Heft 150/151

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Heft 150/151
Mitteilungsblatt der Bibliotheken in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
Leseviren, Lesetrojaner
Leseförderung durch die Hintertür
Konsolenspiele
Digitale Spiele in öffentlichen Bibliotheken
Neue Arbeitswelten
Bibliotheken als Bildungstreffpunkte
der vernetzten Wissensgesellschaft?
Caroline Mathilde
Die Fernleihen der dänischen Königin
Ausgabe 150/151 · 10|2012
Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Leseförderung erfolgt – nach dem Motto „Lies mehr!“ – oft durch die Vordertür. Doch diese frontale Herangehensweise erreicht häufig gerade
nicht die leseschwachen und deshalb besonders förderungswürdigen Kinder und Jugendlichen. Andreas Müller skizziert, wie Leseförderung durch
die Hintertür gelingen und letztlich auch „Lesemuffel“ zum Lesen bewegen kann – mittels „Leseviren“ und „Lesetrojanern“.
Titelfoto: iStockphoto
Im Bereich digitaler Medien haben Konsolenspiele (sogenannte Games)
eine Art gesellschaftlichen Massentrend ausgelöst – und das generationenübergreifend. Lesen Sie, wie öffentliche Bibliotheken diesen Trend
sinnvoll aufgreifen können und welche Möglichkeiten Games den Bibliotheken bieten.
Der Einfluss der Digitalisierung im Bereich Information und Kommunikation hat zu einem Wandel der Arbeitswelt geführt, der auch die Rolle
von Bibliotheken neu definieren könnte. Möglicherweise entwickeln sich
Bibliotheken „als Bildungstreffpunkte zu neuen Drehpunkten der vernetzten Wissensgesellschaft 2.0“, so die These unseres Autors Welf Schröter.
Eine Bibliothek – zwei Standorte. Dieser Herausforderung stellen sich die
Zweigbibliotheken Medizin der Universitäts- und Landesbibliothek
Sachsen-Anhalt in Halle. Karin Stukenbrock beleuchtet die dortige Entwicklung und zeigt den Spagat zwischen traditioneller und digitaler
Bibliothek auf, der angesichts neuer Anforderungen und im Rahmen gewachsener Strukturen zu leisten ist.
Einen spannenden Exkurs in die Geschichte des Bibliothekswesens bietet
der Beitrag über die Fernleihen der dänischen Königin Caroline Mathilde
während ihrer Zeit im Exil 1772 bis 1775. In diesen Jahren soll sie rund
60 Bücher aus der Königlichen Bibliothek in Hannover entliehen haben.
Wir berichten ausführlich über die aktuelle Ausstellung zum Literaturpreis
LUCHS in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, das LesescoutProjekt in Niedersachsen, ein Schreibprojekt für Grundschüler in Harzgerode und die groß angelegte Bestandsrevision der Schulbücherei in Bad
Pyrmont. Außerdem blicken wir zurück auf den 4. Bilderbuch-Sonntag in
Hannover, den Auftritt des dbv auf der diesjährigen didacta sowie die Verstetigung der Akademie für Leseförderung Niedersachsen im September.
Das Redaktionsteam dankt allen Autorinnen und Autoren für ihre Beiträge und Berichte in dieser Ausgabe von mbmagazin und wünscht
Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Freude bei der Lektüre.
Für das Redaktionsteam
Sebastian Lemke
1
Antiquariat Fuhrmann am Burgplatz in Braunschweig. Foto: Peter Pohl
2
150/151
Inhalt
Beiträge
Von Leseviren und Lesetrojanern – Leseförderung durch die Hintertür ............... 4
Fußball, Skaten, Singen – Konsolenspiele in öffentlichen Bibliotheken ............... 8
Der Wandel der industriellen Arbeitswelt fordert das Selbstverständnis
der Bibliotheken heraus ......................................................................................... 12
Neue Anforderungen an ge­wachsene Strukturen:
Zweigbibliotheken als Lernor­te . ............................................................................ 17
Seite 4
Die Fernleihen der dänischen Königin ................................................................. 20
Seite 12
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
4. Bilderbuch-Sonntag in Hannover ...................................................................... 24
Die Bücher des Literaturpreises LUCHS zum Anfassen und Ausprobieren ...... 27
„Die Bibliothek an Ihrer Seite“ – der Auftritt des dbv auf der didacta 2012 ......... 29
Schreibwerkstatt für Grundschüler in Harzgerode .............................................. 32
Lesescouts in Niedersachsen ................................................................................. 33
Seite 24
Akademie für Leseförderung Niedersachsen ist fest etabliert
– von Leseförderung und Lesesucht ...................................................................... 34
Schulbücherei in Bad Pyrmont sortiert rund 6.000 Bücher aus . ........................ 36
Seite 32
Kurzberichte, Termine, Hinweise, Autoren, Impressum
39–41
Termine, Hinweise ....................................................................................... 42–43
Autoren .................................................................................................................... 44
Impressum ............................................................................................................ U3
Kurzberichte ..................................................................................................
Foto linke Seite
Seite 40
Es gibt sie noch, die kleinen verwunschenen Orte, wo Bücher noch Bücher sein können. Wo die Zeit stillzustehen scheint, wo Twitter, iPad,
E-Book-Reader und Co. ihren Einfluss verlieren. So eine kleine bibliophile Oase ist das Antiquariat Fuhrmann im Herzen Braunschweigs,
direkt am geschichtsträchtigen Burgplatz gelegen. Einst als Windfang erbaut, schmiegt sich das kleine, nur acht Quadratmeter große
Gebäude an die Außenfassade der Burg Dankwarderode. Jürgen Fuhrmann, der sich auf antiquarische Reiseliteratur spezialisiert hat
und stolz so manchen echten Bücherschatz präsentieren kann, hat vor 20 Jahren dieses Lädchen von seinem 90 Jahre alten Vorgänger
Bernhard Schütte übernommen. Seit 1949 gibt es das wohl kleinste Antiquariat Deutschlands hier an dieser Stelle. Eine ganz eigene
Bücherwelt und eine Touristenattraktion der besonderen Art. Herzlich willkommen.
3
Beiträge
4
Von Leseviren
und Lesetrojanern
– Leseförderung
durch die Hintertür
Leseförderung fällt oft mit der Tür ins Haus.
Aber durch die Vordertür der Aufforderung
„Lest mehr!“ werden gerade die leseschwachen
und leseunlustigen Problemgruppen im
Teenager-Leseloch kaum erreicht.
Hier empfehlen sich vielmehr
Ansätze der Leseförderung durch
die Hintertür.
Text: Andreas Müller1
Fotos: Peter Pohl, iStockphoto
Leseförderung tut weiterhin not
Anfang des Jahrtausends kam der PISASchock, ein Jahrzehnt später jagt man
uns den Leo-Level-One-Schreck ein.
Durch die internationale Vergleichsuntersuchung PISA trat 2000 zutage, dass
viele deutsche Schüler der neunten
Klasse Texte nicht verstehen.2 Durch
die „leo. – Level-One Studie“ der Universität Hamburg wurde 2010 ermittelt,
dass viele Erwachsene hierzulande funktionale Analphabeten sind: Mehr als
14 Prozent der Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter können auch kürzere, zusammenhängende Texte weder lesen
noch schreiben.3 Die von der Kanzlerin
Merkel ausgerufene „Bildungsrepublik
Deutschland“4 droht schon an der niedrigsten Hürde zum Wissen, der Lesekompetenz, zu straucheln.
wert von 500 Punkten, während wir in
Mathematik (513 Punkte) und Naturwissenschaften (520 Punkte) deutlich
besser abschnitten.5 Wie ist das möglich, bei all dem Aufwand, der seit einiger Zeit unter dem Etikett „Leseförderung“ getrieben wird?
Seit dem PISA-Schock sind viel Geld,
viel Geist und viel Engagement in die
Leseförderung geflossen. Dennoch
lagen wir Deutschen bei der Folgeuntersuchung PISA 2009 mit unserem
Leseergebnis von 497 Punkten zwar höher als 2000 (483 Punkte), aber immer
noch knapp unter dem Durchschnitts-
Leseförderung durch die Vordertür
Sehen wir uns zunächst zwei Beispiele für bekannte Leseförderaktionen an:
den „Vorlesewettbewerb des Deutschen
Buchhandels“ und das Lesemotivationsund Bibliotheksprojekt „Julius-Club“.
Diese Leseförderaktionen kommen
1 Dieser Text fasst die wesentlichen Gedanken eines Vortrags zusammen, der am 17.4.2012
4 Aus der Rede von Bundeskanzlerin Merkel auf der Festveranstaltung „60 Jahre Soziale
an der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover gehalten wurde.
Marktwirtschaft“ am 12.6.2008 in Berlin,
http://archiv.bundesregierung.de/Content/DE/Archiv16/Rede/2008/06/2008-06-12-redemerkel-60-jahre-soziale-marktwirtschaft.html?nn=273438 (zuletzt abgerufen am 24.8.2012).
2 Vgl. Verbeet, M.: Pisa 2000 bis 2009, Bilanz eines Schock-Jahrzehnts. In: Spiegel Online,
Schulspiegel, 7.12.2010, http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,733310,00.html
(zuletzt abgerufen am 24.8.2012).
3 Vgl. Grotlüschen, A., Riekmann, W.: leo. – Level-One Studie, Presseheft. Hamburg, 2011,
http://blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf (zuletzt
abgerufen am 24.8.2012).
5 Vgl. OECD: PISA 2009 – Ergebnisse, http://www.oecd.org/document/53/0,3343,
de_34968570_39907066_43433717_1_1_1_1,00.html (zuletzt abgerufen am 24.8.2012).
Beiträge
holen sich dabei das absehbare Misserfolgserlebnis, das ihre
Leselust eher weiter senkt als steigert.
durch die Vordertür, das heißt: Sie bekennen sich zu ihren guten Absichten
und appellieren an den guten Willen der
beteiligten Kinder.
Der niedersächsische Sommerleseclub
Julius-Club der VGH-Stiftung und der
Büchereizentrale Niedersachsen tritt
nicht mit demselben Ausleseanspruch
auf, im Gegenteil: Anerkennung für
alle ist angesagt! Die 11- bis 14-jährigen
Teilnehmer des Julius-Clubs erhalten
Urkunden und kleine Geschenke, wenn
sie ein paar Bücher eigener Wahl aus einem vielfältigen Angebot ihrer Bibliothek lesen und dazu ein paar Fragen beantworten. Das Bücherangebot bedient
typische Mädchen- und typische Jungeninteressen; es umfasst auch sprachlich
und inhaltlich besonders schlichte Titel
für die weniger geübten Leserinnen und
Leser. Hier gibt es also eigentlich nur
Gewinner, und das müsste sich auch in
einer breiteren Streuung der Teilnehmer niederschlagen. Aber tatsächlich
kommen die allermeisten Anmeldungen zum Julius-Club von Gymnasiasten,
während Haupt- und Förderschüler fast
gar nicht vertreten sind.7
Um Missverständnisse zu vermeiden:
Die Leseförderung durch die Vordertür ist durchaus erfolgreich, denn die
Der Vorlesewettbewerb des Deutschen
Buchhandels zieht die besten Leserinnen und Leser einer sechsten Klasse an
und verschafft wiederum den besten
von ihnen einen weiteren Auftritt in der
Schule, im Erfolgsfall sogar auf der Ebene von Stadt, Region, Land und Bund.
Mit jeder Folgeetappe steigt allerdings
auch die Zahl der Verlierer. Am Ende
gibt es zwei Bundessieger, einen in der
Gruppe A, einen in der Gruppe B.6 Alle
anderen haben verloren. Die schwachen
Leserinnen und Leser machen nur dann
mit, wenn sie die Lehrkraft im Klassenverband dazu „verdonnert“, und sie
6 Vgl. Übersicht über alle Bundessiegerinnen und -sieger
seit 1959, http://www.vorlesewettbewerb.de/lehrer/allesieger/ (zuletzt abgerufen am 24.8.2012).
7 Vgl. Büchereizentrale Niedersachsen: JULIUS-CLUB:
Auswertung 2011 (Auszug), http://80.239.150.30/~bzluene/
cms/downloads/julius.2011.auswertung.handout.pdf (zuletzt abgerufen am 24.8.2012).
Bekannte Leseförderaktionen: „Julius-Club“
und „Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels“.
Vorlesewettbewerbe und Sommerleseclubs animieren Tausende von Schülerinnen und Schülern
zum Lesen, und das ist gut so. Aber die
eigentlichen Sorgenkinder werden in
der Regel nicht erreicht. Der Grund:
Wer durch die Vordertür kommt, fällt
mit der Tür ins Haus, sagt „Lesen ist
gut“ und „Lies mehr!“ – doch diese Botschaft hören die nicht gern, die mit dem
Lesen nicht gut klarkommen und weder
häusliche Lesevorbilder noch häusliche
Ermunterung haben.
Leseförderung durch die Hintertür …
Deshalb sollte die Leseförderung verstärkt den Weg durch die Hintertür suchen. Mit Hintertür ist gemeint, dass
nicht das Lesen in den Mittelpunkt des
jeweiligen Angebots gestellt wird, sondern gezielt Handlungsmotive angesprochen werden, die erfahrungsgemäß
alle Kinder und Jugendlichen gemeinsam haben.
Welche Handlungsmotive sind nun bei
jungen Leserinnen und Lesern wirk-
5
Beiträge
6
sam? Zwei ragen besonders heraus:
der Wunsch, es Vorbildern gleichzutun,
und der Wunsch, eigene Ziele zu verfolgen. Jedem dieser beiden Wünsche entspricht eine eigene Leseförder-Strategie.
Das Nachmach-Bedürfnis wird durch
die virale Leseförderung bedient, und
das Bedürfnis, eigene Ziele zu verfolgen,
durch die trojanische Leseförderung.
… mit Leseviren
Das Lesevirus ist kein Krankheitserreger,
sondern ein sich schnell verbreitendes
Lesefieber, das sich an Vorbildern nährt.
Es wird von Erwachsenen, von Gleichaltrigen und von den Medien übertragen. Die erwachsenen Lesevorbilder im
bildungsnahen Milieu sind die lesenden
Eltern und Geschwister. Aber für Heranwachsende aus bildungsfernen Schich-
ten können die Lehrerinnen und Lehrer
dieselbe Rolle übernehmen. Lehrer, die
gern vorlesen, gern mit Schülern über
Gelesenes reden sowie im Unterricht
und außerhalb beim Lesen zu sehen
sind, senden ein wichtiges Signal, ohne
dass sie ein einziges Mal „Lesen ist gut“
oder „Lies mehr!“ sagen.
Zwei Hindernisse stellen sich allerdings
dem Lehrer als Lesevorbild in den Weg.
Zum einen haben viele Lehrer den Eindruck, selbst gar keine Zeit mehr zum
Lesen zu haben, sind deshalb de facto zu
Wenig- oder Nichtlesern geworden. Zum
anderen betrachten Lehrer das Lesen oft
als Gegenteil von Arbeiten und schrecken davor zurück, sich öffentlich zu
einem vermeintlichen Freizeitvergnügen zu bekennen. Den ersten Lehrertyp
muss man daran erinnern, dass Lesen
einen guten Ausgleich für Stress durch
Arbeitsverdichtung im Sinne der viel
beschworenen Work-Life-Balance bietet.
Der zweite Lehrertyp braucht nur auf
den segensreichen pädagogischen Effekt seines Lesevorbilds aufmerksam gemacht zu werden. Beiden Lehrertypen
möchte man ins rote Lehrer-Notizbuch
schreiben: „Kein Schultag ohne Buch in
der Tasche – und in der Hand!“
Die Gruppe der Gleichaltrigen spielt mit
wachsendem Alter eine immer wichtigere Vorbildrolle.8 Die Schule kann hier
entgegenkommen, indem sie Freiräume
für Lesetipps von Schülern für Schüler
schafft. Das Projekt „Lesescouts“ der
Stiftung Lesen geht in diese Richtung,
auch wenn es durch seinen Namen eher
die Vordertür nimmt: Schülerinnen und
Schüler wenden sich mit ihren Leseförder-Angeboten direkt an ihre Mitschüler,
teilen also ihre eigene Begeisterung mit
der Peergroup.9
In mancher Hinsicht ein Sonderfall des
Lesevirus ist die von den Medien angeheizte Lesemode. Hier wird ein Autor, ein Romanheld oder ein Titelmotiv
multimedial als „Kult“ beworben, und
keiner kann dem Sog widerstehen. Einen Vorläufer gab es schon am Ende des
18. Jahrhunderts in Gestalt des WertherFiebers, das Johann Wolfgang Goethes
Briefroman auslöste. In der Kinder- und
Jugendliteratur sind neuere Beispiele
die Begeisterung für die Harry-PotterBücher von Joanne K. Rowling und für
die Titel der Bis(s)-Reihe von Stephenie
Meyer. Solche Moden sollte man als Leseförderer nicht (nur) ironisch belächeln,
sondern sich für die Leseförderung
durch die Hintertür zunutze machen.
… und mit Lesetrojanern
Troja ist eine legendäre Stadt des Altertums, auf dem Territorium der heuti8 Vgl. zum Beispiel: Philipp, M.: Lesen, wenn anderes und
andere wichtiger werden. Empirische Erkundungen zur
Leseorientierung in der peer group bei Kindern aus fünften
Klassen. Hamburg, 2008.
9 Mehr Informationen zur Aktion „Lesescouts“ unter
http://www.lesescouts.de/ (zuletzt abgerufen am 24.8.2012).
Beiträge
7
gen Türkei gelegen. Bekannter als die
Bewohner der Stadt ist das Trojanische
Pferd, ein riesiges Ross aus Holz, in
dessen Bauch sich der Legende nach
Soldaten versteckten, um die Stadt Troja einzunehmen. Heutzutage wird unter
einem Trojanischen Pferd (in der Kurzform „Trojaner“) allgemein eine Strategie verstanden, mit der man sich listig
an ein schwer erreichbares Ziel heranarbeitet. In unserem Fall muss die Barriere der Leseunlust überwunden werden:
durch sorgfältiges Verstecken des Ziels
Lesen hinter einem auch für den Nichtleser attraktiven Vorwand.
Das persönliche Interesse ist ein solcher Vorwand. Wer Fußball-Fan ist, der
trägt nicht nur den Fanschal seines Vereins, der liest auch den Spielbericht in
der Zeitung und womöglich gar den
Bildband zur Vereinsgeschichte. Die
Lehrkraft kann sich dies zunutze machen. Wenn sie bei dem vielerorts beliebten Projekt „Zeitung in der Schule“
die Schüler Artikel aus der täglich gelieferten Lokalzeitung sammeln und auswerten lässt, kann sie solchen Vorlieben
Raum lassen und damit neue Motivation fürs Lesen wecken.
Ein ähnlich wirksamer Vorwand kann
das Lieblingsfach sein. Die Computerfreaks unter den Schülern gelten
gemeinhin nicht als Leseratten. Aber
wenn die Schulbibliothek die gängigen
Computer-Fachzeitschriften und Handbücher zu aktuellen Programmiersprachen zur Schau stellt, sind die Nerds zur
Stelle – und kommen wieder.
Schließlich ist sogar die Nützlichkeit
ein Vorwand, mit dem man Lesemuffeln den Sprung über die Lesehürde
schmackhaft machen kann. Wer Angst
vor dem Durchfallen bei der Prüfung in
seinem persönlichen Angstfach hat, der
steckt den Kopf aus Not doch in ein Buch
hinein, das ihm auf die Sprünge zu helfen verspricht. Von dieser extrinsischen
Motivation lebt ein ganzer Markt von
Lernhilfen, besonders im Mathematikund Fremdsprachenunterricht.
Die Zukunft des Lesens
Das Lesen wird auch in Zukunft eine
Schlüsselkompetenz bleiben. Aber die
Printmedien bekommen immer mehr
elektronische Konkurrenz; seit Längerem vom Computer, inzwischen zunehmend von handlichen Endgeräten wie
Smartphone, Tablet-PC und E-BookReader. Diese Entwicklung mag manchen Bildungsbürger schrecken, dem
ja niemand seine Insel-Dünndruckausgabe von Goethes Werken wegnehmen
will. Aber die neuen Medien schaffen
neue Ansatzpunkte für die Leseförderung durch die Hintertür, mit der sich
leseferne Personengruppen zum Lesen
verführen lassen.
Insbesondere Jugendliche begeistern
sich schnell für neue Geräte und eignen sich ihre Bedienung in Windeseile
an. So sorgt der Coolnessfaktor zum Beispiel dafür, dass E-Books gerade von
männlichen Lesemuffeln auf Lesegeräten wie dem Kindle bereitwillig gelesen
werden. Das haben Untersuchungen in
Deutschland10 und den USA11 bereits
nachweisen können. Ob die kurzfristig
angelockten jugendlichen Kindle-Leser
nachhaltig zum Lesen bekehrt werden,
ist eine andere Frage. Aber die Leseförderung durch die Hintertür hat ja – wie
wir gesehen haben – noch ein paar andere Tricks in petto.
ä
10 Ehmig, S. C., Reuter, T., Menke, M.: Das Potenzial von
E-Readern in der Leseförderung. Institut für Lese- und
Medienforschung der Stiftung Lesen, Mainz, August 2011,
http://www.stiftunglesen.de/ereaderstudie (Chartbericht_
EReader-Studie) (zuletzt abgerufen am 24.8.2012).
11 „Elf- bis Fünfzehnjährige, die Bücher meiden, bekommen durch E-Book-Reader mehr Lust aufs Lesen. Allerdings gilt die Initialzündung eher für Jungen als Mädchen,
wie US-Forscher aus Texas bei einer Studie mit knapp 200
Schulkindern herausgefunden haben.“ In: Der Spiegel
15/2012 (vom 7.4.2012), Starthilfe für Lesemuffel, S. 118.
Beiträge
8
Fußball, Skaten, Singen
– Konsolenspiele in öffentlichen
Bibliotheken
Digitale Spiele fristen längst kein Nischendasein mehr, sondern
haben sich mit einem vielfältigen Programm zu einem Massenphänomen entwickelt.
Öffentliche Bibliotheken
folgen diesem Trend
und nehmen zunehmend auch Konsolenspiele in ihr Medienangebot auf.
Text: Sylvia Chudasch
Fotos: Büchereizentrale
Niedersachsen, Fotolia,
iStockphoto
Konsolenbegeisterung kennt kein Alter
Es ist ein bislang eher seltenes Bild in den
meisten Stadt- oder Gemeindebibliotheken: Ein älterer Mann steht vor einem
Bildschirm und bewegt sich wie ein Fußballer auf dem Rasen; er schießt einen
Elfmeter und … „Tor!“. Ein paar jugendliche Besucher stehen um ihn herum,
jubeln, und einer von ihnen hebt anerkennend den rechten Daumen. Dann
tauscht dieser mit dem Mann vor dem
Bildschirm den Platz und bringt sich in
Schussposition. Sport per Spielkonsole.
Spiele im klassischen Sinn von Gesellschaftsspiel waren schon immer ein
Bestandteil unserer Alltagskultur, und
in vielen öffentlichen Bibliotheken fin-
det man sie seit langem zum Ausleihen
und auch zum Ausprobieren vor Ort.
Aber neben den bekannten Karten- und
Brettspielen und der neueren digitalen
Generation für PC und Handy begeistert seit einigen Jahren vor allem die
leistungsfähige und extrem realitätsnahe Software für die Spielkonsolen von
Nintendo, Microsoft oder Sony. Sie sind
die Attraktion für viele Jugendliche, Familien und neuerdings – sogar mit ausdrücklicher Empfehlung des zuständigen Bundesministeriums – selbst für
Senioren: die sogenannten Games. Ihr
Einzug in Stadt- und Gemeindebibliotheken hat hier und da langsam begonnen, aber noch längst nicht alle erreicht.
Öffentliche Bibliotheken haben sich immer als zentrale Orte für Kultur und Bildung verstanden und in ihrem Angebot
die Vielfalt der Medienlandschaft für
jeden zugänglich gemacht. Sie sollten
deshalb auch die enormen Möglichkeiten der digitalen Spiele für ihre Kunden
anbieten. Selbst die Online-Ausgabe der
altehrwürdigen ZEIT titelte: „Games
gehören in die Bibliotheken“, um dann
kritisch festzustellen, dass die seit 2008
offiziell zum Kulturgut zählenden digitalen Spiele bisher in Bibliotheken viel
zu wenig vertreten sind.
Dabei kann durch ein um Konsolenspiele erweitertes Angebot eine deutlich
Beiträge
erhöhte Ausleihe erzielt werden – ein
klarer Beweis für die Nachfrage. Ein
weiterer positiver Nebenaspekt ist, dass
besonders die oft schwer erreichbaren
jugendlichen Nutzer ihre Bibliothek einmal von einer ganz anderen Seite wahrnehmen. So können Konsolenspiele als
„Türöffner“ dienen, die Bibliothek zu
nutzen und dabei auf ihr vielfältiges Angebot aufmerksam zu werden. Erstaunte Kommentare wie „Cool, das gibt’s bei
euch auch?!“ sind oft die Folge. Auf diese Weise lässt sich das häufig vorurteilsgeladene Image der öffentlichen Bibliotheken bei dieser Zielgruppe wirkungsvoll verbessern.
Die richtige Auswahl ist entscheidend:
Spielkonsolen im Vergleich
Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging), Simulationsspiele (World of Zoo), Rollenspiele
(The Legend of Zelda), Rennspiele (TrackMania) und Sportspiele jeglicher Art.
Die Anschaffungskosten für den Nintendo DS belaufen sich auf rund 130 Euro für die Konsole und auf etwa 15 bis 40
Euro pro Spiel.
Im Jahr 2011 erweiterte Nintendo den
DS um eine 3D-Variante. Mit dieser
Konsole können 3D-Spiele ohne 3DBrille gespielt werden. So wird ein ganz
neues Spielerlebnis ermöglicht. Die
herkömmlichen Nintendo-DS-Spiele
sind auf dem neuen Gerät trotzdem
spielbar. Mit dem Nintendo 3DS erhofft sich das Unternehmen die Ausweitung seiner bisherigen Zielgruppe.
Für den Einsatz in Bibliotheken eignen sich Spiele für verschiedene Konsolen. Bei ihrer Anschaffung ist in erster Linie – wie generell bei allen Kaufentscheidungen – auf die Zielgruppe zu
achten, denn nicht jede Konsole ist für
jeden Nutzer die richtige. Die folgende
Übersicht soll Bibliotheken bei der Auswahl helfen.
Nintendo DS
Das Unternehmen Nintendo bestimmt
nach wie vor den deutschen Spielkonsolen-Markt.1
Der Nintendo DS zählt zu den beliebtesten mobilen Spielekonsolen; er bietet
eine Vielfalt an Spielmöglichkeiten und
ist für alle Generationen geeignet. Die
ursprüngliche Zielgruppe waren Mädchen (als Pendant zum Game Boy für
Jungen), doch bald wurden auch die Familien und Senioren als Nutzer erkannt.
Die verschiedenen Genres bedienen alle Spielertypen: Es gibt Denkspiele (z. B.
1 Vgl. Hardware-Marktführer im Jahr 2011. Beitrag vom
26.1.2012, http://www.gamers.de/news/15947/nintendo/
hardware-marktfuehrer-im-jahr-2011.html (zuletzt abgerufen
am 28.8.2012).
2 Vgl. Stuchlik, T.: Welche Konsole soll ich mir kaufen?
Beitrag vom 10.12.2011, http://www.spieletipps.de/artikel/3689/1/ (zuletzt abgerufen am 28.8.2012).
Wii-Spielstation in Aarhus, Dänemark
Bestand diese bis dahin vor allem aus
Kindern und Familien, soll der Nintendo 3DS nun auch die leidenschaftlichen
„Zocker“ anlocken.
Nintendo Wii
Die Nintendo Wii war 2011 mit weltweit 89 Millionen verkauften Konsolen
Marktführer bei den Spielkonsolen; sie
lag deutlich vor der Xbox 360 (57 Millionen) und der Playstation 3 (54 Millionen).2
Die wichtigste Zielgruppe der Nintendo Wii ist die Familie. Für die Konsole
bietet Nintendo Spiele generationsübergreifend an. Durch die innovative Steuerung mit der Wii-Fernbedienung (englisch Wii Remote) kann sofort mit dem
9
Beiträge
10
Spiel begonnen werden, ohne vorher
eine komplizierte Spielanleitung durchlesen zu müssen (bis auf einige Sicherheitshinweise). Somit ist sie auch für
Nutzer ohne Computer- oder Videospielerfahrung ein interessantes Medium.
Revolutionär an diesem Steuergerät ist,
dass es auf Bewegung reagiert. Die Fernbedienung ist kabellos, weitgehend von
Spielknöpfen befreit und über sensible
Sensoren mit der Konsole verbunden.
So wird neuer Spielspaß geschaffen:
Bei einem Tennisspiel wird die Fernbedienung beispielsweise wie ein Tennisschläger geschwungen. Durch die
Ergänzung mit dem Wii Balance Board
werden die Fitness gestärkt oder verschiedene Sportarten (z. B. Bobfahren,
Skifliegen) zum besonderen Erlebnis.
Das Wii Wheel macht Autorennen zum
Actionspaß. Neben dem Partyspaß, den
die Konsole bietet, ist vor allem das Verbindende ein starkes Argument für die
Nintendo Wii. Altersgrenzen werden
mithilfe der revolutionären Spielsteuerung überwunden; Großeltern, Eltern
und Kinder haben durch die selbsterklärende Handhabung gemeinsam Spaß
am Spiel. Es verwundert nicht, dass die
klassischen Familien- und Party-Brettspiele (u. a. Monopoly, Trivial Pursuit,
Mensch ärgere dich nicht) auch als Konsolenspiele aufgelegt werden. Ein weiterer Trend ist, die Nintento Wii therapeutisch zum Beispiel in Senioren- und
Pflegeheimen einzusetzen, um die Mobilität der Senioren zu erhöhen. Selbst
Demenzkranke werden durch das Spielen zu mehr Aktivität motiviert.
Den Hauptanteil der Spiele bilden Sportspiele (Wii Sports), Partyspiele (z. B. Kirmes Party), Rennspiele (Need for Speed)
und Rollenspiele (The Legend of Zelda).
Die Nintendo Wii ist ab ca. 150 Euro zu
haben. Zum gemeinsamen Spiel wird
zudem für jeden Spieler eine Fernbedienung (Wii Remote) benötigt, die mit
etwa 35 bis 40 Euro zu Buche schlägt.
Optional sind das Wii Balance Board für
ca. 30 bis 50 Euro und das Wii Wheel für
ca. 5 bis 10 Euro zu erwerben. Die Spiele belaufen sich auf jeweils rund 20 bis
40 Euro.
Playstation 3
Die Playstation 3 ist auf Gamer zugeschnitten und besticht durch die ausgezeichnete Grafik in HD-Qualität. Die
Playstation 3 bietet einen integrierten
Blu-ray Player (inkl. Plug-and-play) und
teilweise 3D-Funktion an. Die Spiele
werden mit einem Controller gespielt,
Jugendliche begeistern sich für Konsolenspiele
Beiträge
lich sein, denn Konsolenspiele sind
schließlich – wie oben skizziert – nicht
nur für Jugendliche interessant.
Wii Fit Set von Nintendo
für den man Vorwissen in Bezug auf
die Steuerung benötigt (dieses Vorwissen ist allerdings bei dem überwiegenden Anteil der Nutzer durch die Playstation 2 bereits vorhanden).
Auch Sony hat nach dem großen Erfolg
der Wii-Fernbedienung eine Playstation-Fernbedienung herausgebracht, den
Playstation Move-Motion-Controller. Optisch und funktional ist der Unterschied
zur Wii-Fernbedienung marginal. Die
Anteile der Spielgenres sind ähnlich
denen der Nintendo Wii (siehe oben):
Sportspiele, Rennspiele, Partyspiele
(z. B. SingStar) und Rollenspiele.
Die Anschaffungskosten einer Playstation 3 beginnen bei ca. 250 Euro. Der
Controller ist ab etwa 40 Euro zu haben.
Erweitern lässt sich die Playstation 3 um
die erwähnte Move-Ausstattung. Für die
Spiele muss man rund 30 bis 70 Euro
investieren.
Xbox 360 (inkl. Kinect)
Wer bisher glaubte, dass Nintendo mit
der Wii die revolutionärste Steuerung
entwickelt hatte, den lehrte Microsoft
mit seinem Zusatzgerät zur Xbox, dem
sogenannten Kinect, wie wahre Spielbegeisterung aussieht: Es wird einfach ohne Fernbedienung gespielt; der Spieler
wird quasi selbst zur Fernbedienung.
Mithilfe der an die Xbox angeschlossenen Kamera werden der oder die jeweiligen Spieler gescannt. Die daraufhin
auf dem Bildschirm erscheinende Figur
bildet jede Bewegung des Spielers/der
Spieler ab. Auch das Menü des Spiels
wird durch Handbewegungen bedient.
Zudem besteht die Möglichkeit, dass zu
jedem Zeitpunkt des Spiels ein weiterer
Mitspieler integriert werden kann. In
dem Spiel Kinectimals stehen beispielsweise Wildkatzen wie Löwen und Panther im Mittelpunkt, denen die Spieler
jeweils kleine Kunststückchen durch
das eigene Vormachen beibringen können. In anderen Spielen gerät man dagegen schnell ins Schwitzen – etwa wenn
Hindernisse überwunden werden müssen, indem man sich zur Seite beugt
oder springt.
Der Game-Pool der Büchereizentrale
Niedersachsen wurde nach dem Vorbild
der seit vielen Jahren von den Bibliotheken stark genutzten Hörbuch-, Musikund Film-Pools aufgebaut und hält für
die öffentlichen Bibliotheken in Niedersachsen eine Auswahl von rund 3.200
Games bereit. Dabei werden alle Spielgenres abgedeckt. Bibliotheken können
Spiele für die Konsolen Nintendo DS,
Nintendo Wii und Playstation 3 zu den
in den Medienpools geltenden finanziellen Konditionen auf Selbstkostenbasis
entleihen.
Games bieten neue Möglichkeiten
Die Xbox 360 (incl. Kinect) kostet rund
250 Euro. Die Preise für die Spiele liegen bei ca. 50 Euro.
Er spielt schon lange mit:
der Game-Pool der Büchereizentrale
Niedersachsen
Wer als Bibliotheksleiterin oder -leiter
nun „Appetit“ auf Games in der Bibliothek bekommen hat, muss bezüglich
des neuen Angebots einiges bedenken.
Die Büchereizentrale Niedersachsen als
kommunale Dienstleistungs- und Beratungseinrichtung leistet auch hier für
die öffentlichen Bibliotheken in Niedersachsen Hilfestellung: Sie berät ausführlich hinsichtlich des Einsatzes von
Konsolenspielen – beispielsweise dahin gehend, welche Medien für welche
Konsole angeschafft, wie viele Medien
bereitgestellt werden sollten bzw. was
rechtlich zu bedenken ist. Diese Fragen
können nur individuell beantwortet werden, denn sowohl die Bibliotheksgröße
als auch die Benutzergruppen spielen
eine entscheidende Rolle. Einige Bibliotheken möchten eventuell neue Nutzergruppen durch das erweiterte Angebot erschließen, andere möchten den
bereits vorhandenen Nutzern ein neues
Medium anbieten. Die Altersgruppen
der Nutzer können höchst unterschied-
In unserem Nachbarland Dänemark
sind Games längst ein fester Bestandteil in der Bibliothek; in Aarhus zum
Beispiel kann sogar in der Bibliothek
gespielt werden. Dies ist in Deutschland aus urheberrechtlichen Gründen
nur eingeschränkt möglich. In einer
geschlossenen Gruppe (etwa bei einem
Ferienprojekt mit namentlicher Anmeldung, ohne öffentlichen Zugang) könnte man seinen Nutzern aber durchaus
einen Spieleabend der moderneren Art
bieten, und etliche Bibliotheken tun dies
bereits. Dem Image der Bibliothek tut
das gut – gerade bei jugendlichen Nutzern. Und wenn es sich herumgesprochen hat, was die Gemeindebücherei
neben Büchern noch alles bietet, werden die Games nicht lange im Regal liegen.
ä
Weitere Informationen:
Einzelheiten zum Game-Pool
der Büchereizentrale Niedersachsen:
www.bz-niedersachsen.de
oder telefonisch unter
+49 4131 9501-46
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Beiträge
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Der Wandel der industriellen
Arbeitswelt fordert das Selbstverständnis der Bibliotheken
heraus
Die Entortung der Arbeit benötigt eine Neuverortung des
Wissenstransfers. Bibliotheken könnten sich als Bildungstreffpunkte zu neuen Drehpunkten der vernetzten Wissensgesellschaft formieren.
Text: Welf Schröter1
Fotos: Petra Moderow (Stadtbibliothek
Celle), Welf Schröter, iStockphoto
Die nachfolgenden Gedanken werden
nicht von einem Insider der Bibliotheksdebatte artikuliert, sondern sie werten
zwanzig Jahre akteurshafte Erfahrung
mit dem Wandel industrieller Arbeitswelten aus und formulieren Anfragen
von außen an die Wissensinstitution.
Es sind Trendbestimmungen, die die Erwartungen an Bibliotheken an sich generell verändern. Vielleicht entwickeln
sich daraus auch feste Anforderungen,
die auf eine neue Synergie zwischen
virtualisierten Arbeitsumgebungen und
real-physischen Wissensbegegnungen
hinauslaufen. Es geht um einen neuen Bedarf, der eine materielle Heimat
sucht. Bibliotheken sollten prüfen, ob
sie diese Heimat sein wollen und sich
dafür zu erkennen geben.
Zunehmende Entortung und
Entzeitlichung von industrieller Arbeit
In großen Teilen der gesellschaftlichen
Gruppen hatte sich mehrheitlich ein
Muster der Arbeitswelt gebildet, das
täglich in Zeitungen und im Fernsehen
immer wieder gespiegelt wurde. Unter
Erwerbsarbeit verstanden die meisten
eine dauerhaft unbefristete abhängige
Beschäftigung im Büro, in der Werkstatt
oder in der Montagehalle. Der „Kohlekumpel“ von einst oder der muskelstarke Stahlarbeiter boten dafür eine Chiffre.
Die Erwerbsbiografie sollte möglichst
ungebrochen und ohne zeitliche Lücken sein. Eine Ausbildung, ein Beruf,
ein Job, eine Weiterbildung, eine Rente – so lauteten die tradierten Muster. Erwerbsbiografie war immer noch zumeist
männliche Erwerbsbiografie. In der Arbeitsforschung der 1980er- und 1990erJahre tauchten dazu drei abstrahierende
Faktoren auf, die die industrielle Arbeitskultur beschrieben: Arbeit hatte ihren
Ort, Arbeit hatte ihre Zeit, Arbeit hatte
ihre betriebliche Verfasstheit. Unter den
Begriff „Betrieb“ wurde hierbei auch die
Verwaltung gefasst. Diese Dreigliedrigkeit in der Beschreibung fußte aber auf
einem (damals noch mehrheitlich gültigen) b etriebsarbeitsplatzzentrierten
Denken. Arbeit war räumlich getrennt
vom Wohnort und zeitlich getrennt von
der Nicht-Arbeit bzw. „Freizeit“. Die
Organisation öffentlicher Dienstleistungsangebote – und dazu waren auch
Bibliotheken zu zählen – hatten dieses
Verständnis von Arbeitswelt verinnerlicht. Die Bereitstellung von gedruck-
tem Wissen spiegelte nicht selten diese
Ordnungsstrukturen des Erwerbslebens.
Arbeit hatte ihren Ort,
Arbeit hatte ihre Zeit,
Arbeit hatte ihre betriebliche Verfasstheit.
Seit Mitte der Neunzigerjahre nimmt
die Einflussnahme der neueren Informations- und Kommunikationstechnik
auf die bis dahin entstandene Arbeitswelt zu. War der „Toyotismus“ mit seinen personalreduzierenden neuen Organisationsansätzen der „schlanken Produktion“ noch eine massive Bestätigung
des industriellen Ortes „Betrieb“, setzte
mit der Digitalisierung eine schrittweise
Flexibilisierung des Ortes, der Zeit und
der Verfasstheit von Arbeit in divergierende Richtungen ein. Eine wachsende
Zahl von Arbeitsvorgängen musste alsbald nicht mehr gleichzeitig an demselben Ort erledigt werden. Phase für Phase wird nun die Produktions- und Montagevorbereitung online abgewickelt.
1 Der Text basiert auf einem Vortrag, den Welf Schröter
am 28.11.2011 im Rahmen der 19. Gemeinsamen Bibliothekstage für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in Celle
gehalten hat.
Beiträge
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Der Wandel der Arbeitswelt
enthält einen wachsenden Trend
zur Vereinzelung.
Das Individuum braucht einen Ort,
der ihm Halt bietet.
Zur Jahrhundertwende wurde die Virtualisierung der Arbeitswelt zu einer gängigen Größe. Das gewerkschaftsnahe
„Forum Soziale Technikgestaltung“ in
Baden-Württemberg führte in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre den Terminus „Neue Infrastrukturen der Arbeit“ ein, mit dem nicht Kabel und
Leitungen, sondern nichttechnische
Veränderungen der arbeitsweltlichen
Kultur beschrieben werden. Arbeit wird
immer mehr außerhalb der Organisationsform Betrieb über vielfältige Varianten virtueller Plattformen abgewickelt
bzw. geleistet.
Nach der technischen Digitalisierung
von Produktionsprozessen machten
sich Forschung und Entwicklung an
die Digitalisierung der Fabrik als Ganzes. Unter dem Begriff Smart Factory
werden digitale Betriebe der Zukunft
getestet. Sie bündeln alle vorhandenen
IT-Lösungen. Die Idee der Smart Factory bricht aber mit einem traditionellen Paradigma: Darin werden nicht nur
Produkte und Produktionsverläufe der
Flexibilisierung, d. h. ihrer Endlichkeit,
unterworfen, sondern die digitale Fabrik
als Ganzheit wird zum Produkt. Das Ende eines Produktes bestimmt zugleich
die Löschung der Smart Factory. Eine
Betriebszugehörigkeit oder eine Corporate Identity gibt es in dieser virtuellen
Arbeitswelt nicht mehr. Eine abermalige
Zuspitzung dieser Entwicklungen wird
im neuen Konzept „Industrie 4.0“ zu sehen sein, mit dem industrielle Produktionsbranchen wie Automobil oder Chemie zum Sprung in die Smart Factories
der nächsten Generation ansetzen. Der
Prozess der Virtualisierung wird abermals beschleunigt.
Betriebe, Verwaltungen und Beschäftigte
sehen sich einer Überlappung und ei-
nes Zusammenwachsens real-materieller
und virtuell-immaterieller Entwicklungen
gegenüber. Virtuelle und nicht-virtuelle
Wirklichkeiten in den Geschäfts- und
Arbeitsumgebungen greifen ineinander
und erzeugen eine ganzheitlich wahrnehmbare Mischform der Arbeitswelt.
Die Bedeutung der Entortung und Entzeitlichung von Arbeit erlauben den Prozess der schleichenden Entgrenzung.
Auf dem Weg zur
Entbetrieblichung von Arbeit
Die wachsende Integration von Informationstechnik in Berufs- und Geschäftswelten hat Trends verstärkt, die
schon vor der Technikimplementierung
vorhanden waren. Dazu zählt vor allem
der schrittweise quantitative Rückgang
des Normalarbeitsverhältnisses. Waren
in den Achtzigerjahren noch deutlich
Beiträge
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mehr als 80 Prozent der Arbeitsverhältnisse unbefristet und vollzeitig, so legen die heutigen Analysen nahe, dass
das Normalarbeitsverhältnis (NAV) nur
noch zwischen 50 und 65 Prozent vorherrscht. Es ist damit zu rechnen, dass
in überschaubarer Zeit eine Halbierung
der Arbeitswelten eintritt: Etwa die Hälfte der Arbeitsverhältnisse folgt dem ursprünglichen industriellen Vollzeitmuster als NAV; die andere Hälfte wird dagegen geprägt von einer großen Vielfalt
von neuen Selbstständigkeiten, befristeten, teilzeitlichen oder gar Leih- und
Zeitarbeitsvarianten. Die neue Pluralität der Arbeitsverhältnisse deckt sowohl
selbstständig erfolgreiche Existenzbilder wie auch erzwungenermaßen prekäre Lebenslagen ab.
Hinzu kommt ein zweiter Trend: die Differenzierung und Pluralisierung der Erwerbsbiografien. Die Kultur der dauerhaften „normalen“ Beschäftigung bricht
immer mehr hinüber in die PatchworkBiografie. Am Ende ihres Erwerbslebens
werden die Menschen nicht mehr nur
wie bisher auf eine einzige Berufsorientierung über mehrere Jahrzehnte bei
möglichst einem einzigen Arbeitgeber
zurückblicken. Sie werden vielmehr zurückschauen auf viele berufliche Wechsel, Taskings, Jobs und zeitlich gebrochene Wechsel zwischen befristet, fest,
werkverträglich, selbstständig, erwerbslos, projektorientiert etc. Der Wechsel
wird zur Konstante. Die Befähigung und
Kompetenz zu individuellem Wechselvermögen (individuelles Change Management) bilden den Schlüssel zur dauerhaften persönlichen Existenzsicherung.
Diese beiden Trends, die durch die ITTechnik beschleunigt, aber nicht ausgelöst wurden, erfahren eine mächtige
Überlagerung durch die Zuspitzungen
von Virtualisierung und Auslagerung
von Arbeit. Die technischen Innovationen der letzten wenigen Jahre führen
die Arbeitswelten immer näher an den
Bruch der Kontinuität unseres betriebsarbeitsplatzzentrierten Denkens. Lange
Zeit war der Betrieb – und somit auch
die Verwaltung – der zentrale Ort der
Erbringung beruflicher Leistungen. Die
Vorgang der schleichenden „Entbetrieblichung von Arbeit“?
technischen Potenziale für die Ent-ortung und Entzeitlichung von Arbeit eröffnen einen neuen Weg, das Wort Arbeitsort zu verstehen. Der Ort wird zum
flexiblen mobilen Nicht-Ort im virtuellen Kommunikations- und Transaktionsraum. Wir stehen am Beginn einer
dauerhaften Auswanderung von Arbeitsvolumina aus der Verfasstheit „Betrieb“. Damit ist nicht gemeint, dass Arbeit von einem Betrieb in Deutschland
in einen Betrieb in China verlagert wird.
Es geht vielmehr um die schrittweise partielle Aufhebung des „Prinzips Betrieb“.
Die Neuerungen der Cloud-Technologie
oder des Crowd Sourcing beschleunigen
diesen Wandel. Wir haben es mit dem
Vorgang der schleichenden „Entbetrieblichung von Arbeit“ zu tun.
Es geht vielmehr
um die schrittweise
partielle Aufhebung
des „Prinzips Betrieb“.
Um Missverständnissen vorzubeugen,
sei hier angemerkt, dass diese Beschreibung nicht meint, dass es keine materielle Produktion, keine Montage, keinen
Kirschkuchen und keinen VW mehr
gibt und sich alle mit virtuellem Trollinger begnügen müssen. Nicht die materielle Produktion entschwindet, sondern die Koppelung von Produktion an
die Quantität menschlicher Arbeit lässt
nach. Der Anteil der Produktionsarbeitsplätze allgemein hat in den letzten Jahren erheblich abgenommen, während
Dienstleistungsbeschäftigungen einen
deutlichen Zuwachs zu verzeichnen
hatten. Der materiell-industrielle Sektor
wird weiterhin mit hoher Wertschöpfung bestehen. Jedoch wird darin der Anteil menschlicher Arbeitsstunden sinken.
Aber: Die Zukunft der Geschäfts- und
Arbeitswelten, die Zukunft der Betriebe
und Beschäftigungen wird im virtuellen
Raum entschieden.
Identität in der Virtualität
Je mehr Nutzerinnen, Nutzer und Beschäftigte sich in virtuellen Arbeitsumgebungen beruflich bewegen, desto umfassender entwickelt sich die Bandbreite
ihrer „Rollen“, mit denen sie dort auftreten. Die Summen ihrer Rollen – zum
Beispiel in Clouds – ergeben eine oder
mehrere virtuelle Identitäten im Netz.
Die Debatten über Anonymisierung,
Beiträge
Pseudonymisierung und ein nutzerorientiertes Identitätsmanagement spiegeln diesen Trend. Verschiedene Akteure
aus dem Feld der Wissenschaft, der Gewerkschaften und der Wirtschaft haben
deshalb einen offenen Diskurs begonnen, der die neue Unübersichtlichkeit
durch strukturierende Leitfragen, durch
Analysen, Thesen und Vorschläge überschaubarer machen will. Unter der allgemeinen Chiffre „SozialCharta Virtuelle
Arbeit“ werden neues Orientierungswissen wie neue Orientierung, neue Nachdenklichkeit sowie neue Blickwinkel
gesucht.
Die arbeitenden Menschen der Industrie- und der industrialisierten Dienstleistungsgesellschaft haben einen erheblichen Teil ihres Selbstbewusstseins
In den zunehmenden IT-gestützten Arund ihrer Identität aus ihrer beruflichen
Existenz be- und gezogen. Arbeit zu ha- beitswelten wachsen dem handelnden
ben und sich über die Arbeit zu definie- natürlichen Menschen eine oder mehreren, bedeutet bis heute, sein Ich zu stär- re virtuelle Zwillingsidentitäten („virtuelle Ichs“) zu. Das technische „virtuelle
ken und damit Sozialkompetenz für ein
Zusammenleben in einer demokrati- Ich“ entsteht durch aktive und passive
schen modernen Gesellschaft zu erwer- Ansammlungen von Datenmengen und
Profilen. Es wird qualitativ wirkungsben. Berufsbiografien sind somit auch
Identitätsbiografien. In gewissem Sin- mächtig und beginnt das „natürliche Ich“
schrittweise zu beeinflussen. Orts- und
ne hat der arbeitende Mensch in seiner
beruflichen Tätigkeit eine Art „Heimat“. zeitgebundene Medienorte müssen das
Was aber bedeutet es für die persönli- „natürliche Ich“ in seiner Gewichtung
chen Identitäten, wenn die Infrastruktu- stärken. Nicht die Digitalisierung des Buren der Arbeitswelten großen, grundle- ches stellt die größte Herausforderung
dar, sondern dessen Verschiebung aus
genden Veränderungen ausgesetzt sind
dem Erfahrungsraum des „natürlichen
und somit die Rahmenbedingungen für
die beruflichen „Heimat-Umgebungen“ Ichs“ hinüber in den Erfahrungsraum
des „virtuellen Ichs“. Diese Kontinentalfremd oder gar noch weiter entfremdet
werden? Bedarf es nun einer Identitäts- verschiebung in der Wahrnehmungskultur und in der Unterscheidungsfähigkeit
bildung jenseits der Arbeitswelt?
verändert den Weg der Identitätsbildung
des berufstätigen Menschen, der seine
Identitätsstiftung immer weniger aus
sich sinnlich-haptisch fassbarer Tätigkeit, sondern immer mehr aus flüchtigen Medienprozessen gewinnt.
Pluralisierung
der Sozialisationsverortung
Welf Schröter während seines Vortrags anlässlich der 19. Gemeinsamen Bibliothekstage in Celle
Die normierende Kraft des Wortes Betrieb wird für die Sozialisierung der
Menschen im Beruf abnehmen. Entortung, Entzeitlichung, Individualisierung
und Vereinzelung, Virtualisierung und
Entbetrieblichung stellen die Frage, wo
dann noch Menschen zu einem sozialen und einem demokratischen Miteinander sozialisiert werden können. Die
„Community Betrieb“ bröckelt. Die Zahl
der Ein-Personen-Selbstständigen und
Freelancer steigt. Doch was, wo und
wer tritt strategisch in der Gesellschaft
an die Stelle des Sozialisationsortes
„Betrieb“? Wenn die strukturelle Bedeutung des Ortes „Betrieb“ in seiner normierenden gesellschaftlichen Funktion
nachlässt, wird dies auch zu einer Pluralisierung der Sozialisationsverortung
führen. Dies kann entweder eine kulturelle Bereicherung für alle ermöglichen
oder eine verstärkte Fragmentierung
und Parzellierung gesellschaftlicher
Gruppen einläuten.
15
Beiträge
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Das arbeitende Individuum wird von
den kulturellen Prägungen und Regulationen der Sozialpartner immer weniger erreicht. Die Kollegialkultur und
deren sozialisierende Kraft aus Betrieben, Belegschaften, Teams, Verbänden und Sozialpartnern verlieren ihre
Interpretationshoheit in den aufkommenden virtuellen Einkommenswelten.
Die strukturelle Ent-Integration des arbeitenden Individuums aus den postindustriellen Strukturen der Arbeitswelten zieht eine latente Tendenz zur
Ent-Sozialisation nach sich. Die Rollen
der Sozialpartner als gesellschaftliche
Binde-Mittel werden geschwächt. Sie
büßen Kohäsionskraft ein. Parallel zur
realen und virtuellen Atomisierung des
Individuums vollzieht sich eine Rückbildung des zentralen Kohäsionszentrums
„Betrieb“ als formierender Ort der Vergesellschaftung des Individuums. Angesichts dieses beginnenden Ent-Kohäsionsprozesses der Gesellschaft muss die
Frage nach neuen Anlässen, Orten und
Kulturen formuliert werden, wie und
wo kompensatorische Kohäsionsorte
und ebensolche Kohäsionskräfte wachsen können.
Bibliotheken als neue
berufsbezogene Sozialisationsorte
Vor diesem Hintergrund gilt es, eine
These zu prüfen: Nicht die realen und
virtuellen Orte des lebenslangen Broterwerbs strukturieren die postindustriellen Einkommens-Patchwork-Biografien,
sondern es sind die realen und virtuellen Orte des emotional-intelligenten Lernens als lebenslange Lernkultur.
Die neuen emotional-intelligenten Lernwege bzw. Lerninfrastrukturen mit ihren Social-Media-Einspiegelungen benötigen nicht den Ort „Betrieb“ als Konditionierungstreffpunkt. Erforderlich ist der
Ausbau der Orte des Wissens- und Erfahrungsaustausches, der Orte des Lernens und innovativen Experimentierens
zu strategischen Kohäsions-Nahtstellen
mit hoher emotionaler Identifizierungsund Bindekraft. Die gewachsenen Orte
der Informations- und Wissensvermitt-
lung müssen demnach die zusätzliche
Rolle der aktiven Kohäsionsstabilisierung proaktiv annehmen.
Treff der anonymen Burnoutler und anderes mehr.
Die Entortung und Entzeitlichung von
Arbeit sowie der Rückgang des „Prinzips
Betrieb“ eröffnen die Suche nach neuen
gesellschaftlich-öffentlichen, synchronen Orten des Face-to-Face-Austausches.
Bibliotheken und insbesondere Stadtteilbibliotheken könnten als Bildungstreffpunkte zu neuen Drehpunkten der
vernetzten Wissensgesellschaft 2.0 (kollegiale Sozialisationsorte als Ersatz für
den Ort „Betrieb“) werden: „Blended
Living“. Blended Living als Schwester von
Social Media und Anker sozialer Kohäsion. Bibliotheken könnten sich zu berufsbezogenen Knotenpunkten der Netzwerke von überall wachsenden sozialinnovativen „Coworking Spaces“ der Zukunft
entfalten. Bibliotheken werden zu Orten,
wo sich neue Dienstleistungen und Services verbinden: Wissensspeicher und
Lernportal der Wissensarbeitenden, Support für themenorientierte, tätigkeitsorientierte und wertschöpfungsorientierte
Netzwerke, proaktiver Kommunikationsort, Eingang zum Open Government,
Cafeteria-Prinzip einer Face-to-face-Community, Knotenpunkt der kommunalen
Coworking Spaces, Kooperationsbörse,
Nicht die realen und
virtuellen Orte des lebenslangen Broterwerbs
strukturieren die postindustriellen EinkommensPatchwork-Biografien,
sondern es sind die realen
und virtuellen Orte des
emotional-intelligenten
Lernens als lebenslange
Lernkultur.
Weitere Informationen:
Der Autor:
Welf Schröter ist Moderator des Diskurses „SozialCharta Virtuelle Arbeit“
und Leiter des Forum Soziale Technikgestaltung.
Kontakt: [email protected]
Literaturhinweise:
Balfanz, D., Schröter, W. (Hg.): Gestaltete Virtualität. Realität der neuen Medien in der Arbeitswelt – Standortbestimmung und Perspektiven.
Talheimer Verlag, sammlung kritisches
wissen, Bd. 49, 2010.
Schröter, W.: Auf dem Weg zu neuen Arbeitswelten. Impulse des Forum
Am Ort des emotional-intelligenten Lernens könnten „natürliches Ich“ und
„virtuelles Ich“ wieder zusammenfinden,
weil dauerhaftes wirkliches Lernen nur
möglich ist von Angesicht zu Angesicht
(face to face) und weil das „natürliche
Ich“ persönliche Kommunikation, Kooperation und Konditionierung benötigt.
Dies trägt zur „Heilung“ der „Burn-outSeelen“ der virtuell Entfremdeten bei
und eröffnet eine Perspektive auf nachhaltiges Blended Living, eine Mischung
aus Natürlichem und Virtuellem.
ä
Soziale Technikgestaltung. Talheimer
Verlag, sammlung kritisches wissen,
Bd. 13, 2007.
Vidal, F.: Rhetorik des Virtuellen. Die
Bedeutung rhetorischen Arbeitsvermögens in der Kultur der konkreten Virtualität. Talheimer Verlag, sammlung
kritisches wissen, Bd. 64, 2010.
Schröter, W.: Wie wir morgen arbeiten
werden. Eine Einführung in die Berufswelt der Informationsgesellschaft.
Talheimer Verlag, sammlung kritisches
wissen, Bd. 40, 2004.
Schröter, W. (Hg.): Identität in der Virtualität. SozialCharta Virtuelle Arbeit.
Talheimer Verlag, sammlung kritisches
wissen, erscheint 2013.
Beiträge
Neue Anforderungen
an ge­wachsene Strukturen:
Zweigbibliotheken als Lernor­te
Die Zweigbibliotheken Medizin der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle sind an zwei Standorten
präsent. Dies stellt eine besondere Herausforderung für die
Organisation dar, insbesondere wenn es darum geht, neue
Entwicklungen im Bibliothekswesen aufzugreifen und im Sinne
einer nutzerfreundlichen Bibliothek umzusetzen.
Text und Fotos:
Karin Stukenbrock
Allgemeines
Die 1694 gegründete Universität Halle ist, ähnlich wie viele alte Universitäten, mit ihren Einrichtungen und Instituten über das gesamte Stadtgebiet
verteilt. Diese räumliche Zersplitterung
spiegelt sich auch in den bibliothekarischen Einrichtungen der Martin-LutherUniversität wider. Neben der eigentlichen Universitätsbibliothek, für die im
Jahr 1880 ein repräsentatives Hauptgebäude errichtet wurde, gab es eine Vielzahl von eigenständigen Instituts-, Seminar- und Klinikbibliotheken. Im Zuge der Hochschulreform wurden in den
1970er-Jahren die kleinen Bibliotheken
als Zweigbibliotheken definiert und der
Universitätsbibliothek unterstellt.
Die Zweigbibliotheken der Medizin mit
ihren Standortbibliotheken gehören zu
den größeren Zweigbibliotheken. Auch
sie geben von der gewachsenen Struktur der Universität Halle, der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) sowie
der Universitätsmedizin Zeugnis. Weil
das Klinikgelände in der Magdebur-
ger Straße (ehemals als Altklinikum
bezeichnet) Ende der 1970er-Jahre zu
klein wurde, baute man im Stadtteil
Kröllwitz ein neues Klinikum. Bis heute ist die Universitätsmedizin in Halle
an zwei Standorten vertreten: am Standort Magdeburger Straße und am Standort Ernst-Grube-Straße in Kröllwitz. Mit
der Aufteilung auf zwei Standorte ist eine konzeptionelle Trennung verbunden,
die weitgehend abgeschlossen ist. In der
Magdeburger Straße sind die theoretischen Institute und diejenigen Einrichtungen untergebracht, in denen keine
Patientenbetreuung erfolgt. Hier findet
überwiegend die Ausbildung der Studierenden im ersten Studienabschnitt
statt, im Klinikum am Standort ErnstGrube-Straße dagegen die Patientenversorgung sowie die Ausbildung im zweiten Studienabschnitt.
Die Bereitstellung von Literatur für das
Fachgebiet Medizin durch die ULB orientiert sich an dieser Aufteilung. Die Zweigbibliothek Medizin am Standort Ernst-Grube-Straße versorgt das Universitätsklinikum am Standort Ernst-Grube-Straße, den
klinischen Abschnitt des Studiums und
die Zahnmedizin. Die Zweigbibliothek
Medizin am Standort Magdeburger Straße versorgt die Institute im Bereich der
Magdeburger Straße, den vorklinischen
Abschnitt des Studiums und die Gesundheits- und Pflegewissenschaften.
Im Bibliothekswesen ist es in den letzten Jahren durch die elektronischen Ressourcen zu erheblichen Entwicklungen
und Veränderungen gekommen. Viele
der von der Bibliothek zur Verfügung gestellten Medien können bequem online
von Orten außerhalb der Bibliotheksräume genutzt werden. Gerade in den Bereichen Medizin und Naturwissenschaften
stellen sich die Nutzer zunehmend auf
die Neuerungen um und fordern diese
auch ein. Dies hat allerdings nicht dazu
geführt, dass die Bibliothek als Raum
ihre Funktion verliert. Insbesondere als
Lernort ist sie nach wie vor gefragt, allerdings sind auch hier Veränderungen
zu beobachten. Die Zweigbibliotheken
Medizin haben sich das Ziel gesetzt, diese Anforderungen im Rahmen ihrer gewachsenen Strukturen umzusetzen.
Die traditionelle Bibliothek: Lehrbuchsammlung und Gruppenräume
Das klassische gedruckte Lehrbuch aus
der Lehrbuchsammlung der Bibliothek
ist für viele Studierende der Medizin
noch immer das Medium der Wahl für
17
Beiträge
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ihr Studium. Eine gut sortierte Lehrbuchsammlung ist deshalb unabdingbar für eine medizinische Bibliothek. Sie
lässt sich zudem nutzen, um einen ersten Kontakt zu den Studierenden des ersten Semesters aufzubauen. Im Rahmen
der Einführungs- und Begrüßungswoche der Fakultät bietet die Bibliothek den
Erstsemestern Einführungsveranstaltungen in die Benutzung der Bibliothek an
(OPAC, Ausleihsystem etc.). Gleichzeitig
ergibt sich bei diesen Veranstaltungen
die Gelegenheit, die Studierenden durch
die Räume zu führen und ihnen ihre
Bibliothek nahezubringen. Die Veranstaltungen werden gut besucht und zeigen,
dass die Studierenden an der Bibliothek
interessiert sind.
Die Bücher der Lehrbuchsammlung
müssen auf dem aktuellen Stand der
Lehre und diesem Stand entsprechend
aufgestellt sein (siehe Foto Lehrbuchsammlung). Die medizinische Ausbildung ändert sich ständig. Es kommen
neue Fächer hinzu (z. B. Geriatrie, Palliativmedizin), Fächer werden interdisziplinär kombiniert (Querschnittsbereiche)
oder, wie die neueste Entwicklung zeigt,
in Modulen (Herz, Kopf, Haut) konzipiert. In der Regel dauert es nicht lange,
bis die entsprechenden Lehrbücher herausgegeben werden. In beiden Zweigbibliotheken wird der Bestand immer
wieder einer Revision unterzogen und
die Systematik aktualisiert. Die Studierenden können so möglichst schnell die
Lehrbücher für ihre Fächer finden.
problemlos möglich, da die Bibliothek
dort in Krankenzimmern der ehemaligen Chirurgischen Klinik untergebracht
ist. Eines der Zimmer wurde zu einem
Gruppenraum umgestaltet. Wenn die
Bibliothek demnächst in das neu konzipierte Lernzentrum der Fakultät in die
ehemalige HNO-Klinik umzieht, werden auch dort Gruppenräume zum Standard gehören. Auch in der Bibliothek in
der Ernst-Grube-Straße können die Studierenden mittlerweile Gruppenräume
nutzen (siehe Foto Gruppenraum). In
einem abgeschlossenen Raum ist zudem eine Mediathek untergebracht, in
der die Möglichkeit besteht, interaktive
Lernsoftware zu nutzen. Hier kann zudem mit E-Learning-Modulen, die mit
Ton unterlegt sind, gearbeitet werden.
Lehrbuchsammlung
Die Umstrukturierung der Lehre betrifft
nicht ausschließlich die Fächerzusammensetzungen, sondern gleichfalls die
didaktischen Konzepte. Auch wenn das
„Kreuzen“ immer noch eine wesentliche
Lernmethode ist, werden Inhalte jetzt
durch POL-Fälle1, Referate etc. vermittelt. Da diese Inhalte in Gruppen erarbeitet werden, brauchen die Studierenden Gruppenräume. In beiden Bibliotheken wurden daher kleinere Räume
für diese Arbeitsweise umfunktioniert.
In der Magdeburger Straße war dies
1 POL („Problemorientiertes Lernen“) ist ein in der medizinischen Ausbildung etabliertes didaktisches Format.
Gruppenraum
Als vorteilhaft hat sich die Integration
des Computerpools der Medizinischen
Fakultät in die Bibliothek erwiesen. Damit stehen zusätzlich 19 PC-Arbeitsplätze zur Verfügung, die neben einer Verbindung zum Internet auch Anwendersoftware wie beispielsweise SPSS bieten.
Da in diesem Raum auch ein Beamer
zur Verfügung steht, können hier die
Nutzerschulungen der Bibliothek durchgeführt werden.
Selbstverständlich gibt es in beiden Bibliotheken klassische Lesesäle, die sich nach
wie vor einer großen Beliebtheit erfreuen.
Von den insgesamt rund 120 Benutzerarbeitsplätzen in beiden Bibliotheken sind
etliche Plätze mit PC und Internetzugang
ausgestattet. Alle Leseplätze sind WLAN-
Beiträge
fähig, sodass die Studierenden mit dem
eigenen Notebook arbeiten können. Damit sind auch innerhalb der Bibliothek
die Voraussetzungen geschaffen, um die
digitalen Angebote der Bibliothek nutzen
zu können.
Päsentationswand „Top 100 E-Books“
Die digitale Bibliothek: E-Journals,
E-Books und Datenbanken
Im Gegensatz zur traditionellen Bibliothek, in der der Zugriff auf die Medien
überwiegend fächerzentriert ist, stehen
die Medien der digitalen Bibliothek einem größeren Kreis von Studierenden
und Wissenschaftlern zur Verfügung.
Seit 1991 nimmt die ULB am gemeinsamen Verbundkatalog (GBV) teil. Die
ULB beteiligt sich sowohl an internen
(HARIEL) als auch an externen (Subito)
Dokumentenlieferdiensten. Auch die
medizinischen Bibliotheken sind an beide Systeme angeschlossen und bedienen
diese.
Daneben steht den Nutzern der ULB
trotz knapper werdender Mittel ein gro-
ßes Angebot an elektronischen Zeitschriften, Büchern und Datenbanken
zur Verfügung. Die elektronischen Zeitschriften, die überwiegend von den Forschenden genutzt werden, sind in der
Elektronischen Zeitschriftenbibliothek
(EZB) verzeichnet. Außerdem stehen im
Universitätsnetz zahlreiche E-Books zur
Verfügung, darunter Lehrbücher der bei
den Studierenden sehr beliebten Dualen Reihe. Die Nutzung dieser Bücher ist
mittlerweile sehr komfortabel. Für die
Bibliothek stellt sich allerdings das Problem, diese Bücher zu präsentieren. Da
sie nicht im Regal der Lehrbuchsammlung stehen (können), ist es für die Studierenden, die lediglich am Regal nach
ihren Büchern suchen, nicht ersichtlich,
welche Titel online zur Verfügung stehen. Deshalb wurde in beiden Bibliotheken eine Präsentationswand geschaffen,
an der die „Top 100 E-Books“ ausgestellt
werden (siehe Foto links). Die Cover der
Bücher wurden auf Postkartengröße verkleinert und sind so auf einen Blick sichtbar. In Kürze sollen sie mit QR-Codes
versehen werden, sodass die Studierenden bequem mit ihren Smartphones an
die Titel kommen.
Über die in Halle vorhandenen Datenbanken kann man sich mithilfe des Datenbank-Infosystems (DBIS) informieren. Im Bereich Medizin stehen mittlerweile über 300 Datenbanken zur Verfügung. Um den Studierenden einen
Überblick zu verschaffen, finden regelmäßig Schulungen statt. Seit dem Wintersemester 2011/12 ist die Bibliothek
mit diesen Schulungen in die curriculare Lehre eingebunden. Die Studierenden
des 5. Semesters erhalten im Rahmen
des Querschnittsbereichs Epidemiologie,
medizinische Biometrie und medizinische
Informatik ein vierstündiges Seminar mit
einem Blended-Learning-Modul. Das Modul wurde in Zusammenarbeit mit dem
Institut für Klinische Epidemiologie erarbeitet. In den ersten zwei Stunden sollen die Studierenden als Hausarbeit das
E-Learning-Modul durchlaufen. Im Anschluss findet eine Präsenzveranstaltung
statt, in der vertiefend auf Fragen eingegangen wird. Das Seminar „Einführung
in die Literaturrecherche (PubMed)“ soll
den Studierenden Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln, um eigenständig
Literaturrecherchen durchführen zu
können. Es wurde im Rahmen der Initiative zur Verbesserung der Lehre im
Bereich der Doktorandenausbildung
konzipiert. Mittlerweile haben auch die
Studierenden der höheren Semester, die
Studierenden der Zahnmedizin, die Studierenden im Praktischen Jahr und die
Fortbildungskurse der Pflege diese Schulungen nachgefragt. Ergänzend zur Literaturrecherche wäre es sinnvoll, Schulungen im Bereich Literaturverwaltung
anzubieten. Die ULB steht in Verhandlungen, um diesen Service als Standard
zu installieren.
Die Zweigbibliotheken Medizin orientieren sich an den Bedürfnissen ihrer Nutzerinnen und Nutzer. In unserem Fall
sind dies überwiegend die Studierenden, Forschenden und Lehrenden der
Universitätsmedizin. Um immer wieder
auf dem aktuellen Stand der Bedürfnisse
dieser Zielgruppen sowohl im Hinblick
auf die Erwerbung der Medien als auch
im Hinblick auf die Bibliotheksräume
zu sein, ist deshalb eine enge Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät unabdingbar. Nur so ist es möglich,
den sich immer wieder wandelnden Anforderungen im Rahmen der gewachsenen Strukturen unserer Einrichtungen
gerecht zu werden.
ä
Weitere Informationen:
Ansprechpartnerin:
Dr. Karin Stukenbrock
Universitäts- und Landesbibliothek
Sachsen-Anhalt
Zweigbibliotheken Medizin
Telefon: +49 345 557-1349
E-Mail: [email protected]
bibliothek.uni-halle.de
Hausanschrift:
Universitätsklinikum Halle/Saale
Ernst-Grube-Straße 40
06120 Halle/Saale
19
Beiträge
Die Fernleihen
der dänischen Königin
In den Jahren 1772 bis 1775 lebte die dänische Königin Caroline
Mathilde im Exil. In dieser Zeit entlieh sie rund 60 Bücher aus
der Königlichen Bibliothek in Hannover.
Text: Matthias Wehry
Fotos: Gottfried Wilhelm Leibniz
Bibliothek
Eine lesewütige Königin
Die dänische Königin Caroline Mathilde,
die wegen ihrer Affäre mit Johann Friedrich Struensee ihr Exil im Kurfürstentum Hannover in den Jahren 1772 bis
zu ihrem Tod 1775 zuerst in der Göhrde,
dann auf Schloss Celle fand, galt ihren
Zeitgenossen als vielbelesene und gebildete wie auch lesewütige Königin. Sie
sprach nach zeitgenössischen Berichten
englisch, französisch, deutsch, dänisch
und italienisch.1 Der Schriftsteller, Philosoph und königliche Leibarzt in Hannover Johann Georg Zimmermann berichtete 1772 über die Königin und ihre umfassende Lektüre, „die Königin
ist sehr munter, sehr lebhaft in Gesellschaft, sie hat viel Witz, liest ganz entsetzlich viel, den ganzen Morgen hindurch und jede Nacht bis um zwey Uhr
(...)“2. Durch den Gang ins Exil verlor
Caroline Mathilde ihre Büchersammlung und war auf Ankäufe, Geschenke
und Ausleihen angewiesen. Darum richtete Georg III. im Juni 1772 Caroline
Mathilde die Option der Fernleihen aus
der Königlichen und Churfürstlichen öffentlichen Bibliothek in Hannover, heute Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
– Niedersächsische Landesbibliothek, ein.
Bestellte Caroline Mathilde während ihres Aufenthaltes in der Göhrde 58 Bücher, sind für die Ausleihphase in Celle,
Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek: Bibliotheksakten V 22 a+b
20
Im Dienste Ihrer Majestät: v. Wangenheim an Jung
die erst ab Mitte 1774 und dort nur lückenhaft dokumentiert ist, drei Bücher
verlässlich nachweisbar. Der hierbei entstandene Briefwechsel zwischen dem
Bibliothekar Jung und den zuständigen
Bediensteten ist in der Alt-Akte V 22a/b
erhalten und war aufgrund der Katalogisierungssituation bisher unbekannt.3
1 Vgl. hierzu: Jorgensen, Harald: The unfortunate Queen. Caroline Mathildas’s last years 1772-75. CA. Reitzels Forlag, Copenhagen 1989, S. 79.
2 Der Brief Zimmermanns ist zitiert bei: Steinau, Norbert: Caroline Mathilde im Kurfürstentum Hannover 1772-1775.
In: Von Kopenhagen nach Celle. Das kurze Leben einer Königin. Begleitpublikation aus Anlaß einer Ausstellung des BomannMuseums Celle zum 250. Geburtstag der dänischen Königin Caroline Mathilde. Hrsg. vom Bomann-Museum Celle.
Bearbeitet von Juliane Schmieglitz-Otten und Norbert Steinau, S. 130 ff.
3 Vgl. zur Katalogisierung: Oberschelp, Reinhard: Die Alt-Akten A und V der Niedersächsischen Landesbibliothek. Übersichtsverzeichnis. Manuskript. Hannover 2001, Vorwort und S. 12.
Beiträge
Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek: Bibliotheksakten V 22 a+b
Die Akte der royalen Entleihungen
in der Alt-Akte V 22a/b
Die Sendungen ins Jagdschloss Göhrde
Auftakt des Fernleihvorgangs war ein
am 3. Juli 1772 bei Hofrat und Bibliothekar Johann Heinrich Jung eingegangenes Schreiben von Kammerpräsident
Lenthe vom 30. Juni 1772. Dieser teilte Jung mit, es sei „Seiner königlichen
Majestät, unseres allergnädigsten Herrn
Wille (...), daß, wann Ihre Majestät die
Königin von Dännemark bey Ihrem Aufenthalt zur Ghörde Bücher zum Lesen
verlangen solte, selbige aus der hiesigen
Königlichen Bibliothec genommen und
hingeschickt werden sollen“4. Als Kontaktperson im Jagdschloss Göhrde nannte Lenthe den Oberschenk Georg August
von Wangenheim. Sowohl Wangenheim
als auch Jung reagierten zeitnah auf diese Offerte. Jung versendete am 9. Juli
1772 zwei nicht erhaltene Verzeichnisse, um in Anbetracht des fernen Hofes
herauszufinden, „welche Classe vorzüglich Beyfall findet“5. Einen Tag zuvor erwähnte Wangenheim am 8. Juli in einem Brief an Jung die Übersendung des
Bibliothekskatalogs: „Da ich der Königin
von Dännenmark Majestät schuldigst
angezeiget, wie sie aus dortige Königl.
Bibliothec, Bücher zum Nutzen und
Vergnügen höchst derselben founieren
könte: So haben höchstdieselben mir
aufgetragen, den Catalogum gedachter
Bibliothec anhero kommen zu laßen. Ich
habe also hierauf das Vergnügen mich
dieses Auftrags wegen Eur. Hochwohlg.
zu entledigen: Inzwischen halte ich dafür, daß da der Catalogus :| so viel es mir
bekandt |: ein Werk von einigen Folianten; ein Auszug aus selbigen, der für Ihro Maj. der Königin, schicklichen Werke,
hinreichend seyn könnte.“6
Die erste Bestellung waren Christian
Fürchtegott Gellerts Sämtliche Schriften und Friedrich von Hagedorns Poetische Wercke.7 Das Urteil der Königin
fiel äußerst positiv aus und endete mit
einer umfassenden Bestellung zur deutschen Literatur: „Höchst-dieselben haben auch schon dero Wohlgefallen über
diese Schriftsteller geäusert (...). Ich ersuche dannenhero, wo möglich, mir
die Wercke eines Ramlers, Utz, Gleims,
Gessners, Dusch, Zachariae, Wielands,
Lessings, Lichtwehrs, Hallers, Wiethoffs,
Kleists, Croneks, nebst Zimmermanns
‚National-Stolz‘ anhero zu senden.“8
Diese Bestellung basierte auf keiner
Durchsicht eines von Jung angefertigten
Bücherverzeichnisses, korrespondierte
aber mit einer Bemerkung, die Wangenheim bereits seinem ersten Brief als Postskriptum angehängt hatte: „Maj[estät]
die Königin lesen und sprechen sehr
gerne Teutsch“9. Die umfangreiche Bestellung konnte Jung nicht erfüllen.
Lediglich Johann Georg Zimmermanns
Werk Vom Nationalstolz und den noch
ausstehenden 7. Teil von Gellerts Sämtliche Schriften konnte Jung am 28. Juli
der Post übergeben,10 alle anderen georderten Bücher befanden sich zu diesem
Zeitpunkt beim Buchbinder und waren
erst am 7. August versandbereit. Der folgende Brief von Wangenheim am 8. Oktober an Jung ist von dem Aufbruch des
Hofstaates der Königin Caroline Mathilde nach Celle geprägt. Wangenheim erwarte die Ankunft in Celle „d.[en] 18then
oder 20tehn dieses Monaths“11. Da Wangenheim, wie er Jung schrieb, „die [mir]
überschickten Bücher zum Gebrauch
Ihro der Königin von Dennemarck Majestät, mehrentheils wiederum zurück
habe, und die übrigen ohnstreitig gegen
Ende unseres Aufenthalts gleichfals wiederum erhalten werde“12, bat er Jung, einen Transport nach Celle mit neuer Literatur zu organisieren und überließ Jung
die Auswahl dieser: „Euer Wohlgeboren
kennen bereits den Geschmack der Königin Majestät, also daß ich diesetwegen
nichts hinzu zu fügen habe (...)“13. Da
Caroline Mathilde „auch verschiedene
Bücher aus Braunschw.[eig] erhalten“14
habe, bat Wangenheim um ein Verzeichnis der bestehenden Fernleihen. Dieser
Liste zufolge hatte Jung für die Köni4 Brief vom 30. Juni 1772; Lehnte an Jung.
5 Briefentwurf vom 9. Juli 1772; Jung an v. Wangenheim.
6 Brief vom 8. Juli 1772; v. Wangenheim an Jung.
7 Brief vom 15. Juli 1772; Mackenthun an Jung.
8 Brief vom 22. Juli 1772; v. Wangenheim an Jung.
9 Brief vom 8. Juli 1772; v. Wangenheim an Jung.
10 Briefentwurf vom 28. Juli 1772; Jung an v. Wangenheim.
11 Brief vom 8. Oktober 1772; v. Wangenheim an Jung.
12 Ebd.
13 Ebd.
14 Brief vom 8. Oktober 1772; v. Wangenheim an Jung.
21
Beiträge
Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek: Bibliotheksakten V 22 a+b
Jens Juel: Caroline Mathilde, Königin von Dänemark (1771)
Jungs Liste der Fernleihen während der Zeit in der Göhrde
nach Abgleich vorhandener physischer
Exemplare im Bestand der GWLB kein
signifikanter Nachweis entgegen.
Die Fernleihen nach Celle
Aufgrund der erheblich größeren Zeitspanne, die Caroline Mathilde in Celle
verbrachte – entgegen dem kaum fünfmonatigen Aufenthalt im Jagdschloss
Göhrde lebte sie in Celle vom Oktober
15 Notiz unter dem Briefentwurf vom 13. Oktober
1772; Jung an v. Wangenheim.
Quelle: wikipedia
gin von Dänemark an den Oberschenk
v. Wangenheim am 17. Juli acht Bücher,
am 28. Juli zwei Bücher und am 7. August 48 Bücher versendet – allesamt
Werkausgaben deutscher Literaten. Als
diese Bücher Jung vorlagen, notierte
er, dass die „von hiesiger Königl.[icher]
Bibl.[iothek] gesandte[n] Bücher (...)
sichtlich (...) gebraucht, und oben mit
dem Pfand gestempelt [sind], wodurch
man sie von andern leicht unterscheiden kann“15. Der provenienzhistorisch
bedeutsamen Bemerkung steht jedoch
22
Beiträge
Wie bereits zu Beginn der Ausleihen in
der Göhrde wurde auch in dem ersten
erhaltenen Brief aus der Celler Zeit von
dem Kammerdiener Maentell der Bibliothekskatalog aus Hannover angefordert17. Dem nun folgenden Briefkonzept Jungs vom 29. Juli liegt ein Brief
von Maentell vom 28. Juli zugrunde, der
nicht erhalten ist. Offensichtlich hatte Maentell die Idee der kurzzeitigen
Übersendung des Bibliothekskatalogs
nicht aufgegeben, warnte Jung ihn doch,
„(...) daß die Catalogues der Königl. Bibl.
allhier so volumineus und weitläufig
sind, daß damit ein Wagen allein beladen würde“18. Zudem sei der Katalog
weder leserlich geschrieben, noch derart wohlgeordnet, „(...) daß selbiger auf
eine geziemende Art vorgelegt werden
könne“19. Als Lösung offerierte Jung
23
Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek: Bibliotheksakten V 22 a+b
1772 bis zum 10. Mai 1775 –, ließe sich
eine deutlich umfangreichere Fernleihtätigkeit erwarten. Die Situation änderte sich mit dem Umzug jedoch nachhaltig. Die Dokumentation in der AltAkte ist lückenhaft und setzt erst im Jahr
1774 wieder ein, sodass keinerlei Berichte über die Aktivitäten des Jahres 1773
vorliegen. Es ist lediglich bekannt, dass
Caroline Mathilde während ihres Besuchs in Hannover im Sommer des Jahres 1773 am Morgen des 21. Juli die Bibliothek besuchte. Sie absolvierte damit
das für den höheren Adel übliche Besichtigungsprogramm mit Reliquienkammer,
Stadtschloss und Bibliothek; man bedenke, Georg II. besuchte die Bibliothek bei
drei seiner Aufenthalte in Hannover. Ist
jedoch der letzte Besuch Georgs II. in
der Bibliothek durch einen Bericht des
Bibliothekars Gruber16 dokumentiert,
kann für den Besuch Caroline Mathildes bisher kein historischer Bericht vorgelegt werden. Das erste historische Dokument bezüglich der Fernleihe stammt
vom 8. Juli 1774. In den Jahren 1774/75
weist die Akte lediglich zehn Briefe auf,
die einen nur fragmentarischen Einblick
ermöglichen. Der diesbezügliche Grund
kann in dem Umstand einer von Caroline Mathilde aufgebauten und zunehmend vermehrten Privatbibliothek und
der damit auftretenden Spezialisierung
des Leihinteresses angetroffen werden.
Mit der Nadel befestigt: die Anforderung des Hofrechts
das erprobte Verfahren des Erstellens
von Verzeichnissen, woraufhin Maentell ihm die Bitte Caroline Mathildes
vortrug, „einige Deutsche und Italienische Werke zu übersenden (...) wovon
Eur. Wohlg. glauben, daß sie angenehm
zu leßen sein möchten, es braucht nicht
viele auf einmahl zu sein.“20
Am 18. August bat Maentell Jung, das
auf einem beiliegenden Zettel genannte
Werk – Friedrich Carl von Mosers Teutsches Hof-Recht – herzuschicken, sofern
es im Bestand der Bibliothek nachweisbar wäre.21 Jung versendete die ersten
beiden, bisher publizierten Quartbände22 am 20. August und gewährte in
dem Briefkonzept einen Einblick in
die Fernleihpraxis des 18. Jahrhunderts.
Jung erbat sich einen Empfangsschein,
„welcher von den Bibliothec-Schreibern
in Verwahrung genommen und, auf geschehener Zurückgabe des Buches reta-
16 S. Alt-Akte V 15.
17 Brief vom 8. Juli 1774; Maentell an Jung.
18 Briefkonzept vom 29. Juli 1774; Jung an Maentell.
19 Ebd.
20 Brief vom 3. August 1774; Maentell an Jung.
21 Brief vom 18. August 1774; Maentell an Jung.
22 S. Briefkonzept vom 20. August; Jung am Maentell.
23 Ebd.
24 Ebd.
diert wird“23. Bei weiteren Entleihungen
setzte er voraus, „daß eine zuverläßige
Person allhier bestellt würde, welche die
Bücher unter gehöriger Vollmacht in
Empfang nähme, darüber einen Schein
ertheilt, und die Emballage nebst dem
Transport besorgte“24. Das scheint weniger der Sicherheit der Bücher geschuldet zu sein, als vielmehr dem Umstand,
dass Jung, wie er selbst mitteilte, in der
nächsten Zeit nicht in Hannover sein
werde und infolgedessen den Fernleihprozess nicht mehr anweisen könne.
Zugleich hat sich Jung hierdurch aber
auch einiger organisatorischer Aufgaben geschickt entledigt. In seinem Brief
vom 27. November bestätigte Maentell
dieses Vorgehen und nannte Mackenthun als zuständigen Bevollmächtigten
in Hannover.
Erst mit einem Brief Maentells vom
4. April 1775 liegt eine weitere dokumentierte Bestellung vor – die letzte ihrer
Art. Erneut lag ein Zettel in einer fremden Handschrift dabei, auf welchem das
zu bestellende Werk – The State Trials,
in English – vermerkt war. Am 9. April
bestätigte Maentell den Eingang des
Buches über Mackenthun. Auch diese
letzte Bestellung zeugt von der Spezialisierung des Ausleihverhaltens: Einen
Monat vor ihrem Tod interessierte sich
die im kurhannoverischen Exil lebende
dänische Königin Caroline Mathilde für
englisches Recht.
ä
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
24
4. Bilderbuch-Sonntag in Hannover
Das Lesenetzwerk feierte erneut großen Erfolg
mit einem Familienfest im Pavillon.
Text: Angelika Brauns
Fotos: Maike Kandziora, Gottfried
Wilhelm Leibniz Bibliothek
A
m 5. Februar 2012 fand der 4. Bilderbuch-Sonntag im RaschplatzPavillon statt. Der Pavillon ist ein Kulturzentrum der besonderen Art in Hannover und durch seine zentrale Lage in
Bahnhofsnähe der ideale Veranstaltungsort für den gut besuchten Bilderbuch-Sonntag. Wieder strömten mehr
als 1.800 Eltern mit ihren Kindern in
die bunte Bilderbuchausstellung, um einen ganzen Nachmittag lang Lesespaß
mit allen Sinnen zu erleben. Darunter
befanden sich auch verstärkt Familien
mit Migrationshintergrund, was einer
multikulturellen Stadt wie Hannover
gut zu Gesicht steht.
Die Idee des Bilderbuch-Sonntags
Programm des diesjährigen Bilderbuch-Sonntags
Eltern mit Kindern unter vier Jahren sollen durch den Bilderbuch-Sonntag zum
Vorlesen und Lesen animiert werden.
Da Lesen eine wichtige Grundlage für
Bildung und ein Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe ist, will das Lesenetzwerk Hannover gezielt Eltern mit
kleinen Kindern ansprechen. Es werden
Anregungen gegeben, wie Sprachförderung unterhaltsam und ohne viel Aufwand in den Alltag integriert werden
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
kann, damit der Umgang mit Büchern
früh eingeübt wird. Der BilderbuchSonntag mit seinem bunten Angebot
soll Lust auf Lesen und Bücher machen.
Der Eintritt ist frei, das Programm abwechslungsreich und attraktiv: Neben
der Bilderbuchausstellung, die den
Kern der Veranstaltung bildet, werden
jede Menge Informationen und Unterhaltung für Groß und Klein rund um
das Thema Sprachförderung geboten.
Die Palette reicht dabei vom Fachvortrag
zur Bedeutung des Vorlesens für die
frühkindliche Entwicklung von Kindern über Mitmachangebote wie Basteln, Singen und Theater bis hin zu
mehrsprachigen Bilderbuchkinos. Für
alle Interessierte ist etwas Passendes dabei; es gibt keine Einschränkungen oder
Vorgaben, was die Teilnahme an einzelnen Angeboten betrifft. Der Spaß und
die Freude am Bilderbuch und am Vorlesen stehen im Vordergrund. Durch
dieses bewusst offen angelegte Konzept
werden viele Menschen aus verschiedenen Schichten angesprochen, was sich
außerordentlich positiv in den hohen
Besucherzahlen niederschlägt.
ver luden zu einem Mitmachangebot
„Die Königin der Farben“ ein. Warum
Sprachförderung von Anfang an so
wichtig ist, erläuterte der hannoversche
Kinderarzt Martin Raguse.
Offiziell eröffnet wurde der BilderbuchSonntag um 12 Uhr durch Bürgermeister Bernd Strauch. Für das Lesenetzwerk
ist es gut zu wissen, dass die Stadtspitze
hinter dem Konzept steht und die Veranstaltung regelmäßig durch ihre Teilnahme unterstützt.
Schirmherr des Bilderbuch-Sonntags ist
der bekannte Kinderbuchautor und
-illustrator Ingo Siegner, der in Hannover vor allem beliebt ist durch seine Erdmännchen-Bücher mit Gustav, Rocky
und Pauline aus dem Zoo. Überregional
erfreuen sich Kinder an seinen Büchern
mit den Abenteuern des Drachen
Kokosnuss. Ingo Siegner ist beim Bilderbuch-Sonntag immer dabei und unterhält das Publikum mit seinen Ge-
Rückblick auf den 4. Bilderbuch-Sonntag
Auch das Programm des diesjährigen
Bilderbuch-Sonntags hatte wieder viel
zu bieten. In der Zeit von 11 bis 17 Uhr
gab es an zahlreichen farbenfrohen Stationen neben Bastel- und Malangeboten
auch Tipps zum Vorlesen sowie ein Bilderbuchkino in mehreren Sprachen und
in Gebärdensprache. Bilderbuchhelden
aus bekannten Klassikern und aktuellen
Titeln wurden lebendig. Die Elternwerkstatt „Lust auf Lesen“ ermunterten Eltern und Kinder zum kreativen, spielerischen Umgang mit Bilderbüchern. Die
Schülerinnen der Alice-Salomon-Schule
verzauberten die kleinen Besucher mit
verschiedenen Stabfigurentheaterstücken. Mit Sachbüchern zur Sache kommen sowie Tast- und Fühlbücher zum
Selbermachen waren weitere Aktionen,
um Kleine und Große für Bücher zu begeistern. Studierende der Hochschule
für Musik, Theater und Medien Hanno-
Lust auf Lesen wecken
schichten und Zeichnungen; auch diesmal zählten zwei gut besuchte Aktionen
mit ihm zum Programm.
Ingo Siegner ist sehr eng mit Hannover
und dem Lesenetzwerk verbunden. Neben seinem Engagement im Rahmen
des Bilderbuch-Sonntags ist er auch
beim Lesestart Hannover e. V. aktiv und
unterstützt die Stadtbibliothek Hannover durch sein Erstlesebuch, das speziell
für die Erstklässleraktion der Bibliothek
entstanden ist. Das Buch wird regelmäßig zum Schuljahresbeginn durch Bibliotheksbeschäftigte an alle Erstklässler
der Landeshauptstadt verteilt.
25
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
26
Wie kam es zum Bilderbuch-Sonntag?
Im Jahr 2008 hatten Dr. Carola SchelleWolff, Direktorin der Stadtbibliothek
Hannover, Birgit Nerenberg von der
Buchhandlung Sternschnuppe und
Martina Meyer von der Alice-SalomonSchule die Idee zum Bilderbuch-Sonntag als zentrale Veranstaltung zur frühkindlichen Sprach- und Leseförderung
in Hannover. Der Bilderbuch-Sonntag
sollte den Auftakt zum Projekt „Lesestart Hannover“ bilden. Aus der Idee
wurde schnell Wirklichkeit: Am 1. Februar 2009 fand der 1. Bilderbuch-Sonntag im Raschplatz-Pavillon statt. Die Resonanz war derart überwältigend, dass
das Lesenetzwerk beschloss, den Bilderbuch-Sonntag fortan jährlich durchzuführen.
Die positive Unterstützung hat sich seitdem in der Öffentlichkeit, den Medien
Am Bücherstand gab es viel zu entdecken
und der Politik kontinuierlich gesteigert.
Dabei erfuhr der Bilderbuch-Sonntag in diesem Jahr
eine besondere Auszeichnung: Am
15. März erhielten die beteiligten Buchhandlungen auf der Leipziger Buchmesse den „Kinderbuchhandlungspreis
2012“, der von der Arbeitsgemeinschaft
von Jugendbuchverlagen (avj) für außergewöhnlich engagierte Aktionen vergeben wird.
Lesenetzwerk Hannover
Das Lesenetzwerk Hannover wurde
2004 gegründet. Es handelt sich dabei
um einen Zusammenschluss von Institutionen und Personen, die sich der
Sprach- und Leseförderung verschrieben haben. Die Koordination des Lesenetzwerkes liegt bei der Stadtbibliothek
Hannover. Ziel ist es, vor Ort gemeinsame Aktivitäten zur Leseförderung auf
die Beine zu stellen und vernetzt zu
agieren, wobei der Bilderbuch-Sonntag
seit vier Jahren das absolute Highlight
darstellt.
Im Lesenetzwerk beteiligt sind: Stadtbibliothek Hannover, Projektstelle Sprachförderung der Landeshauptstadt Hannover/Elternbildungsprogramm Rucksack,
Diakonisches Werk Projekt HIPPY, Lesestart Hannover e. V., Akademie für Leseförderung Niedersachsen, Evangelische
Medienarbeit, AWO-Familienbildung,
Alice-Salomon-Schule, Buchhandlungen
Sternschnuppe, Bücherwurm, Lehmanns und Leuenhagen & Paris, die
Fachbereiche Jugend und Familie sowie
Bildung und Qualifizierung der Landeshauptstadt Hannover und die Erzieherin
Petra Pfahl-Scholz.
ä
Jede Menge Informationen und Unterhaltung für Groß und Klein
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
Die Bücher des Literaturpreises LUCHS
zum Anfassen und Ausprobieren
Eine Ausstellung der Akademie für Leseförderung in der Gottfried
Wilhelm Leibniz Bibliothek widmet sich den bisherigen Preisträgern.
Text: Anke Märk-Bürmann
Fotos: Jutta Wollenberg, Gottfried
Wilhelm Leibniz Bibliothek
S
eit 1986 zeichnet eine unabhängige
Jury monatlich ein herausragendes
Kinder- und Jugendbuch mit dem Literaturpreis LUCHS aus und stellt es mit
einer ausführlichen Rezension in der
Wochenzeitung DIE ZEIT sowie einer
Besprechung bei Radio Bremen vor.
Das 25-jährige Jubiläum des LUCHSPreises war für die Akademie für Leseförderung im Frühjahr und Sommer
2012 der Anlass, eine Ausstellung zu
den mittlerweile mehr als 300 Preisbüchern durchzuführen. Die Ausstellung
konnte dank der Leihgabe aller Preisbücher von Prof. Birgit Dankert realisiert
werden. Sie gehört zu den Gründerinnen des Kinder- und Jugendliteraturpreises LUCHS und ist derzeit wieder JuryMitglied.
Wie präsentiert man etwa 300 Kinderund Jugendbücher, und zwar so, dass
sie nicht nur hinter verschlossenen
Vitrinen liegen, sondern dass man sie in
die Hand nehmen, in ihnen blättern und
schmökern kann? Wie trifft man eine geeignete Auswahl? Das waren zwei große
Herausforderungen, mit denen wir uns
bei der Planung dieser Ausstellung auseinandersetzen mussten.
Als Akademie für Leseförderung beschäftigen wir uns nicht nur mit Kinder- und Jugendliteratur an sich, sondern vornehmlich damit, wie man die
eigentliche Zielgruppe, also Kinder und
Jugendliche, für diese Bücher begeistern
kann. So entstand die Idee, Lesefördermethoden anhand der LUCHS-Bücher
durchzuspielen. Grundlage bildeten die
zwölf Methoden aus dem 2012 erstmals
veröffentlichten Lesekalender der Akademie für Leseförderung.
So fertigten wir beispielsweise zu dem
Bilderbuch von Chen Jianghong „Der
Tigerprinz“ (LUCHS-Preisbuch Nr. 223)
eine Leselaterne an (siehe Foto oben),
sammelten Gegenstände für eine Lesekiste zu dem Buch „Der Tag, als ich
lernte die Spinnen zu zähmen“ von Jutta Richter (LUCHS des Jahres 2000) und
präsentierten das Bilderbuch „Papierschiff ahoi!“ von Jorge Luján und Julia
Friese (LUCHS-Preisbuch Nr. 276) in einem Aquarium (siehe Foto nächste Sei-
27
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
28
te). LUCHS-Bücher, die sich mit dem Leben von Menschen in anderen Kulturen
beschäftigen, wurden ausgewählt und
als multikulturelles Bücherbuffet in Szene gesetzt (siehe Foto). LUCHS-Sachbücher dienten als potenzielle Ideengeber
für die Methode „Fehlerlesen“.
Eine Mitmachaktion mit dem Titel „Welches war Ihr erstes Kinderbuch?“ lud die
Besucher der Ausstellung ein, sich an ihre eigene Kindheit und die damit verbundenen Leseerlebnisse zu erinnern.
Die Ausstellung ist noch bis Ende des
Jahres in der Gottfried Wilhelm Leibniz
Bibliothek zu sehen. Im Anschluss kann
die Ausstellung ausgeliehen werden. Interessierte Bibliotheken oder andere Einrichtungen können sich dafür an Anke
Märk-Bürmann ([email protected])
wenden.
ä
„Papierschiff ahoi!“
Bücherbuffet „Leben in anderen Kulturen“
Bücher zum Anfassen und Schmökern
Präsentation der Jahresluchse
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
„Die Bibliothek an Ihrer Seite“
– der Auftritt des dbv auf der didacta 2012
Der Deutsche Bibliotheksverband e. V. (dbv) und der Landesverband
Niedersachsen im dbv blicken auf die diesjährige Bildungsmesse in
Hannover zurück. Der Austausch mit Lehrkräften und Erziehern zeigte
eines deutlich: Es sind vor allem Kernkompetenzen gefragt!
Text: Brigitte Krompholz-Roehl
Fotos: Andreas Müller
D
ie Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Schule ist eine der vielen Aufgaben, mit denen sich die Bibliotheken befassen. Daher ist es sinnvoll,
sich als Bibliotheksverband dort zu präsentieren, wo Pädagogen in Massen zusammenkommen. Bei der didacta, einer
der größten Bildungsmessen Europas,
ist dies der Fall.
Für drei Jahre hat der dbv mit den drei
Landesverbänden Baden-Württemberg,
Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen
eine Vereinbarung abgeschlossen und so
die Teilnahme des dbv sowie der jeweiligen Landesverbände auf der didacta 2011
in Stuttgart, 2012 in Hannover und 2013
in Köln gesichert.
Plakat des dbv
und der Akademie für
Leseförderung
Der didacta-Messeauftritt 2012
Unterstützt von zehn Kolleginnen aus
den Bibliotheken Bad Pyrmont, Göttingen, Hannover, Neustadt am Rübenberge,
Nordhorn, Peine, Salzgitter, Wedemark,
die auf der didacta den Standdienst übernahmen, den Mitgliedern der Kommission Bibliothek und Schule, Brigitta Wühr
von der Bundesgeschäftsstelle und der
Honorarkraft Lisa-Marie Zarwell, konnte der didacta-Auftritt von Bundes- und
Landesverband des dbv gut bewältigt
werden. Erfreulich war auch die Unterstützung durch die Akademie für Leseförderung, die eine ansprechende Powerpoint-Präsentation mit Beispielen unterschiedlichster Zielgruppenarbeit aus den
niedersächsischen Bibliotheken zusammengestellt hatte.
Fünf didacta-Tage lang (vom 14.–18. Februar) galt es, im Trubel der Messe-Hektik
Lehrkräfte und Erzieher für Bibliotheken
zu begeistern. Als Vorteil erwies sich dabei der Standort direkt neben dem Stand
der ekz.bibliotheksservice GmbH (ekz).
So konnte man sich beim Thema „Einrichtung und Ausstattung von Schulbibliotheken“ gleich die Bälle zuspielen.
Das Motto lautete „Die Bibliothek an
Ihrer Seite“, und die Überschrift des
Wunschzettels, der an die Besucher verteilt wurde, präzisierte noch: „Die Bibliothek an meiner Seite. Was wünschen Sie
sich von Ihrer Bibliothek?“
Sehr groß war der Stand des dbv natürlich nicht. Ein paar Hocker boten die
Möglichkeit sich auszuruhen; dazu standen ein Stehtisch und eine kleine Sitzecke für Gespräche zur Verfügung. Man
musste schon aktiv den Kontakt herstellen, um bei der Fülle der umliegenden
Angebote Aufmerksamkeit zu erregen.
Manchmal half dabei der Keksteller. Immer wieder bot sich als Gesprächsanlass
jedoch der Wunschzettel an, den die Arbeitsgruppe entwickelt hatte. „Was erwarten Sie von ihrer örtlichen Bibliothek?
Was wünschen Sie sich?“, lauteten die
Eingangsfragen, nachdem man sich und
den Verband kurz vorgestellt hatte.
29
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
30
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
Erwartungen und Wünsche
an die Bibliotheken
Für den Landesverband und die Kommission Bibliothek und Schule ging es nicht
nur darum zu zeigen, was der Verband
leisten kann. Der Wunschzettel diente vor
allem auch dem Zweck zu erfahren, was
die Lehrkräfte von den Bibliotheken erwarten und was ihnen besonders wichtig
ist. Hinsichtlich der Auswertung der Fragebögen, Gesprächsprotokolle und Notizen ist zwar zu bedenken, dass es sich
um eine zufällige, nicht repräsentative
Auswahl an Kontakten und Rückmeldungen handelte; aber es entstand zumindest
ein Eindruck. Und so kam am Ende einer
anstrengenden, aber auch befriedigenden
Woche mit vielen kurzen und einigen intensiven Gesprächen heraus, was eigentlich niemanden erstaunte:
Viele der Lehrkräfte, die zum Stand kamen, kennen ihre örtliche Bibliothek
eigentlich ganz gut und meistens sind
sie auch sehr zufrieden. Oft wollen sie
nur das, was eigentlich zum Kerngeschäft der Bibliotheken gehört.
Sie wünschen sich: Beratung beim Altbestand ihrer Schulbibliothek, Literaturtipps und Anschaffungsvorschläge, auch
Einführungen in die Bibliotheksbenutzung für verschiedene Altersgruppen,
Unterstützung bei der Durchführung
von Autorenlesungen für die Schule, praxisnahe und kurze Rechercheschulungen
für Facharbeiten, Beratung in Bezug auf
das Urheberrecht (etwa unter dem Aspekt „was eigentlich noch kopiert werden
darf?“), Hilfe beim EDV-Einsatz in der
Schulbibliothek sowie bei der personellen Absicherung und Weiterführung einer Schulbibliothek. Angekreuzt und gewünscht wurden immer wieder ganz einfach Aktionsangebote wie Bücherkisten
und Vorleseaktionen, gerne auch mehrsprachig. Aus Grundschulen kam erstaunlich oft der Wunsch nach Lesenächten, Aktivitäten für spezielle Zielgruppen
(z. B. nur für Jungen) und thematischen
Bücherkisten.
Ein Wunschzettel, der für viele
Gesprächsanlässe sorgte
Bei den weiterführenden Schulen ging
es ebenfalls um attraktive Buchvorstellungen, auch für spezielle Zielgruppen
(z. B. Leichtlesebücher für leseschwache
Jugendliche). Lehrkräfte wünschen sich
Lesetipps, die sie an ihre Schüler weitergeben können. Auch Tipps für die Vorbereitung der Facharbeit wurden in den Fragebogen immer wieder angekreuzt.
Von der Bibliothek wird sehr viel Kompetenz in Bezug auf Medienauswahl, Empfehlung und Leseförderung erwartet und
gewünscht: im Grunde also die Kernkompetenzen, die die Bibliotheksarbeit
auszeichnen:
u Suchen und Finden,
u Vermitteln und Beraten,
u Aufbereiten und Präsentieren.
Fazit
Die didacta in Hannover bot eine gute
Möglichkeit, sich einem regionalen und
überregionalen pädagogischen Fachpublikum zu präsentieren. Das, was Bibliotheken können, wird durchaus gesehen
und ist erwünscht.
Wir Bibliotheken müssen die Lehrkräfte
und Erzieher immer mal wieder daran
erinnern und deren Zeitfenster und Rahmenbedingungen bedenken. Auch beim
didacta-Besuch war die Zeit knapp; vieles musste noch besucht, mitgenommen
und besprochen werden. Die Besucher
am Stand des dbv hatten nicht viel Muße.
Als kleine Erinnerung an den didacta-Besuch wurden die Bibliotheken kontaktiert,
die in den jeweiligen Wunschzetteln benannt wurden. Sie bekamen den Wunschzettel mit speziellen Anregungen und
den Kontaktdaten zugeschickt – in der
Hoffnung, dass die Gelegenheit wahrgenommen wird, mit interessierten Lehrkräften oder Erziehern ins Gespräch zu
kommen. Ob sich Kontaktaufnahmen tatsächlich ergeben haben, ist nicht bekannt;
aber vielleicht folgen hierzu ja noch Rückmeldungen.
ä
Ein gelungener Messeauftritt
mit interessanten Gesprächen
in angeregter Atmosphäre
31
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
32
Schreibwerkstatt für Grundschüler in Harzgerode
Kinder schreiben Geschichten in einem gemeinsamen Projekt der Kreisbibliothek Quedlinburg und der Grundschule Harzgerode.
Text und Fotos:
Katrin Nachtwey-Hofmann
A
uf der Basis einer Kooperationsvereinbarung planten die Kreisbibliothek Quedlinburg und die Grundschule
„Weißer Garten“ Harzgerode gemeinsam
ein Schreibprojekt für die Schülerinnen
und Schüler. Dazu lud die Kreisbibliothek Quedlinburg Eva Maria Kohl, Autorin und Professorin für Grundschuldidaktik/Deutsch an der Martin-LutherUniversität Halle-Wittenberg, ein, um
den Kindern etwas über das Geschichtenerfinden und Schreiben zu erzählen.
An einem Junivormittag kam Frau Kohl
mit einem kleinen Koffer, ihrem „Werkzeugkoffer“, und einigen ihrer Bücher,
wie z. B. „Ein Haus zieht aus“ oder
„Heimweg“, in die Harzgeröder Schule.
In jeder Klassenstufe erzählte sie Geschichten und las vor. Ihre Geschichten
begleitete sie mit Fingerpuppen und
kleinen Gegenständen, die in ihrem
„Werkzeugkoffer“ schlummerten.
Durch dieses szenische Spiel lenkte sie
die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf
die handelnden Figuren und einige für
den Handlungsverlauf wichtige Gegenstände – die Bausteine ihrer Geschich-
ten. Daran anknüpfend sollten die Kinder die Figuren und Gegenstände der
Geschichten als Ausgangspunkt für eigene kreative Aktionen nutzen, wie bildnerisches Gestalten, Illustrieren und
Schreiben einer Geschichte.
Bevor die Grundschüler die Aula verließen und in ihren Klassenräumen zu
Baumeistern ihrer eigenen Geschichten
wurden, gab Frau Kohl einen Tipp. Sie
empfahl den Kindern, sich für ihre Geschichte eine Hauptfigur zu überlegen.
Bei einem Rundgang durch die Klassenzimmer, die sich zu „Schreib- und Malwerkstätten“ entwickelt hatten, sah man
Schüler, die konzentriert schrieben oder
malten, aber auch Kinder, die noch vor
einem leeren Blatt oder erst vor einem
Geschichtenanfang saßen und grübelten. In einigen Klassenräumen lagen
bereits kleine „Bücher“ auf den Schulbänken, die von den Kindern selbst hergestellt wurden. Diese Bücher bestanden jeweils aus einem Blatt, das beispielsweise die Form eines Hauses oder
Kinder gestalten, illustrieren und schreiben eigene Geschichten.
Schlosses hatte. Das Blatt war so gefaltet,
dass es aufgeklappt werden konnte. Die
Außenseite war bunt bemalt und auf der
Innenseite stand die Geschichte.
Frau Kohl gelang es, durch ihre Schreibimpulse (wie z. B. das Erzählen und
Vorlesen von Geschichten sowie Schreibspiele oder auch Fragen) bei einem
großen Teil der Kinder die Fantasie anzuregen und damit die Mal- und Schreiblust zu entfachen.
In der Zusammenarbeit der Kreisbibliothek mit den Schulen soll es weitere
Schreibprojekte geben. Allerdings sollten die Kinder beim kreativen Schreiben
künftig intensiver durch den Leiter der
Schreibwerkstatt begleitet werden. Dies
setzt voraus, dass an einer „Werkstatt“
nur eine kleine Gruppe teilnimmt (z. B.
eine Klassenstufe, die aus zwei bis drei
Klassen besteht).
Das erfolgreiche Schreibprojekt der
Kreisbibliothek Quedlinburg und der
Grundschule Harzgerode wurde vom
Friedrich-Bödecker-Kreis in SachsenAnhalt e. V. finanziell gefördert.
ä
Das Ergebnis: ein selbst
hergestelltes „Buch“
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
Lesescouts in Niedersachsen
33
In ausgewählten Projektschulen entwickeln leseaffine Jugendliche
Konzepte zur Leseförderung und sollen damit sich selbst, ihre
Mitschüler und andere Gleichaltrige für das Lesen begeistern.
Text: Karola Penz
Fotos: Akademie für Leseförderung
Niedersachsen
Z
ehn Schulen verschiedener Schulformen aus Achim, Braunschweig,
Buxtehude, Göttingen, Hannover, Oldenburg, Salzgitter und Steyerberg bieten in
diesem Schuljahr eine Lesescout-AG an.
Das Angebot ist Bestandteil des Projekts
„Lesescouts in Niedersachsen 2012/13“
des Niedersächsischen Kultusministeriums und der Stiftung Lesen.
Das Projekt richtet sich an Schülerinnen
und Schüler der Klassen 5 bis 10. In dieser Altersklasse verlieren Erwachsene oft
ihre Funktion als Lesevorbilder und die
Peergroup gewinnt an Bedeutung, was
das grundsätzliche Interesse am Lesen
und die individuellen Leseinteressen
Qualifizierung der Lehrkräfte: Austausch in den Projektgruppen ...
... und Durchführung eines Bücherspiels
anbelangt. In der Lesescout-AG werden
Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I dazu angeregt, für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler, aber auch für
die ganze Schulgemeinschaft Projekte
der Leseförderung zu entwickeln und zu
verwirklichen.
Die Lehrkräfte, die die Lesescout-AGs
betreuen, wurden im September in
einem Seminar mit Sarah Rickers von
der Stiftung Lesen und zwei Mitarbeiterinnen der Akademie für Leseförderung
Niedersachsen auf diese Arbeit vorbereitet (siehe Fotos). Anke Märk-Bürmann
zeigte dabei Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Lesescouts und Bibliotheken auf. An die Schülerinnen und
Schüler der Lesescouts-AGs wenden sich
Workshops der Stiftung Lesen in ihrer
jeweiligen Schule. Sie erfahren dort Wissenswertes zum Lesen und Lesenlernen
sowie kreative und innovative Ideen rund
um die Vermittlung von Jugendliteratur.
Die Projektschulen erhalten ein Medienpaket der Stiftung Lesen mit neuen Jugendbüchern und anderen Medien zur
Arbeit in der Lesescout-AG und zum anschließenden Verbleib in der Schulbibliothek. Öffentliche Bibliotheken können
die Schulen in diesem Projekt tatkräftig
unterstützen, nicht nur als Lern-, Leseund Veranstaltungsort, sondern auch in
beratender Funktion.
Am Ende des Schuljahres bekommen
die beteiligten Schülerinnen und Schüler eine Urkunde über die Tätigkeit als
Lesescouts. Ihre Teilnahme kann auch
im Zeugnis festgehalten werden. Die
spannende Frage lautet: (Wie) Gelingt es
den Lesescouts, zunächst sich selbst und
dann die von ihnen angesprochenen Mitschüler zum Lesen zu motivieren? ä
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
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Akademie für Leseförderung Niedersachsen ist
fest etabliert – von Leseförderung und Lesesucht
Das Land Niedersachsen hat durch eine Kooperationsvereinbarung mit
der Stiftung Lesen die Akademie für Leseförderung verstetigt.
Vertragsunterzeichnung am 7. September 2012 durch Dr. Georg Ruppelt, Prof. Dr. Johanna Wanka,
Dr. Bernd Althusmann und Dr. Jörg F. Maas.
Text: Georg Ruppelt
Foto: Jutta Wollenberg, Gottfried
Wilhelm Leibniz Bibliothek
A
m 7. September 2012 unterzeichneten das Land Niedersachsen und
die Stiftung Lesen, Mainz, eine Kooperationsvereinbarung, die die an der
Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
(GWLB), Hannover, angesiedelte Akademie für Leseförderung (ALF) verstetigt.
Ziel der gemeinsamen Initiative von
Kultus- und Kulturministerium sowie
der Stiftung Lesen und der GWLB ist es,
mit der Akademie Instrumente für eine
regionalisierte Förderung der Lesekultur, vorrangig in Schulen und öffentlichen Bibliotheken, aufzubauen, zu festigen und kontinuierlich zu erweitern. Zu
diesem Zweck stellt das Land der Akade-
mie jährlich rund 186.000 Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Die Stiftung
Lesen und die GWLB beteiligen sich zusätzlich mit rund 25.000 Euro bzw.
10.000 Euro jährlich an der Förderung.
Die neue „Akademie für Leseförderung
Niedersachsen“ geht aus dem Projekt
„Akademie für Leseförderung der Stiftung Lesen an der Gottfried Wilhelm
Leibniz Bibliothek“ hervor, das 2004 auf
Initiative des Direktors der GWLB und
damals gleichzeitigen Vorstandsvorsitzenden der Stiftung ins Leben gerufen
worden war.
Die Kooperationsvereinbarung wurde
von Kultusminister Dr. Bernd Althusmann, Wissenschaftsministerin Professor Dr. Johanna Wanka, dem Geschäftsführer der Stiftung Lesen, Dr. Jörg F.
Maas, sowie dem Direktor der GWLB, Dr.
Georg Ruppelt, unterzeichnet. Durch ihre Unterschrift wurde der bisherige Projektstatus der ALF aufgelöst und in eine
dauerhaft angelegte Förderung umgewandelt. Drei Lehrkräfte verschiedener
Schulformen sowie eine Sachbearbeiterin bilden das Akademie-Team. In Zukunft wird das Team noch um eine Nachwuchskraft erweitert, die die Stiftung Lesen an die Akademie abordnet.
Die niedersächsische Ministerin für
Wissenschaft und Kultur, Professor
Dr. Johanna Wanka, erklärte auf einer
Veranstaltung anlässlich der Gründung:
„Das Lesen hat in unserer Kultur eine
herausragende Bedeutung. Wir benötigen es im Alltag, im Beruf und vor allem
zum Erwerb von Wissen und Bildung.
Auch der Bildungsbericht 2012 hat gezeigt, welcher Stellenwert dem Lesen
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
in unserer Gesellschaft zukommt. Umso mehr freue ich mich daher, dass wir
die Akademie für Leseförderung heute
ihrem Projektstatus entheben und als
dauerhafte Einrichtung in Niedersachsen etablieren.“
Kultusminister Dr. Bernd Althusmann
lobte die bisherige Arbeit der Akademie
und wies insbesondere auf die notwendige Zusammenarbeit verschiedener
Gruppierungen hin: „Die Akademie für
Leseförderung hat sich als Partner der
Schulen bewährt und wird in Niedersachsen weiter dringend gebraucht. Gerade bei der Leseförderung ist es wichtig,
dass alle an einem Strang ziehen: Eltern,
Schule und alle weiteren Unterstützer.
Die Akademie für Leseförderung schafft
hier einen Mehrwert, indem sie Brücken
schlägt zwischen Leseförderern ganz unterschiedlicher Herkunft.“
Auch der Geschäftsführer der Stiftung
Lesen, Dr. Jörg F. Maas, äußerte sich
zur Verstetigung: „Die Vermittlung von
Lesefreude und Lesekompetenz ist vor
dem Hintergrund, dass es 7,5 Millionen
funktionale Analphabeten in Deutschland gibt, von großer Bedeutung. Dazu
müssen alle gesellschaftlichen Gruppen
stärker zusammenarbeiten. Die Akademie für Leseförderung in Hannover
übernimmt hierbei eine Vorreiterrolle,
indem sie sowohl ehrenamtlich Engagierte als auch Fachleute anspricht und
so ein dauerhaftes Netzwerk zur Leseförderung im Land aufbaut. Wir bedanken uns beim Land Niedersachsen für
die vorbildliche Zusammenarbeit im
Bereich der Leseförderung und freuen
uns, nun gemeinsam die wichtige Arbeit der Akademie dauerhaft sicherzustellen.“
Der Direktor der GWLB trug zur Erheiterung der Anwesenden einen Text aus der
„Ostfriesischen Zeitschrift für junge Leser und Leserinnen“ vom Jahr 1793 vor,
der eine ganz andere Sicht auf das Lesen
hatte als heutige Leseförderer:
„Ueber die Lektüre der Romane.“
Ein jedes Zeitalter hat seinen eignen Charakter. Seinen
besonderen Werth oder Unwerth, seine herrschende Laster
und Seuchen. Auch in Rücksicht der Wissenschaften hat fast
ein jedes Decennium seine eignen Gegenstände des Denkens
und Untersuchens, seine Lieblingsschriftsteller und Lieblingsbücher. Wir glauben nichts übertriebenes oder seltsames
zu sagen, wenn wir die Romanenschreiber und die Produkte ihres Witzes und ihrer Dichtungskraft mit zu den Dingen rechnen, darauf unsere Zeitgenossen eine ganz besondere Aufmerksamkeit richten. Die Lesesucht ist überhaupt die
Hektik unserer Zeitperiode; insonderheit aber kränkelt das
liebe Publikum an der Seuche der Romanlektüre.
Eine jede Messe nährt und mehrt diese gefährliche
Krankheit; jeder Meß-Catalogus ist ein trauriges Denkmal davon. Die deutschen Buchdruckerpressen schwitzen
unter einem in allerhand Form gegossenen Mischmasch
der Romanenschreiber, unter dem Schwall ihrer Empfindungen und Declamationen.
Die Buchläden wimmeln von den Geburten und Mißgeburten ihrer romantischen Einbildungskraft. Gefällige und
gewinnsüchtige Menschen legten Leihbibliotheken und Lesegesellschaften an, um die bethörten jungen Leute für ihr
baares Geld von Woche zu Woche mit neuer Romanenwaare
zu füttern.
Der Jüngling, der die kostbare und unwiederbringliche Zeit seiner Jugend zur Kultur seines Verstandes und
zur Erlernung einer soliden Gelehrsamkeit anwenden sollte, vernichtet sie durch die nichtswürdigste Beschäftigung
und schwelgt in den giftigen Wohllüsten der Einbildungskraft.
Das Mädchen, das daran denken sollte, sich auf die
wichtige Bestimmung einer Hausmutter vorzubereiten,
sucht sich aus den Augen ihrer Eltern und Aufseher in
die Romanenwelt zu stehlen, und das süße Gift der Empfindsamkeit und der stillen Unkeuschheit einzuschlürfen.
Ach! die Feder zittert in meiner Hand, wenn ich daran
gedenke, daß vielleicht jetzt, in dieser stillen nächtlichen
Stunde, darin ich diese Zeilen schreibe, mancher hoffnungsvolle Jüngling die Nacht, diese Gebärerin der Weisheit, zur Befriedigung der Romanensucht mißbraucht;
manche junge Schöne, halb aus dem Bette gelehnt, die
matten Augen auf ein schlüpfriges oder empfindsames
Blatt geheftet, nicht nur ihre Gesundheit, sondern, was
weit mehr ist, auch ihr Herz verdirbt! –
O meine lieben jungen Leser und Leserinnen! ist euch
eure wahre Glückseligkeit, die Zufriedenheit und Ruhe
eurer unsterblichen Seele, ist euch die Bildung eures Verstandes, die Veredlung und Besserung eures Herzens, ist
euch eure Brauchbarkeit für die Welt, und euer künftiges
Schicksal auf Erden nicht – eine Kleinigkeit: so höret die
warnende Stimme der Vernunft und der Wahrheit vor der
ä
gefährlichen Lektüre der Romane!
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Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
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Schulbücherei in Bad Pyrmont sortiert rund
6.000 Bücher aus
Ein Interview mit Birgit Jaskolla,
Leiterin der Stadtbibliothek Bad Pyrmont1
Einführungstext: Birgit Jaskolla
Fotos: Stadtbibliothek Bad Pyrmont
E
in Prüfauftrag zu den Haushalts-sicherungsmaßnahmen führte zu einer organisatorischen und inhaltlichen
Neugestaltung der Schulbücherei im
Humboldt-Gymnasium Bad Pyrmont.
Eine mögliche räumliche Zusammenlegung der Stadtbibliothek mit der
Schulbücherei wurde aufgrund einer Bewertung der Beratungsstelle für Öffentliche Bibliotheken Südniedersachsen
vorerst verworfen. Im Bereich der inhaltlichen Zusammenarbeit inklusive der
Verwirklichung von Synergien wurden
jedoch andere Ansatzpunkte aufgezeigt,
mit denen auch die zukünftigen Zuständigkeiten in Richtung Stadtbibliothek
gelenkt werden sollen. Mit einer umfangreichen Bestandsrevision in der
Schulbücherei begann der erste Schritt
zur Neuorganisation – über 6.000 Medien mussten makuliert werden.
Andreas Müller: Aus welchem Grund
und auf wessen Veranlassung wurde die
„Makulier-Aktion“ durchgeführt?
Birgit Jaskolla: Um einen ausgewogenen, aktuellen und attraktiven Bestand
anbieten zu können, ist eine regelmäßige Bestandssichtung (Revision) notwendig. Empfohlen wird, mindestens einmal
jährlich den Bestand nach formalen und
inhaltlichen Kriterien auszusondern. Der
Schulbüchereibestand musste den heuti1 Das Interview führte Dr. Andreas Müller, Niedersächsisches Kultusministerium, Referat 23 (Integration durch Bildung, Kompetenzförderung).
Aussortierung in Kartons
gen Standards entsprechend reorganisiert werden, da seit Bestehen der Schulbücherei noch keine Revision stattgefunden hatte.
Die Aussonderung erfolgte nach folgenden Kriterien:
Die Zusammenlegung der Stadt- und
Schulbibliothek resultierte aus einem
Prüfauftrag zu den Haushaltssicherungsmaßnahmen im Jahre 2010. Bei
einer Ortsbesichtigung haben sich dann
die Mitglieder des Kultur- und Sportausschusses einen Überblick über den Zustand der Schulbücherei verschafft. Die
Stadtbibliothek ist verantwortlich für die
Reorganisation und konzipiert die Neugestaltung mithilfe der Büchereizentrale
Niedersachsen und der Beratungsstelle
für Öffentliche Bibliotheken Südniedersachsen.
u Der Inhalt entspricht nicht mehr den
neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen,
u das Buch ist verschmutzt und/oder
zerlesen,
u das Medium wird nicht oder nur selten benutzt (Nutzungsfrequenz wird
über die Bibliotheksstatistik ermittelt),
u die Kinder- und Jugendbücher vermitteln veraltete Rollenbilder.
Welchen Beitrag hat das Schulkollegium
dabei geleistet?
Verschiedene Gründe haben zu der Reorganisation der Schulbücherei geführt.
In gemeinsamen Gesprächen mit Schule, Verwaltung und Stadtbibliothek wur-
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
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Brehms Thierleben von 1876 mit Buchpilz
de das Vorgehen besprochen und abgestimmt. Die Schule hatte keinen Mehraufwand, da über die Stadtbibliothek alles Organisatorische geregelt wurde. Das
Schulkollegium wurde in drei Infobriefen vonseiten der Stadtbibliothek über
die jeweiligen Schritte auf dem Laufenden gehalten.
Die zur Makulatur vorgeschlagenen Medien wurden nach Fächern geordnet in
der Schulbücherei gelagert. Die Lehrkräfte konnten in der letzten Ferienwoche die ausgesonderten Medien sichten
und für den eigenen Unterrichtsbedarf
sichern. So konnten Titel für die Lehrerbibliothek oder die Fachklassenräume
ausgewählt und umgestellt werden.
Die Empfehlungslisten „Neue Bücher
für Schulen“ für den Bereich Sekundarstufe I und Sekundarstufe II der ekz.
bibliotheksservice GmbH sind speziell
für die Fachobleute des Gymnasiums
angeschafft worden. Diese Listen werden von einem Schulbibliothekar und
von Pädagogen zusammengestellt und
erscheinen zweimal im Jahr. Nach Unterrichtsfächern gegliedert, wird hier
eine Titelauswahl unterrichtsrelevanter Literatur der Buch-, CD-ROM- und
DVD-Neuerscheinungen vorgestellt.
Die Fachobleute haben somit eine Entscheidungsgrundlage und können aktiv
am Bestandsaufbau der Schulbücherei
mitwirken.
„Alte Schätzchen“
Wie groß war der zeitliche und personelle
Aufwand? Welche Kosten sind entstanden?
In den Sommerferien wurden – in der Zeit
vom 6. 7. bis zum 4. 8. 2011 – vier Aussortierungstermine mit der Beratungsstelle
für Öffentliche Bibliotheken Südniedersachsen in der Schulbücherei durchgeführt. Der zeitliche Rahmen betrug jeweils
fünf bis sechs Stunden. Die beiden Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle wurden
von der Auszubildenden der Stadtbibliothek bei der Sichtung des Bestandes unterstützt. Die Auszubildende lernte hierbei
gleich die Anwendung der Auswahlkriterien für eine Aussortierung kennen und war
aktiv an einer Bestandsrevision beteiligt.
Die Beratungsstelle für Öffentliche Bibliotheken Südniedersachsen ist eine Außenstelle der Büchereizentrale Niedersachsen, die eine kommunale Beratungs- und
Dienstleistungseinrichtung für die öffentlichen Bibliotheken in Niedersachsen ist.
Öffentliche Bibliotheken können sich an
diese Einrichtung wenden und werden
kostenlos in allen Fragen der Bibliotheksarbeit beraten und unterstützt.
Von diesem Vorteil konnte die Schulbücherei profitieren, da die Stadtbibliothek
Bad Pyrmont als öffentliche Bibliothek
die Aussortierung der Beratungsstelle
kostenlos in Anspruch nehmen konnte.
Für die Bestandsüberprüfung sind somit
keine Kosten angefallen.
Gibt es neben dem erwähnten Physikbuch
aus dem Jahre 1920 noch andere griffige
Beispiele für Aussortiertes?
Nur noch antiquarischen Wert haben
Nachschlagewerke wie „Brehms Thierleben“ in der Ausgabe von 1876 – leider
war dieses „Schätzchen“ vom Buchpilz
befallen.
Gibt es erwähnenswerte Grenzfälle, und,
wenn ja, wie wurde in solchen Fällen
verfahren, um zu einer Entscheidung zu
gelangen?
Natürlich gab es Grenzfälle. Beispielsweise in der Sachgruppe Geschichte
haben wir einigen Titeln eine „Gnadenfrist“ eingeräumt und sie zunächst im
Bestand behalten. Sobald der Etat freigegeben wird, werden für diese Bücher
Ersatztitel angeschafft. In anderen Bereichen beweisen wir „Mut zur Lücke“
– hier ist die Sachgruppe Erdkunde zu
nennen – und bestellen lieber bei Bedarf
gewünschte Titel aus der Fernleihe oder
stellen den Bestand der Stadtbibliothek
zur Verfügung.
Selbstverständlich wurden auch Titel
wieder in den Bestand eingestellt, wenn
die Lehrkräfte die Bedeutung für den Unterricht bei diesen Werken herausgestellt
haben. Bei einigen Werken musste es
aber abgelehnt werden, da Buchpilzbefall
und Erscheinungsjahr dagegen sprachen.
Berichte aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
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Überholt – Unterricht um 1919
Was haben Sie mit den aussortierten
Büchern gemacht?
Die aussortieren Medien haben wir in
den Kellerräumen der Stadtbibliothek
zwischengelagert. Im Februar 2012 veranstalteten wir vier Wochen lang in der
Stadtbibliothek einen großen Bücherflohmarkt zugunsten der Schulbücherei. Die nicht verkauften Medien haben
wir wieder eingelagert; sie werden bei
einem zweiten Bücherflohmarkt wieder
zum Kauf angeboten. Der Erlös kommt
dem Bestandsaufbau der Schulbücherei
zugute.
Welche neuen Perspektiven eröffnet die
Verschlankung des Bestandes?
Der Bestand erscheint deutlich attraktiver, da er nun übersichtlicher und aktueller ist. Der Bestandsaufbau erfolgt nun
systematisch und kontinuierlich durch
die fachliche Beratung der Stadtbibliothek; die Lehrkräfte melden ihre Literaturwünsche unterrichtsrelevant an.
Verändert hat sich auch die Rolle des
Schülers beim Bestandsaufbau. Schüler
schlagen nun ganz gezielt ihre Titelwünsche der Stadtbibliothek vor – so wurde
schon in der ersten Woche nach mehr
Belletristik in Originalsprache gefragt.
Eine ganz neue Perspektive für die
Schulbücherei ist das Online-Angebot
Mut zur Lücke im Bücherregal
der Stadtbibliothek. Über den Internetkatalog kann die Schule auf die OnlineDatenbanken der Stadtbibliothek zugreifen. Das erweist sich zum einen
als sinnvolle Bestandsergänzung, trägt
aber auch dem Nutzungsverhalten der
Schüler Rechnung. Der Ausbau dieser
Online-Angebote ist geplant, sodass im
nächsten Jahr auch eine E-Book-Ausleihe über den Verbund der Büchereizentrale Niedersachsen möglich sein wird.
Welche Rolle spielen dabei die Stadtbibliothek Bad Pyrmont und die Schule?
Der Bestand der Schulbücherei wurde
in die Datenbank des EDV-Bibliotheksprogramms eingepflegt. Es wurde eine
Lizenz aus dem Etat der Stadtbibliothek
für die Schulbücherei angeschafft, sodass die beiden Bibliotheken miteinander vernetzt werden konnten.
Da der Bestand der Schulbücherei ab sofort im Internet recherchierbar ist, müssen alle Medien, die bereits einen Strichcode bekommen haben, im EDV-Programm über einen Bibliotheksausweis
verbucht werden. Das Rückgabedatum
wird dann in den Internetkatalog übertragen und bei der Recherche ist erkennbar,
dass ein Medium entliehen ist. Also erhalten alle Schülerinnen und Schüler, die in
der Schulbücherei ausleihen wollen, einen Bibliotheksausweis. Dieser kann nun
für beide Bibliotheken genutzt werden.
Die Rückgabe der in der Schulbücherei ausgeliehenen Medien ist auch in
der Stadtbibliothek möglich, umgekehrt
können aber auch Medien aus der Stadtbibliothek in der Schulbücherei zurückgegeben werden. Die Schulbücherei ist
vormittags für drei Stunden mit dem
Personal der Stadtbibliothek besetzt.
Die Stadtbibliothek hat alle Neuerungen
in einer Gesamtkonferenz vorgestellt; die
Schule hat einen Elternbrief mit allen Veränderungen verfasst.
Die Schulbücherei wird von einer reinen
Präsenzbibliothek umgewandelt in ein
attraktives Selbstlernzentrum für alle
Schülerinnen und Schüler des Pyrmonter Schulzentrums. Neue Serviceangebote der Stadtbibliothek erweitern das Medienangebot für alle Schüler und Lehrer:
Bücherkisten,
Handapparate,
Rechercheschulungen,
Themenausstellungen,
Bibliothekseinführungen aller
5. Klassen,
u Veranstaltungen zu Schulprojekten,
Tag der offenen Tür, Elternabende
etc. ä
u
u
u
u
u
Kurzberichte
Der Lesekalender 2013:
gute Ideen und wichtige Termine für
Leseförderer in Niedersachsen
Leseförderer brauchen Impulse für ihre Arbeit vor Ort. Diese
finden sie in der neuen Ausgabe des Lesekalenders, der für
jeden Monat eine Leseförderidee aus der Praxis vorstellt und
über wichtige Termine informiert.
Die präsentierten Ideen können von verschiedenen Personen
bzw. Einrichtungen umgesetzt werden. Mit dem gemeinsamen Besuch des Bilderbuch-Sonntags wecken beispielsweise
Eltern bereits bei ihren kleinen Kindern die Freude am Lesen
und schaffen eine gute Grundlage für die Lesekultur in der
Familie. Erzieherinnen und Erzieher ermöglichen mit der
Gestaltung eines Guckkastens eine kreative Auseinandersetzung mit Büchern. Und Lehrkräfte erhalten die Lesemotivation
mit ungewöhnlichen Begegnungen wie dem „Blind Date mit
Büchern“. Alle aber profitieren davon, wenn sie bei ihren
Aktivitäten möglichst eng mit öffentlichen Bibliotheken zusammenarbeiten, wie es am Beispiel der Gestaltung eines Elternabends beschrieben wird.
Der mit Unterstützung des Niedersächsischen Kultusministeriums von der Akademie für Leseförderung erstellte Lesekalender 2013 kann unter der E-Mail [email protected] gegen eine
Versandkostenpauschale von 5,00 Euro bestellt werden.
Der Kalender erscheint Mitte November 2012. Biblio24.de –
onlinebibliothek sachsen-anhalt
Das digitale Zeitalter ist nun auch in den Bibliotheken Sachsen-Anhalts angekommen: Auf Initiative des Landesverbandes
Sachsen-Anhalt im Deutschen Bibliotheksverband e. V. und
gefördert durch Mittel des Landes schlossen sich 2011 vierzehn öffentliche Bibliotheken zur onlinebibliothek sachsen-anhalt zusammen. Gemeinsam bieten sie unter www.biblio24.de
E-Books, E-Paper, E-Audios und E-Videos für ihre Nutzer
online zur Ausleihe an. Jede beteiligte Bibliothek ist in einer
der vier Arbeitsgruppen Bestandsaufbau, Benutzung, Öffentlichkeitsarbeit und Support vertreten, sodass die anfallenden
Arbeiten untereinander aufgeteilt werden. Vierteljährliche
Verbundtreffen gewährleisten, dass die einzelnen Aufgaben im
Sinne aller Verbundteilnehmer erfüllt werden. So können sich
seit Dezember 2011 die Benutzer folgender Bibliotheken über
das zusätzliche Angebot digitaler Medien freuen: Kreisbibliothek Aschersleben, Stadtbibliothek Bernburg, Regionales
Medienzentrum Eisleben, Stadt- und Kreisbibliothek Genthin,
Stadt- und Kreisbibliothek Haldensleben, Stadtbibliothek
Ilsenburg, Stadt- und Schulbibliothek Landsberg, Stadt- und
Kreisbibliothek Salzwedel, Gemeindebücherei Teutschenthal,
Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben, Stadtbibliothek Weißenfels, Stadtbibliothek Wernigerode, Stadtbibliothek Wolmirstedt
und Schul- und Gemeindebibliothek Zielitz. Stetig steigende
Ausleihzahlen beweisen, dass die Nachfrage nach digitalen
Medien vorhanden ist. Im kommenden Jahr werden sich
weitere Bibliotheken diesem Verbund anschließen.
Angelika Ermel
Anke Märk-Bürmann
Titelblatt Lesekalender 2013
Internetportal biblio24.de
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Kurzberichte
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Aus der Johannes a Lasco Bibliothek
Emden (JALB)
• Ausstellung: Zusammen mit dem Ostfriesischen Landesmuseum Emden (OLME) und der ev.-ref. Kirchengemeinde
Emden bereitet die JALB die Sonderausstellung „Menso Alting
und seine Zeit“ vor. Die Ausstellung mit vielen Exponaten aus
dem In- und Ausland wird verteilt auf JALB und OLME vom
7. Oktober 2012 bis zum 31. März 2013 zu sehen sein. Öffentliche Vorträge und ein musikalisches Kulturprogramm begleiten die Ausstellung.
• Editionsprogramm: Zusammen mit der Freien Universität
Amsterdam, der Theologischen Universität Apeldoorn, der
Universität Zürich, der Remonstrantischen Bruderschaft, der
Stadt Dordrecht, dem Huygens Institut für Niederländische
Geschichte und der Protestantischen Kirche in den Niederlanden (PKN) hat die JALB begonnen, die „Akten der Synode von
Dordrecht 1618/1619“ für eine kritische Edition zu bearbeiten.
Das Projekt ist für mehrere Jahre vorgesehen und wird im
Göttinger Verlagshaus Vandenhoeck & Ruprecht publiziert.
Fassadenbanner zur Sonderausstellung »Menso Alting und seine Zeit«
• Stipendienprogramm der Stiftung Johannes a Lasco
Bibliothek Emden: Das Stipendienprogramm des „Hardenberg-fellowship“ bietet Wissenschaftlern aus dem In- und
Ausland die Möglichkeit, die umfangreichen Bestände der
JALB für ein eigenes Forschungsvorhaben zu nutzen. Die
JALB stellt dazu für einen Zeitraum von bis zu acht Wochen
kostenlos eine Wohnung in der Nähe der Bibliothek zur
Verfügung.
Nach dem Aufenthalt in Emden legt die Stipendiatin/der
Stipendiat einen Abschlussbericht vor und verpflichtet sich,
bei einer Publikation der Forschungsergebnisse die Förderung
durch die JALB zu nennen. Belegexemplare der jeweiligen
Publikationen überlässt sie/er der JALB kostenlos.
Über die Vergabe eines Hardenberg-fellowship-Stipendiums
entscheidet der wissenschaftliche Vorstand der JALB nach
Beratung durch einen Ausschuss des wissenschaftlichen
Beirats. Besondere Kriterien sind dabei die Bedeutung des
jeweiligen Vorhabens für die wissenschaftliche Forschung und
die wissenschaftliche Erschließung der Bestände der JALB.
Anfragen und Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen und
unter Hinzufügung einer Skizze des Forschungsvorhabens
sind zu richten an den
Wissenschaftlichen Vorstand
der Stiftung Johannes a Lasco Bibliothek Große Kirche Emden
Dr. J. Marius J. Lange van Ravenswaay
Kirchstr. 22
D-26721 Emden
J. Marius J. Lange van Ravenswaay
Kurzberichte
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Bibliothek X.0
Chancen
Herausforderungen
Grenzen
am 27./28. November 2011 in Celle
19. Gemeinsame Bibliothekstage
für Niedersachsen
und Sachsen-Anhalt
Deutscher Bibliotheksverband e.V.
Landesverband Niedersachsen e.V.
Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.
19. Gemeinsame Bibliothekstage für
Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
in Celle
Am 27. und 28. November 2011 fanden in Celle die 19. Gemeinsamen Bibliothekstage für Niedersachsen und SachsenAnhalt statt. Unter dem Motto „Bibliothek X.0 – Chancen,
Herausforderungen, Grenzen“ berichteten sechs ausgewiesene
Fachleute über die Veränderungen und Möglichkeiten, die sich
Bibliotheken und ihren Nutzerinnen und Nutzern mit der
zunehmenden Digitalisierung und dem verstärkten Angebot
an elektronischen Medien bieten. Etwa 100 Interessenten aus
Niedersachsen und Sachsen-Anhalt folgten der Einladung der
Landesverbände Niedersachsen und Sachsen-Anhalt im dbv,
des Berufsverbandes Information Bibliothek (BIB) – Landesgruppe Niedersachsen und Bremen – und der Stadt Celle.
Welf Schröter vom Forum Soziale Technikgestaltung, Stuttgart,
beleuchtete Aufgaben und Chancen für Bibliotheken vor dem
Hintergrund des tief greifenden Wandels der Arbeitswelt
durch die digitale Entwicklung.1 Mario Kowalak (Freie Universität Berlin), Ingrid Heinen (Forschungszentrum Jülich) und
Tobias Höhnow (Wissenschaftspark Albert Einstein, Potsdam)
berichteten über Theorie und Praxis des Electronic Resource
Management, mit dessen Hilfe vor allem an wissenschaftlichen Bibliotheken elektronische Informationsquellen wie
Datenbanken und E-Journals verwaltet werden. Tibor Maxam
(Stadtbibliothek Springe) zeigte die Chancen auf, die der
Einsatz von Social Media und Web 2.0 den Bibliotheken bietet.
Abschließend referierte Susanne Brandt (Büchereizentrale
Schleswig-Holstein) über den Umgang mit lizenzfreien
elektronischen Medien an öffentlichen Bibliotheken.
Parallel zum Vortragsprogramm wurden auf der Ideenbörse
interessante Bibliotheksprojekte vorgestellt; zahlreiche weitere
Aussteller sowie Führungen durch die Stadtbibliothek Celle
ergänzten das Programm. Auf einer Nachtwächterführung
konnten die Teilnehmer das vorweihnachtliche Ambiente in
der historischen Altstadt einfangen. Ein mit freundlicher
Unterstützung der VGH Versicherungen, Regionaldirektion
Celle, ermöglichter geselliger Abend bot Gelegenheit zum
fachlichen Austausch in angenehmer Atmosphäre.
B jörn Schreier
Grußwort durch
Dirk Ulrich Mende,
Oberbürgermeister
der Stadt Celle
1 siehe Heftbeitrag auf Seite 12 ff.
Termine, Hinweise
42
Termine, Hinweise
Kursangebote der Akademie für Leseförderung Niedersachsen
November 2012 – Januar 2013
Mittwoch, 7. November 2012, 10.00 – 17.00 Uhr
Donnerstag, 29. November 2012, 10.00 – 15.00 Uhr
Kleine Buchbindearbeiten für Kinder
Workshop für Lehrkräfte, Bibliothekare/innen, pädagogische
Mitarbeiter/innen an Grundschulen, Erzieher/innen und
Mitarbeiter/innen an außerschulischen Kinder- und Jugendeinrichtungen
Referenten: Meike Fricke, Martin Brederecke
Ort: Hannover, Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
Eltern als Partner in der Leseförderung gewinnen!
Seminar für Mitarbeiter/innen in Bibliotheken
Referentin: Anke Märk-Bürmann
Ort: Lüneburg, Büchereizentrale Niedersachsen
Freitag, 9. November 2012, 10.00 – 13.00 Uhr
Jugendbücher in Szene setzen! Jugendliche für das
Lesen begeistern!
Seminar für Lehrkräfte der Sekunderstufe I und
Bibliothekare/innen
Referentin: Anke Märk-Bürmann
Ort: Oldenburg, Kulturzentrum PFL
Mittwoch, 5. Dezember 2012, 10.30 – 15.00 Uhr
Lese- und Sprachkompetenz in der Hausaufgabenhilfe – Praktische Tipps und Ideen für eine motivierende Arbeit mit Schülern
Seminar für Pädagogische Mitarbeiter/innen an Schulen
(Klassen 2–6) und ehrenamtlich Tätige, die sich in der Hausaufgabenhilfe engagieren
Referenten: Heide Herbst-Kulf, Anne Möllers
Ort: Hannover, Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
Mittwoch, 23. Januar 2013, 15.30 – 18.30 Uhr
Donnerstag, 22. November 2012, 10.00 – 16.00 Uhr
Leseförderung von Anfang an – Spielerischer Lesespaß
für Kinder zwischen 0 und 4 Jahren
Seminar für Eltern, Tagespflegepersonen, Bibliothekare/innen, Erzieher/innen und Ehrenamtliche
Referentin: Christine Kranz
Ort: Oldenburger Landesbibliothek
Freitag, 23. November 2012, 10.00 – 16.00 Uhr
Referentenschulung: „Vorlesen für Seniorinnen und
Senioren“
Seminar für Erwachsenenbildner und Leseförderer, die selber
eine Schulung zu diesem Thema anbieten möchten
Referentin: Christine Kranz
Ort: Oldenburger Landesbibliothek
Einsatz von (Bilder-)Büchern in sprachlich
heterogenen Klassen
Seminar für Lehrkräfte der Grundschule
Referentin: Dr. Jessica Löser
Ort: Hannover, Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
Weitere Infos zu den Veranstaltungen und zum Anmeldeverfahren im Internet: www.alf-hannover.de > Kursangebot
Termine, Hinweise
Termine, Hinweise
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„Bibliotheken – ein Thema der Politik?“
Niedersächsischer Bibliothekstag 2012 in Hannover
Montag, 12. November 2012
Tagungsort:
VGH-Versicherungen
Schiffgraben 4, 30159 Hannover
Weitere Informationen unter
www.dbv-niedersachsen.de
Veranstalter:
Landesverband Niedersachsen
im Deutschen Bibliotheksverband e.V.
Berufsverband Information Bibliothek e.V.,
Landesgruppe Niedersachsen und Bremen
Tagungsprogramm
9.30 Uhr
Foyer Haus D
10.00–10.30 Uhr
Veranstaltungsraum Haus D
10.30–12.00 Uhr
Konferenzraum D1.103-104
Begrüßungskaffee
Begrüßung
Dr. Günter Schmidt, Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen e.V. im dbv
Grußwort
Hermann Kasten, Vorsitzender des Vorstands der VGH Versicherungen
Mitgliederversammlung des Landesverbandes Niedersachsen im dbv
mit Vorstandswahlen
10.30–12.00 Uhr
Veranstaltungsraum Haus D
Fachveranstaltung des BIB:
Weniger, älter, bunter – Demographischer Wandel
Demographische Entwicklung in Deutschland und seinen Regionen
und Auswirkungen auf Bibliotheken
Vortrag von Kerstin Schmidt (Demographie lokal, Minden)
Neue „alte“ Benutzergruppen erreichen – Medienboxen für die Arbeit mit Senioren
Vortrag von Oke Simons (Büchereizentrale Schleswig-Holstein, Flensburg)
12.00–12.30 Uhr
Veranstaltungsraum Haus D
anschließend Mittagspause
Foyer Haus D
Mitgliederversammlung der BIB Landesgruppe Niedersachsen und Bremen
Bibliothekspolitischer Nachmittag
13.30–14.00 Uhr
Veranstaltungsraum Haus D
Zum Stand der Bibliotheksgesetzgebung in Deutschland
Vortrag von Dr. Eric Steinhauer (Universitätsbibliothek Hagen)
14.00–15.30 Uhr
Veranstaltungsraum Haus D
anschließend Kaffeepause
Foyer Haus D
Podiumsdiskussion „Bibliotheken – ein Thema der Politik?“
Moderation: Prof. Dr. Gabriele Beger (SUB Hamburg)
Teilnehmer: Jörg Hillmer, MdL (CDU)
Daniela Behrens, MdL (SPD)
Almuth von Below-Neufeldt, MdL (FDP)
Dr. Gabriele Heinen-Kljajic, MdL (GRÜNE)
Dr. Manfred Sohn, MdL (LINKE)
15.45–16.15 Uhr
Veranstaltungsraum Haus D
Strategische Lobbyarbeit für Bibliotheken – Instrumente der politischen Kommunikation
Vortrag von Natascha Reip (dbv-Geschäftsstelle, Berlin)
16.30 Uhr
Veranstaltungsraum Haus D
Schlusswort | Ende der Veranstaltung gegen 17.00 Uhr
Autoren
44
Autorenanschriften
Angelika Brauns
Stadtbibliothek Hannover
Hildesheimer Straße 12
30169 Hannover
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Katrin Nachtwey-Hofmann
Kreisbibliothek Quedlinburg
Heiligegeiststraße 8 06484 Quedlinburg
Telefon: +49 3946 2629
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Sylvia Chudasch
Büchereizentrale Niedersachsen
Lüner Weg 20
21337 Lüneburg
Telefon: +49 4131 9501-46
E-Mail: [email protected]
Karola Penz
Akademie für Leseförderung Niedersachsen
Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
Waterloostraße 8
30169 Hannover
Telefon: +49 511 1267-308
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Angelika Ermel
Stadt- und Kreisbibliothek Haldensleben
Gerikestraße 3a
39340 Haldensleben
Telefon: +49 3904 49530 oder 725108-13
E-Mail: [email protected]
Birgit Jaskolla
Stadtbibliothek Bad Pyrmont
Bismarckstraße 14
3181 Bad Pyrmont
Telefon: +49 5281 606157
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Brigitte Krompholz-Roehl
Stadtbibliothek Göttingen
Thomas-Buergenthal-Haus
Gotmarstraße 8 37073 Göttingen
Telefon: +49 0551 400-2823
E-Mail: [email protected]
Dr. J. Marius J. Lange van Ravenswaay
Stiftung Johannes a Lasco Bibliothek Große Kirche Emden
Kirchstraße 22
26721 Emden
Telefon: +49 4921 9150-11
E-Mail: [email protected]
Anke Märk-Bürmann
Akademie für Leseförderung Niedersachsen
Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
Niedersächsische Landesbibliothek
Waterloostraße 8
30169 Hannover
Telefon: +49 511 1267-215
E-Mail: [email protected]
Dr. Andreas Müller
Niedersächsisches Kultusministerium
Referat 23 – Integration durch Bildung,
Kompetenzförderung
Schiffgraben 12
30159 Hannover
Telefon: +49 511 120-7261
E-Mail: [email protected]
Dr. Georg Ruppelt
Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
Niedersächsische Landesbibliothek
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30169 Hannover
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Björn Schreier
Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
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Welf Schröter
DGB-Bezirk Baden-Württemberg
Forum Soziale Technikgestaltung
Willi-Bleicher-Straße 20
70174 Stuttgart
Telefon: +49 711 2028-218
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Dr. Karin Stukenbrock
Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt
Zweigbibliotheken Medizin
Universitätsklinikum Halle/Saale
Ernst-Grube-Straße 40
06120 Halle/Saale
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ISSN 0940-0133