantharis
200 K, particulièrement si la femme a du
sang dans les urines.
Dans tous les cas, si la situation s’est
améliorée rapidement avec ces premiers
traitements, il est envisageable – lorsque la
cliente ne présente aucun autre symptôme
(MAP, fièvre, etc.) – de refaire une culture
après 10 jours sans qu’elle prenne les antibiotiques. Si la deuxième culture est négative, on évitera les antibiotiques ou les
huiles essentielles et on pourra poursuivre
la prévention de récidive avec du jus de
canneberge, si possible non sucré pour ne
pas la précipiter dans un risque de bébé
«big for date» ou de diabète gestationnel.
Lorsque la deuxième culture est positive
comme la première, une prescription médicale d’antibiotique ou d’huiles essentielles s’impose.
Si la cliente souhaite un traitement aux
antibiotiques, on demandera au médecin
de bien vouloir faire l’ordonnance. Si le
choix est porté sur les huiles essentielles, la
sage-femme formée en naturopathie fera
elle-même la prescription. Dans tous les
cas, on vérifiera par une dernière culture
après 10 jours de traitement. Il est évident
que, selon le degré d’inquiétude de la sagefemme au vu de la clinique, le premier traitement ne sera même pas proposé, quand
les antibiotiques doivent être le premier
choix et la cliente sera directement adressée au médecin.
Enfin, dans les infections courantes, on
retrouve aussi 10% des clientes colonisées
par les streptocoques B lors du dépistage à
36 semaines. Même si la moitié des femmes sont porteuses asymptomatiques au
1er trimestre, une montée de l’immunité
rapportera un résultat négatif du frottis en
fin de grossesse, dans la majorité des cas.
Depuis quelques années, lorsque la culture
est positive, il est d’usage de prévoir des
antibiotiques le jour de l’accouchement.
Lors des accouchements extra hospitaliers,
il est envisageable de les donner par voie
orale pour des raisons de confort pour la
parturiente et afin d’éviter les risques liés
à l’administration intra veineuse (2 g. de
Pénicilline en cp dès le début du travail,
puis 1 g. toutes les 4 h. jusqu’à l’accouchement). Cette pratique n’est pas très
courante, mais elle n’est pas contestée et
nous demandons régulièrement la pres-
cription au médecin traitant de la cliente.
Voilà pour les contaminations que je rencontre le plus fréquemment dans les suivis
de grossesse.
Passons donc maintenant à l’accouchement ...
En prévention des infections liées à la
rupture prématurée des membranes, et
afin de favoriser l’accouchement, ainsi que
le démarrage de l’allaitement, j’ai pris
l’habitude de proposer une tisane de
sauge officinale à raison d’une tasse après
le dîner et d’une tasse après le souper, dès
37 semaines jusqu’à l’accouchement, pour
désinfecter le corps, dilater rapidement le
col et éviter une montée de lait trop violente. Cela donne d’excellents résultats.
Et pour l’accouchée?
Les infections puerpérales connues avec
streptocoque du groupe A sont excessivement rares, mais fulgurantes et il n’est pas
nécessaire de s’attarder avec des traitements alternatifs. Une hospitalisation pour
un traitement i/v aux antibiotiques s’impose dès le constat de la septicémie. Là, il
s’agit d’éviter de faire un orphelin dans les
48 heures. Idem lorsqu’il s’agit d’une infection néonatale quel que soit le germe.
Une cicatrice et des mamelons sont des
voies ouvertes qu’il convient de protéger,
garder au propre et soigner avec bon sens.
Les animaux domestiques sur les lits et les
divans pendant l’allaitement ne font pas
bon ménage dans les situations déjà critiques!
En fin de tétée, la fameuse goutte de lait
étalée avec le doigt autour du mamelon,
soi-disant pour éviter les crevasses, peut
justement en déclencher une! Il y a moins
d’anticorps dans le lait maternel en fin de
tétée que de germes sur un doigt qui vient
de gratouiller l’oreille d’un chat! Les microbes adorent le lait, c’est une nourriture
de très haute qualité pour eux ... Les crevasses n’apparaissent pas seulement avec
une malposition du bébé, mais bien souvent à cause d’un doigt chargé de microbes qui étale des gouttes de lait sur un
mamelon fragilisé après 20–30 minutes de
tétée ... Qu’adviendrait-il si les sages-femmes appliquaient la Bétadine avec leur
doigt nu pour désinfecter une suture de
césarienne? Cela ne nous viendrait pas à
l’idée. Alors, comment a-t-on pu enseigner
un soin pareil et croire en cette légende
urbaine?
Cette attitude peut aussi contribuer à la
contamination de muguet sur les seins et
n’occasionner aucune blessure apparente
bien que la jeune mère souffre le martyre.
Il convient alors de la soigner rapidement.
Le thé noir, le citron, les copettes en argent, la gelée de coing, le miel liquide, du
beurre mélangé avec de la teinture-mère
de Calendula sont très efficaces dans la
plupart des cas, mais il arrive qu’un traitement antimycotique soit la seule solution
pour éradiquer le problème. Souvent même
le bébé n’y échappe guère et il faut alors le
traiter en parallèle avec sa mère.
Voyez-vous d’autres affections
concernant l’accouchée ?
Les affections du sein chez la femme
allaitantes telles que lymphangite et mastite sont fréquentes, comparées à l’abcès
qui est, fort heureusement, très rare. Mais
toutes peuvent se traiter sans antibiotique.
Cela demande beaucoup de soins et de cataplasmes d’argile, voire des compresses
de teinture-mère de Mercurialis et des suppositoires de Belladona 1% (Weleda) dans
l’urgence de la fièvre. Puis, une très bonne
répertorisation en homéopathie pour les
risques de récidives fréquents.
L’hygiène de vie est importante à rappeler: allaiter dans un courant d’air – surtout l’été quand rien n’y paraît – est souvent la cause de lymphangites. Les soins
nécessitent parfois 3 visites par jour au
début et les sages-femmes indépendantes sont vite dépassées par l’engagement. D’autant plus, quand la femme vit
dans les cartons d’un déménagement ou
d’un chantier d’une maison en cours de
transformation, ou avec un mari peu
«compliant», de la marmaille plein la
maison et que, par-dessus le marché, la
grand-mère est absente. Il y en a même
qui cumulent les options!
Et le nouveau-né, est-il aussi concerné?
Les infections locales du nouveau-né,
telles que les conjonctivites ou les omphalites sont peu fréquentes lorsque les
règles d’hygiènes sont respectées. Là encore, la teinture-mère de Calendula pure
sur l’ombilic, en évitant les bains jusqu’à
la chute du cordon, permet de le faire
tomber en 3–4 jours. La poudre de WeHebamme.ch
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cesin (Weleda) cicatrisera le reste de suintement si nécessaire.
Laisser le cordon dans le lange et non en
dehors. L’urine est stérile et ronge le cordon rapidement. Même si vous avez le
sentiment qu’il devient mou et qu’il y a
comme une odeur suave, il n’y a rien de
grave, tant que ce n’est ni rouge ni chaud
ni gonflé. Il s’agit simplement de la désintégration du cordon. Si vous êtes inquiète,
vous pouvez toujours mettre un peu de
Wecesin pour sécher le cordon. La compresse est également inutile dans les cicatrisations simples. De toute façon, même
si on nettoyait le cordon avec de l’eau salée ou avec un coin de drapeau de lange
trempé d’urine fraîche du bébé ou encore
avec de l’huile d’olive, le cordon tomberait
de la même manière. La nature n’a pas
attendu Weleda ni Novartis pour garantir
une chute de cordon sans histoire.
De grâce, évitez d’enlever la pincette du
cordon, car elle permet de tenir celui-ci en
élévation pour les soins au coton tige. La
pincette évite de blesser la peau péri-ombilicale du bébé contrairement au moignon de cordon sec et piquant que nous
imposent certaines collègues hospitalières. La pincette donne la possibilité à la
sage-femme indépendante de visser le
cordon lorsqu’il ne tient qu’à un fil. Ce qui
fait d’ailleurs un très joli nombril!
Les yeux chargés et collés – ou sales –
seront d’abord lavés avec du thé noir
tiède concentré et additionné d’une petite pincée de sel et de quelques gouttes de
jus de citron. Après ce nettoyage au thé
noir, des gouttes de lait maternel frais directement giclées en début de tétée dans
les yeux du bébé permettront d’inonder
localement avec un maximum d’anticorps
et feront office d’ «antibiotique naturel».
Vous ne manquez pas de recettes
naturelles dans votre «bagage» de
sage-femme traditionnelle ...
Il existe encore moult recettes intéressantes à découvrir et à adapter en fonction du lieu, de la culture des parents, de
nos us et coutumes. Toutes sont passionnantes à étudier, mais la sage-femme ne
devra appliquer que ce qu’elle connaît et,
si possible, après les avoir expérimentées,
car malheureusement certaines recettes
de grands-mères, de bonnes femmes ou
de guérisseuses, appelez cela comme
vous voudrez, sont parfois des croyances
infondées et elles péjorent l’affection plus
qu’elles ne la soignent.
Je ne vous ai relaté ici que celles qui sont
les plus efficaces et faciles d’application.
Je les ai expérimentées en plus de 20 ans
de «sage-femmerie» et 40 ans de vie à la
campagne. Le grand avantage d’une
«bonne recette» efficace et sans effets
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secondaires, c’est qu’elle prévaudra souvent à un traitement allopathique. Elle redonnera de l’autonomie aux jeunes mères
qui se sentiront plus à l’aise pour oser soigner leur famille avec les moyens du bord,
en toute simplicité, tout en se réappropriant un savoir perdu.
Pour celles qui souhaitent en savoir
plus, je les invite à suivre le cours de «L’Art
de la sage-femme traditionnelle» proposé
par la FSSF.
En présence d’une infection, quel
message peut-on faire passer aux
jeunes femmes?
Les mesures d’hygiène et l’augmentation de l’immunité restent le cheval de
bataille, particulièrement dans le post-partum. Beaucoup de jeunes femmes semblent oublier que les règles d’hygiène sont
la base d’une immunité intelligente. On
sait que les populations qui vivent en campagne ont moins d’allergies et une meilleure immunité que celles des villes. Bien
que les raisons soient multifactorielles, être
en contact avec la nature est essentiel pour
l’immunité. La nature passe son temps à
s’équilibrer, même quand on la perturbe.
Les micro-organismes qui la composent
sont intelligemment répartis et ils assurent
ce qu’on pourrait qualifier de «propreté
non pathogène». La nature se désinfecte
et se lessive par le froid et les pluies. Les
animaux sauvages passent des heures
considérables à leur toilettage et celui de
leurs petits. Les germes sont partout, mais
pas forcément en concentration démesurée. Ils se maîtrisent et cohabitent les uns
avec les autres.
Parallèlement, depuis quelques années,
je suis attristée de constater combien la
situation s’est dégradée et de voir à quel
point les parents tiennent leurs enfants et
leur foyer dans une «hygiène» incohérente! Même l’élémentaire n’est pas transmis. Les parents ne prennent pas le temps
d’inculquer des gestes simples et précieux
qui amènent aux réflexes comportementaux basiques. Au lieu d’apprendre, dès le
plus jeune âge, à passer la frimousse des
petits sous l’eau fraîche du robinet et à
préserver leurs dents en buvant dans le
creux de la main quel que soit le repas, on
voit des enfants grignoter à tout heure de
la journée, courir dans toute la maison les
doigts pleins de biscuits au chocolat dont
les traces restent sur les murs ... Mais, qui
va nettoyer?
En plein air, les fourmis et les poules s’en
chargeraient et l’affaire serait réglée comme dans la cuisine d’une ferme en terre
battue du Moyen Age bien que, pour les
caries dentaires, ce soit moins sûr! Mais,
dans nos maisons à moquettes, ce sont les
acariens qui se multiplient. Et voilà les
complications (asthme, allergie, surinfections, etc.) qui s’annoncent car on n’est
malheureusement plus à l’heure des «à
fonds» de printemps. Les habitations –
souvent trop humides, mal aérées, surchauffées – donnent tout ce qu’il est nécessaire à une concentration microbienne.
Paradoxalement, dans ces maisons
aseptisées par les produits chimiques
allergisants – où plus une araignée ne parvient à respirer – le foisonnement microbien est néanmoins cultivé. Il est difficile
pour la maman d’assumer le bon sens de
l’hygiène, enseignement qu’elle n’a d’ailleurs jamais reçu, faute de transmission
depuis deux générations.
N’est-ce pas là un enseignement
à revaloriser ?
Il est important de se rendre compte
que les sages-femmes indépendantes se
découragent de remettre sans cesse
«l’église au milieu du village», bien
qu’elles en parlent lors des cours de préparation à la naissance, de remises en forme postnatale ou durant les visites à
domicile. L’apprentissage d’une réactualisation simple des règles de base d’hygiène et de soins domestiques prend ici
tout son sens et nécessite du temps. Pour
celles qui pensent que ce n’est pas de
notre ressort, cet enseignement fait partie de notre cahier des charges vaudois: il
s’agit d’une de nos prérogatives dans
l’Art. 122 h sur la profession de sagefemme (LSP-VD).
Comme nous avons eu l’impression
qu’avec les années, cette transmission
prenait trop sur nos consultations, nous
avons ouvert des cours sur le «savoirfaire» dédié aux jeunes parents. Ces
cours sont donnés par les sages-femmes
indépendantes en ce qui concerne l’hygiène personnelle et les soins à donner
aux enfants, comme le prévoit la loi, et
par des enseignants professionnels –
dont prochainement l’Ecole de Marcelin
en accord avec le département de l’Economie vaudoise – afin de transmettre les
mesures d’hygiène domestique pour un
environnement durable. Ces cours comprennent des cours théoriques (alimentation, soins des textiles, soins de l’habitation, économie et écologie) et des ateliers
pratiques (cuisine, couture, fabrication
de cosmétiques biologiques pour mère et
enfant, cueillette pour tisanes et préparation de sirops, conserves, jardin potager,
etc.). Vous pourrez suivre le développement de ces cours sur:
왗
www.espritfamille.ch
Propos recueillis par
Josianne Bodart Senn
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Entre inconscience, panique
et maîtrise de la situation
Une femme enceinte peut difficilement échapper à un simple rhume
ou à la grippe. Que sait-elle des
infections qui pourraient l’affecter?
A-t-elle tendance à les surestimer
ou à les sous-estimer? Faut-il s’en
inquiéter?
Les grippes pandémiques
ou saisonnières
Josianne Bodart Senn
Attitude devant une
nouvelle infection
A Sydney (Australie), une équipe de
chercheurs1 a demandé, entre août 2008
et avril 2009, à 737 femmes enceintes (au
moins 20 semaines) si elles avaient constaté une nouvelle infection dans les 7
jours précédents, puis les a invitées à
fournir des détails sur les symptômes et
sur les éventuelles médications.
5% des répondantes à cette enquête
ont mentionné qu’elles avaient eu une
infection dans les 7 jours précédents. Le
plus souvent, il s’agissait d’un rhume ou
d’une affection respiratoire supérieure
(taux de prévalence = 2,6%), d’une gastro-entérite ou des vomissements (0,7%),
d’une grippe (0,5%), d’une candidose
(0,4%), d’une infection des voies urinaires (0,4%).
Après analyse des symptômes décrits
par les répondantes, il s’est avéré que
seulement 3,5% avaient eu une infection
modérée ou sévère (au lieu des 5% annoncés) et seulement 1,2% d’entre elles
avaient eu effectivement un rhume ou
une affection respiratoire supérieure (au
lieu des 2,6% indiqués).
Seules 21% d’entre elles avaient demandé des soins médicaux tandis que
1
65% s’étaient contentées d’une automédication. Autres constatations: Les primipares ont cité moins souvent une infection (2,9% vs 7,2%, p=0.008). Les mères
de jumeaux rapportent plus souvent une
infection (16,1% vs 4,5%, p=0.004), de
même que les femmes souffrant d’hypertension durant leur grossesse (15,3% vs
4,6%, p=0.01).
Lain Samantha J. et al.: A survey of acute self-reported
infections in pregnancy. In: BMJ Open. 2011; 1(1):
e000083.
2
Knuf M.: Influenzainfektion in der Gravidität. Alles nur
Panik? In: Der Gynäkologe, 2011, Volume 44, Number
8, 593-600 – Article reproduit dans ce numéro p.
10 –15.
3
Mylonas I.: Herpes genitalis in der Schwangerschaft.
In: Der Gynäkologe, 2011, Volume 44, Number 8,
623-629 – Article reproduit dans ce numéro p. 4–9.
Le Prof. Knuf2 montre que, pour les
femmes enceintes, le risque de contracter
une grippe pandémique ou saisonnière
est non seulement accru, mais que les
conséquences sont plus graves que pour
les femmes qui ne sont pas enceintes.
Elles sont plus souvent hospitalisées et
plus intensivement traitées. En outre, on
déplore – pour elles et leurs bébés – davantage de décès.
Au cours de la pandémie 1918/19 (en
français désignée sous le terme «grippe
espagnole»), le taux de mortalité des
femmes enceintes s’est élevé globalement à 27% et, au 3ème trimestre, il était
certainement plus important encore.
Lorsqu’une pneumonie venait compliquer l’état de la malade, la mortalité augmentait jusqu’à 50%. Pour la pandémie
1957–1958, 50% des cas de décès pour
les femmes en âge de procréer frappaient
en réalité des femmes enceintes. Pour la
pandémie H1N1 de 2009, 5% de tous les
décès aux Etats-Unis concernaient des
femmes enceintes, alors que leur proportion dans la population globale n’est que
de 1%.
La grippe saisonnière aussi est dangereuse pour la mère comme pour l’enfant.
Au 3ème trimestre, elle nécessite même 3
à 4 fois plus souvent une hospitalisation.
Le risque de complications respiratoires
aiguës est deux fois plus élevé que pour
les femmes qui ne sont pas enceintes. Il
s’aggrave lorsque la femme enceinte
souffre d’autres facteurs de risque, par
exemple d’asthme.
«Mais, il ne faudrait pas pour autant
paniquer», conclut le Prof. Knuf. Il précise qu’une action thérapeutique devrait
être initiée dans les 48 premières heures
de l’infection et il considère la vaccination
comme une solution intéressante.
L’herpès génital
Le Prof. Mylonas3 rappelle que les infections à virus herpétiques sont en augmentation partout dans le monde, avant
tout en raison de l’extension du virus de
type 2 de l’herpès simple (HSV-2) mais
aussi de celle du virus de type 1 (HSV-1).
Dans 75% des cas d’herpès génital, que
ce soit une primo-infection ou une infection récidivante, elle reste asymptomatique, si bien qu’un diagnostic précis ne
peut être fait. Presque 90% des mères
qui ont transmis un herpès néonatal à
l’enfant n’avaient eu aucun symptôme
jusqu’au moment de la naissance.
Des infections intrautérines par transmission transplacentaire sont rares et le
mode de transmission de l’infection néonatale est un contact direct avec les sécrétions génitales maternelles peripartum. Le taux d’infection néonatale est de
40–50% avec une mortalité de 40% et
une morbidité de 20%. Les infections récidivantes par contre amènent seulement
un taux de 1 à 5%, en raison des anticorps maternels et de la faible quantité
de virus.
Dans les cas d’infections symptomatiques, une césarienne peut être envisagée 4 à 6 heures après la rupture des
membranes, sinon il n’y a aucun avantage pour l’enfant. Les infections récidivantes ne sont donc pas une indication
pour une césarienne prophylactique. Le
traitement suppresseur par acyclovir à
partir de 36 semaines de gestation réduit
les symptômes, la fréquence des récidives
et permet d’éviter la césarienne. Cependant, ni la césarienne primaire ni la thérapie acyclovir n’excluent une transmis왗
sion de la mère à l’enfant.
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Le sang, un «suc particulier»
La maturation de nos différentes cellules sanguines n’est pas seulement déterminée par les gènes, mais
également par les autres cellules et aussi par le hasard, chaque étape de maturation restreignant les possibilités
de leur développement ultérieur. Ainsi, le destin d’une cellule sanguine ressemble à bien des égards à celle
d’un être humain.
Gottfried Schatz
«Le sang est un suc tout particulier»,
rétorque Méphistophélès à l’insolent
Faust qui signe son destin dans son
propre sang. Depuis les temps immémoriaux, le sang constitue le symbole de la
vie. Il apporte à notre organisme nutriments et oxygène, le protège contre des
intrus menaçants et l’inonde d’hormones
et d’autres substances qui régulent l’harmonie de nos cellules. Notre sang est davantage encore: il est aussi le symbole de
la mort. Les 25 000 milliards de globules
rouges qui y circulent sont des cellules
mortes, dans le sens où elles ont perdu
leur matériel génétique et presque tous
les organes. Pourtant, durant environ
120 jours, ils transportent inlassablement
l’oxygène des poumons vers les tissus et
se font finalement dévorés dans la rate
ou dans le foie par les macrophages.
Chaque jour, 200 milliards d’entre eux
sont victimes d’un tel massacre. Et nos
1500 milliards de plaquettes sanguines
ne sont rien de plus que des vésicules
issues de cellules donneuses, qui déclenchent la coagulation du sang au niveau
des plaies.
Un microcosme
Pourtant, le sang apporte aussi la vie.
Les 50 milliards de globules blancs – les
leucocytes – sont en revanche des cellules
pleines de vie. Elles nous défendent
contre les infections et constituent une
famille remarquablement élargie dont les
membres assurent des tâches variées.
Beaucoup d’entre eux quittent même la
circulation sanguine pour exercer leur
service de garde aussi bien dans les tissus
que dans la lymphe. Toutefois, les leucocytes sont aussi le symbole de la mort:
pour être prêts aussi rapidement que
possible lorsque surgit le danger, un
nombre incalculable d’entre eux attendent, inactifs dans la moelle osseuse,
pour finalement s’y suicider sans avoir pu
entrer en action. D’autres globules blancs
se suicident dans le thymus lorsque celui-
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ci reconnaît que leurs armes immunologiques se retournent contre nous.
C’est ainsi que les cinq litres de notre
sang constitue un microcosme dans lequel la vie et la mort se donnent la main
– et nous montrent, par exemple, comment une cellule fécondée peut former
les 200 types de cellules différentes, voire
davantage, que compte notre corps.
Toutes les cellules sanguines vivantes et
mortes proviennent d’un seul modèle cellulaire type qui se forme par minuscules
groupes dans la moelle osseuse. Ces
«cellules souches» hématopoïétiques ne
représentent qu’un dix-millième de toutes les cellules de la moelle osseuse, mais
une seule d’entre elles peut redonner du
sang neuf, et par conséquent la vie, à une
souris moribonde dont la moelle osseuse
a été endommagée par irradiation.
Une combinaison
mystérieuse
Ces merveilleuses cellules souches assurent leur immortalité en se divisant en
deux cellules filles identiques. Mais, le
plus souvent, elles produisent deux cellules filles différentes: une nouvelle cellule souche et une cellule «progénitrice»
dont les descendants peuvent se multiplier rapidement et produire des cellules
sanguines. Plus une telle cellule progénitrice est «immature», plus grande est sa
capacité de produire des cellules sanguines variées. Au début, cette variété
comprend presque toute la gamme des
cellules sanguines, puis celle-ci se rétrécit
au fil des étapes de maturation pour arriver à la distinction des globules blancs ou
rouges et, finalement, à un seul type de
cellules tout à fait matures.
Une combinaison mystérieuse de messagers protéiniques décide quand et
comment une cellule souche se divise et
quelle sorte de maturation est assignée à
une cellule progénitrice. Ou bien ces
messagers chimiques sont des hormones
circulant dans le sang, ou bien ils attendent à la surface des lymphocytes. Lorsqu’ils se connectent à une cellule souche
ou à des cellules progénitrices, les gènes
de ces cellules sont activés et ils déterminent ainsi le destin de ces cellules. La
concentration de ces messagers chimiques protéiniques dans le sang est infime, comme si un «épais brouillard» les
rendait longtemps «illisibles». Seule la
biologie moléculaire a pu disperser ce
brouillard et démêler le mystère après des
années de recherches minutieuses si bien
qu’aujourd’hui, nous sommes en mesure
de produire ces protéines à l’état pur et
en quantité suffisante.
L’érythropoïétine – en abrégé EPO – est
une hormone bien connue de tous. Elle
favorise la transformation des cellules
sanguines immatures qui n’ont pas encore leur pigment rouge, ce qui explique
son abus comme moyen de dopage. Une
autre hormone utilisée en médecine, le
filgrastim, accélère la maturation des globules blancs et nous protège ainsi contre
les infections. Avec ces médicaments miracles, très efficaces et particulièrement
spécifiques, le génie génétique moderne
a permis de sauver d’innombrables vies
humaines.
Bien qu’ils soient très différents, nos
globules blancs ont une chose en commun: ils se suicident dès que les hormones adéquates leur manquent ou qu’un
contact direct avec les lymphocytes correspondants n’est pas possible. Tout
comme leur maturation, leur programme
interne de suicide latent est extrêmement
bien élaboré et il est contrôlé avec autant
de précision. Il en va également de même
pour les précurseurs (encore en vie) des
globules rouges. Au fil de la maturation,
la gamme des tâches d’une cellule se
réduit et l’oblige aussi le plus souvent à
limiter sa durée de vie.
L’évolution a appris aux organismes
multicellulaires à se prémunir des risques
de mutation qui menacent les interactions précaires entre les différents types
de cellules. Dans les cellules souches, les
cellules mères de tous les composants du
sang, de telles mutations seraient particulièrement désastreuses, car elles pourraient endommager toutes les cellules
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sanguines. C’est pourquoi les cellules
souches se divisent rarement et, pour des
raisons encore mystérieuses, elles gardent pour elles-mêmes des brins d’ADN
originel lors de chaque division asymétrique. Elles se protègent ainsi des erreurs
de duplication qui pourraient conduire à
un vieillissement précoce ou à un cancer.
La prolifération massive de cellules pour
remplacer les cellules sanguines mortes
est laissée aux cellules progénitrices, dont
la durée de vie est limitée, ce qui permet
d’éviter des erreurs dommageables à
long terme lors de leurs duplications.
Un corps sain règle la maturation de
ses différentes populations de cellules
sanguines avec une grande précision,
mais le destin de chacune des cellules est
largement laissé au hasard. Lorsqu’une
cellule progénitrice immature se divise en
deux cellules filles identiques, celles-ci
choisissent souvent deux voies de maturation différentes, même si elles sont placées dans des conditions identiques. De
tels effets aléatoires jouent un rôle significatif dans l’évolution des êtres vivants et
permet à la nature d’interpréter de manière flexible l’information génétique
stockée dans les gènes. Par la loi des
grands nombres, ces fluctuations individuelles aléatoires sont «noyées» dans la
transformation de très nombreuses cellules. Des hormones comme l’érythropoïétine, qui favorisent la maturation des
cellules sanguines, influencent seulement
la probabilité pour une cellule progénitrice de prendre un chemin de maturation ou un autre. Le devenir d’une cellule
sanguine ne dépend donc pas seulement
de ses gènes, mais aussi des échanges
entre les autres cellules ainsi que du hasard. Et, comme nous le montrent les globules rouges, qui sont sans vie mais travaillent pourtant sans relâche, le destin
peut survivre à la mort.
Chemins de hasard
C’est également le cas des cellules de
notre peau et elles le montrent de manière impressionnante. La couche exter-
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ne de notre peau – l’épiderme – est constituée de cellules mortes, dont les protéines nous protègent à la manière d’un
bouclier contre les blessures et la déshydratation. Ces cellules-là aussi proviennent de cellules souches, elles se donnent
la mort au moment requis, elles remplissent alors leur tâche même par-delà la
mort, elles se détachent finalement de
nous pour laisser la place aux nouvelles
cellules et elles finissent comme poussières domestiques. Nous admirons la
mue du serpent – mais nous renouvelons
nous aussi notre épiderme au moins un
millier de fois dans notre existence. Le
sort d’une cellule sanguine n’est pas sans
rappeler celui d’un être humain. Notre vie
aussi est influencée par le jeu des interactions entre gènes, environnement et
hasard; chez nous aussi, à chaque étape
de maturation, la variété des chemins de
vie possibles rétrécit; et beaucoup de
grands hommes ont apporté la preuve
que, chez nous aussi, la mort n’est pas
왗
toujours la fin d’un destin.
Traduction:
Josianne Bodart Senn
Gottfried Schatz, biochimiste, professeur émérite
de l’Université de Bâle. Il a publié un livre qui rassemble des essais sur un large spectre de questions
sur la vie que se posent les disciplines scientifiques.
Son titre «Jenseits der Gene» (chez NZZ-Libro)
pourrait être traduit par «Au-delà des gènes». Cet
article a paru initialement en allemand dans la NZZ
du 30 septembre 2011, p. 39.
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Focus
Préparation à la naissance et à la
sur la pleine conscience
Dans le cadre d’un module de formation Bachelor de «Préparation à la naissance et à la parentalité», les étudiantes
sages-femmes développent des compétences professionnelles dans ce domaine. Des cycles de cours pour les futurs
parents sont organisés à la Haute école de santé de Genève sous la supervision d’une enseignante sage-femme.
On y apprend – entre autres – à réduire le stress, par conséquent à être moins vulnérable aux infections.
Anne Gendre,
chargée d’enseignement,
Filière Sage-femme –
Haute école de santé,
Genève.
Pour toutes informations
[email protected]
Dans le domaine de la recherche médicale, les interventions psychologiques
basées sur la pleine conscience («Mindfulness») ont fait l’objet ces dernières
années de très nombreuses publications
scientifiques (Baer, Grossman; Heeren).
La pleine conscience est considérée
comme une compétence psychologique
à part entière et elle est définie comme
«être attentif d’une manière particulière:
délibérément, dans le moment présent et
sans jugement » (Segal, p. 100). Du point
de vue de la prévention et/ou réduction
de la symptomatologie, l’efficacité de ces
interventions a été largement démontrée
dans de nombreux troubles tels que
l’anxiété généralisée, la réduction du
stress, la prévention de la rechute dépressive, l’insomnie, la boulimie, les douleurs
chroniques.
Quelques études pilotes ont été
conduites dans le domaine de la périnatalité (Beddoe; Duncan; Vieten). Le programme d’intervention MBSR («Mindfulness-Based Stress Reduction» que l’on
peut traduire par «réduction du stress
basée sur la pleine conscience») conçu
par Kabat-Zinn (Kabat-Zinn 1982, 2009)
est le plus largement utilisé et validé par
la communauté médicale. Ce programme
est structuré en 8 à 10 séances hebdomadaires de groupe d’une durée 2 h à
2 h 30 et complétées par une journée. Il
est basé essentiellement sur des exercices
pratiques méditatifs de pleine conscience
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Sage-femme.ch
suivis par des échanges entre les participants et l’instructeur. En outre, une pratique personnelle quotidienne de 30 à 45
minutes est demandée aux participants.
A cette fin, des supports audio et écrits
sont fournis.
Formée à cette approche, c’est une
adaptation de ce programme que nous
utilisons pour la préparation à la naissance et à la parentalité. Une adaptation
formelle de la MBSR, la MBCP («Mindfulness-Based Childbirth and Parenting education») dont nous nous sommes également inspirées est proposée par une
équipe de San Francisco (Duncan), un
ouvrage non traduit destiné aux parents
a été édité (Vieten) et un prochain destiné
aux professionnels est à paraître (Bardake).
Le stress périnatal
Pendant la période périnatale (grossesse,
accouchement, post-partum), les mères
doivent faire face à de nombreux évènements qu’elles perçoivent comme stressants (Razurel). Ces stress liés à des sentiments d’être menacée, de perte de
contrôle et de détresse (stress perçu) ont
un impact sur la santé générale de la
mère par le biais de mécanismes physiologiques du stress bien connus (diminution des défenses immunitaires, augmentation de la tension artérielle, du rythme
cardiaque, respiratoire, de la température
et de la glycémie, etc.). Bien évidemment,
l’impact se situe également sur la santé
mentale.
Le stress non contrôlé1 – sentiment de
ne pas avoir de possibilité de contrôle sur
la situation – peut conduire à une anxiété
élevée. Celle-ci est un facteur de risque
important de dépression périnatale qui
est, elle-même, une complication fréquente: environ 11% pendant la grossesse (Bennett) et de 6,5 à 12% pendant la
période du post-partum (Gavin).
D’autre part, l’impact peut se situer au
niveau de l’issue de la grossesse comme
lors d’un accouchement prématuré (Class)
ou sur le fœtus, par exemple lors de retard de croissance intra-utérin et sur l’enfant. Ce dernier point a fait récemment
l’objet de nombreuses recherches en psychiatrie et en neurosciences, et sont en
plein essor. Par exemple, l’étude de
O’Donnell montre qu’une anxiété élevée
pendant la grossesse augmente le risque
de programmation fœtale2 à travers un
certain nombre de mécanismes comme
celui du cortisol. Cela peut conduire à un
risque accru de maladies cardio-vasculaires, d’un syndrome métabolique,
d’obésité, d’ostéoporose et de troubles
psychiatriques chez l’enfant et l’adulte.
Si des résultats analogues confirment le
réel impact du stress périnatal sur le devenir de l’être humain, les conséquences
en matière de santé publique et de prévention seront conséquentes (O’Connor).
Par ailleurs, plusieurs études démontrent l’impact du stress périnatal sur les
capacités de régulation du nouveau-né
face au stress, sur le développement somatique, cognitif, émotionnel et comportemental de l’enfant à court et long
terme, ainsi qu’une augmentation de la
vulnérabilité aux troubles psychopathologiques (Arck; Graignic-Philippe; Cambonie; Davis; O’Connor; O’Donnell). La proportion du stress prénatal dans les
troubles cognitifs et émotionnels de l’enfant est estimée entre 5% et 22% (Talge).
Pour contrebalancer les effets négatifs
du stress, la capacité du système nerveux
à se modifier en fonction de l’environnement intervient: cela fait appel au con1
Voir plus loin le concept de stratégie de «coping».
Concept de «programmation fœtale» par l’adversité:
Un environnement adverse intra-utérin altère le développement fœtal et conduit à des modifications durables dans différents systèmes physiologiques.
3
Ce terme désigne la fonction d’animation d’un groupe
MBSR ou MBCT.
2
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à la parentalité basée
cept de neuroplasticité. Certaines études
suggèrent que la qualité de la relation
mère-bébé serait un puissant modulateur
de la neuroplasticité développementale,
ce qui permettrait de modifier la vulnérabilité ultérieure de l’enfant au stress
(Pluess ; Bergman). Ce dernier point souligne l’importance des interventions psychologiques (soutien émotionnel, etc.)
dans la période du post-partum.
Prévenir et réduire les
effets du stress périnatal
La diffusion des travaux sur l’impact du
stress périnatal a conduit à une médiatisation pouvant être une grande source de
stress pour les futurs parents. L’injonction
paradoxale «Déstressez-vous» et la culpabilité suscitée peuvent aggraver la problématique plutôt que de la diminuer. A
l’heure actuelle, aucune recherche mesurant l’impact d’interventions psychologiques visant à réduire le stress et l’anxiété auprès des mères et pouvant ainsi
diminuer les effets indésirables sur l’issue
de la grossesse et chez l’enfant, n’a été
conduite (O’Connor).
Ce champ d’étude commence à peine
à être exploré. A la Haute Ecole de Santé,
au sein de la filière sage-femme, ce sujet
d’étude nous intéresse particulièrement.
En ce moment, notre collègue et Professeure C. Razurel dirige une recherche sur
«l’Impact des événements stressants, du
soutien social et des stratégies de coping
sur le bien être et le sentiment d’autoefficacité parentale de la mère, en période périnatale». La suite logique de ces
travaux consistera probablement à étudier l’impact d’une ou d’interventions ciblées sur les stratégies de coping des
mères.
Au vu des résultats et de l’efficacité des
approches de pleine conscience décrites
plus haut, notre hypothèse est qu’un
cycle de cours MBSR adapté aux femmes
enceintes et à leurs conjoints est une réponse possible et adéquate. Dans ce
sens, il est aussi indiqué aux femmes enceintes devant modifier ou interrompre
un traitement psychotrope instauré par
exemple pour une prévention de la rechute dépressive.
Développer la compétence de pleine
conscience chez des futurs parents a
pour objectif d’améliorer leurs stratégies
de «coping» et donc leur sentiment
«d’auto-efficacité» face aux évènements
stressants se produisant naturellement
aussi bien pendant la grossesse, l’accouchement que le post-partum.
Le coping est un concept développé
par Lazarus et Folkman. Il se définit par
l’ensemble de processus qu’un individu
interpose entre lui et l’événement perçu
comme menaçant, pour maîtriser, tolérer,
ou diminuer l’impact de celui-ci sur son
bien-être psychologique et physique, de
sorte que la représentation du stress se
modifie.
L’auto-efficacité est un concept développé par Bandura: l’efficacité personnelle perçue n’est pas une mesure des aptitudes d’une personne, mais une croyance relative à ce qu’elle peut faire dans
diverses situations, quelles que soient ses
aptitudes. Cela a logiquement des conséquences, par exemple sur la persévérance face aux difficultés, le résultat des actions, la confiance, la résilience, le contenu
des pensées, le sentiment de bien-être, le
stress.
Ces effets nous semblent fondamentaux dans cette étape du devenir parent.
Par exemple, pendant la grossesse pour
diminuer les impacts du stress sur la santé
de la mère et de l’enfant; sur la gestion
des peurs et de la douleur pendant l’accouchement; pour augmenter le sentiment d’être compétent en tant que
parent dans la période postnatale, pour
favoriser le bon déroulement de l’allaitement.
D’autre part, nous savons que, dans la
régulation du stress et en particulier du
stress périnatal, le rôle du soutien social
est fondamental (Razurel). Selon le même
cadre théorique sociocognitif, le soutien
social est un processus d’interactions
sociales qui augmentent les stratégies
d’adaptation (coping), l’estime de soi, le
sentiment d’appartenance et la compétence, à travers l’échange affectif (réel)
ou prévisible de ressources pratiques ou
psychosociales. (Boucher et Laprise 2001,
cité par Brauchli).
Quatre composantes constituent le
soutien social reçu: le soutien émotionnel, d’estime de soi, informatif et matériel. C’est dans cette optique que, dans
nos groupes de futurs parents, nous privilégions la constitution d’un espace relationnel (en lien à soi et à l’autre) centré
En pratique
Cadre d’intervention
Prestation destinée à un public de futurs parents et rattachée à deux modules de la filière Sage-femme de la
Heds.
Participants
7 couples de futurs parents ou futures
mères accompagnées par une personne de leur choix.
Animation
Anne Gendre, assistée par des étudiant(e)s sages-femmes Bachelor 3ème
année (4 étudiant(e)s par cycle de
cours, 3 cycles par année).
Nadia Avvanzino pour la supervision de
la prestation «conseil en allaitement»
offerte par les étudiantes dans les séances postnatales.
Horaires
Trois séries de cours par année entre le
mois de novembre et avril (plus tard
pour les séances postnatales). Chaque
série de cours est composée de six
séances de trois heures chacune, au
cours du 2ème ou 3ème trimestre de la
grossesse, d’une journée entièrement
consacrée à la pratique de la pleine
conscience et de deux séances dans la
période postnatale.
Contenus
• Méditations et exercices basés sur la
pleine conscience (50% du temps).
• Apports de connaissances en lien
à la grossesse, l’accouchement, le
post-partum et l’allaitement basés
sur les besoins des participants.
• Echanges en groupe à partir du
vécu de grossesse/parentalité et aux
pratiques personnelles de pleine
conscience de chacun.
• Echanges informels lors des pausesrepas.
D’autre part, les participants sont invités à pratiquer 30 minutes d’exercices/jour à domicile. Dans ce but, des
supports audio (méditations guidées
sous différentes formes) sont donnés.
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Mosaïque
sur l’acceptation, la bienveillance,
l’ouverture, le non-jugement: attitudes qui sont au fondement des pratiques de pleine conscience. Les conditions nécessaires à la sécurité psychique nécessaire au bon déroulement
du processus de parentalité sont ainsi
définies (Molénat). Dans cette continuité les interactions instructeur3-participants ont pour objectifs d’apporter
un soutien émotionnel et d’estime de
soi, aux personnes – et ceci de manière
privilégiée. Le soutien informatif doit
être minoritaire, non directif, et donné
avec parcimonie et dans des temps
adéquats (prénatal ou postnatal). En
effet, certaines études suggèrent que
les connaissances transmises lors d’un
temps donné (la grossesse) sont rarement mobilisées en temps voulu comme dans la période du post-partum
(Razurel) et lorsqu’il y a demande d’informations, celles-ci doivent être dénuées de jugement personnel (notion
de choix éclairé).
D’autre part, la MBSR privilégie l’apprentissage et le développement de
compétences par le biais de l’expérience personnelle (pratique d’exercices formels et informels de pleine
conscience de 30 à 45 min/jour). Nous
pensons que cela permet un plus
grand développement du sentiment
d’auto-efficacité.
Quant à la participation active des
futurs pères, elle a pour objectif de
leur permettre d’apporter un soutien
plus important à leurs femmes et
d’améliorer leurs propres sentiments
de bien-être et stratégies de coping
face à l’arrivée de leur enfant. Si le
père ne peut ou ne veut pas participer
à cette préparation, la future mère a
la possibilité d’être accompagnée
d’une personne de son choix. La notion de «groupe» de futurs parents
vise à permettre le développement
d’un soutien entre pairs, ceci à une
époque où les occasions de contacts
entre parents sont réduites avec souvent comme corollaire, un sentiment
왗
d’isolement.
La bibliographie peut être consultée sur
notre page Internet > Sages-femmes >
Actualités pour les membres
Sites Internet à consulter
– Groupe MBCP aux Etats-Unis:
www.mindfulbirthing.org/
– Association pour le développement
de la Mindfulness:
www.association-mindfulness.org/
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Procédures d’imagerie médicale
Erreurs dans les rapports
d’analyse dictés et transcrits
Résumé publié initialement dans «Paper of the Month 27» de la Fondation
pour la sécurité des patients, traduit par le Prof. D. Schwappach, MPH,
directeur scientifique de la Fondation et professeur à l’Institut de médecine
sociale et préventive (ISPM) de l’Université de Berne.
A chaque fois qu’un diagnostic est établi
au moyen de procédures d’imagerie, un
rapport d’analyse doit être dicté et transcrit. Dans les hôpitaux ou les services spécialisés (centres de sénologie, par exemple)
où se déroulent une grande quantité
d’examens, l’établissement de ces rapports est un processus complexe et délicat
qui exige beaucoup de temps et de personnel. Il est donc compréhensible que
l’on multiplie les efforts pour automatiser
cette phase, notamment grâce à des logiciels de reconnaissance vocale: au moment
où le rapport est dicté, le logiciel transforme la voix enregistrée en texte, ce qui
évite l’étape de la retranscription «manuelle». Les rapports d’analyse revêtant
une importance cruciale pour les décisions
thérapeutiques, il est essentiel que le passage de l’oral à l’écrit soit exempt d’erreurs.
Méthodologie
Des chercheurs canadiens ont examiné si
les résultats de diagnostic de tumeur du
sein saisis par des logiciels de reconnaissance vocale (spécialisés dans les termes
médicaux) contenaient plus d’erreurs que
ceux qui étaient retranscrits à la main. Pour
le savoir, ils ont étudié 615 rapports (308
informatisés et 307 manuels) de mammographies, d’ultrasonographies, d’IRM et de
procédures combinées et interventionnelles. Dans la majorité des cas, les examens
avaient été pratiqués en raison d’un diagnostic avéré ou suspecté de carcinome
mammaire. Quel que soit le mode d’établissement, tous les rapports écrits avaient
été visés par le médecin qui les avait dictés.
Douze types d’erreurs ont été recherchés
(par exemple, mot non transcrit, erreur
d’unité de mesure) et les erreurs qualifiées
d’«importantes» ou de «mineures». Etait
considérée comme importante une erreur
ayant une incidence sur la compréhension
du rapport ou sur l’attitude thérapeutique
(par exemple, non-transcription du mot
«no» dans la phrase «no mammographic
signs of malignancy») et comme mineure
une erreur ne portant pas à conséquence
pour la compréhension du rapport ni pour
la prise en charge de la patiente (par
exemple, oubli d’une virgule). La fréquence
des erreurs a ensuite été comparée selon
www.patientensicherheit.ch
La Fondation pour la sécurité des patients
Cette organisation structurée en réseau
analyse les problèmes de sécurité et assure le développement, la diffusion et
l’évaluation de solutions concrètes pour
les prestataires de soins. Dans la mesure
de ses possibilités, elle favorise le transfert de ces solutions dans la pratique. Sa
lettre d’information contient une série
intitulée «Paper of the Month» (ou la
contribution du mois) destinée en particulier aux personnes qui souhaitent se
tenir au courant des dernières nouvelles
scientifiques mais qui ne disposent pas
des ressources nécessaires pour suivre
tout ce qui se passe dans ce domaine.
Toutes les quatre semaines environ, la
Fondation pour la sécurité des patients
présente ainsi une étude scientifique
récente consacrée à la sécurité des patients en donnant un aperçu de ses
principaux résultats. Le choix porte sur
des études internationales qui se distinguent par leur qualité et que la Fondation juge intéressantes ou novatrices de
par le sujet traité ou la méthode employée.
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Livres
Marianne Markmann
Les couches lavables – Le retour!
Jouvence, 2008, 96 p.
ISBN = 2-88353-707-1
les méthodes de transcription. Les auteurs
de l’étude ont également voulu savoir si
d’autres facteurs influençaient ce dernier
paramètre (par exemple, procédure diagnostique, niveau de formation ou langue
maternelle du médecin examinateur).
Résultats
Dans les rapports obtenus par informatique, 52% comportaient au moins une erreur, dont 23% une importante au moins,
alors que, dans les rapports transcrits à la
main, 22% comportaient au moins une erreur, dont 4% une importante au moins
(p<0,01). Le plus haut taux d’erreurs a été
relevé dans les rapports d’IRM (35% des
informatisés, 7% des conventionnels). Dans
les documents informatisés, les erreurs les
plus fréquentes étaient dues à l’adjonction
ou à l’oubli de mots. Les auteurs n’ont pas
noté de différences en termes de types
d’erreurs d’une procédure à l’autre.
Après ajustement pour la procédure diagnostique, le niveau de formation et la
langue maternelle du médecin examinateur, ils ont enregistré un risque huit fois
plus élevé d’erreur importante avec la méthode informatique qu’avec la transcription humaine, et ce même avec des logiciels spécialisés dans la terminologie médicale. Les erreurs n’ont manifestement pas
été identifiées ni corrigées par le médecin
chargé de signer le rapport: près d’un
quart des documents établis par reconnaissance vocale et relus par le médecin
responsable contenaient au moins une erreur de nature à modifier la compréhension du résultat ou la prise en charge de la
patiente. Une amélioration du contrôle de
la qualité, par exemple par une deuxième
personne, lorsqu’il y a utilisation d’un logiciel de reconnaissance vocale est indispensable pour garantir la sécurité des patients.
Source: Basma S, Lord B, Jacks LM, et al.: Error
rates in breast imaging reports: Comparison of
automatic speech recognition and dictation transcription. AJR, American Journal of Roentgenology 2011; 197: 923–927.
Lavables ou jetables? «Trop
compliqué!» – «Pas le temps»
– «On est moderne maintenant au XXIe siècle» – Autant
de contre-argumentations exprimées par la majorité des utilisateurs des couches jetables!
Souvenez-vous: il n’y a pas si
longtemps – c’était en 1966 –
nous avons connu l’arrivée massive du jetable «Pampers».
Le coût? Entre lavables et jetables, cela va
du double au quadruple, voire plus, jusqu’à la propreté de bébé! Et le bilan écologique? 500 ans pour «désintégrer» les
particules chimiques et plastiques du traditionnel Pampers. 4745 couches, soit environ 900 kg ou l’équivalent du volume
d’une chambre d’enfant … que nous envoyons dans la nature.
Et le besoin de santé de notre chérubin?
Allergie, érythème fessier, vapeur de chlore,
asthme, etc. sont diverses pathologies en
lien avec la dégradation des
composantes de la couche jetable. Opter pour les couches
lavables n’est certes pas un acte
anodin: c’est avant tout un
geste symbolique, moderne (et
oui!), éthique et responsable.
Ce petit livre va peut-être vous
en convaincre. Mme Markmann, maman utilisatrice et
femme active dans diverses
associations de protection de
l’environnement, illustre les différents
modèles, les commente, ajoute des expériences de consommateurs, met en évidence les «cultures» du lavable et du
«sans couches» de par le monde. Il est très
complet, à une exception près: il n’y a rien
sur les sites et les adresses suisses (malheureusement pas d’actualité, bien que
son utilisation grandisse chez nous aussi).
Pour tout professionnel ou/et consommateur averti: un document à avoir dans sa
bibliothèque!
Fabienne Rime,
infirmière sage-femme
Marcel Rufo et Christine Schilte
Elever Bébé
Hachette pratique, 2009,
768 p., 29 euros,
ISBN = 2-0123-7555-0
Version 2009 d’un dico très
sympa sur les grandes étapes
du développement de l’enfant
de 0 à 6 ans!
En plusieurs lectures différentes: mois après mois pour
la première année, semestre
après semestre jusqu’à 3 ans, puis année
par année jusqu’à 6 ans. En 750 pages, il
traite de l’essentiel de ce qu’il faut savoir
sur tel ou tel thème du développement.
En parallèle, dans un volet d’une à deux
pages selon le thème développé, apparaissent différents éclairages (informations, conseils pratiques, réponses à des
questions de parents) et un dernier texte
«signé Marcel Rufo» termine le thème.
Célèbre pédopsychiatre français, Marcel
Rufo s’associe à différents professionnels
de l’enfance et de l’adolescence pour apparaître régulièrement dans tous les médias et répondre aux questions des pa-
rents. Avec Christine Schilte,
journaliste spécialiste dans le
suivi de la maternité et de la
petite enfance, il répond ici –
avec simplicité, couleur, humour, diversité, dédramatisation, rigueur et humanité – à
tous les soucis de ces années
charnières.
Un livre à proposer, à consulter, à référencer ... jusqu’à la
prochaine édition!
Petit bémol: on reste en territoire français! La gestuelle de puériculture, les protocoles hospitaliers et même le matériel et
les conseils pratiques sont différents. Je
me permets quand même – exceptionnellement – une remarque très positive: on y
trouve la place de la sage-femme reconnue dans l’allaitement maternel, son soutien à la parentalité et son expertise à
domicile ... Merci.
Fabienne Rime,
infirmière sage-femme
Hebamme.ch
Sage-femme.ch
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Stellen_44
27.12.2011
9:13 Uhr
Seite 44
Ort der Zusammenarbeit
Das Kantonsspital Baden bietet als Kompetenzzentrum umfassende
medizinische Versorgung für rund 300000 Einwohnerinnen und
Einwohner. Es arbeitet eng mit Hausärzten, Spitälern und weiteren
Gesundheitsorganisationen im Ostaargau zusammen.
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Régie d’annonce
Die Geburtshilfe am Kantonsspital Baden (1600 Geburten pro Jahr) ist
lebhaft, vielseitig und anspruchsvoll. Per sofort oder nach Vereinbarung suchen wir für ein Pensum von 100 % eine
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Sind Sie eine kreative, initiative Fachfrau? Dann finden Sie bei uns die
nötigen Voraussetzungen, um unsere Vorstellung einer ganzheitlichen
Betreuung für Frau und Mann umzusetzen. Wir bringen Sicherheit und
Geborgenheit in Einklang mit Individualität und setzen dabei gezielt
auch alternative Methoden wie Bäder, Essenzen, Homöopathie und
Akupunktur ein.
Wir bieten unseren Mitarbeitenden ein breites Fort- und Weiterbildungsangebot sowie gezielte Beratung und Unterstützung durch Fachpersonen. Die umfassende betriebliche Gesundheitsförderung leistet
einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden unserer Mitarbeitenden.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann rufen Sie uns an, wir geben
Ihnen gerne weitere Auskünfte: Ursula Brändli, Leitende Hebamme,
Telefon 056 486 21 11, intern 3570 und Sabine Sahli, Leiterin Pflege
Frauenklinik, Telefon 056 486 21 11, intern 3515.
Ihre schriftliche Bewerbung senden Sie bitte an Susanna Bochsler,
Sekretariat Pflegedirektion, Kantonsspital Baden AG, 5404 Baden
oder per E-Mail an: [email protected]
Anzeigenschluss für Stellenanzeigen:
Mittwoch, 18. Januar 2012
Dernier délai pour les offres d’emploi:
Mercredi, le 18 janvier 2012
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Geltenwilenstrasse 8a . 9001 St.Gallen
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Luzern, die beiden Grundversorgungsspitäler Sursee und Wolhusen sowie die Luzerner Höhenklinik Montana. Das Zentrumsspital der Innerschweiz ist das grösste nicht universitäre Krankenhaus der Schweiz. Seine Kliniken und Institute bieten
medizinische Leistungen von hoher Qualität an.
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perinatologisches Zentrum für Mutter und Kind. In unserer Klinik kommen pro Jahr rund 1700 Kinder zur Welt. Die Neue
Frauenklinik ist nach den UNICEF-Richtlinien rezertifizierte "Babyfreundliche Klinik".
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Anforderungen
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Frau Margrith Götte Hüsser, Teamleiterin Gebärabteilung, 041
205 12 28
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Ihre schriftliche Bewerbung senden Sie bitte unter Angabe der
Kennziffer 54746 an das Luzerner Kantonsspital, Personalabteilung, CH-6000 Luzern 16.
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10:11 Uhr
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