20150816 Wanderung zur Quelle der Wiesla[...]

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20150816 Wanderung zur Quelle der Wiesla[...]
Wanderung
Von Merzalben
über
den Rotenstein
Zieglertal
Zur Burgruine
Gräfenstein
Burgruine Gräfenstein
Wanderung mit dem PWV Rheinzabern am So. 16.08.2015
Wanderstrecke: Merzalben – Zieglertal – Wieslauterhof – Rotenstein - Ruine
Gräfenstein – Merzalben
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Wanderung durch das Gräfensteiner Land
Die Orte Merzalben, Rodalben, Clausen, Münchweiler und Kaltenbach ( heute Ortsteil
Hinterweidenthal ) bildeten ab der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Napoleonische
„Gebietsreform“ eine badische Exklave auf links rheinischem Gebiet. So gesehen, ist die
heutige Wanderung durch das Gräfensteiner Land und der Burgruine Gräfenstein, allerdings
aus Merzalber Perspektive, ein Ausflug nach Altbaden.
Merzalben – ein Dorf mit Geschichte
Merzalben stellt sich heute als ein aufstrebendes, schmuckes Dorf dar, dass es im Jahr 2002
geschafft hat, anerkannter Fremdenverkehrsort zu werden. Das ehemalige Straßendorf, das
heißt alle Häuser liegen entlang der Hauptstraße,
hat sich durch Neubaugebiete nach allen Seiten
ausgedehnt und abgerundet. Die katholische
Kirche steht im Mittelpunkt des Ortes,
Sportanlagen und Freizeitpark liegen an den
Ortsränder. Und nicht zu vergessen: die im Jahr
1985 mit Millionenaufwand restaurierte Burg
Gräfenstein, die der ganzen Region ihren Namen
gegeben hat.
Wo kommt der Name Merzalben?
Er wurde 1237 anlässlich der Teilung von Gütern
zwischen den Brüdern Friedrich III. und Emich IV.
von Leiningen erstmals ewähnt. Der Namen
Merzalben an sich lässt sich noch etwa 300 Jahre
weiter zurückführen und bedeutet soviel wie
„Bach des Merchio“, als Bach mit dem Namen
eines wohl hier hängen gebliebenen fränkischen
Siedlers. Die genannte Urkunde besagte, dass
Friedrich III. das „Castrum Grebinstein“ mit den Dörfern „Merichisalbin“, „Rotalbin“ und
„Eswilre“ zugesprochen bekam. Je nach Laune der ständig wechselnden Herren der Burg
Gräfenstein hatten die Bewohner von Merzalben unter Armut und Unterdrückung zu leiden.
Noch mehr allerdings unter den Kriegen, dem Bauernkrieg 1524/25 und insbesondere dem
Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648, den von 31 Familien nur zwei überlebten. Auch die
französische Revolution hinter ließ ihre Spuren in Merzalben. 1793 marschierten an die 4 000
Franzosen mit Kanonen und allem Kriegsgerät durch Merzalben. Sie ließen kaum noch ein
Huhn oder eine Gans leben und tranken allen Schnaps und Wein leer, schreckten aber vor
Misshandlungen und Verfolgungen nicht zurück. Als 1832 zigtausende freiheitsliebende
Bürger mit schwarz – rot – goldenen Fahnen auf das Hambacher Schloss zogen, sang man
überall im Pfälzer Land Freiheitslieder.
Bei der Aufstellung von Freiheitsbäumen bewiesen gerade die Merzalber Bürger Mut, weil
sie dadurch gegen die Obrigkeit aufmuckten. Als Folge wurden 55 Merzalber Bürger wegen
„revolutionärer Umtriebe“ angeklagt und verurteilt. Mit der Höchststrafe versehen wurde der
Pfarrer: vier Monate Gefängnis. Für das gesamte 19. Jahrhundert war der ständige Wechsel
von Hunger, Armut, Krieg, Not und Krankheiten bezeichnend. Die so genannte „gute alte
Zeit“ dauerte nur von der Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg. Die Leute lebten von
dem, was Wald und Flur hergaben.
Es Waren kleinste Landwirtschaften, auf denen hauptsächlich Kartoffeln, Roggen, Dickrüben
und Weißrüben angebaut wurden. Da Merzalben von der Landwirtschaft allein nicht leben
konnte, mussten etliche Leute zur Arbeit in die Schuhfabriken nach Waldfischbach,
Münchweiler oder Pirmasens. Unser Dorf bestand praktisch nur aus der damals noch nicht
gepflasterten Hauptstraße. Hier gingen und kamen die Menschen zu und von der Arbeit, die
Kinder in die Schule, die Kirchgänger zum Gotteshaus. Auf ihr bewegten sich Prozessionen,
Leichenzüge, Wandermusikanten, Händler, Bettler sowie die gelbe Postkutsche von Leimen
nach Münchweiler. Die beiden Weltkriege, die Merzalben einen hohen Blutzoll abverlangten,
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sowie das dazwischen liegende „Tausendjährige Reich“ ( NS –Zeit ) brachten noch einmal
Not und Elend in unsere Gemeinde. Widerstandskraft, Ausdauer und Fleiß seiner Bewohner
haben Merzalben auch darüber hinweg kommen lassen.
Hierbei darf man nicht vergessen, dass in schlimmster Notzeit 1946 Hilfspakete von in die
USA ausgewanderten Mitbürgern eintrafen. Das beginnende Wirtschaftswunder brachte unter
anderem Schuhfabriken nach Merzalben, und die Landwirtschaft wurde mehr und mehr
verdrängt. Die landschaftlich reizvolle Lage, der behutsame Ausbau und die umgängliche Art
der „Neecher“ wie die Merzalber genannt werden, lassen Merzalben als Wohn – und
Fremdenverkehrsort auch in Zukunft erstrebenswert erscheinen.
Das Amt Gräfenstein
Burg und Amt Gräfenstein suchen auch heute noch, 750 Jahre nach ihrer ersten
nachweisbaren Nennung, den Zeitpunkt
ihres Ursprungs. Seit ihrer ersten
urkundlichen Erwähnung 1237 – und
vermutlich schon etliche Jahre früher haben die Dörfer Clausen, Merzalben und
Rodalben dem Gräfensteiner Amtsbereich
angehört, ebenso auch die bereits lange
vorher beurkundeten Dörfer Leimen (1152),
Münchweiler (1179) und Kaltenbach (828).
Amt und Gräfenstein waren zu jener Zeit
im Besitz der Grafen von Leiningen, die
ihren Haupt- und Stammsitz mit den
Siedlungen Altleinigen und Wattenheim
auf der Burg Leiningen hatten. Gräfenstein war auch nur einkleiner Anteil des reichen
Leiniger Besitzes, der sich zwar nicht zusammenhängend, aber dennoch als bedeutendes
Areal über ganze Gebiete der heutigen Pfalz bis ins Elsass hinein und noch weit ins rechts
rheinische Gebiet erstreckte.
Doch die Zeiten änderten sich für die Herrschaft und Untertanen. Nach dem Tode Friedrich
III. teilte sich das Haus Leiningen (1317) in langen schwierigen Verhandlungen in zwei
Linien auf, die nur noch wenig gemeinsam hatten. Friedrich V. wurde Träger der Linie (Alt.)
Leiningen – Dagsburg. Ihm fielen unter anderem Burg und Herrschaft Gräfenstein zu, sein
Halbbruder Jofried gründete die Linie Leiningen - Hartenburg. Der Nachfolger Friedrich V.
und Erbe von Burg und Amt Gräfenstein, Friedrich VI. (1327-1342), der jung verstorben war
und kurz regiert hatte, erlitt wie viele andere Fürsten seiner Zeit den Rückgang der ehemals
glänzenden Verhältnisse seines Hauses.
So litten auch die Grafen von Leiningen und Besitzer von Gräfenstein von nun an ständig
unter Geldmangel, zumal die Verwertung der reichen Holzvorkommen erst viel später erkannt
wurde. Daher begannen im 14. Jahrhundert Recht und Besitzer zu wechseln. Die
Verpfändungen und Anteilsverkäufe, Auslösungen und Rückkäufe bringen im Wechsel die
Grafen von Sponheim, der Herzog von Simmern und die Herren von Zweibrücken und
Veldenz in Teilbesitz der Herrschaft. Selbst der Marktgraf von Baden, Bernhard I. erwarb
1420 von seinem Vetter Graf Johann von Sponheim Besitzrechte am Gräfenstein, Reichte sie
jedoch schon 1421 an seinen „lieben Tochtermann“ Emrich VI. aus der Jofriedischen
(Leininger) Linie anstelle von 8 000 versprochenen Gulden Heiratsgutes als „Zugeld“ weiter.
Emrich VI. war seit 1415 in zweiter Ehe mit der markgräflich – badischen Prinzessin Beatrix
verheiratet. Der erste badische Herr über das Amt Gräfenstein nach dem Besitzerwechsel,
Philibert, seit 1557 Markgraf von Baden, starb bei Montuor auf einem Kriegszug gegen die
Hugenotten. Unter ihm waren im Gräfensteinischen verschiedene „Mandate zur Verbesserung
der Verwaltung“ (z.B. Holzabgabe, Ernährung, Preise, Einbürgerung) ergangen.
So können wir sagen, dass die badischen Markgrafen, die eigentlich ohne eigenes Dazutun
Herren über Gräfenstein geworden waren, segensreicher auf ihre Untertanen gewirkt haben
als eigentlichen Begründer unseres Gräfensteiner Amtsbereiches.
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Der Wieslauterhof
Der Wieslauterhof liegt nördlich von Hinterweidenthal. Man erreicht ihn, wenn man von der
B10 in das Zieglertal abzeigt und dieses lang gezogene Tal durchquert. Nach einigen
Kilometern Fußweg durch den Talgrund und Wiesen findet man den idyllischen, aber
abgeschiedenen Hof mit seinen wunderschönen, kleinen Fischweihern. Das Anwesen war
zwar niemals ein offizielles Forstdienstgebäude der Forstverwaltung gewesen, der Umstand
jedoch, dass er neben seiner langen
Geschichte auch zeitweise als
Försterwohnung genutzt worden
war, ließ ihn wiederum für dieses
Buch interessant erscheinen.
Die Gründung des Hofes geht auf
den Ruppertsweiler Bürger Lorenz
Siegenthaler zurück, der im Jahre
1718 bei dem Gräfensteiner
Amtmann Faber den Antrag stellte,
im oberen Wieslautergrund
oberhalb des Kumpfwooges einen
Erblehenhof anlegen zu dürfen,da
dieses Gebiet nur mit Hecken und
wertlosem Gehölz bewachsen wäre.
Damit sein Antrag jedoch auch
Erfolg hatte, mussten er und seine
Söhne erst einmal zum
katholischen Glauben übertreten,
denn das Gräfensteiner Gebiet war damals rein katholisch gewesen. Siegenthaler erhielt den
begehrten Bezirk zunächst auf Pacht für 18 Jahre.
Danach konnte die Erblehung beginnen. Ein Vertrag regelte genauestens, was seine und
Kindeskinder später einmal jährlich zu zahlen hatten des Weiteren, dass er sich Ausgestocktes
Holz aneignen konnte, ebenfalls Eichenholz zum Hausbau, sofern auf seinem Bezirk
vorhanden. Die Siedler begannen unverzüglich mit der harten und schwierigen Arbeit. Sie
bauten zunächst einmal Hütten für Mensch und Vieh und legten Felder und Wiesen an.1744
erhält der aus dem Amt Gräfenstein stammende Peter Vogt als Erster den Hof zur Erbpacht.
Ihm wird sogar der Weinausschank gestattet.
Außer einigen Waldarbeitern wird er jedoch nicht allzu viele Gäste gehabt haben, denn der
Hof lag ziemlich abseits der nächsten Ortschaft. Aus alten Aufzeichnungen ist bekannt, dass
das Hofgut um diese Zeit bereits 70 Morgen Ackerland und 20 Morgen Wiesen umfasste.
1746 übernahm sein Neffe Ludwig Vogt eine Hälfte des Hofgutes, 1758 dessen Bruder Jakob
die andere Hälfte. Nachfolger wurde ihr Schwager Keuckner. Im Nebenberuf war er
Spießförster und Forstknecht im Merzalber Wald.
Ihm sollten eine Reihe von Unterpächter und Verwalter folgen, bis schließlich während der
französischen Revolution der Hof in insgesamt acht Teile zerstückelt worden war. In dem
Zeitraum von 1792 bis 1816 ist eine große Anzahl von Waldbauern namentlich bekannt. 1816
kaufte der wohlhabende Gütermakler und Holzhändler Jakob Rebholz nach und nach sieben
Achtel des Hofes auf. Er nutzte die verzweifelte Lage der Vorbesitzer, denn diese waren
inzwischen völlig verarmt durch zusätzliche Kriegsgaben, verarmte karge Böden und
mangelhaft gedüngte Wiesen. Nach dem Tode Rebholz erbte 1840 einer seiner Söhne drei
Viertel des Hofes, der zu dieser Zeit aus einem einstöckigen Hofhaus mit zwei Wohnungen,
einem einstöckigen Wohnhaus mit einer Wohnung, einem halben Haus und einem
Hirtenhaus bestand.
Nachdem im Jahre 1846 der letzte Anteil erworben werden konnte, war Rebholz jr. Zum
alleinigen Besitzer des Wieslauterhofes geworden. Er vererbte ihn 1876 an seine vier Töchter,
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die allerdings den Hof selbst nicht halten wollten. So kam schließlich 1900 die Forstkammer
der Pfalz in den Besitz des Hofes, nachdem sie 20 000 Mark dafür bezahlt hatte. 1907 wurde
ein Großteil der Gebäude abgetragen, nur das Beste blieb erhalten und diente fortan
Waldarbeitern und einigen Förstern als Unterkunft. Die hinter den Gebäude stehende
Holzhütte wurde während des zweiten Weltkrieges von Wehrmachtsoffizieren belegt. Das
zuständige Forstamt Hinterweidenthal hat den einstigen Wieslauterhof nach Umbau als
Wochenendhaus verpachtet.
So hat sich ein Teil dieser ehemaligen Kleinsiedlung im Pfälzer Wald, deren Geschichte um
1700 begann, bis in unsere heutige Zeit bewahren können.
Die Wieslauter
Im Jahre 693 wird das Flüßchen die
Wieslauter erstmals urkundlich als „Murga
seu Lutra“ erwähnt. Dieser Doppelname
setzt sich aus den Worten „murg“ (Schlamm)
und Lutra (vgl. lat. Lutum- Schmutz,
Schlamm) zusammen und könnte soviel wie
modrige Feuchtigkeit bedeuten.
Einleuchtender n erscheint die Erklärung
des Wortes lauter im Sinne von „lauter –
rein Klar“, da dies dem Reinheitsgrad
diesen klaren Flüsschen im Pfälzer
Bundsandsteingebirge am ehesten entspricht.
Da sie über weite Strecken durch weite
Wiesentäler fließt, ist das Beiwort
„Wies“ ebenfalls erklärt. Insgesamt ist die Wieslauter bis zur Mündung in den Rhein etwa 76
km lang.
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Wieslauter – Ursprung Die Wieslauter entspringt im oberen Wieslautergrund auf dem
ehemaligen Hofgrundbesitz des Wieslauterhofes aus einer mit Sandsteinen gefassten Quelle
direkt aus der westlichen Böschung des Waldweges. Nach einem Lauf von einigen Metern
füllt das klare Quellwasser schon einen Fischteich und verlässt diesen wieder in südöstlicher
Richtung. Im Wieslautergrund, in den Hofwiesen, entspringen noch mehrere kleine Quellen,
deren Wasserablauf aber zu gering ist, um einen eigenen Wasserfaden zu bilden, und die
deshalb bald wieder im Boden versickern und
versiegen. Nach nur einem Kilometer Lauf
durch Talgrund und Wiesen, vorbei am
Wieslauterhof, trifft die Wieslauter auf einen
kleinen Waldweiher, den sie füllend
durchfließt.Kurz danach vereinigt sie sich mit
dem schon wesentlich stärkeren floss baren
Zieglertalbach, der aus nordöstlicher Richtung
aus dem oberen Zieglertal unter der Brücke
hin durchgeschlüpft kommt. Zieglerbach wird
der floss bare Bachlauf im Tal zwischen dem
Osthang des Wieslauterecks und der
Jammerhalde genannt. In der Gewässerkarte
des Wasserwirtschaftsamtes in Neustadt
finden wir diesen Namen für den
Bachabschnitt ab der Vereinigung des
Floßbaches (Wartenbach) und Scheidbaches
(Otterbach) beim Sägwoog in Höhe 246, bis
zu seinem Zufluss in die Wieslauter am
Wieslautereck. Nun fließt die Wieslauter
durch das Zieglertal, vorbei an den Rittersteinen Vogelshütte und Kunzelmannsgut, unter der
Bahn und Straße hindurch nach Hinterweidenthal, wo sich der Horbach von Osten und der
Salzbach von Westen kommend mit ihr vereinigen. Von hier ab begleiten sie die Bahnlinie
und die Bundesstraße B 427 auf ihrem Schlängelweg, vorbei am Teufelstisch und der Ruine
Neudahn, wo sich der Moosbach zugesellt, durch das schöne Dahner Tal, ein Begriff für
jeden Pfälzer. Auch der drohend ins Tal hinein geschobene Felsenriegel des sagenumwobenen
Jungfernsprunges kann die ruhig und lautlos dahin fließende Wieslauter auf ihrem
gewundenen Weg nach Dahn nicht aufhalten. Dahn und das umliegende einzigartige Dahner
Felsenland sollte man nicht so schnell durcheilen, wie es die Wielauter tut, sondern es
gründlich erwandern und erleben.
Es ist ein wahrhaft adlig Land, wo die Urmacht der Natur wildromantische Felsgebilde
geschaffen hat, im Gegensatz zu den anmutigen Wiesentälern und den grün bewaldeten
Bergen.
Die Wieslauter windet sich nun in weitem Bogen vorbei an Reichenbach, durch das riesige
Steinfigurenkabinett der Sandsteinfelsen mit den kuriosen Namen Wachtfels, Lämmerfels,
Eilöchelfels, Eisenbahn, Napoleon, Braut und Bräutigam die ihnen der Volksmund gegeben
hat. Zwischen dem Forsthaus, wo der Litschbach in die Wieslauter fließt, und
Niederschlettenbach, wo der Erlenbach vom Berwartstein kommend zufließt, steht die St.
Annakapelle der Bergmänner. In ihr liegt seit 1503 Hans von Drott begraben, der
kurpfälzische Marschall und Ritter von Berwartstein und böser Geist des Tales und als
Bedränger der Weißenburger Mönche bekannt wurde.
Talabwärts, vor und nach Bobenthal, münden der Portzbach und der Reisbach, aus dem
Mundatwald kommend, in die Wieslauter. Ab der Siebenteilbrücke wird die Wieslauter zum
Grenzfluss, erreicht beim St. Germanshof die Grenze zu Frankreich und fließt, nunmehr
„Lauter“ genannt, hinüber ins Elsass bis nach Weißenburg. Ab Weißenburg verdrängt die
Rebe den Wald und die Lauter durchfließt das Gebiet wo sich die französische „Route de
Vin“ und die „Deutsche Weinstraße“ treffen. Kurz danach fließt sie, die Grenze markierend,
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durch den unteren Mundatwald oder Bienwald, vorbei an Bienwaldmühle und Scheibenhard
bis nach Neulauterburg, wo sie sich teilt und zwei Arme zum Rhein ausstreckt.
Die „Neue Lauter“ strebt vorbei an Berg und Neuburg dem Rhein zu, die „Alte Lauter“ bleibt
Grenzbach, bis auch sie in den Rhein mündet.
Die Burgruine Gräfenstein
Als das schönste und am besten erhaltene Beispiel stauferzeitlicher Burgenarchitektur im
pfälzischen Raum wird zu Recht der Gräfenstein bei Merzalben (Kreis Pirmasens) bezeichnet.
Die auch „Merzalber Schloss“ genannte Feste erhebt sich über zwei Ebenen auf dem Gipfel
des 437m hohen Haardtberges, nahe der Gemeinde Merzalben. Die auf einem 12 Meter hohen,
an den Seiten senkrecht abgearbeiteten Felsplateau aufragende Oberburg ist die älteste Teil
der Wehranlage.
Die Feste, ursprünglich im Besitz der Grafen von Saarbrücken, könnte wie Günther Stein
annimmt, als Ersatz für die 1168 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa gebrochene, nahe
gelegene Burg Steinenschloss an diesem alten Grenzpunkt dreier Diözesen (Speyer, Worms
und Metz) an der Wende des 12. und 13. Jahrhunderts errichtet worden sein. Seit 1237 war
die Burg im Besitz der älteren Linie der Grafen von Leinigen, die auch nach 1250 die
südliche Unterburg erbauen ließen. Im Jahre 1317 übernahm eine andere Linie des
Grafengeschlechtes, die Grafen von Leinigen – Dachsburg, die Burg und ihre Zubehörden.
Dies war allerdings keineswegs das Ende der Verpfändungen.
Im Jahre 1367 war Friedrich V. von Leinigen - Dachsburg sogar gezwungen, die Feste an den
pfälzischen Kurfürsten Ruprecht I. zu verkaufen. Er und seine Nachfolger belehnten nach
einander die Grafen von Sponheim, die Marktgrafen von Baden und zuletzt die Grafen von
Leinigen – Hardenburg, die von 1421 bis
1535 die Herrschaft innehatten, mit dem
Bergschloss. In dieser Zeit wurde auch die
Gräfenstein um die nördliche Unterburg,
Zwinger – und Toranlagen erweitert und
verstärkt.
Trotzdem stürmte im Jahr 1525 der
elsässische Kolbenhaufen die Feste
„gegen geringen Widerstand“ und
äscherte sie ein. Durch den Tod des
Grafen Emrich IV. von Leinigen Hardenburg kam der Gräfenstein durch
Erbschaft und Kauf in den Besitz des
Herzogs Ruprecht von Zweibrücken, der
die Burg wiederherstellen ließ.
Erst zwischen 1560 und 1570 endeten die
permanenten Besitzerwechsel mit
Übernahme der Herrschaft Gräfenstein
durch die Markgrafschaft Baden – Baden
bzw. Baden – Durlach. Dort verblieben
Burg und Amt bis zur französischen
Revulution. Durch ein spitzbogiges Tor erreicht man die eigentliche Unterburg, die hier von
dem 15. Jh. an die Kernlage angebauten hohen Abortturm beherrscht wird. Die ältere obere
Burganlage besteht aus dem zwei - bzw. dreigeschossigen Palas, dem Treppenturm, der
Mantelmauer und dem Bergfried.
Über eine in neuester Zeit erbaute steinerne Treppe gelangt man zum rundbogigen
Haupteingang, der durch einen darüberliegenden Gußerker gesichert war. Die hofseitige
Palaswand wurde um 1540 ein runder Treppenturm eingefügt, der ein bequemeres Erreichen
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der einzelnen Stockwerke ermöglichte. Die rechteckigen Fenstergewölbe des Palas sind
sicherlich einer früheren umbauphase zuzurechnen. Sie haben die ursprünglich zweigeteilten
rundbogig gerahmten Fenster ersetzt. Die beiden Obergeschosse besaßen Kaminanlagen eine davon wurde während der Restaurierungsarbeit in jüngster Zeit unverständlicherweise
zugemauert - für die notwendige Erwärmung der Räume.
Der wichigste Bau der Burg ist ohne Zweifel der Bergfried und die ihm umgebende
Mantelmauer, die einst Fenstere und die Verwendung von Buckelquadern unterstrichen die
auch am Palas Verwendung fanden. Der Grundriss von Mantel und Turm wurde den beengten
topografischen Gegebenheiten angepasst, und so ergab sich die im deutschen Sprachraum nur
noch zweimal nachweisende siebeneckige Form des Bergfriedes. Die unabhängig vom Turm
erbaute, aber dicht an ihn angelehnte Mantelmauer, weist einen ähnlichen Grundriss
auf.Durch eine kleine Pforte imBurghof erreicht man den heute nur noch 17 Meter hohen
Berfried. Über eine neu eingebaute Treppe gelangt man zur Turmplattform, die nicht nur
einen ausgezeichneten überblick über die Gesamtanlage, sondern auch über weite Teile des
südwestlichen Pfälzer Waldes bietet.
Literatur: Geschichte von Merzalben
Homepage Gemeinde Merzalben (Gescichte)
Wieslauter – Ursprung und Bild Ritterstein
Rittersteine im Pfälzer Wald von Walter Eitelmann
4. Auflage
Burgruine Gräfenstein
Burgen der Pfalz
Pfälzische Verlagsanstalt Jürgen Keddigkeit
Wieslauterhof
Forsthäuser in der Pfalz Frank Zeitz
Titelbilder
Aus dem Internet
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