Predigt zum Hirtensonntag 22.04.2012 Abschied

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Predigt zum Hirtensonntag 22.04.2012 Abschied
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Predigt am 2. So. nach Ostern - Miserikordias Domini - 22.04.2012
Thema: Der Auferstandene steht immer schon am Ufer.
Johannes 21,1-14
[Das Wort Gottes zur Predigt folgt im Verlauf der Predigt.]
Liebe Gemeinde,
noch ist die Grillsaison nicht wirklich eröffnet. Zaghafte Versuche
von Grillfreunden münden doch eher in ein gemütliches Essen in
der Nähe eines wärmenden Ofens ein.
Wenn es denn heute warm wäre, was würde bei euch auf den
Grill kommen? Die Geschmäcker sind bekanntlich unterschiedlich.
Ein besonderes Erlebnis war für mich einst ein Grillessen im Urlaub auf der Insel Borkum. Weil wir an der See waren, wollte ich
Fisch grillen. Das war gar nicht so einfach. Zunächst klappte alles
prima, doch als ich den Fisch wenden wollte, drohte der Fisch vom
Rost in die glühende Kohle zu fallen. Denn auch halb gegarter
Fisch hält nicht mehr zusammen, er zerfällt ganz leicht in kleine
Teile.
Ich musste mir rasch etwas einfallen lassen, um den Fisch noch
lecker servieren zu können. Als wir dann schließlich neben dem
Grill in der Sonne unser Essen genießen konnten, fiel mir ein, wie
Jesus mal am See Tiberias für die Jünger zum Frühstück gegrillt
hat:
Damals hatte er auch auf offenem Feuer Fisch gebraten - gerne
hätte ich seinen Trick erfahren. Nur ist der Bericht in der Bibel
nicht als Grillanleitung geschrieben, sondern unter dem Eindruck
eines echten Aha-Erlebnisses der Jünger. Ich lese diesen wie ich
finde recht spannenden Bericht aus der Bibel:
Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See
Tiberias. Er offenbarte sich aber so:
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Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die
Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht
Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen
zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und
stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die
Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm:
Nein.
Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des
Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.
Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist
der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf
sich ins Wasser. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot,
denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert
Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.
Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und
Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von
den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg
hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch
das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das
Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen:
Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Da
kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch die Fische.
Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart
wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.
Johannes 21,1-14
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1.
Der Auferstandene begegnet im Alltag:
Jesus steht immer schon am Ufer
Wie viele Tage mögen seit dem Auferstehungstag vergangen sein?
Vielleicht waren es gerade zwei Wochen, aber die genaue Zeitangabe fehlt. Petrus und Johannes und fünf weitere Jünger treffen
wir in Galiläa an. Der Alltag ist eingekehrt. Wie es weiter geht, ist
noch unklar. Sie tun das, was sie vor der Zeit mit Jesus getan haben.
Petrus stellt trocken fest: „Ich gehe fischen.“ Die übrigen steigen
mit ins Boot. Doch dann das Frusterlebnis: Eine Nacht umsonst
gearbeitet, kein Fisch im Netz.
Egal warum, Tatsache bleibt doch: Kein Erfolg, kein guter Tagesbeginn. Viel Mühe, aber kein Ertrag für ihren Einsatz. Es ist wie
ein Schubs in die Perspektivlosigkeit.
Die beglückende Erfahrung der Nähe Gottes, das kribbelnde Gefühl „der Herr lebt“, das alles scheint wie weggeblasen. Die Niederungen des Alltags haben sie eingeholt.
Kommt euch das irgendwie bekannt vor? Du hast dich eingesetzt sei es am Arbeitsplatz, in der Familie, im Verein, für Freunde oder
in der Gemeinde. Du hast alles gegeben, aber es wirkt wie umsonst, weder Anerkennung noch Erfolg. Die Nacht kann manchmal
sehr lange sein.
Doch dann ein radikaler Einschnitt, der Auftakt zu einem überwältigenden Wechsel - wir hörten: „Als es schon Morgen war, stand
Jesus schon am Ufer.“
Was für ein Gegensatz: Im Boot enttäuschte, müde und wahrscheinlich gefrustete Jünger, am Ufer aber steht der Herr (nur sie
merken das noch nicht). Wo Nacht ist, bricht ein neuer Morgen an.
Hier die Erfolglosigkeit der Jünger, da der auferstandene Herr. Er
kennt schon den Weg hinaus, er ist schon da, um eine ganz neue
Erfahrung zu schenken.
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Jesus steht am Ufer - es ist der Auftakt zu einer völlig neuen Lebensperspektive. Mir fallen manche Situationen ein, in denen ich
mich selbst schon an diesem Satz festgehalten: am Ende einer
Freizeit z.B., wenn nach 14 schönen Tagen mit toller Gemeinschaft
der Alltag der Schule oder des Studiums begann. Oder ich habe es
einfach im Frust des Alltags vor Augen gehabt, wenn mich Probleme anschauten und ich mich fragte: Wo ist Jesus jetzt?
Egal, was bei dir anliegt - sei dir darin sicher: Jesus steht wie damals schon am Ufer und erwartet dich. Macht nichts, wenn du es
noch nicht erkennst – Jesus ist aber schon da, wo du ihn brauchst.
2.
Der Auferstandene setzt sich für dich ein:
Der Herr füllt das Netz.
„Kinder, habt ihr nichts zu essen?“, so spricht Jesus die Bootsmannschaft an. Was für ein freundlicher Ton gegenüber den enttäuschten Männern.
Liebevolle Worte, die können wir immer gebrauchen, wenn es uns
nicht gut geht.
„Kinder“ - das ist wie eine Einladung: Ihr dürft Mensch sein, noch
unfertig, ihr dürft in eurer Aufgabe noch wachsen.
„Kinder“ - das meint: Ihr müsst euch nicht schämen, leer oder verzweifelt zu sein. Kinder dürfen auch mal scheitern, sie fangen
gerne neu an.
Ist es diese Anrede, die Petrus und seine Männer motiviert, auf
die Frage ehrlich mit Nein zu antworten? Mit Erstaunen war dann
zu hören: Sie befolgen, was Jesus ihnen sagt. „Werft das Netz zur
Rechten aus - dort werdet ihr Fische finden.“
Und tatsächlich geschieht das Unglaubliche: Sie fangen so viel
Fisch, dass sie die Netze kaum ziehen können. Entweder haben
die Berufsfischer sich vorher furchtbar doof angestellt, oder es ist
die Bestätigung: Mit Jesus wird Unmögliches möglich.
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Ich entscheide mich für letzteres und kann daher um so mehr einstimmen in den Ruf der Fischer: „Es ist der Herr!“ Im Erleben dieses Fischzugs erkennen sie: Es ist der Auferstandene, der hier das
Netz gefüllt hat.
Ja, mitten im Alltag kann es auf einmal „klick“ machen: Es ist der
Herr am Wirken! Ich wünsche euch viele Momente, in denen ihr
erkennt: Das ist jetzt der Herr! Besonders wünsche ich es allen
Jugendlichen, dass ihr für euch entdeckt: Mit dem auferstandenen
Herrn wirklich zu rechnen, das ist das Schönste, was euch passieren kann. Probiert es aus, wie die Jünger es probiert haben.
Mit dem Impuls „Es ist der Herr!“ habe ich selbst vor 15 Jahren am
2. Ostertag meinen Dienst in der Großen Kreuzgemeinde begonnen. Gerne habe ich hier auf vielfältige Weise weiter gegeben: Der
Gekreuzigte ist auferstanden und lebt. Ein Kribbeln geht mir hin
und wieder über die Haut, wenn ich für mich diese Liedstrophe
singe:
Es ist wahr, dass Jesus lebt, Halleluja,
dass er unter den Seinen lebt, Halleluja.
Viele von euch haben davon etwas erfahren in den gemeinsamen
Hermannsburger Jahren: Manchmal ganz direkt als Trost beim
Abschied euerer Lieben an den Gräbern. Aber auch sonst vielfach
- in Gesprächen, in Begegnungen zwischendrin, in den Gottesdiensten - immer wieder war die Erfahrung möglich: Es ist der
Herr, er ist für uns da.
Eine von vielen Kleinigkeiten, die das erkennen ließen: Im Februar, als ich mich nach dem Gottesdienst im Seniorenheim von einer
Frau verabschiedete, hatte ich spontan für sie gebetet, weil der
Arm schmerzte. Vor ein paar Tagen stand sie vor der Haustür, um
mir zum Abschied noch das zu sagen: Ihr Arm sei von Tag zu Tag
besser geworden, auch wenn es schon noch eine Zeit gebraucht
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habe. Sie komme jetzt, um mir das noch zu sagen, um zu danken
und um zu bestätigen: Es ist der Herr!
3.
Der Auferstandene lädt zu sich ein - wirst du ihm folgen?
Die erfolgreichen Männer empfängt Jesus mit einer einfachen
Einladung: „Kommt und haltet das Mahl.“
Liebe Große Kreuzgemeinde, liebe Gäste: Das ist das Entscheidende, dass wir den Auferstandenen erkennen und ihm folgen,
wenn er uns ruft, wenn er das Mahl mit uns feiern will. Da begegnen wir nicht nur dem Herrn, da gibt er uns alles, was wir brauchen, um im Alltag klar zu kommen.
Wer zu seinem Mahl am Altar kommt, wer isst und trinkt, zu dem
kommt die Kraft des Auferstandenen. Ihr dürft euch dann überraschen lassen, wie er wirkt und wie ihr seine Kraft erfahrt. Wer
sich einladen lässt und sich dem Herrn anvertraut, der wird ihn
erleben.
4. Ein persönlicher Ausblick:
Jesus steht immer schon am Ufer!
Das gilt für euch und für mich! Das gilt für uns heute am Hirtensonntag.
Wenn ich weiter gehe, liegt es daran, dass ich gemerkt habe: Es ist
der Herr! Er ruft mich weiter zu gehen.
Für euch sage ich: Erkennt es und haltet es fest – Jesus ist der Hirte, der bleibt. Gewiss, ich lasse Aufgaben zurück. Doch ebenso
gewiss ist: Jesus steht für euch morgen früh schon am Ufer der
neuen Woche und am Ufer der Zukunft der Gemeinde.
Ebenso wird er auch Sonntag für Sonntag in eurem Gottesdienst
persönlich anwesend sein und sagen: Meine Kinder, was kann ich
für euch tun? Unser Herr weiß, was wir persönlich brauchen, er
kennt unsere Bedürfnisse.
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Auch für meine Frau und mich vertraue ich: Jesus steht schon am
Ufer am neuen Ort in Balhorn. Ich bin gespannt, wie wir es erfahren werden.
Bei allem Wechsel wird Jesus Christus selbst euer Hirte sein - mit
denen, die euch als Pastoren dienen, so wie es jenes Lied ausdrückt, das ich gerne singe:
Du selbst willst die Schafe weiden,
der gute Hirte bist du,
und du suchst die verlorenen Menschen,
du führst sie zurück.
Du willst das Verwundete heilen,
das Schwache richtest du auf,
und nur du kannst das Joch zerbrechen,
nur du setzest frei.
Im Refrain folgt die Bitte:
Jesus, Friedefürst, füll’ mein Leben vollständig aus.
Sei mein Hirte, ich will nah bei dir sein.
Es lohnt sich, nahe bei diesem auferstandenen Herrn zu leben!
Amen.
Lied: Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben
Pastor Wilfried Keller
Große Kreuzgemeinde Hermannsburg
Selbständige Ev.-Luth. Kirche

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