Atlantis-Rezeptionen

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Atlantis-Rezeptionen
Andreas Delor
Atlantis-Rezeptionen
identisch mit der 1. Hälfte meines vergriffenen Buches
„Kampf um Atlantis“
(1. Auflage: Frankfurt/M. 2004)
aber gründlich überarbeitet und teils neu gegliedert
Überarbeitung: Sommer 2011
Teil II
II
Inhaltsverzeichnis
3. Kapitel: Atlantis-Visionen........................................................................................... 3
Hellsichtigkeit und Magie............................................................................................... 3
Antoine Fabre d`Olivet .................................................................................................. 5
Edouard Schuré ............................................................................................................. 5
Theosophische Gesellschaft ......................................................................................... 6
William Scott-Elliot ........................................................................................................ 6
Edgar Cayce .................................................................................................................. 7
Johanne Agerskov......................................................................................................... 10
J. R. R. Tolkien.............................................................................................................. 12
Heinke Sudhoff............................................................................................................. 12
Jostein Sæther.............................................................................................................. 13
4. Kapitel: Rudolf Steiners Atlantis-Aussagen.........................................................17
Historisches ................................................................................................................. 17
In seinen eigenen Worten............................................................................................ 19
Über die Lage von Lemuria und Atlantis.....................................................................19
Die Auswander-Ströme aus der Atlantis......................................................................21
Die atlantischen Nebel................................................................................................. 22
Schwimmende Lebensweise und Erfindung der Schifffahrt........................................23
Handhabung des Ätherischen...................................................................................... 24
Über die „Körperkräfte“ der frühen Atlantier und späten Lemurier...........................25
Vom Bewusstsein der Atlantier.................................................................................... 25
Über die Ursprache...................................................................................................... 27
Wirkung der Eiszeit...................................................................................................... 27
Abspaltung der Tiere und Vormenschen ....................................................................28
Schwebende Früh-Atlantier......................................................................................... 28
Zwerge und Riesen...................................................................................................... 29
Über die anders abgelaufene Zeit............................................................................... 29
Zeitliche Parallelisierung der Erdepochen .................................................................30
Die lemurische Feuerkatastrophe............................................................................... 31
Über die Eiweiß-Atmosphäre und den Kiesel in der Lemuris .....................................32
Okkulte Irrtums-Möglichkeiten.................................................................................... 32
Die Prüfung von Steiner-Angaben............................................................................... 33
Die Okkultisten
3. Kapitel
Atlantis-Visionen
„Was aber seit Jahrhunderten der ganzen Arbeit an diesem Problem die Aura reiner Scharlata nerie verleiht, ist die Mythisierung, die dadurch stattgefunden hat, dass man nachträglich Atlantis
auf die unwahrscheinlichste Weise mit rein erfundenen Zivilisationsformen ausgestattet hat,
schließlich von einer alles überragenden „Atlantischen Kultur“ fabelte und diese Insel zur MutterInsel aller menschlichen Kulturen überhaupt erhob.“ (Es folgt ein Zitat Rudolf Steiners aus „Unsere atlantischen Vorfahren“, dann geht es weiter:)
„Nach all dem sollen wir außerdem glauben, dass selbstverständlich auch die amerikanischen
Kulturen atlantischen Ursprungs sind – für die großen Gruppen der Rosenkreuzer, Theosophen und
Anthroposophen steht es außerhalb jeder Diskussion. Es ist nur merkwürdig, dass von dieser Zivili sation, die unsere heutige an technischer Vollkommenheit übertroffen haben soll, so außerordent lich wenig den Indianern in Erinnerung geblieben ist: Nicht einmal das Rad, von der Schrift ganz
zu schweigen, haben sie bewahren können.“ (C. W. Ceram: „Der erste Amerikaner“, Reinbek 1972;
in späteren Ausgaben sind diese Passagen nicht mehr enthalten)
Dies ist in etwa die Position, bis zu welcher sich bis heute die Mehrheit der Wissenschaftler auf zuschwingen vermag. Er besagt, dass nichts, aber auch gar nichts aus übersinnlichen Quellen auch
nur in Betracht gezogen werden darf, selbst wenn in den Zeugnissen der alten Kulturen genau wie
im Bewusstsein heutiger Naturvölker von nichts anderem die Rede ist . Spiritualität wird in inquisitorischer Weise mit Unwissenschaftlichkeit, Scharlatanerie, ja mit „nicht ganz richtig im Kopf“
gleichgesetzt.
Hellsichtigkeit und Magie
In den Zeugnissen der alten Kulturen genau wie im Bewusstsein heutiger Naturvölker ist von
nichts anderem die Rede als von Göttern, Dämonen, Ritualen, Hellsichtigkeit und Magie – auf
Schritt und Tritt. Kann man diesen Kulturen und Völkern auch nur von ferne nahekommen, wenn
man ihren innersten Kern von vornherein negiert, ohne auch nur die geringste Ahnung von ihrer
Bewusstseinsverfassung zu haben? Frag doch mal einen indigenen Schamanen, was er von der In terpretation seiner Fähigkeiten durch materialistische Wissenschaftler hält!
Gerade weil einen die alten Kulturen und ihre heutigen Nachfolger permanent auf die Phänome ne der Hellsichtigkeit und Magie stoßen, sollte es wohl angemessen sein, sie auch durch hellsichti ge Quellen zu erforschen – Gleiches mit Gleichem! Ich fürchte irgendwie, dass ich etwas, das ich
mit meiner Ignoranz erst totschlage, nicht unbedingt in seiner Lebendigkeit erforschen kann. Heißt
denn, sich auf Hellsichtigkeit einlassen, auch nur im Geringsten, auf wissenschaftliche Exaktheit
verzichten zu müssen? Ist nicht auch dies ein absolut unwissenschaftliches Postulat?
Tatsächlich sehe ich den Gipfel der Unwissenschaftlichkeit darin, die Fülle von hellsichtigen
Schauungen aus alter und neuer Zeit per se zu ignorieren, als gäbe es dies Phänomen überhaupt
nicht bzw. als sei dies alles Halluzination, Selbsttäuschung oder bewusste Lüge. Leugnet man die
Radioaktivität, nur weil man die Strahlen nicht sehen, riechen oder fühlen kann? Richtig ist, dass
die Hellsichtigkeit, in sehr frühen Zeiten ganz allgemein, immer mehr zurückgegangen ist, jeden falls innerhalb der „zivilisierten“ Nationen (bei fast allen Naturvölkern ist sie nach wie vor unge brochen), bis der „finsterste“ Materialismus – nach Rudolf Steiner eine weltgeschichtliche Notwen digkeit – dabei herausgekommen ist, damit der Mensch zur Freiheit kommen konnte.
Um aber die alten Völker zu begreifen, ist es unabdingbar, die Phänomene der Hellsichtigkeit,
des alten spirituellen Bewusstseins realistisch ins Auge zu fassen, da die Atlantier – ähnlich den
heutigen Naturvölkern – ohne Hellsichtigkeit nicht im Geringsten zu verstehen sind. Das Problem
ist, dass der westliche Materialismus schon per Definition dazu weder willens noch in der Lage ist.
Die Realität des Übersinnlichen auch nur in Erwägung zu ziehen gilt als unwissenschaftlich. Dies
ist das Dogma des Materialismus, die Arroganz und Borniertheit des Westens. Jeder, der selber
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übersinnliche Erfahrungen hat, kann darüber nur lachen – oder weinen. Ich möchte einmal wissen,
was es mit Wissenschaftlichkeit zu tun hat, die Augen gewaltsam vor diesen Phänomenen zuzuma chen – ein Erich von Däniken, der die durch Hellsichtigkeit und Magie geschaffenen Phänomene
der alten Kulturen durch frühzeitliche Raumfahrer erklärt, ist dann unausweichlich.
Der Tiefpunkt der Abschnürung vom Übersinnlichen ist aber bereits überschritten; unübersehbar
ist im 20. Jahrhundert eine neu aufbrechende spirituelle Suche – Persönlichkeiten wie Hermann
Hesse haben bereits auf sie aufmerksam gemacht –, die sich insbesondere in den großen Jugendbewegungen manifestiert. (Diese neue Spiritualität kann letztlich mit Fug und Recht als Wiederauf tauchen eines atlantischen Bewusstseins auf neuer Stufe bezeichnet werden, siehe die Bemerkung
von Edgar Cayce weiter unten).
Im Zuge dieser aufbrechenden Spiritualität treten bereits neue übersinnliche Fähigkeiten auf, von
welchen allerdings zunächst vor allem deren Surrogate ins Auge fallen, durch welche gerade die
Ausbildung echter Hellsichtigkeit verhindert oder verzögert wird, insbesondere die Phänomene zunehmender Drogen- und Medien-Sucht.
Aber auch wirkliche Hellsichtigkeit ist mittlerweile relativ häufig; fast jeder kennt heute in seinem Bekanntenkreis Menschen mit hellsichtigen Fähigkeiten und wenn nicht, dann nur deshalb,
weil diese nicht darüber zu sprechen wagen. Laut Rudolf Steiner wird sich dieses „Neue Hellsehen“
immer flächendeckender ausbreiten und schließlich alle Menschen ergreifen.
Dieses neue, mitten in der westlichen Zivilisation auftretende Hellsehen begegnet sich mit zu
Ende gehenden Resten des alten Hellsehens (Rudolf Steiner hat nicht wenigen Menschen Medita tionen gegeben, um ihr altes Hellsehen loszuwerden!), was allerdings zunächst zu einem großen
Chaos führt.
Vielleicht ist sogar dieses Chaos nirgends größer als bezüglich der Atlantis-Frage. Das 20. Jahr hundert ist voll von übersinnlichen Atlantis-Bildern, aber sie widersprechen einander, manche auch
gravierend dem gesunden Menschenverstand und allen zu beobachtenden Phänomenen. Es sei
gleich gesagt, dass auch bei hellsichtigen Schauungen alter oder neuer Art unendliche Irrtumsmög lichkeiten bestehen. Vieles ist wirklich von einer Qualität, welche Aussagen wie die oben zitierte
von C. W. Ceram sehr verständlich erscheinen lässt. Dennoch kommt man an solchen Aussagen
nicht vorbei, will man aus der Sackgasse der im vorigen Kapitel beschriebenen Theorien heraus kommen.
Für den nicht-hellsichtigen Sterblichen bleibt nur die Möglichkeit, mit den modernen wissen schaftlichen Methoden (nicht Theorien!) die Aussagen der Hellseher akribisch zu prüfen, so wie das
z.B. bei Rudolf Steiners Aussagen selbstverständlich ist oder wenigstens sein sollte. Wenn irgend wo Meeresablagerungen (Muscheln, Haifischzähne usw.) zu finden sind, dann lag an dieser Stelle
zu der Zeit, aus der die Ablagerungen stammen, kein Atlantis, mögen auch noch so viele Hellseher
das behaupten.
Aber – bei der Prüfung ist natürlich an eine goethesche, voraussetzungslose Naturwissenschaft
zu denken, nicht an die materialistische, die alles Übersinnliche von vornherein ausklammert. Das
heutige wissenschaftliche Weltbild ist auf materialistischen und mechanistischen Axiomen bzw.
Ideologien aufgebaut, welche den Fakten einfach in vielen Fällen Gewalt antun; eine Mischung aus
Fiktion und Wahrheit. Und halbe Wahrheiten sind manchmal schlimmer als ganze Irrtümer, weil
sie schwerer zu durchschauen sind.
Rudolf Steiner fordert die genaueste Prüfung okkulter Mitteilungen durch den „gesunden Men schenverstand“ bzw. durch das wissenschaftliche Bewusstsein und betont, dass Hellseher und Ein geweihte durch logisch-wissenschaftlich denkende Menschen ohne übersinnliche Fähigkeiten korri giert werden können. Ich denke, auf dieser Basis – und das ist das Anliegen dieser ganzen Schrift –
kann man sich auf okkulte Aussagen einlassen.
Eines wird aber bei den okkulten Atlantis-Aussagen deutlich, so verworren manche von ihnen
auch sein mögen: Atlantis bekommt gegenüber den bloßen Spekulationen, die im letzten Kapitel
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Die Okkultisten
geschildert wurden, eine ganz andere Dimension, es reicht z.B. zeitlich unendlich viel weiter zurück und wirft völlig neue Schlaglichter auf die Bewusstseinsentwicklung auf die ganze Evolution
des Menschen. Ein ganz anderes Atlantis wird hier beschrieben als in den Theorien.
„Die okkulten Atlantis-Lehren sind Weiterführungen und Ausgestaltungen von Donnellys, nicht
etwa von Platons Atlantis-Bild.“ Unübersehbar sind allerdings auch die Unterschiede zu Donnelly.
Atlantis wird von den Okkultisten nicht nur zur Wiege aller Kultur, sondern in gewisser Weise zur
Wiege der ganzen Menschheit erklärt, jedenfalls sollen alle heutigen Menschen letztlich aus Atlan tis stammen. Blavatskys und Scott-Elliots Atlantis bedeutet eine Modifizierung von Donnelly, Stei ners Atlantis darüber hinaus noch einmal eine tiefgreifende Korrektur von Blavatsky und Scott-El liot.
Was sagen nun aber die Okkultisten konkret zu Atlantis?
„Auch eine an „Rassen” gebundene „spirituelle Evolution” war keineswegs die Erfindung Sin netts oder Blavatskys, wie heute fast durchgängig kolportiert wird. Sie reicht weiter zurück: Bevor
Darwin 1858 seine Evolutionstheorie publik machte, bevor der berüchtigte Arthur de Gobineau
1852 erstmals mit seinem „Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen” die Existenz der
„arischen Herrenrasse” beschwor und Christian Lassen 1845 den Dualismus von „Ariern” und
„Juden” prägte, legte 1824 der heute praktisch vergessene Esoteriker
Antoine Fabre d`Olivet
seine „Histoire Philisophique du Genre Humain” vor. (...) Er führt die Geschichte kulturtragender „Rassen” m.W. als Erster auf die mythische Insel Atlantis zurück. Dort habe die „rote Rasse”
über die ungebildetere „schwarze Rasse” regiert. Nach dem „désastre de l`Atlantide”, also dem
Untergang der Atlantis, habe die schwarze Rasse mit gewaltiger Macht die Weltherrschaft an sich
gerissen, die Roten seien reihenweise ertrunken und in zerschlagenen Resten auf amerikanische
Hochplateaus geflohen.
Indessen sei am Nordpol die weiße und wilde „race boréenne” (Rasse des Nordens) erschienen,
deren lichter Habitus Sagengestalten wie den „Hyperboreern” zugrundeliege. Im Folgenden ima giniert Fabre einen archetypischen kulturellen Gegensatz zwischen nordischen Weißen und südli chen Schwarzen, wobei er sich für Letztere die Assoziation: „Race de Sud – Soth – Seth – Satan”
zurechtlegt. In michaelischer Geste habe schließlich die „weiße Rasse” unter Führung des Helden
Ram das satanische schwarze Imperium zerschmettert” (Ansgar Martins: „Jenseits der Namen” in
Info3 Nr. 4/2010).
Edouard Schuré
nimmt mit seinem Buch „Die großen Eingeweihten“ eventuell eine Zwischenstellung zwischen
wissenschaftlichen und hellsehenden Atlantis-Forschern ein. Bei ihm ist es wohl mehr eine poeti sche denn eine hellsichtige Vision, gespeist aus okkulten Quellen (insbesondere auch Antoine Fabre
d`Olivet), wenn er angibt, dass der „Südkontinent“, wie er Atlantis nennt, vor allem die Heimat der
Roten gewesen sei, der ältesten Rasse, die ihm zufolge einmal weltbeherrschend war (was kaum zu
verifizieren sein dürfte). Die Roten waren es nach Schuré auch, die lange vor den späteren Ägyp tern die Sphinx von Gizeh geschaffen hatten.
„Nach der roten Rasse“ sagt Schuré, „beherrschte die schwarze Rasse den Globus (...) Die
Schwarzen eroberten den Süden Europas in prähistorischen Zeiten und wurden von dort von den
Weißen vertrieben. Zur Zeit ihrer Herrschaft hatten sie religiöse Zentren in Oberägypten und in In dien. Ihre zyklopischen Städte umzinnten die Berge Afrikas, des Kaukasus und Zentralasiens. Ihre
gesellschaftliche Organisation bestand in einer absoluten Theokratie.“ Die Schwarzen hätten die
Kunst gekannt, „durch die Ballistik Massen kolossaler Steine zu handhaben“ – die Megalithkultur
ging nach Schuré zuerst von den Schwarzen aus – „und Metalle zu gießen in ungeheuren Feueröfen, an denen man Kriegsgefangene arbeiten ließ.“ (Es gibt interessanterweise tatsächlich eine ur5
alte Eisengewinnung in Afrika, weit älter als die der Weißen!)
Der Kampf zwischen Schwarzen und Weißen „schwankte während langen Jahrhunderten von
den Pyrenäen zum Kaukasus und vom Kaukasus zum Himalaya. Die Weißen flüchteten sich in ihre
Wälder, gewannen aber schließlich doch die Oberhand und besetzten Nordafrika und Mittelasien
(Indien, AD.), das von Äthiopiern besetzt war.“ (Außer Zweifel steht heute, dass der ganze Südrand
Asiens bis zu den Philippinen sowie die Sahara vor ihrer Austrocknung von schwarzen Völkern be wohnt war, die in kleinen Resten überall noch vorhanden sind. Dennoch: ein solcher Krieg zwi schen Schwarz und Weiß erscheint ziemlich absurd.)
„Schade, dass er ein solcher Phantast ist“, sagt Pierre Teilhard de Chardin über Schuré, dessen
„große Eingeweihten“ ihn dennoch sehr inspirierten. (Auch Schurés Schilderungen verraten einen
zu seiner Zeit ganz allgemein verbreiteten „selbstverständlichen“ Rassismus, der auch bei Blavats ky und Scott-Elliot zu beobachten ist und mit dem in okkulten Zusammenhängen erst Rudolf Stei ner gründlich aufgeräumt hat.
Am Ende des 19. Jahrhunderts wird die
Theosophische Gesellschaft
von der Okkultistin Helena Petrowna Blavatsky begründet. Innerhalb der Theosophischen Gesellschaft schreiben mehrere Autoren über Atlantis: Blavatsky selbst („Die entschleierte Isis“, „Die
Geheimlehre“, 3 Bände), A. P. Sinnett („Die Esoterische Lehre oder Geheimbuddhismus“, 2. Auflage 1899) und vor allem William Scott-Elliot („Atlantis – nach okkulten Quellen“). Stilistisch sehr
verschieden, liegen die theosophischen Autoren inhaltlich aber doch auf einer Linie, ich kann mich
daher auf Scott-Elliot beschränken, der Atlantis am plastischsten und spannendsten beschrieben hat
(Sinnett kann man m.E. völlig vergessen; sein Buch erscheint als rein intellektuelle Wiedergabe
halb- oder viertel-verstandener indisch-okkulter Lehren mit grauslichen eigenen Interpretationen.
Blavatsky hingegen hat ausschließlich aus eigenen Schauungen berichtet, wobei durch sie die
„Meister“ Kut Humi und Morija hindurchsprechen; heute würde man soetwas als „Chaneling“ bezeichnen. WAS sie aber auf diese Weise von sich gibt, ist allerdings so wirr und chaotisch, so wenig
„mit dem gesunden Menschenverstand nachprüfbar“, wie Rudolf Steiner das fordert, dass es zumin dest für mich völlig ungenießbar ist.)
William Scott-Elliot
(„Atlantis, nach okkulten Quellen“, o. J., englische Erstausgabe London 1896) setzt die atlanti sche Zeit mit dem Tertiär samt der darauffolgenden Eiszeit gleich, nach heutiger wissenschaftlicher Anschauung ein Zeitraum von 65 Mio. Jahren – damals ging man noch allgemein von nur einer Million aus! Vor 800.000, vor 200.000, vor 80.000 Jahren und um 9564 v. Chr. ging ihm zufolge Atlantis stückweise in gewaltigen Flutkatastrophen unter. Bereits nach der zweiten Katastrophe
soll sich Atlantis, das ursprünglich ungefähr den gesamten heutigen Nordatlantik einnahm, in die
zwei Inseln Dayta (im Süden) und Ruta (im Norden) geteilt haben. Der letzte Teil von Atlantis,
welcher 9564 unterging und in Größe und Lage Donnellys (und noch mehr Otto Mucks) Atlantis
ähnelt (um die Azoren herum), ist die Insel Poseidonis, ein Rest von Ruta.
Ich muss hier gleich ein vernichtendes Urteil anbringen: Rein geographisch sind Scott-Elliots
Angaben über die Lage von Atlantis und den übrigen Kontinenten, von ihm auf einigen sensationell
wirkenden „prähistorischen Karten“ präsentiert, aus den verschiedensten Gründen VÖLLIG UN HALTBAR, und zwar nicht nur im konventionell-geologischen, sondern auch, ich sage jetzt ein fach mal im „anthroposophischen“ Sinne sowie im Sinne ganz anderer hellsichtiger Aussagen.
Auf den Ländereien, welche seine Karten zeigen, beschreibt Scott-Elliot sieben (NACHEINAN DER zu verstehende) atlantische „Unterrassen“: „Rmoahals“, „Tlavatlis“, „Tolteken“, „Ur-Tura nier“, „Ur-Semiten“, „Akkadier“ und „Mongolen“ und ihre sehr differenzierten Schicksale, ihre
Kriege untereinander sowie auch ihre Auswanderungen und Vermischungen. Alle „Unterrassen“
wurden in direkter oder indirekter Weise von einem „Manu“, einem gewaltigen Eingeweihten ge 6
Die Okkultisten
führt. Daneben hatten die atlantischen Völker allerdings auch ihre „weltlichen“ Könige oder Kaiser,
die wiederum z.T. auch die Einweihung empfingen. Ausführlich lässt er sich über die Religionen
der sieben Unterrassen aus, die besonders bei den „Urturaniern“ dann in schlimme, blutige Deka denzzustände fallen. Die „Stadt der goldenen Tore“, an der Ostküste des Kontinents gelegen und
Hauptstadt des Kaiserreiches Atlantis zur Zeit der Tolteken, ist wie die Hauptstadt von Platons At lantis zwischen ein System konzentrischer Wasserkanäle gebaut, in deren Mittelpunkt die Kaiser burg liegt.
Abbildung 1: Atlantis-Karte nach William Scott-Elliot. Südamerika
liegt hier weiter von Afrika entfernt als heute. Afrika und Südamerika
waren aber einstmals ein Kontinent, der dann auseinanderbrach:
Südamerika lag in früheren Zeiten also immer näher, nie weiter von
Afrika weg als heute! Die Karte KANN so einfach nicht stimmen,
auch noch aus anderen Gründen.
Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Scott-Elliot Atlantis verfestigt und in den Charakter spä terer Zeiten hineinprojiziert – ähnlich wie viele materialistische Autoren nach ihm. Das Einzige,
was auf frühere Bewusstseinsstufen deutet, ist die Tatsache, dass für ihn die Hellsichtigkeit noch
eine fast allgemeine Eigenschaft der Atlantier war. Alles andere, was er ihnen zuschreibt: Malerei
und Bildhauerei, Architektur, Schrift, Landwirtschaft, Metallgewinnung, Luftfahrt und fernwirken de Waffen, ebenso die Beherrschung einer Energieform, die er in Anknüpfung an den Zukunftsro man von Bulwer-Lytton „Vril“ nennt, ist, jedenfalls in der Art, WIE er es beschreibt, aus späteren
Epochen übernommen. Alle Beschreibungen Scott-Elliots sind so konkret und plastisch, dass man
meint, einen wunderbaren historisch-geographischen Überblick zu haben – wenn man ihnen denn
trauen kann. So konkret wünscht man sich eigentlich eine Atlantis-Beschreibung. Man ist beim Le sen des spannend geschriebenen Buches zunächst hingerissen. Mit dem Abstand aber stellt sich ein
gewisser Nachgeschmack ein.
Das amerikanische Medium
Edgar Cayce
(„Bericht von Ursprung und Bestimmung des Menschen“, 1979; „Das Atlantis-Geheimnis“,
1988) machte seine Aussagen stets in tiefer Trance, wobei er Krankheiten in erstaunlicher Weise
diagnostizieren konnte und Heilungsvorschläge gab, die vielen Menschen geholfen haben. Auch be 7
schrieb er in solchen Trance-Sitzungen frühere Inkarnationen von Menschen, auch auf dem atlanti schen Kontinent. So kam eine Fülle von Angaben über Atlantis zustande. Im Wachbewusstsein
wusste Cayce nichts davon und war über diese Aussagen erstaunt. Heute nennt man solche TranceBotschaften „gechanelt“; es gibt mittlerweile, auch durch Rückführungs-Therapien in vorige Inkar nationen, unendlich viele davon.
Auch Cayce spricht (wie Blavatsky, Scott-Elliot und Steiner) von einer der atlantischen vorange gangenen lemurischen Rasse. Die Gestalt von Atlantis selbst – zwischen dem Golf von Mexiko und
dem Mittelmeer – deckt sich bei Cayce letztlich ungefähr mit den Angaben Scott-Elliots:
„Atlantis, das einen großen Teil des Raumes bedeckte, der später zum Nordatlantischen Ozean
wurde, war das wichtigste Landgebiet. Größenmäßig war es etwa dem Raum von Europa und
Russland vergleichbar. Die Ostküste der heutigen Vereinigten Staaten, damals größtenteils unter
Wasser, umfasste die Küstenniederungen von Atlantis, die sich vom Golf von Mexiko bis zu Mittel ländischen Meer erstreckten. Die Insel Bimini, vor der Küste von Florida gelegen, war ein Teil des
Kontinents; ebenso die Bahamas in Britisch-Westindien und Yukatan im südlichen Mexiko.” (Lytle
W. Robinson: „Rückschau und Prophezeihungen – Edgar Cayces Bericht von Ursprung und Be stimmung des Menschen”, Freiburg 1979) – wobei dieser Text nur eine Robinson`sche Zusammen fassung der in tiefer Trance gegebenen „Cayce-Readings” ist; er zitiert auch etliche dieser Rea dings, nur aus diesen allein aber fällt es unendlich schwer, ein zusammenhängendes Bild zu erken nen.)
Lemuria, nach Blavatsky, Scott-Elliot und Steiner im Indischen Ozean gelegen und zur atlantischen Zeit bereits untergegangen bzw. durch Feuerkatastrophen zerstört, liegt nach Cayce im Pazifik und ist zeitgleich mit Atlantis bewohnt.
Nach Cayce gibt es insgesamt drei Untergangsgeschehen von Atlantis, das erste davon ereignet
sich um 50.700 v. Chr.: „Lemuria war zuerst davon betroffen; es verlor große Teile seines Landge bietes, die in den Pazifik abzusinken begannen. In Atlantis war es das Gebiet der Sargasso-See vor
der Küste Kubas, das zuerst vom Wasser überflutet wurde. Der übrige Kontinent war in verschiede ne große Inseln auseinandergebrochen, mit vielen Kanälen, Schluchten, Meerbusen, Buchten und
Strömungen dazwischen. (...) Mit den Umwälzungen fanden die ersten Auszüge aus Atlantis statt,
in kleinen Scharen nach Osten und Westen.” (Robinson: ebenda)
Die Masse der Bewohner ertrinkt bei diesem Kataklysmus im Sargassomeer. Zuvor waren Aus wanderungswellen (auch von Lemuria) ins Gebiet der Pyrenäen, nach Ägypten und Amerika gegan gen, aus denen sowohl die späteren Inkas wie auch die Moundbuilders am Mississippi hervorgehen.
„Die zweite wichtige Landveränderung trat erst lange nach der ersten ein, etwa um 28.000 v.
Chr., und hatte den Untergang vieler der großen Inseln zur Folge. Die Bibel gibt einen Bericht da von in der Geschichte von Noah und der Sintflut.
Nach dieser Überflutung, der vulkanische Eruptionen und elektrische Stürme vorangegangen
waren, blieben in diesem Teil der Erde als Landgebiete nur noch die Inseln Poseidia im Norden
(Gebiet Westindien), Aryaz im Mittelatlantik und Og (Peru) im Westen übrig. Zu diesen Ländern
setzten große Menschenbewegungen ein, ebenso zu anderen Teilen der Erde. Lemuria verschwand
im Pazifik.” (ebenda)
Die letzte Katastrophe tritt 9500 v. Chr. ein, als eine Gruppe von drei großen Inseln unweit der
Bahamas zusammen mit mehreren kleineren über Nacht vom Meer verschlungen wird. Ein großer
Teil Mittelamerikas erhält damals die heutige Küstengestalt. Davor haben sich ganze Wellen von
Atlantiern in alle Himmelsrichtungen ergossen. Besonders Yukatan wird eine Haupt-Zufluchtsstätte
der Atlantier (die späteren Maya).
All diese geographischen Angaben erscheinen – ähnlich wie bei Scott-Elliot – nach heutigen
geologischen Maßstäben kaum nachvollziehbar, insbesondere seine Lemuria-Angaben, wenngleich
er sich lange nicht so weit – auf rein geographischem Felde! – ins Land Absurdistan hineinwagt
wie Scott-Elliot.
Vergleicht man Cayce mit Scott-Elliot, so kann man erstaunt Gemeinsamkeiten wie auch gravie rende Abweichungen voneinander feststellen. Gemeinsamkeiten: Atlantis ist anfangs ein großer
Kontinent im Nordatlantik, der im Laufe mehrerer Sintfluten immer kleiner wird und auch immer
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Die Okkultisten
mehr in Inseln zerfällt. Abweichungen: die Anzahl der Sintfluten, deren konkrete Zeiten und, besonders in späteren Atlantis-Epochen, eine immer größer werdende Abweichung der Lage und An zahl der Inseln. Insbesondere fällt auf, dass Scott-Elliots „Poseidonis“ identisch mit dem AzorenPlateau, Cayces „Poseidia“ aber mit der Bahama-Bank ist.
So weit, so gut. Darüberhinaus aber schildert Cayce, insbesondere für die end-atlantischen Zeit,
eine äußerlich-technische Super-Zivilisation, die sich gewaschen hat. Sie soll sogar die unsere
übertrumpft haben. In wesentlich geringerem Maße hatte auch Scott-Elliot von soetwas gesprochen,
aber er reicht im Ausmaß nicht entfernt an Cayce heran. Atomkraft sollen die Atlanter gekannt ha ben, Elektrizität, Radio und Fernsehen, Luftfahrzeuge, Fahrstühle usw:
„Als (auf Atlantis) nach dem ersten Umbruch die Elektrizität entdeckt wurde, ebnete das den
Weg für bemerkenswerte Entwicklungen in der Elektronik und beim Bau elektrischer Geräte und
Einrichtungen. Aus dem Uran gewonnene Atomkraft wurde für den Transport und zur Bewegung
schwerer Objekte gebraucht. Atomkraft wurde aber auch für eigennützige Zwecke missbraucht. Die
Atlanter besaßen äußerst leistungsfähige Heizungs- und Beleuchtungssysteme; ihre Verbindungen
und Kommunikationsmöglichkeiten zu anderen Ländern waren gut ausgebaut. Lichtstrahlen ver schiedener Art, wie etwa Laserstrahlen, waren entdeckt und unter Kontrolle, einschließlich der To desstrahlen. Flüssige Luft wurde hergestellt, ebenso Druckluft und Gummi. Uns heute unbekannte
Metallverbindungen aus Kupferlegierungen mit Aluminium und Uran wurden beim Bau von Luftund Wasserfahrzeugen gebraucht, einschließlich von Unterseebooten. Telefon und Aufzüge benutz te man ganz selbstverständlich, Radio und Fernsehen waren hochentwickelt, ebenso gelang die
Verstärkung von Lichtstrahlen bei der teleskopischen Beobachtung und dem Fotografieren über
weite Entfernungen. (...)
Die bedeutendste wissenschaftliche Leistung der Atlanter war jedoch zweifellos die Nutzbarma chung der Sonnenenergie. Ursprünglich entwickelt als ein Weg der geistigen Kommunikation zwi schen dem Endlichen und dem Unendlichen, waren die riesigen reflektierenden Kristalle zuerst als
Tuoai-Stein bekannt. Als ihr Gebrauch später, über die Jahrhunderte hin, vervollkommnet worden
war, wurden auch die Verwendungsmöglichkeiten ausgedehnt, bis hin zur Erzeugung von Kraft und
Energie, die drahtlos über Land ausgestrahlt wurden. Zu dieser Zeit entstanden die Namen Feuer stein oder Große Kristalle.
Der im Tempel der Sonne in Poseidia (Bahama-Bank) gelegene Feuerstein war das zentrale
Kraftwerk des Landes. Im Grunde war es ein großer zylindrischer Körper aus Glas oder Stein, mit
vielen eingeschliffenen Facetten, an einem Ende mit einem Mechanismus versehen. Er war im Zen trum des Gebäudes aufgehängt und umgeben von einem nichtleitenden Material ähnlich dem Bake lit. Über dem Stein befand sich eine Kuppel, die zur Aufnahme der Sonnenstrahlen zurückgerollt
werden konnte.
Die Konzentration und Verstärkung der Sonnenstrahlen war von ungeheurer Intensität. Sie war
so stark, dass sie über das ganze Land hin regeneriert und übertragen werden konnte durch un sichtbare Strahlen, ähnlich unseren Radiowellen. (...)
Durch die richtig dosierte Anwendung der Strahlen aus den Kristallen konnte der menschliche
Körper sogar verjüngt werden; und der Mensch wandte dieses Mittel der Verjüngung oft an sich
an. Allerdings konnte die Kraft des Feuersteins auch missbraucht werden, und man setzte sie tat sächlich häufig für zerstörerische Zwecke ein, ebenso als Mittel zur Folter und Bestrafung.
Unabsichtlich zu stark eingestellt, trug sie schließlich bei zum Ausbruch der zweiten Katastro phe. Ihre Strahlen vereinigten sich mit anderen elektrischen Kräften und ließen viel Feuer tief im
Innern der Erde ausbrechen; vulkanische Eruptionen wurden herbeigeführt durch den mächtigen
Energiespeicher der Natur.“ (Lytle w. Robinson: „Rückschau und Prophezeihungen – Edgar Cayces Bericht vom Ursprung und Bestimmung des Menschen“, Freiburg i. Br. 1979; die Cayce-Re dings entstanden allerdings bereit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.)
Auch Osho alias Bhagwan („Philosophia Perennis“ Antelope/USA 1981) spricht übrigens den Atlanti ern die Atomkraft zu und lässt Atlantis durch einen Atomkrieg untergehen.
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Dass die Atlantier eine im Wesentlichen auf „ätherischen“ Kräften beruhende unfassbare, auch
in gewisser Weise äußere „Technik“ besaßen, will ich tatsächlich kein bisschen anzweifeln. Ich
zweifle aber mit gutem Grund an, dass die Kräfte, mit denen sie arbeiteten, als Elektrizität, Atomkraft und andere heute bekannte physische Energien bezeichnet werden können, denn mit diesen
konnten die Atlantier aufgrund ihres fehlenden analytischen Denkens nicht umgehen, so wie wir
mit den ätherischen Kräften nicht umgehen können (nicht mehr und noch nicht wieder). Allerdings
wurden durch die ätherischen indirekt natürlich auch wiederum gewaltige physische Kräfte freige setzt.
Atlantis war keine technische Super-Zivilisation – sondern etwas viel Aufregenderes. Zwar gibt
es unendlich viele unter dem Schlagwort „verbotene Archäologie“ bekanntgewordene rätselhafte
Funde aus der Vergangenheit, die Menschen wie Marcel Homet, Charles Berlitz, Zecharia Sitkin
oder Erich von Däniken zu der Annahme einer solchen Super-Zivilisation und sogar von Aliens,
welche die Menschheit gezüchtet hätten, verleitet hat. Schaut man aber ein bisschen genauer hin, so
kann man unschwer erkennen, dass da irgendwas nicht stimmen kann.
So hat z. B. Däniken, um nur eines der bekanntesten Beispiele zu nennen, die rätselhaften Geo glyphen der Nazca in der peruanischen Wüste zu Landebahnen für Außerirdische erklärt. Nur: wie
soll eigentlich ein Raumschiff oder Flugzeug auf einer Landebahn an einem 45° abschüssigen Ab hang landen?! Muss nicht eine Zivilisation, die einen Atomkrieg führen kann, Spuren von Hochhäusern, Autobahnen und Industrieanlagen ähnlich den unsrigen hinterlassen, und zwar massenweise?
Johanne Agerskov
Beim Stöbern im Internet fand ich Folgendes:
„Beim Studium esoterischer Texte bin ich vor einigen Jahren auf folgenden Text gestoßen :
„Das zweite Reich, das zugrunde ging, war ein großes Inselland, das sogenannte Atlantis, das
im Atlantischen Ozean lag. In ferner Vorzeit hing die Insel mit dem südlicheren Teil von Nordame rika zusammen, wurde jedoch durch vulkanische Senkungen abgetrennt.
Die Form der Insel kann einigermaßen mit einem schrägliegenden, langgestreckten, umgekehr ten lateinischen "S" verglichen werden. (Die obere Rundung nach rechts, die untere nach links ge wendet.) Der nördlichste Punkt der Insel lag auf ca. 40 Grad nördlicher Br., 340 westl. L.; nach
Süden erstreckte sie sich bis ca. 25 ½ Grad n. Br., nach Westen bis 470 w.L., 27½ Grad n. Br.,
nach Osten bis ca. 280 w. L.
Wenn man eine imaginäre Linie ausgehend von der englischen Stadt Plymouth bis in die Mitte
der Insel Trinidad zieht, legt sie einen Längsschnitt durch die Insel, indem sie deren östlichen und
südlichsten Punkt berührt. Die größere Hälfte der Insel läge dann westlich der Schnittlinie. Die
Lage ist nur ungefähr angegeben, weil sich die Küstenformen der versunkenen Insel infolge von
größeren oder kleineren Senkungen und Hebungen ständig ändern; bei eventuellen Nachforschun gen wird man sie innerhalb des angegebenen Areals finden können.
Der Flächeninhalt der Insel betrug 5/6 desjenigen der spanischen Halbinsel; die Azoren, die
nordöstlich und östlich der Insel lagen, waren zu jener Zeit unbewohnt, hatten aber in einer weiter
zurückliegenden Periode mit ihr zusammengehangen.
Zwischen den Azoren und der spanischen Halbinsel langen einige kleinere Inselgruppen; ebenso
lag eine Anzahl kleinerer Inseln südwestlich und südöstlich der Insel im Atlantischen Ozean; die
sind jetzt alle verschwunden." (entnommen aus: „Dem Licht entgegen“, hrsg. M. Agerskov, Baur
Verlag Freiburg, S. 233f)“ (...)
Atlantis könnte demnach tatsächlich etwas unterhalb der Azoren im Atlantik gelegen haben!
Platons Angaben lassen sich mühelos einordnen!
In einer Untersuchung im Jahre 1947 am „Atlantis Seamont" (Tiefseevulkan) südwestlich der
Azoren wurde einer der geförderten Kalksteinkiesel mit Hilfe der Radiokarbonmethode auf ein Al ter von 12.000 Jahren plus/minus 900 datiert. Weiterhin lässt der Zustand der Versteinerung einer
der Kalksteinkiesel vermuten, dass er unter Lufteinwirkung versteinert wurde und dass dieser Sea 10
Die Okkultisten
mount innerhalb der letzten 12.000 Jahre eine Insel gewesen sein kann. (aus: Flat-Topped Atlantis,
Cruiser and Great Meteor Seamonts, Bruce C,. Heezen, Maurice Ewing, D. B. Ericsin and C. R.
Bentley, Lamiont Geological Observatory (Columbus University) Palisades, N.Y., Bulletin of the
Geological Society of America _Volume 65, 1954, S. 1261)
Abbildung 2: Atlantis-Rekonstruktionsversuch von Wolfgang Haverkamp nach den Angaben
von Johanne Agerskov
J. Verhof und B. J. Colette haben in ihren Untersuchungen in diesem Gebiet südlich vom "Atlan tis Seamont" und vom "Plato Seamount" ein großes Gebiet entdeckt, wo die unterseeische Sedi mentdicke mehr als 400 Meter beträgt. Auch nördlich und nordwestlich dieser untermeerischen
Berge fällt eine dicke Sedimentschicht auf, die eine große Asymmetrie zu dem umgebenden Gebiet
zeigt. Östlich dieser Berge ist praktisch kein Sediment zu entdecken. (aus: A geophysical investigation of the Atlantis-Meteor Seamount Complex by J. Verhof and B. J. Collette, 1985, S. 445).
(Wolfgang Haverkamp: „Gedanken über Atlantis“, http://www.science-explorer.de/reports/gedan ken_atlantis.htm)
Ich besorgte mir daraufhin das Buch „Dem Licht entgegen“, hrsg. v. M. Agerskov, Kopenhagen
1981, Erstausgabe 1939); dessen Inhalt gechanelt ist durch Johanne Agerskov. Allerdings konnte
ich mich beim Lesen dieser Esoterik-Sülze (anders, aber entsprechend wie bei Edgar Cayce) eines
immer größeren Entsetzens nicht erwehren. Ja, es gibt einige Angaben zu Atlantis. Aber das alles
mit einem solchen moralischen Zeigefinger, „heilig, heilig, heilig“, dass es mich nur so geschüttelt
hat. Ich verzichte hier auf inhaltliche Angaben, sie erscheinen mir so verzerrt, dass sie absolut un brauchbar sind. Selbst die konkret-geographischen Angaben („umgekehrtes S“) scheinen nicht zu
stimmen. Bitte selber lesen und beurteilen!
11
J. R. R. Tolkien
bewegt sich – ähnlich wie Edouard Schuré – sicherlich irgendwo in der Mitte zwischen Okkul tusmus und Poesie.
Das ganze „Zweite Zeitalter“ seiner Mythologie – dargestellt in seinen Büchern „Das Silmarilli on“ und „Nachrichten aus Mittelerde“ – kreist um die Insel „Numenor“, welche nach der großen
Katastrophe am Ende des Ersten Zeitalters aus den Fluten aufsteigt; auf ihr werden von den Göttern
(den „Valar“) die edelsten Menschen angesiedelt, die zuvor geholfen hatten, das Böse (Morgoth) zu
besiegen. Die Menschen auf Numenor haben, weil ihr Blut vermischt ist mit dem der nächsthöheren
Hierarchie (den „Elben“), weit höhere Fähigkeiten als die übrigen (in Mittelerde wohnenden) Men schen, treiben Wissenschaft und Kunst und leben u.a. auch wesentlich länger.
Verboten ist ihnen allerdings, die damals noch physisch erreichbare „Insel der Seligen“
(Valinor), auf der die Götter leben, anzufahren. Denn nach und nach entwickeln sich die Numenorer
zu gewaltigen Seefahrern, die auch weite Küstenstreifen Mittelerdes kolonisieren. Verführt durch
die Einflüsterungen des aus dem „Herrn der Ringe“ bekannten Sauron – Morgoths Nachfolger –
beschließen die Numenorer am Ende des langen, durch Weisheit und Glück gekennzeichneten
Zweiten Zeitalters, die Insel der Seligen anzugreifen, um selber Unsterblichkeit zu erlangen. Aber
der Zorn der Götter vernichtet nicht nur ihre gewaltige Flotte, sondern lässt die ganze Insel Nume nor in einer schrecklichen Katastrophe untergehen; Valinor wird daraufhin in Regionen entrückt,
die Sterblichen nicht mehr erreichbar sind.
Nicht beteiligt an der frevelhaften Unternehmung hatte sich eine Schar von „Getreuen“, die den
Göttern wohlgesonnen war und deshalb in der letzten Zeit Numenors schwere Verfolgungen zu er leiden hatten. Als die große Flotte der Numenorer zur Eroberung Valinors aufbricht, gelingt es einer
kleineren Anzahl von „Getreuen“ unter der Führung von Elendil und seinen Söhnen Isildur und
Anarion, mit drei Schiffen am anderen Ende der Insel auszulaufen und Mittelerde anzusteuern, auf
hoher See erreicht sie noch das vom Untergang Numenors aufgepeitschte Meer und ein gewaltiger
Sturm, der sie an die Küste Mittelerdes schleudert. Hier verbünden sie sich mit den Elben und zie hen in den Endkampf gegen Sauron, der erst besiegt werden kann, als Isildur ihm seinen Finger mit
dem Ring der Macht abschlägt und damit das Dritte Zeitalter einläutet, an dessen Ende die Elben –
de facto die Engel – bei den „Grauen Anfurten“ die Erde verlassen.
Dass Tolkien mit Numenor wirklich Atlantis meint, wird überdeutlich am Ende seiner Erzählung,
als er der Insel noch andere Namen gibt, z.B. „Alkallabeth“ (die Versunkene) oder, „in der Elben sprache“, Atalante.
Ich führe Tolkien deshalb hier an, weil durch ihn sichtbar wird, aus welchem Stoff sehr viele
„halb-hellsichtige“ Atlantis-Schilderungen gemacht sind – okkulte Wahrheiten vermischt mit viel
Phantasie – wobei Tolkien im Gegensatz zu den anderen nicht den Anspruch erhebt, historisch
nachprüfbare Wahrheiten zu verkünden. Vielleicht ist „bloße Phantasie“ (bei allen) auch zu hart
ausgedrückt; es sind ja poetische, oft gewaltige Bilder, die in ihrer Art wiederum absolute Wahrheiten enthalten können – und das tun sie eben zumindest teilweise auch bei Tolkien.
Heinke Sudhoff
, die sich in Hypnose-Rückführungs-Therapien in ihre früheren Inkarnationen einführen ließ, be richtet in ihrem Buch „Ewiges Bewusstsein – 40 Zeitreisen durch Urgeschichte und Unendlichkeit“
(Darmstadt 2008) nicht nur davon, dass die Megalithkultur um viele Jahrtausende älter ist als man
meint, sondern genau wie Erich von Däniken, dass Außerirdische in Raumschiffen die Menschheit
gezüchtet hätten.
Man hört ja immer wieder Berichte, dass Menschen von Ufos entführt und wieder zurückgebracht wurden. Dazu die Hellseherin Verena Staël v. Holstein:
„Es gibt keine körperlichen, also physische Reisen in eine geistige Welt. Es gibt geistige Reisen
in eine geistige Welt, die so intensiv sind, dass der lebende Mensch, der im Regelfall kein Einge weihter ist, gewöhnlich nicht unterscheiden kann, ob er physisch oder geistig dort gewesen ist. (...)
Ufoberichte sind nicht grundlegend falsch, es können nur nie physische, körperliche Reisen sein.
12
Die Okkultisten
(...) Diese Menschen sind nicht verrückt, aber sie sind nicht in ihrem Körper gereist ." (Verena Staël
v. Holstein bzw. ein Engelwesen durch sie in: Flensburger Hefte: „Naturgeister 4; Fragenkompendium", Flensburg 2004)
Weiteres zu den „Raumfahrern“ in meinem neuen Atlantis-Buch.
In Trance oder Hypnose ist das Medium selber als Instanz ganz ausgeschaltet und hat keinerlei
Kontrolle über seine Aussagen – vor allem darüber, WER durch es hindurch-spricht. Und da sich
auch sehr ungute Geistwesen des Mediums bemächtigen können, werden auf diese Weise von geis tiger Seite oft regelrechte Falschmeldungen in die Welt gesetzt. Ich kann vor Trance-Aussagen nur
schärfstens warnen (üble Geistwesen können sich auch im Wachbewusstsein ganz leicht durch sol che hellsichtige Menschen äußern, die seelisch nicht gesund sind!).
Jostein Sæther
, norwegischer Anthroposoph, schreibt in seinem 1999 erschienenen Buch: „Wandeln unter un sichtbaren Menschen“ auf Seite 162:
„Ich versuchte einmal, nachdem ich meine damaligen Reisen auf dem atlantischen Kontinent
neu zu erleben vermochte, mir einen geographischen Überblick zu verschaffen. Ich konzentrierte
mein Bewusstsein um die heutigen Azoren und versuchte so „hoch“ zu steigen, daß ich die durch geführten Reisen einordnen konnte. Es zeigte sich ein riesiger, zusammenhängender Kontinent, der
fast den ganzen nördlichen Teil des heutigen Nordatlantik bedeckte, nach Nordwesten bis zur La bradorsee, nach Nordosten bis einschließlich Irland, nach Osten wahrscheinlich einschließlich der
Atlasgebirge im heutigen Marokko und Algerien, nach Süden bis mindestens zur sogenannten „Ro mance fracture Zone“ (Romanchetiefe), nach Südwesten wahrscheinlich einschließlich der „Gu yana-Hochebene“ im heutigen Südamerika und nach Westen einschließlich der Bermuda-Inseln.
Ob weitere Teile des heutigen Westeuropa und Nordamerika zu diesem Kontinent gehörten, konnte
ich dem Überblick nicht entnehmen. Weil damals die Küstenlinien für Europa, Afrika und Amerika
ganz anders als heute und oft weiter einwärts lagen, war es nicht leicht, die Lage des Kontinents zu
bestimmen...“
Ich will freimütig gestehen, dass ich mich in „Kampf um Atlantis“ in der Beurteilung dieses
Textes geirrt habe und Abbitte dafür tun – dennoch kann ich nicht anders, als den „Verriss“ hier zu nächst zu wiederholen:
„Sæthers Atlantis ist in etwa identisch mit dem von Scott-Elliot und Cayce, allerdings noch we sentlich größer, es ist das mit Abstand umfassendste von allen (anscheinend kennt Saether, der sich
als Anthroposoph sieht, die im nächsten Kapitel abgedruckte Aussage Rudolf Steiners über die weit
nördlichere Lage von Atlantis nicht, die mit der seinen gar nichts gemein hat).
Aus zwei Gründen steht Jostein Saethers Beschreibung der Gestalt von Atlantis den Erkenntnis sen der modernen Geologie genauso fremd gegenüber wie Scott-Elliots Weltkarten und die Darstel lungen von Edgar Cayce: Zum einen ist der Meeresgrund des ganzen Atlantik, also auch dessen
nördlicher Teil, voll von Meeresablagerungen, vom mittelatlantischen Rücken zu den Rändern in
der Dicke zunehmend, bis zu 1500 m mächtig. Wo Meeresablagerungen zu finden sind, kann
schlichtweg kein Land gelegen haben. (Der Geologe Dankmar Bosse bemerkt dazu allerdings, dass
all dies merkwürdigerweise Flachmeer-Ablagerungen sind, und nicht wie zu erwarten Tiefsee-Ab lagerungen, wie sie heute noch abgelagert werden).
Zum Zweiten: unter Wasser fließt Lava in Form von sofort erstarrender „Kissenlava“ aus, die
eine äußerst zerklüftete Unterwasser-Landschaft hinterlässt. An Land aber verteilt sie sich großflä chig über das Gelände wie ein „Kuhfladen“. Außerdem werden dennoch vorhandene Zerklüftungen
an Land durch Erosion abgemildert bis eingeebnet. Island und das versunkene Kerguelen-Plateau
im südlichen indischen Ozean, letztlich alle Flutbasalt-Plateaus sind solche fladen-artigen vulkani schen Ausflüsse, können also gut seinerzeit herausgeschaut haben, was auch durch Erosionsflächen
belegt ist. Das ganze von Scott-Elliot, von Cayce wie auch von S æther als Atlantis beschriebene
Areal, also der mittlere und nördliche Teil des mittelatlantischen Rückens bis weit nach beiden Sei 13
ten ist aber ein stark und in der typischen Art mittelozeanischer Rücken zerklüftetes Gelände, das
nur unter Wasser entstanden sein kann. Fladenartig ist im Nordatlantik (abgesehen von Island) nur
das – zudem noch aus kontinentalem Gestein bestehende – Rockall-Plateau und die Färöer-Schwel le.
Hot Spots und andere Magmaquellen, z.B. die mittelozeanischen Rücken, wölben durch den
Druck der Magmakissen die Erdkruste hoch. Aber selbst die vereinigten Hot Spots des Atlantik
(Bermuda-, Azoren-, Kanaren- und Kapverden-Hot Spot) samt dem mittelatlantischen Rücken wä ren nicht in der Lage, ein so gewaltiges Areal aufzuwölben, wie Jostein Sæther es beschreibt.
Wie leicht man im okkulten Bereich Irrtümern ausgesetzt ist, zeigt folgende Aussage Rudolf
Steiners, mit welcher er sich von Scott-Elliot distanziert (s. nächstes Kapitel):
„Die Akasha-Chronik ist zwar zu finden im Devachan, doch sie erstreckt sich herunter bis in die
astrale Welt, so dass man in dieser oft Bilder der Akasha-Chronik wie eine Fata morgana finden
kann. Sie sind aber oft unzusammenhängend und unzuverlässig, und das ist wichtig zu beachten,
wenn man Forschungen über die Vergangenheit anstellt (...) Hier ist ein Beispiel, wie leicht man
Irrtümern ausgesetzt ist. Wenn jemand verfolgt die astralischen Bilder der Akasha-Chronik, nicht
die devachanischen Bilder, dann kann ihm (...) eine Verwechselung passieren. Das ist wirklich der
Fall gewesen in den Angaben von Scott-Elliot über Atlantis, die zwar durchaus stimmen, wenn man
sie prüft in Bezug auf die astralischen Bilder, doch nicht mehr, wenn man sie anwendet auf die de vachanischen der wirklichen Akasha-Chronik. Das musste einmal gesagt werden. In dem Augen blick wo man erkennt, wo die Quelle der Irrtümer ist, kann man leicht zur wahren Schätzung der
Angaben kommen.“
Warum wiederhole ich hier diese „ollen Kamellen“, wo ich doch zugegeben habe, dass ich mich
bezüglich der Beurteilung von Jostein Sæthers Aussage geirrt habe? Weil ich an einen „anthroposophischen“ Hellseher andere Maßstäbe anlege: dass er nämlich nicht nur seine Schauungen (die vol ler Fehler stecken können) verkündet, sondern sie selber, wie Rudolf Steiner das fordert, minutiös
äußerlich-wissenschaftlich nachprüft, damit er nichts Falsches in die Welt setzt. Hätte Sæther das
getan, wäre ihm aufgefallen, dass sein Atlantis, so wie er es aus seiner Schauung heraus beschreibt,
rein geographisch-geologisch „gar nicht geht“, aus den oben von mir angeführten Gründen. Ange sichts eines solchen Widerspruchs muss er doch versuchen, „den Fehler zu finden“ – entweder bei
ihm selber oder „in der Wissenschaft“ – Anthroposophie hat einen Erkenntnis-Anspruch, und daran messe ich „anthroposophische Hellseher“.
In jedem Falle muss ich doch mit einer Veröffentlichung meiner Schauungen so lange warten,
bis ich eine völlige Klarheit gewonnen habe, damit ich nicht die unendlich vielen okkulten Falsch meldungen, die in der Welt herumschwirren, noch weiter vermehre! Ungeprüfte Schauungen sind
tatsächlich nichts wert, ja schlimmer: sie richten oft großen Schaden an.
Die obigen wissenschaftlichen Einwände gegen Sæthers Schauung sind wirklich nicht vom
Tisch zu wischen – er hat sich offensichtlich mit dem Problem gar nicht beschäftigt, sonst hätte er
Bauchschmerzen bekommen, soetwas zu veröffentlichen. Nicht umsonst ist Dankmar Bosse, der
nun wirklich die wissenschaftlichen Grundlagen für Atlantis und Lemurien gelegt hat, dazu gekom men, ein solches Atlantis, wie Sæther es schildert, abzulehnen. Und ich habe viele Jahre, letztlich
Jahrzehnte gebraucht und es mir wahrlich sauer werden lassen, bis ich eine „wissenschaftliche
Möglichkeit“ fand, die ein solches Atlantis zwar nicht beweisen, aber dennoch immerhin möglich
machen – beschrieben in meinem neuen Atlantis-Buch. Sæther hat, wie ich meine, herausgefunden
zu haben, mit seiner geographischen Atlantis-Lage höchstwahrscheinlich Recht – was er selber aber
„gar nicht wissen kann“. Solch eine ungeprüfte Aussage ist unverantwortlich, denn er kann nicht
wissen, ob es nicht eine Falschmeldung ist. Außerdem baut er damit einen prinzipiellen Antagonis mus: Hellsichtigkeit – Wissenschaft auf und fordert einen reinen GLAUBEN, entgegen der wissen schaftlichen Einsicht seiner Leser. Dass er diese Diskrepanz vielleicht gar nicht bemerkt, ist umso
schlimmer: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“. Etwas nicht-Nachprüfbares nur „auf Autorität“
hin in die Welt zu setzen heißt, die Menschen nicht freizulassen, ist in Wirklichkeit ein Machtspielchen; demgegenüber bin ich ausgesprochen allergisch.
14
Die Okkultisten
Ein ganz anderes Beispiel. Bezüglich seiner allerersten Inkarnation – noch in Lemurien – schil dert Sæther Folgendes:
„Das Leben Retanas (die früheste Inkarnation Sæthers) möchte ich kurz mit folgenden Bildern
charakterisieren: Er wächst sozusagen in einer wärmedurchfluteten Landschaft auf, wobei es
schwierig ist, festzustellen, ob es sich um ein Land mit tausenden von Seen handelt oder ein Meer
mit tausenden von Inseln. Überall geht Land in Wasser über und umgekehrt. Immer gibt es lagu nenartige Orte, an denen wunderbare kleine Wälder zwischen Land und Wasser den Menschen das
geben, was sie für ihr Leben brauchen. In diesen kleinen Wäldern wohnen sie auch.
Das Wasser ist sein liebstes Element, darum wird er von Priesterinnen zum Bootsbauer berufen.
Als ich ihn einmal schaute, sah er in diesem Moment aus wie ein Neandertaler. Er machte sich so zusagen klein, als er ein Holzboot fertig gemacht hatte. Sein physischer Leib, der sehr plastisch er scheint, kann den Auswirkungen der Seele und den Lebenskräften folgen und dadurch verschiedene
Gestaltungsformen annehmen. Er sitzt auf der Erde und drückt seine Steinaxt an die Brust. Aus sei ner Seele – und nun sieht er ganz anders aus, wie ein kleines Kind – strömt eine unglaubliche
Dankbarkeit in drei Richtungen: nach außen zum Erdenumkreis, nach unten zur Erde und nach
oben zum Himmel. (…) Später schaue ich Retana, wie er seine Familie, eine Frau und zwei Kinder,
in einem Boot auf eine Probefahrt mitnimmt...“ („Wandeln unter unsichtbaren Menschen“, S. 158)
Diese Inkarnation soll in der lemurischen Zeit stattgefunden habe. Für jemanden, der die Schil derungen Rudolf Steiners über Lemurien kennt, nimmt sich diese Passage äußerst merkwürdig aus.
Bezüglich der lemurischen Zeit beschreibt Steiner die Menschen – und schon gar in ihrer allerers ten Inkarnation – als in der „Luft“ (einer nach Steiners Beschreibungen ganz „dicken Suppe“)
schwebend; erst Mitte der Atlantis kamen sie nach ihm auf dem Erdboden an. Sie sahen auch weder
wie Neandertaler noch wie kleine Kinder aus, sondern eher wie große Embryonen (auch ihr Be wusstsein war vergleichbar dem heutiger Embryos), die auch noch von der lemurischen „Ur-Ei weiß-Atmosphäre“, einer Art Fruchtwasser-Atmosphäre, genährt wurden. Als wabbelig-weich und
ganz durchsichtig wie Quallen beschreibt Steiner die damaligen Menschen. Ihre Kräfte waren MA GISCHE, noch kaum physische. Schon gar keine Rede kann von Bootsbau, Schifffahrt und
Steinäxten sein. Schifffahrt war damals noch nicht im entferntesten möglich; es gab damals noch
lange keine feste Grenze zwischen „Wasser“ und „Luft“; eine solche, die die Schifffahrt überhaupt
erst möglich machte, bildete sich erst ganz am Ende der atlantischen Zeit – jedenfalls nach Steiner.
Und wie sollen „Quallen“ Steinäxte handhaben? Abgesehen davon hatten sie Boote kein bisschen
nötig, da sie ja in der Luft schwebten.
Zwar kann sich Steiner theoretisch in seinen Schauungen genauso geirrt haben wie Jostein
Sæther. Das muss doch aber in einer peniblen Auseinandersetzung erstmal geklärt werden! Wieder
verlangt Sæther blinden Glauben, auch wenn er das gar nicht merkt: „Friss oder stirb“. Ich nenne
das eine – gerade für einen Anthroposophen! – absolut unsaubere Arbeitsweise.
Nun könnte man vielleicht sagen: Was Sæther da schildert, ist kein physisch getreues Abbild seiner damaligen Erlebnisse, sondern eine gleichnishafte, imaginative Beschreibung, in welcher er das
Nicht-Ausdrückbare in heutige Bilder kleidet. Das mag sein. Offenbar nimmt er aber selber seine
Beschreibungen für bare physische Münze.
Nicht DASS Sæther übersinnliche Schauungen hat, kreide ich ihm an, sondern, dass er sie UNGEPRÜFT in die Welt setzt – das ist verantwortungslos.
*
Ich schloss damals dieses Kapitel mit folgenden Worten ab: „Es mag hier der Eindruck entstan den sein, dass ich mit Ausnahme Rudolf Steiners übersinnlich geschaute Atlantis-Bilder ablehne
oder gar lächerlich machen möchte. Das ist nicht der Fall. Ich denke, dass durch das von Rudolf
Steiner angekündigte „neue Hellsehen“, welches bereits in vollem Gange ist, auch wahre AtlantisBilder zutage treten werden oder bereits getreten sind. Durch Prüfung nicht unbedingt an den Theo rien, aber an den Phänomenen der Naturwissenschaft wird sich das einwandfrei herausfinden las sen. Ich rechne stark mit dem Auftreten solcher Schauungen, die Zeit schreitet ja voran. Die in die 15
sem Kapitel geschilderten Schauungen halten allerdings einer eingehenden Prüfung noch nicht
stand.“
In meinem neuen Atlantis-Buch baue ich gerade auf solchen Schauungen auf, die meiner wahr lich harten Prüfung tatsächlich standgehalten haben – die gibt es durchaus. Aber ich kann das dort
Mitgeteilte hier nicht vorwegnehmen.
16
Atlantis-Aussagen von Rudolf Steiner
4. Kapitel
Rudolf Steiners Atlantis-Aussagen
Dies Kapitel enthält bezüglich Rudolf Steiners Evolutions-Aussagen genau die Dinge, welche
von der Presse immer wieder genüsslich als „Geschwurbel“ vorgeführt werden, genau das, weswe gen die Anthroposophie für viele Menschen als gefährliche Sekte gilt, deren Mitglieder und Sym pathisanten in die Irrenanstalt gehören – man schaue sich diesbezüglich nur einmal im Internet um.
Die Bemühungen gerade anthroposophischer Wissenschaftler, Steiners Äußerungen zu entschärfen,
zu vertuschen, zu poetisieren, nützen bei den Kritikern nicht das Geringste, diese schauen – zu
Recht! – einfach bei Rudolf Steiner selber nach. Die Vertuschungsversuche werden von ihnen als
das durchschaut, was sie sind, das bringt sie nur noch mehr auf die Palme. Steiners „irrsinnige“
Aussagen – die er immerhin als jemand getan hat, der auf der vollen Höhe der Wissenschaft stand
– sind nun einmal da, streicht man sie aus seinem Werk heraus, so bleibt von der Anthroposophie
nichts übrig. Im Gegensatz zu vielen Okkultisten, die ängstlich bemüht waren, sich an die gängigen
Wissenschaftsvorstellungen anzupassen – ohne viel wirkliche Sachkenntnis – ist Steiner aber – gerade weil er sich dezidiert zur wissenschaftlichen Denkweise bekennt – drangegangen, umgekehrt
fast die gesamte Wissenschaft konkret umzukrempeln.
Ich schäme mich nicht für Rudolf Steiner. Denn im Gegensatz zu den Aussagen der Okkultisten
des vorigen Kapitels halten sehr viele von Steiners Atlantis-Angaben – auch die absolut haarsträu benden, s.u. – einer eingehenden wissenschaftlichen Prüfung einfach stand, natürlich nicht den
Dogmen des einmal etablierten Wissenschafts-Betriebes. Es steht mit diesem so, wie es sich bei der
Rück-Datierung der Sphinx von Gizeh durch Robert Schoch gezeigt hat: an dieser Rückdatierung
gibt es nichts zu deuteln, wie auch Schochs Geologen-Kollegen beteuern. Für die Ägyptologie ist
das noch lange kein Grund, sich dadurch ihr Weltbild über den Haufen werfen zu lassen – Fakten
Fakten hin oder her.
Historisches
In einzigartiger Radikalität beruft sich Steiner stets auf nichts anderes als auf seine eigenen geis tigen Schauungen, auch wenn er bei seinen Aussagen stets bemüht ist, Anknüpfungen an Bekanntes
zu finden. So knüpft er in Bezug auf Atlantis (bzw. seiner gesamten Evolutions-Lehre) zunächst
scheinbar an die Theosophie H.P. Blavatskys (damit auch an W. Scott-Elliots Atlantis-Schilderung)
an, an Platons Atlantis-Bericht nur sehr wenig – sein Atlantis hat kaum noch etwas mit Platons At lantis gemein. Die Differenzen zu Blavatsky schälen sich erst im Laufe der Zeit mehr und mehr
heraus und führen schließlich 1912/13 zum Bruch mit der Theosophischen Gesellschaft.
Das Thema Atlantis schlägt Rudolf Steiner erstmals 1904 m Rahmen der Theosophischen Gesell schaft in einem (leider verlorengegangenen) Vortragszyklus an, dessen Inhalt dann aber vermutlich
noch im selben Jahr in seinem Aufsatz „Unsere atlantischen Vorfahren“ (heute enthalten in: „Aus
der Akasha-Chronik“ GA 11) niedergeschrieben wurde.
In dieser Darstellung knüpft er anfangs an Scott-Elliot (Atlantis – nach okkulten Quellen; o. J.)
an, bestätigt zunächst dessen Gliederung der atlantischen Zeit in sieben Abschnitte und sogar die
schwebenden Fahrzeuge der Atlantier – ja er gebraucht zunächst noch die theosophischen Termini
„Wurzel“- und „Unterrassen“ (an denen sich u.a. die Rassismus-Vorwürfe festmachen), distanziert
sich allerdings nach 1904 scharf von diesen Termini.
Ich habe erlebt, dass viele anthroposophische Naturwissenschaftler sich heute von „Unsere atlantischen Vorfahren“ distanzieren, überhaupt von „Aus der Akasha-Chronik“, weil diese Schrift
ihnen zu phantastisch erscheint; sie begründen dies gerade mit Steiners Anknüpfung an Scott-Elliot,
den Steiner 1907 selbst scharf angreift (s. u.). Manche vermuten gar, dass Steiner sich damals noch
im „okkulten Bann“ von Scott-Elliots Irrtümern befand. Es ist ein okkultes Gesetz (Steiner formu liert es in „Das Prinzip der spirituellen Ökonomie“, GA 109/111), dass ein Eingeweihter, der ein
17
Gebiet erfahren will, welches bereits von anderen erforscht ist, sich erst bei diesen informieren
muss, bevor ihm die Dinge selber übersinnlich anschaubar werden können. Bis in die Wortwahl
hinein glaubt man an nicht wenigen Stellen von „Aus der Akasha-Chronik“ Scott-Elliot sprechen zu
hören. Außerdem scheint er tatsächlich manches, was man im Lichte seiner eigenen späteren Mit teilungen als Irrtümer ansehen müsste, von Scott-Elliot (oder H. P. Blavatsky) zunächst unkritisch
übernommen zu haben – nur Weniges, aber immerhin. 1908 aber hat Steiner, nachdem er sich 1907
so dezidiert von Scott-Elliot distanziert hatte, „Unsere atlantischen Vorfahren“ als Sonderdruck unverändert wieder aufgelegt – man darf ihm wohl unterstellen, dass er dies nicht getan hätte, würde
es in seinen Augen voller gravierender Fehler stecken. Er selbst „entschuldigt“ die Übernahme
theosophischer Terminologie später folgendermaßen:
„Meine erste Vortragstätigkeit innerhalb der Kreise, die aus der theosophischen Bewegung her ausgewachsen waren, musste sich nach den Seelenverfassungen dieser Kreise richten. Man hatte
da theosophische Literatur gelesen und sich für gewisse Dinge eine gewisse Ausdrucksform ange wöhnt. An diese musste ich mich halten, wenn ich verstanden werden wollte.
Erst im Laufe der Zeit ergab sich mit der vorrückenden Arbeit, dass ich immer mehr auch in der
Ausdrucksform die eigenen Wege gehen konnte.
Es ist daher dasjenige, was in den Nachschriften der Vorträge aus den ersten Jahren der anthro posophischen Wirksamkeit vorliegt, zwar innerlich, geistig ein getreues Abbild des Weges, den ich
einschlug, um die Geist-Erkenntnis stufenweise zu verbreiten, so dass aus dem Naheliegenden das
Fernerliegende erfasst werden sollte; aber man muss diesen Weg auch wirklich nach seiner Inner lichkeit nehmen.“ (Rudolf Steiner: „Mein Lebensgang“, GA 28, 33. Kapitel)
Über die Terminologie hinaus weist „Aus der Akasha-Chronik“ auch einen Duktus, einen Stil,
und eine wissenschaftliche Vorgehensweise auf, die sie von all seinen späteren Schriften und Vor trägen über dasselbe Thema unterscheidet. Einmal sind die Schilderungen hier scheinbar viel kon kreter, „derber“ als später, zum anderen gibt es anscheinend auch inhaltliche Differenzen zu späte ren Aussagen: nach der „Akasha-Chronik“ betont er immer wieder, die Menschen würden alle bis
zur Mitte der Atlantis noch weichkörprig in der Nebel-Atmosphäre schweben (s.u.), während er in
der „Akasha-Chronik“ Schilderungen für die frühe Atlantis und sogar Lemuris gibt, die sich konkret-derb auf dem Boden abspielen („Die Seherin saß unter einem Baum...“), in einer Weise, dass
man sie kaum mit dem später geschilderten Schweben zusammenbekommt. Manche Darstellungen
erscheinen so, als passten sie gar nicht in eine solch frühe Zeit, wie er sie schildert. Hier ist tatsäch lich nicht auszuschließen, dass Steiner im Detail manchen inhaltlichen Irrtum von Blavatsky und
Scott-Elliot übernommen haben mag (s. voriges Kapitel). Auch in Bezug auf die von Scott-Elliot
übernommenen atlantischen „Unterrassen“ („Rmoahals“, „Tlavatlis“, „Tolteken“, „Urturanier“,
„Ursemiten“, „Akkadier“ und „Mongolen“) möchte ich arge Zweifel anmelden – Steiner spricht
auch nach der „Akasha-Chronik“ nie wieder von diesen (Ausnahme: die „Ursemiten“; von diesen
spricht er noch bis ca. 1910).
Dennoch: Wenn auch auf den ersten Blick „Unsere atlantischen Vorfahren“ große Ähnlichkeiten
mit Scott-Elliot aufweist, (allein die eine Million Jahre, die er dort Atlantis dauern lässt, ist von
Scott-Elliot übernommen; bedeutet jedoch nichts anderes, als dass die atlantische Zeit das Tertiär
ist, welches man nach dem damaligen Stand der Wissenschaft so lange dauern ließ; heute ist man
bei 65 Mio. Jahren angelangt!) – so wird auf den zweiten Blick doch sehr deutlich, wie gewaltig
Steiner von ihm abweicht. Bis auf die Terminologie (und die Luftfahrzeuge) ist so gut wie nichts
gleichgeblieben, vor allem bemüht er sich, alle Scott-Elliot unterlaufenen Projektionen aus späteren
Zeitaltern hinauszuwerfen, auch wenn das vielleicht noch nicht hundertprozentig gelungen ist. Man
hat den Eindruck, dass es Steiner darauf ankam, Scott-Elliot unmerklich, aber doch sehr nachhaltig
zu korrigieren – ohne allerdings 1904 schon die Differenzen so zu betonen wie dann drei Jahre spä ter. Von einem okkulten Bann könnte ich angesichts der Vehemenz, mit der Steiner sich aus Scot t-Elliots und Blavatskys Vorstellungen herausringt, nie sprechen.
Vor allem ist der Vorwurf nicht haltbar, „Aus der Akasha-Chronik“ sei viel phantastischer als al les Spätere: genau das Umgekehrte ist der Fall. Ganz offensichtlich ist Steiner anfangs bemüht, sei 18
Atlantis-Aussagen von Rudolf Steiner
nen Lesern noch nicht allzuviel zuzumuten; auf den Kopf stellt er ihnen ihr Weltbild erst peu á peu.
Ich habe mich daher entschlossen, „Aus der Akasha-Chronik“ genauso meinen Atlantis-Überle gungen zugrundezulegen wie alle späteren Äußerungen – es muss eh alles minutiös nachgeprüft
werden. Diese Schilderungen enthalten viele unverzichtbare Elemente, auf die er später nie wieder
zurückkommt. Steiner ist nicht jemand, der ständig das Gleiche wiederholt, er bringt in seinem Ge samtwerk eigentlich immer Neues, das aber auf dem Früheren aufbaut. Viele scheinbare Widersprü che in seinem Werk beruhen zudem darauf, dass er von verschiedensten Gesichtspunkten aus schildert, die man zunächst vor allem aufgrund seiner eigenen Beschränktheit nicht zusammenbringt.
Nach den Aufsätzen „Aus der Akasha-Chronik“, die einen Überblick über die Weltentwicklung
aus okkulter Sicht geben und bis in die allerersten Anfänge der Welt zurückgehen, erscheint 1909
die „Geheimwissenschaft im Umriss“, welche das gleiche Thema noch einmal von ganz anderen
Gesichtspunkten aus darstellt. Außerdem ist die Zeit von 1904 bis etwa 1910 voll von Vorträgen
über die Weltentwicklung, darunter Vieles über Atlantis, wenngleich er hierauf nie wieder so detail liert eingeht wie 1904. Während des Ersten Weltkrieges erscheint dies Thema weitgehend ausge klammert; aber 1919 bringt Steiner dann die Parallelisierung der okkulten mit den geologischen
Epochen, und ab 1922 häufen sich wieder die Aussagen über die Weltentwicklung (einschließlich
Atlantis und Lemurien), insbesondere in Vorträgen vor den Arbeitern am Goetheanum.
In seinen eigenen Worten
Natürlich ist es äußerst fragwürdig, Rudolf Steiners Schilderungen einfach nur zu referieren;
man kann diese dadurch nur verfälschen. Daher muss einfach Steiner auch direkt zu Wort kommen,
obgleich das Zitieren aus dem Zusammenhang gerissener Steiner-Äußerungen sogar fast noch fragwürdiger ist. Ich versuche hier den „Trick“, beide Verfälschungen aneinander zu korrigieren – aber
wie ich`s auch drehe und wende: es bleibt trotz allem eine subjektive Darstellung.
Zitate sind immer aus dem Zusammenhang gerissen. Wer wissenschaftlich Steiners Aussagen
nachprüfen will, muss – und wird! – sich die Mühe machen, im Zusammenhang nachzulesen, was
ich herausgetrennt habe, weil sonst gar nicht klar wird, wie es zu diesen Aussagen kommt und unter
welchen speziellen Gesichtspunkten sie gemacht wurden.
Alle Hervorhebungen im Text sind von mir.
Über die Lage von Lemuria und Atlantis
Rudolf Steiner: „Aus der Akasha-Chronik“ GA 11, Kapitel: „Die lemurische Rasse“, S. 44:
„Es handelt sich um die dritte menschliche „Wurzelrasse“, von welcher in theosophischen Bü chern gesagt wird, dass sie den lemurischen Kontinent bewohnt hat. Dieser Kontinent lag – im Sin ne dieser Bücher – im Süden von Asien, dehnte sich aber ungefähr von Ceylon bis Madagaskar
aus. Auch das heutige südliche Asien und Teile von Afrika gehörten zu ihm.“
„Südwärts vom heutigen Asien dehnte sich dieser Kontinent aus, bis nach Afrika und Australien
herüber; den bewohnten unsere Vorfahren, als sie noch Lemurier waren.“ (Rudolf Steiner:
„Menschheitsentwickelung und Christus-Erkenntnis, GA 100, 25. 6. 1907)
„...und wenn wir weiter zurückgehen, kommen wir zu anderen Katastrophen der Erdentwick lung, die wir vulkanisch nennen können, wo Ländermassen zugrunde gingen, auf denen die Vor menschheit lebte, die südwärts vom heutigen Asien, ostwärts von Afrika und nordwärts vom heuti gen Australien lagen. Das waren Ländermassen, auf denen die Vormenschheit lebte, die man nach
einem der Naturwissenschaft entlehnten Ausdruck den lemurischen Kontinent nennt.“ (Rudolf Steiner: „Welt, Erde und Mensch“, GA 105, 11. 8. 1908, S. 111/112)
Rudolf Steiner: „Die Mission einzelner Volksseelen“, GA 121, 10. Vortrag, Oslo, 16. 6. 1910
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Abbildung 3: Atlantis im Paleozän - zu Anfang des Tertiär. Zur Erstellung dieser Karten-Skizze
habe ich NUR verschiedenste konventionell-geologische Karten herangezogen; ein "AzorenAtlantis" fehlt hier noch völlig. Europa und Grönland sind hier noch vereint; der "Okeanos“ liegt
genauso da, wie Steiner ihn untenstehend schildert. Man beachte die vielen Flachmeere auf den
Kontinenten! Skizze: Andreas Delor
S.182:
„Betrachten wir hellseherisch den alten Kontinent der atlantischen Welt, den wir zu suchen ha ben da, wo jetzt der atlantische Ozean ist, zwischen Afrika und Europa einerseits und Amerika
andrerseits. Dieser Kontinent war umschlossen von einer Art warmem Strom, von einem Strom, bezüglich dessen das hellseherische Bewusstsein ergibt, dass er, so sonderbar es klingen mag, von
Süden heraufging, durch die Baffins-Bay gegen das nördliche Grönland verlaufend und es umfassend, dann herüberfloss nach Osten, sich allmählich abkühlte, dann in der Zeit, in welcher Si birien und Russland noch lange nicht zur Erdoberfläche gehoben waren, in der Gegend des Ural
herunterfloss, sich umkehrte, die östlichen Karpaten berührte, in die Gegend hineinfloss, wo die
heutige Sahara ist, und endlich beim Meerbusen von Biskaya dem atlantischen Ozean zuging, so
dass er ein ganz geschlossenes Stromgebiet hatte. Sie werden begreifen, dass dieser Strom nur noch
in den allerletzten Resten vorhanden sein kann. Dieser Strom ist der Golfstrom, der einst den atlan tischen Kontinent umflossen hat. – Und jetzt werden Sie auch begreifen, dass bei den Griechen das
Seelenleben Erinnerung ist. Es tauchte in ihnen auf das Bild des Okeanos, der eine Erinnerung ist
an jene atlantische Zeit...“ (Der Okeanos umfloss in der Mythologie der Griechen die ganze Welt,
welche in ihrer Erinnerung vielleicht mit Atlantis identisch war.A.D.)
Rudolf Steiner: „Die Schöpfung der Welt und des Menschen; Erdenleben und Sternenwirken“
(Arbeitervorträge) GA 354, 5. Vortrag, Dornach, 12. 7. 1924, S. 68:
„In der Zeit müssen wir uns vorstellen, dass also die Erde da, wo heute der atlantische Ozean
ist, als fester Boden da war. Ich werde Ihnen also die Sache so ungefähr noch einmal aufzeichnen
(es wird gezeichnet): Da kommt man jetzt nach Asien herüber. Das ist das Schwarze Meer. Da un ten ist dann Afrika. Da ist dann Russland, und da kommen wir nach Asien herüber. Da würde dann
England, Irland sein. Da drüben ist Amerika. Hier war also überall früher Land, und nur ganz wenig Land hier überall; dahier, in Europa, hatten wir eigentlich ein ganz riesiges Meer. Diese Län der, die sind alle im Meer. Und wenn wir da hinüberkommen, so ist Sibirien auch noch Meer; das
ist alles noch Meer. Und da unten, wo heute Indien ist – da ist dann Hinterindien –, dahier war es
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Atlantis-Aussagen von Rudolf Steiner
wiederum so, dass es etwas aus dem Meer herausgestiegen ist. Also wir haben eigentlich hier etwas Land, hier haben wir wieder Land. In dem Teil, wo heute die Asiaten, die Vorderasiaten und
die Europäer leben, da war eigentlich Meer, und das Land ist erst später daraus emporgestiegen.
Und dieses Land, das ging viel weiter, das ging noch bis in den Stillen Ozean hinein, wo heute die
vielen Inseln sind; also die Inseln Java, Sumatra und so weiter, das sind Stücke von einem ehemali gen Land, der ganze Inselarchipel. Da also, wo heute der Große Ozean ist, war wiederum viel
Land, dazwischen war Meer.“
Rudolf Steiner: „Das Johannes-Evangelium“, GA 103, 8. Vortrag, Hamburg, 27. 5. 1908 S.139
(siehe auch: „Die Theosophie des Rosenkreuzers“ GA 99, 1907, S.132, sowie „Welt, Erde, Mensch“
GA 105, S. 148):
„Gegen das Ende der atlantischen Zeit hin stellte es sich heraus, dass die äußeren und inneren
Verhältnisse für den Menschen am günstigsten waren auf einem bestimmten Gebietsteil unserer
Erdoberfläche, der sich in der Nähe des heutigen Irland befand. Heute ist das betreffende Landgebiet mit Wasser bedeckt. Damals waren dort ganz besonders günstige Verhältnisse; und dort bildete
sich innerhalb der atlantischen Völker das begabteste Volk aus, das am meisten Veranlagung dazu
hatte, zum freien menschlichen Selbstbewusstsein aufzusteigen. Und der Führer dieses Volkes, das
man gewohnt worden ist in der theosophischen Literatur die „Ursemiten“ zu nennen, war ein
großer Eingeweihter, der, wenn man trivial sprechen darf, sich die fortgeschrittensten Individuen
dieses Volksteiles aussuchte und mit ihnen nach dem Osten zog, durch Europa bis nach Asien hin über in die Gegend des heutigen Tibet. Dahin zog ein verhältnismäßig kleiner, aber namentlich
geistig, spirituell sehr weit fortgeschrittener Bruchteil der atlantischen Bevölkerung.
Innerhalb der letzten atlantischen Zeit war es ja so gekommen, dass nach und nach die westli chen Gegenden der Atlantis verschwanden, sich mit Meer bedeckten. Europa trat in seiner heutigen
Gestalt immer mehr hervor. Asien war noch so, dass die große sibirische Ländermasse noch be deckt war mit weiten Wassermassen; aber namentlich die südlichen Gegenden Asiens waren, an ders gestaltet, schon vorhanden.“
Die Auswander-Ströme aus der Atlantis
Rudolf Steiner: „Welt, Erde und Mensch“, GA 105, 6. Vortrag, Stuttgart, 10. 8. 1908, S. 107:
„Wir finden, dass vom atlantischen Kontinent aus förmliche Auswanderungszüge gehen. (...)
Diese Züge bestanden aus solchen Menschen, welche im Knochensystem verhärtet waren und deren
letzte Nachzügler bei der Entdeckung des amerikanischen Kontinents angetroffen wurden. Dann
gab es Gruppen, welche nach Afrika, andere, die nach Asien gingen. Letztere waren diejenigen, die
wir als die mongolische Rasse bezeichnet haben. Die am letzten auswanderten, das waren diejeni gen Menschen, die in der Nähe des heutigen Irland wohnten und die sich am längsten schmiegsam
erhalten hatten, die sich sozusagen am längsten im Paradiese erhalten hatten. Sie wanderten vom
Westen nach Osten und ließen überall auf dem ganzen Umfange des europäischen Kontinents ge wisse Völkerschaften zurück. Die Fortgeschrittensten wanderten nach Asien und vermischten sich
dort auf mannigfache Weise mit denen, die auf anderen Wegen dorthin gekommen waren.“
Rudolf Steiner: „Die Mission einzelner Volksseelen“, GA 121, 7. Vortrag, Oslo, 12. 6. 1910
S.122:
„...Wir müssen nämlich weit zurückblicken, zurückblicken bis in die ersten atlantischen Zeiten,
wenn wir die Zeit erfassen wollen, wo die Verteilung stattgefunden hat in die 5 Hauptrassen, von
denen wir gesprochen haben, wenn wir fragen wollen: Wann sind hingekommen an den bestimmten
Punkt in Afrika diejenigen Menschen, die dann die schwarze oder äthiopische Rasse bildeten, wann
sind in das südliche Asien gekommen diejenigen Völker, welche die malaiische Rasse ausmachten?
Da müssten wir in frühe atlantische Zeiten zurücksehen. Aber später wurden diesen früheren Strömungen andere nachgeschickt.
Während also die Erde mit den Grundlagen dieser Rassen schon besiedelt war, wurden andere
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hineingeschickt in die bereits besiedelten Erdengebiete. Da haben wir es mit einer späteren Strö mung, mit einer Strömung der späteren atlantischen Zeit zu tun. Wenn wir begreifen wollen, was
da, während die Atlantis allmählich abbröckelte, in Europa, Afrika und Amerika sich als Rassen verteilung vollzog und was dann später gegen Ende der atlantischen Zeit nachgesandt worden ist
und zum Teil erst nachgesandt worden ist in der nachatlantischen Entwickelung, so müssen wir uns
klar sein darüber, dass wir es zu tun haben mit jenem mächtigen Menschheits-Strom, der vorge schoben wird bis hinein nach Asien, bis in das indische Gebiet, und dass – wie öfter angedeutet
wurde – auf den verschiedenen Punkten Völkermassen zurückbleiben, aus denen sich dann die ver schiedenen Volkstümer Asiens, Afrikas und Europas ergeben haben. Wir haben es also mit einer
früheren Verteilung und einer späteren Vorschiebung, einer zweiten Strömung zu tun.“
Rudolf Steiner: „Der Orient im Lichte des Okzidents“ GA 113, 5. Vortrag, München, 27. 8. 1909,
S. 96:
„Da haben wir einen Strom der Menschheitsentwickelung, der dadurch zustande kommt, dass
sich gewisse Völker herüberschieben von dem alten atlantischen Lande mehr in einem nördlichen
Gebiete, so dass sie die Gegenden berühren, die heute England, Nordfrankreich umfassen, dann
nach dem heutigen Skandinavien, Russland bis nach Asien hinein, bis nach Indien herunterziehen.
Da bewegt sich ein Strom von Völkern der verschiedensten Art, der ein bestimmtes geistiges Leben
trägt.
Ein anderer Strom der Menschheitsentwickelung geht einen anderen Weg; er geht mehr südlich,
geht so, dass wir heute seinen Weg etwa suchen müssten herein vom Atlantischen Ozean durch
Südspanien, durch Afrika bis hinüber nach Ägypten, dann nach Arabien.
Zwei Ströme, große Völkerwanderungen gleichsam ergießen sich aus der alten Atlantis nach Os ten hinüber. Jeder dieser Kulturströme macht zunächst seinen eigenen Weg durch, bis sie sich ge genseitig befruchten in einem späteren Zeitpunkt.“
Rudolf Steiner: „Das Matthäus-Evangelium“, GA 123, 1. Vortrag, Bern, 1. 9. 1910, S. 19:
„Als die atlantische Katastrophe nach und nach über die Erdenverhältnisse hereinbrach, zogen
die Menschen, welche damals auf dem alten atlantischen Kontinente wohnten, von dem Westen
nach dem Osten. Im wesentlichen waren bei diesem Zuge zwei Strömungen vorhanden: eine Strömung, welche sich mehr im Norden bewegte, und eine andere, die mehr einen südlichen Weg nahm.
Daher haben wir eine große Menschheitsströmung von atlantischer Bevölkerung, welche durch Europa hindurch bis nach Asien hinüberging; und wenn man das Gebiet um den Kaspisee herum in
Betracht zieht, hat man ungefähr die Art, wie (den Ort, wo? A. D.) sich dieser Völkerzug der atlantischen Bevölkerung allmählich ausbreitete. Ein anderer Strom ging dagegen durch das heutige
Afrika hindurch. Und in Asien drüben entstand dann eine Art von Zusammenströmen dieser beiden
Züge, wie wenn sich gleichsam zwei Ströme treffen und einen Wirbel bilden.“
Die atlantischen Nebel
Rudolf Steiner: „Aus der Akasha-Chronik“ GA 11, Kapitel: „Unsere atlantischen Vorfahren“ S.
23:
„Die genannten Fahrzeuge der Atlantier wären in unserer Zeit ganz unbrauchbar. Ihre Verwend barkeit beruhte darauf, dass in dieser Zeit die Lufthülle, welche die Erde umschließt, viel dichter
war als gegenwärtig. Ob man sich nach heutigen wissenschaftlichen Begriffen eine solch größere
Dichte der Luft leicht vorstellen kann, darf uns hier nicht beschäftigen. Die Wissenschaft und das
logische Denken können, ihrem ganzen Wesen nach, niemals etwas darüber entscheiden, was mög lich oder unmöglich ist. Sie haben nur das zu erklären, was durch Erfahrung und Beobachtung
festgestellt ist. Und die besprochene Dichtigkeit der Luft steht für die okkulte Erfahrung so fest,
wie nur irgendeine sinnlich gegebene Tatsache von heute feststehen kann. – Ebenso steht fest aber
auch die vielleicht der heutigen Physik und Chemie noch unerklärlichere Tatsache, dass damals
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Atlantis-Aussagen von Rudolf Steiner
das Wasser auf der ganzen Erde viel dünner war als heute.“
Rudolf Steiner: „Das Johannes-Evangelium“, GA 103, 8. Vortrag, Hamburg, 27. 5. 1908 S.138:
„Wenn Sie durch die alte Atlantis drüben im Westen gegangen wären, hätten Sie eine solche Verteilung von Regen, Nebel, Luft und Sonnenschein, wie Sie es jetzt auf unseren heutigen Länderge bieten haben, nicht erlebt. Namentlich die nördlichen Gegenden westlich von Skandinavien waren
damals durchzogen von Nebel. Die Menschen, die dort lebten, wo heute Irland ist – und weiter
westlich davon –, haben niemals in der Weise Regen und Sonnenschein verteilt gesehen in der alten
Atlantis, wie es heute der Fall ist. Sie waren immer eingebettet in Nebel, und erst mit der atlanti schen Flut kam die Zeit heran, wo die Nebelmassen sich auch aus der Luft ablösten und sich nie derschlugen. Sie hätten die ganze Atlantis durchforschen können, und Sie würden eine Erscheinung
da nicht gefunden haben, die Ihnen allen heute als eine wunderbare Naturerscheinung bekannt ist
– unmöglich würden Sie den Regenbogen finden! ... Wenn Sie dies nun aus der Geheimwissenschaft
mitgeteilt erhalten und sich erinnern, dass die atlantischen Flut in den verschiedenen Sagen und
Mythen als Sintflut erhalten ist, dass Noah hervortritt und nach der Sintflut zuerst den Regenbogen
sieht, dann werden Sie einen Begriff bekommen, wie tief wahr, buchstäblich wahr die religiösen
Urkunden sind.“
Schwimmende Lebensweise und Erfindung der Schifffahrt
Rudolf Steiner: „Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörpe rungsfragen“, GA 109/111, Vortrag vom 6. 4. 1909, S. 78/79:
„Sie erinnern sich, wie die eigentliche Technik der Atlantier war. Auf kleinen Luftschiffen fuhren
die Atlantier dahin über der Erde, nahe der Erde, weil die Luft durchsetzt war von dichten Nebel massen. Und für dieses Luft-Wassermeer hatten sie ihre kleinen Fahrzeuge, die sie mit der Kraft
der sprießenden Pflanze in Bewegung setzten.
(...) Die Atlantier hatten Fahrzeuge während ihrer Blüteperiode, welche durch die wassergeschwängerte Luft hingingen. Aber später, als die atlantische Kultur schon im Niedergang war,
tauchte die Notwendigkeit auf, auch das Wasser zu befahren. Und bei den späteren Kulturrassen
der atlantischen Zeit entstand der Gedanke an die Schifffahrt, die Eroberung des Wassers. Das war
ein gewaltiger, in der alten atlantischen Zeit einschlagender Gedanke. Und ungeheure Sensation
im atlantischen Leben machte es, als man zuerst auf einem Fahrzeug nicht nur in die Lüfte sich er hob und die Luft durchmaß, sondern hinsegelte auf der Wasser-Meeresfläche. (...)
Lange Versuche wurden gemacht, um auf dem bloßen Wasser zu fahren. Dann gelang es. Es ge lang das in jener Zeit, wo die atlantische Kultur im Niedergang begriffen war. (...)
Sehen wir uns an die große Sensation der atlantischen Zeit, als die Erfindung gemacht wurde
bei derjenigen „Unterrasse“, deren Nachkommen die Phönizier waren (spätestens damit ist deutlich, dass der „südliche Strom“ gemeint ist, AD): sehen wir uns die Schifffahrt an. Was hat sie ge schaffen, diese Schifffahrt? Wir brauchen uns nur zu erinnern an die großen Ereignisse vom Be ginn der neuen Zeit, an das, was Kolumbus und die anderen Seefahrer getan haben, an die großen
Entdeckungsreisen, die nicht hätten gemacht werden können ohne die Schifffahrt, und wir werden
sehen, dass diese Situation dazu geführt hat, den physischen Plan auf der Erde nach und nach zu
erobern.“
Rudolf Steiner: „Mythen und Sagen“, GA 101, Vortrag vom 14. 9. 1907:
„Wie die Stimmung der Mystik sich aus der Form der gotischen Dome gebildet hat und der Hell seher nachweisen könnte, welche Gesichter sich danach gebildet haben, so bildeten sich die Leiber
der Menschen der alten Atlantis nach und nach um, weil tatsächlich die Menschen in Fahrzeugen
lebten, die sie unter dem Einflusse von großen Eingeweihten nach den Maßen gebaut hatten, wie
die Bibel die Arche Noah beschreibt. Das Leben in der Zeit der alten Atlantis war eine Art von
Wasser- oder See-Leben, wo die Menschen zum größten Teile auf Fahrzeugen auf dem Wasser
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lebten und sich erst allmählich an das Leben auf dem Lande gewöhnten. Denn die alte Atlantis war
nicht nur von einer Wassernebelluft umgeben, ein großer Teil der Atlantis war von der See bedeckt. Der Mensch lebte in diesen Fahrzeugen, damit sein Leib so gebaut werden konnte, wie er
heute ist. Das ist das tiefe Mysterium der „Arche Noah”. (...)
Der Mensch lebte auf Fahrzeugen, weil ihm der Eindruck der Abgeschlossenheit in seiner Haut
werden musste. So wirkten die Eingeweihten durch die Jahrtausende auf die Erziehung des Men schen."
Handhabung des Ätherischen
Rudolf Steiner: „Grundelemente der Esoterik“, GA 93a, S 137ff.:
„Die (frühen) Atlantier hatten noch weniger Vorderhirn und eine noch weiter zurückliegende
Stirne. Aber sie hatten noch etwas anderes als die späteren Menschen. Sie hatten noch einen viel
stärkeren, kräftigeren Ätherkörper. Der Ätherkörper der Atlantier hatte gewisse Verbindungen mit
dem Gehirn noch nicht ausgebildet gehabt; sie entstanden erst später. So war noch über dem Kopf
ein mächtig großer Ätherkopf entwickelt; der physische Kopf war verhältnismäßig klein und in
einen mächtigen Ätherkopf eingebettet. Die Funktionen, die die Menschen jetzt mit Hilfe des Vor derhirns ausführen, wurden bei den Atlantiern mit Hilfe von Organen im Ätherkörper ausgeführt.
Dadurch konnten sie mit Wesenheiten in Verbindung treten, zu denen uns der Zugang heute ver sperrt ist, weil eben der Mensch das Vorderhirn entwickelt hat. Bei den Atlantiern war sichtbar
eine Art feuriger farbiger Bildung, die ausströmte aus der Öffnung des physischen Kopfes zu dem
Ätherkopf hin. Er war zugänglich für eine Menge psychischer Einflüsse. Ein solcher Kopf, der als
Ätherkopf denkt, hat Gewalt über das Ätherische, während ein Kopf, der im physischen Gehirn
denkt, allein über das Physische Gewalt hat, über das Zusammenfügen rein mechanischer Dinge.
Er kann sich physische Werkzeuge machen.
Dagegen kann ein Mensch, der noch im Äther denkt, ein Samenkorn zum Aufblühen bringen, so
dass es wirklich wächst. Die atlantische Kultur hing wirklich noch mit dem Wachstum des Natürli chen, Vegetabilischen zusammen, über das der heutige Mensch die Macht verloren hat. Der Atlan tier hat zum Beispiel nicht die Dampfkraft zur Bewegung von Fahrzeugen gebraucht, sondern die
Samenkraft der Pflanzen, mit der er seine Fahrzeuge vorwärtsgetrieben hat.“
Rudolf Steiner: „Aus der Akasha-Chronik“, GA 11
„Gehen wir in die ersten Zeiten der atlantischen Menschheit zurück, so finden wir eine von der
unsrigen ganz verschiedene Geistesfähigkeit. Der logische Verstand, die rechnerische Kombinati on, auf denen alles beruht, was heute hervorgebracht wird, fehlten den ersten Atlantiern ganz. Da für hatten sie ein hochentwickeltes Gedächtnis. (...) Man muss sich nur klarmachen, dass jedesmal,
wenn sich in einem Wesen eine neue Fähigkeit ausbildet, eine alte an Kraft und Schärfe verliert.
Der heutige Mensch hat gegenüber dem Atlantier den logischen Verstand, das Kombinationsver mögen voraus. Das Gedächtnis ist dafür zurückgegangen. Jetzt denken die Menschen in Begriffen;
der Atlantier dachte in Bildern. (…)
„Das Gedächtnis steht der tieferen Naturgrundlage des Menschen näher als die Verstandes kraft, und mit ihm im Zusammenhange waren andere Kräfte entwickelt, die auch noch denjenigen
untergeordneter Naturwesen ähnlicher waren als die gegenwärtigen menschlichen Betriebskräfte.
So konnten die Atlantier das beherrschen, was man Lebenskraft nennt (– das „Ätherische“, AD).
Wie man heute aus den Steinkohlen die Kraft der Wärme herausholt, die man in fortbewegende
Kraft bei unseren Verkehrsmitteln verwandelt, so verstanden es die Atlantier, die Samenkraft der
Lebewesen in ihren technischen Dienst zu stellen. (...) Der Atlantier (...) wusste, wie man es macht,
um die Kraft eines Kornhaufens in technische Kraft umzuwandeln, wie der gegenwärtige Mensch
die Wärmekraft eines Steinkohlehaufens in eine solche Kraft umzuwandeln vermag. Pflanzen wur den in der atlantischen Zeit nicht bloß gebaut, um sie als Nahrungsmittel zu benutzen, sondern um
die in ihnen schlummernden Kräfte dem Verkehr und der Industrie dienstbar zu machen. Wie wir
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Atlantis-Aussagen von Rudolf Steiner
Vorrichtungen haben, um die in den Steinkohlen schlummernde Kraft in unseren Lokomotiven in
Bewegungskraft umzubilden, so hatten die Atlantier Vorrichtungen, die sie – sozusagen – mit
Pflanzensamen heizten, und in denen sich die Lebenskraft in technisch verwertbare Kraft umwan delte. So wurden die in geringer Höhe über dem Boden schwebenden Fahrzeuge der Atlantier fort bewegt. Diese Fahrzeuge fuhren in einer Höhe, die geringer war als die Höhe der Gebirge der at lantischen Zeit, und sie hatten Steuervorrichtungen, durch die sie sich über diese Gebirge erheben
konnten.“
Rudolf Steiner: „Das Prinzip der spirituellen Ökonomie“, GA 109/111:
„Denken Sie sich, dass die Kraft, die als lebendige Kraft den Halm aus der Erde sprießen lässt,
vom Atlantier aus dem Samen herausgelockt und nutzbar gemacht werden konnte. Bei ihren Maga zinen, wo die Atlantier ihre Fahrzeuge hatten, da hatten sie riesige Samenmengen lagern, so wie
wir heute Kohlenlager haben. Und mit der darin aufgespeicherten Kraft bewegten sie ihre Fahr zeuge vorwärts. Wenn der Hellseher zurückblickt bis in jene Zeit, so sieht er diese Fahrzeuge in
der Nähe der Erde in der noch festeren Luft, der dichteren Atmosphäre, sich, mit einer Art
Steuerung versehen, erheben und bewegen.“
Über die „Körperkräfte“ der frühen Atlantier und späten Lemurier
Rudolf Steiner: „Das Prinzip der spirituellen Ökonomie“ GA 109/111 Vortrag vom 10. 6. 1909 in
Budapest, S. 238:
„In der ganzen ersten Hälfte der Atlantis war der Menschenleib noch von viel weicherer Masse,
er gab den Kräften der Seele nach. Diese Seelenkräfte waren wesentlich stärker als heute und be wältigten, formten den physischen Leib. Ein Mensch von der alten Atlantis hätte, sagen wir, eine
Eisenbahnschiene mit Leichtigkeit zerbrechen können, nicht weil seine physischen Kräfte sehr stark
waren, denn er hatte noch nicht einmal sein Knochensystem ausgebildet, sondern vermöge seiner
magisch-psychischen Kräfte. Eine Flintenkugel zum Beispiel wäre an dieser psychischen Kraft ab geprallt. Die Dichtigkeit der fleischlichen Masse bildete sich erst später aus. Wir finden heute noch
eine ähnliche Erscheinung bei gewissen Wahnsinnigen, die durch das Freiwerden starker psychi scher Kräfte – weil in dem Zustande der physische Leib nicht in der richtigen Verbindung mit den
höheren Leibern ist – schwere Gegenstände heben und werfen können.“
Rudolf Steiner: „Aus der Akasha-Chronik“ GA 11, Kapitel: „Die lemurische Rasse“, S. 46:
„So baute der Lemurier ohne Ingenieurkunst aus seiner mit der Sicherheit einer Art
Instinktes wirkenden Vorstellungskraft heraus. Und er hatte dabei seinen Körper in hohem Maße in
seiner Gewalt. Er konnte seinen Arm stählen, wenn es nötig war, durch bloße Anstrengung des
Willens. Ungeheure Lasten konnte er zum Beispiel heben durch bloße Willensentwickelung.“ ...
S. 46: „Was die Akasha-Chronik in bezug auf diese Kinderzucht zeigt, übersteigt alles, was sich
der gegenwärtige Mensch in der kühnsten Phantasie auszumalen vermag. Das Ertragen von Hitze
bis zur sengenden Glut, das Durchstechen des Körpers mit spitzen Gegenständen waren ganz ge wöhnliche Prozeduren.“
Vom Bewusstsein der Atlantier
Rudolf Steiner: „Die tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens...”, GA 117:
„Eine solche Wissenschaft, welche rechnet mit den nachatlantischen Fähigkeiten des Menschen,
wäre sowohl den Ägyptern wie den Chaldäern noch ganz unverständlich geblieben. Wissenschaft,
welche in Begriffs- und Ideenbildern sich ausdrückt, die physischer Art sind, gab es damals noch
nicht. Solch ein Nachdenken, wie wir es haben, existierte nicht.
Es ist gar nicht unnötig, sich einmal klarzumachen, welches der Unterschied ist zwischen einem
wirklichen Seher unserer Zeit und etwa einem altchaldäischen oder altägyptischen Seher.
Wer heute, und zwar wirklich aus den naturgemäßen Voraussetzungen unserer Zeit, zum Seher 25
tum kommt, bei dem verhält sich die Sache so: Er bekommt das, was man nennt die Offenbarungen
aus der geistigen Welt, was man nennen kann seine Eingebungen, Erfahrungen und Erlebnisse aus
der geistigen Welt so, dass er aus seinem gewöhnlichen irdischen Denken heraus durchdringen
muss diese Eingebungen mit dem, was er als logisches, vernünftiges Denken hier in der physischen
Welt gewinnen kann. Vollständig zu verstehen sind die der heutigen Zeit angehörigen Erfahrungen
des Sehers gar nicht, wenn ihnen nicht entgegengekommen wird von einer Seele, die sich erst or dentlich geschult hat an logischem und vernünftigem Denken. Diese heutigen Eingebungen und Of fenbarungen bleiben unverständlich; sie verlangen, dass die Seele ihnen sich nähert mit dem logi schen Denken.
Wer sie heute hat, ohne dass er den Willen hat zum logischen Denken, ohne dass er den Willen
hat zur entsagungsvollen, vernünftigen Ausbildung seiner irdischen Kräfte, der kann nur zu dem
kommen, was man nennt visionäres Hellsehen, das durchaus nicht vollständig verstanden werden
könnte, ein Hellsehen, welches unverständlich bleibt und daher auch irreführend ist. (…)
Deshalb muss (...) der größte Wert darauf gelegt werden, dass nicht etwa in einseitiger Weise
das Sehertum ausgebildet wird und die Offenbarungen der geistigen Welt in einseitiger Weise ver kündigt werden, sondern es muss auch darauf hingearbeitet werden, dass die Seele den Eingebun gen und Offenbarungen etwas entgegenbringt. Es muss wirklich ebenso logische Arbeit geleistet
werden, wenn die Ausbildung des Sehertums gewollt wird. Beide können in unserer Zeit nicht getrennt werden.
Für den ägyptischen oder chaldäischen Seher war das ganz anders. Er bekam mit seinen Eingebungen, die einen ganz andern Weg machten, zugleich die logischen Gesetze . Daher brauchte
er keine besondere Logik. Ihm wurden, wenn er durch eine geistige Schulung durchgegangen
war, die fertigen Gesetze schon in den Eingebungen gegeben . Dazu taugt der heutige Organismus
nicht mehr. Darüber hat er sich hinausentwickelt, denn die Menschheit schreitet vorwärts. ”
Rudolf Steiner: „Grundelemente der Esoterik“, GA 93a, S 137ff.:
„Erst vom letzten Drittel der atlantischen Zeit, von der Zeit der „Ursemiten” an bis zu der Zeit,
als Atlantis von den Fluten des Atlantischen Ozeans bedeckt wurde, hat das ätherische Vorder haupt das Vorderhirn ausgebildet. Dadurch verlor der Mensch die Macht, das Pflanzenwachstum
zu beeinflussen und bekam nun die Fähigkeit des physischen Gehirns, den Verstand.
Mit vielen Dingen musste er nun neu anfangen. Er musste anfangen mechanische Verrichtungen zu erlernen. Da war er noch wie ein Kind, unbeholfen und ungeschickt, während er es in der
Entfaltung des Vegetabilischen vorher schon zu einer großen Geschicklichkeit gebracht hatte. Der
Mensch muss durch die Intelligenz hindurchgehen und dann das wiedergewinnen, was er früher
schon konnte. Höhere geistige Mächte hatten damals einen Einfluss auf den unfreien Willen;
durch das offen gelassene ätherische Haupt wirkten sie durch ihren Verstand."
Rudolf Steiner: „Geisteswissenschaftliche Menschenkunde“, GA 106 S 41ff:
„Da müssen wir uns in Seelen der letzten atlantischen Bevölkerung versetzen. Wir müssen uns
erinnern, dass in der atlantischen Zeit der Mensch in der Nacht nicht bewusstlos war, sondern dass
er dann ebenso wahrnahm, wie er bei Tage wahrnahm, wenn man überhaupt in dieser Zeit von Tag
und Nacht sprechen darf. Bei Tage nahm er die erste Spur dessen wahr, was wir heute so klar se hen als die Welt der Sinneswahrnehmungen. Bei Nacht war er ein Genosse der göttlich-geistigen
Wesenheiten. Er brauchte keinen Beweis dafür, dass es Götter gab, ebensowenig wie wir heute
einen Beweis dafür brauchen, dass es Mineralien gibt. Die Götter waren seine Genossen, er selbst
war in der Nacht eine geistige Wesenheit. In seinem Astralleib und seinem Ich wandelte er in der
geistigen Welt umher. (...)
In diesem Zustande, der allgemein menschlich war, nahm man, auch wenn man während des Ta ges bewusst war, die umliegenden Gegenstände anders wahr als heute, auch das Tagesbewusstsein
war anders, und wir müssen versuchen zu verstehen, wie dieses letzte Bewusstsein der Atlantier
war. Es ist beschrieben worden, wie dem Menschen sich die göttlichen Wesenheiten entzogen,
wenn er morgens hinuntertauchte in seinen physischen Leib. Er sah die Gegenstände wie mit ei26
Atlantis-Aussagen von Rudolf Steiner
nem Nebel umhüllt. So waren die Bilder des damaligen Tagwachens.
Diese Bilder hatten aber eine andere eigentümliche Eigenschaft, die wir ganz genau erfassen
müssen. Denken wir uns, eine solche Seele näherte sich einem Teiche. Das Wasser in dem Teiche
sah diese Seele nicht so scharf begrenzt wie heute; aber wenn die Seele ihre Aufmerksamkeit dar auf richtete, dann erlebte sie etwas noch ganz anderes, als wenn sich heute jemand einem Teiche
nähert. Beim Annähern an den Teich, schon durch die bloße Anschauung, stieg in ihr ein Gefühl
auf, wie wenn sie einen Geschmack bekäme von dem, was da physisch vor ihr lag, ohne dass sie
das Wasser des Teiches zu trinken brauchte. Durch das bloße Anschauen würde sie gefühlt haben:
das Wasser ist süß oder salzig.
Überhaupt war es nicht so, wie wenn wir heute Wasser sehen. Wir sehen heute nur die Oberflä che, aber ins Innere kommen wir nicht hinein. Derjenige, der früher, als es noch dämmerhaftes
Hellsehen gab, sich dem Teiche näherte, der hatte nicht das Gefühl der Fremdheit diesem gegen über, er fühlte sich darinnen in den Eigenschaften des Wassers; er stand dem Gegenstande gar
nicht so gegenüber wie heute, es war so, als wenn er in das Wasser hätte eindringen können. (…)
Der Mensch nimmt damals wahr, wie das Wasser schmeckt, indem er sich dem Teiche nähert.
Da sieht er eine geistige Wesenheit, die dem Wasser den Geschmack gibt. Diese geistige Wesenheit
kann er in der Nacht treffen, wenn er sich neben das Wasser legt und einschläft. Bei Tage sieht er
das Materielle, bei Nacht sieht er das, was alles durchlebt. Bei Tage sieht er die Gegenstände,
Steine, Pflanzen, Tiere, er hört den Wind wehen, das Wasser rauschen; bei Nacht sieht er in seinem
Inneren das, was er bei Tage empfindet, in seiner wirklichen Gestalt, da sieht er die Geister, die in
allem leben. Wenn er sagte: In den Mineralien, in den Pflanzen, im Wasser, in den Wolken, im
Winde, da leben Geister, überall leben Geister – so waren das für ihn ganz und gar keine Dichtun gen, das war ihm keine Phantasie, das war etwas, das er wahrnehmen konnte."
Über die Ursprache
Rudolf Steiner: „Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“ GA 15 S.44-45:
„Aus der Geisteswissenschaft ist bekannt, dass in den alten Zeiten, namentlich in der atlanti schen Zeit, soetwas wie eine Art menschlicher Ursprache vorhanden war, eine Art von Sprechen,
welche über die ganze Erde hin ähnlich war, weil „Sprechen“ in jenen Zeiten viel mehr aus dem
Innersten der Seele kam als heute. (...) Es ist kein Traum, dass es eine menschliche „Ursprache“
gegeben hat. Und in einem gewissen Sinne verstehen die Eingeweihten aller Völker gewisse Lau tanklänge, die nichts anderes sind als Reste dieser menschlichen Ursprache.“
Wirkung der Eiszeit
Rudolf Steiner: „Mythen und Sagen. Okkulte Zeichen und Symbole“ GA 101:
„Wir wollen die alte Atlantis noch einmal so recht ins Auge fassen. Das Land war bedeckt mit
weiten Wassernebelmassen; diese Wassernebelmassen waren von verschiedener Dichte in der ers ten und in der letzten atlantischen Zeit; namentlich waren sie in der Nähe des heutigen Irland an ders als in den sonstigen Gegenden. Die Wasser- und Nebelmassen waren zuerst warm, zum Teil
heiß wie warme, heiße Rauchmassen; gegen Norden zu waren sie kälter. Insbesondere gegen das
Ende der atlantischen Zeit trat eine mächtige Abkühlung ein. Nun war es gerade die Abkühlung der
Nebelmassen, diese nordische Kälte, welche die neue Anschauung, das neue Seelenleben aus den
Menschen herauszauberte. Niemals hätte unter den Gluten der Hitze des Südens der Intellekt, die
Urteilskraft zuerst sich in den Menschen entwickeln können. Der Atlantier in der Nähe Irlands
fühlte Fähigkeiten in sich hineinströmen, die ihn so durchdrangen, dass er fähig wurde, mit seinen
Sinnesorganen die Dinge draußen zu sehen, zu hören und so weiter. Er empfand das so, dass er es
der Abkühlung der Luftmassen zu verdanken hatte.“
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Abspaltung der Tiere und Vormenschen
Rudolf Steiner: „Die Geheimwissenschaft im Umriss“: „Denken Sie sich, dass alle Eigenschaften, die in der Tierheit zerstreut sind, im Menschen waren. Er hat sich davon gereinigt. Dadurch
konnte er sich höherentwickeln. Wenn wir eine trübe Flüssigkeit vor uns haben und das Grobe der selben sich als Bodensatz setzen lassen, so bleibt das Feinere oben übrig. Ebenso hat sich in den
Tiergestalten das Gröbere, das der Mensch nicht zu seinem heutigen Entwicklungszustand hätte
brauchen können, wie Bodensatz abgesetzt. Dadurch, dass der Mensch diese Tiergestalten als seine
älteren Brüder aus seiner Entwicklungsreihe hinausgeworfen hat, ist er zu seiner jetzigen Höhe ge kommen.“
Rudolf Steiner: „Welt, Erde und Mensch“, GA 105, 11. 8. 1908, S. 112/113): „ Dadurch, dass (in
der lemurischen Zeit) das Ich-Gefühl noch nicht darinnen war, dadurch, dass die menschliche Ge stalt noch so beweglich war und noch nicht ihren Abschluss gefunden hatte, war noch etwas ande res der Fall. Diese Gestalt, die der Mensch jeweils äußerlich darbot und die veränderlich war – je
nach seiner inneren Verfassung einmal so und ein anderes Mal anders –, diese äußerliche Gestalt
wurde dadurch zu einer Art Verräter seines Inneren; je nachdem er gute oder schlechte Leiden schaften oder Gedanken hatte, formte sich seine äußere Gestalt. Man konnte damals durchaus
nicht im Verborgenen einen bösen Gedanken hegen, denn die äußerliche körperliche Form nahm
sogleich den Ausdruck dafür an, und so erschien der Mensch in allen möglichen Gestalten. Es war
die Zeit, in welcher noch wenige von den höheren Tieren auf der Erde waren, die Erde war von den
niedrigen Tieren und den Menschen bevölkert.
So konnte man damals, wenn man ein Genosse der Menschen war, und wir waren es ja alle im
Grunde genommen, seine Mitmenschen finden, indem sie diese oder jene Leidenschaft, diesen oder
jenen Gedanken ausdrückten. Und alle dies Ausdrücke für diese oder jene Leidenschaften und Ge danken, was sind sie denn eigentlich? Welches sind die physiognomischen Ausdrücke für die
menschlichen Leidenschaften und Gedanken? Tiergestalten sind es. Wer heute unsere Tiergestalten
betrachtet, der sieht in dem höheren Tierreich nichts anderes als alle möglichen Eigenschaften und
Gedanken auseinandergelegt, wie in einen großen Teppich gewirkt. (...) Und ein großer Teil unserer höheren Tiere ist nichts anderes als solche Menschenwesenheiten, die sich so verstrickt haben
in ihren Leidenschaften, dass sie sich verhärtet haben, dass sie stehengeblieben sind: dadurch sind
die Tiere entstanden...“
Rudolf Steiner: „Ägyptische Mythen und Mysterien“ GA 106, 8. Vortrag, Leipzig, 10. 9. 1908,
S.106:
„So wie die Tiere stehenblieben, so blieben nun auch Menschen stehen. Das waren nicht die bes ten Menschen, die zu früh Mensch wurden, die besseren haben warten können. Sie sind lange da beigeblieben, nicht herunterzusteigen auf die Erde, um da in Bewusstheit den Befruchtungsakt zu
vollziehen; sie blieben in dem Erkennen, wo der Befruchtungsakt ein Traum war. Diese Menschen
lebten, wie man sagt, im Paradiese. Und die Menschen, die am frühesten auf die Erde stiegen, würden wir finden mit besonders stark ausgebildeter Körperlichkeit, mit rohem, brutalen Gesichtsaus druck, während wir die Menschen, die erst die edleren Teile gestalten wollten, auch in einer viel
menschlicheren Gestalt finden würden.“
Schwebende Früh-Atlantier
Rudolf Steiner: „Welt, Erde und Mensch“, GA 105, 6. Vortrag, Stuttgart, 10. 8. 1908, S. 97:
„Erst in der Mitte der atlantischen Zeitepoche ungefähr gelangen wir an den Zeitpunkt, wo der
Mensch in der Hauptsache seine Menschengestalt erhalten hat, wie wir sie heute kennen. Vorher
war der Mensch durchaus nicht in einer solchen Weise fest wie nachher, sondern sein ganzer mate rieller Inhalt, wenn wir uns so ausdrücken dürfen, war weicher. In der ersten atlantischen Zeit fin den wir den Menschen aus weicher Materie bestehend, die noch nichts von der heutigen Knochen härte hatte, ja nicht einmal so fest wie Knorpel war. Der Mensch schwamm sozusagen noch herum
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Atlantis-Aussagen von Rudolf Steiner
in der noch ganz von dichten Wassern angefüllten und durchsetzten Luft, er war eine Art von Wasserwesen, in der Art, wie es heute gewisse Tiere gibt, die man kaum vom Wasser unterscheiden
kann. Veranlagt war auch damals schon in den Kräften der Knochenbau, aber er war noch nicht
verhärtet.“
Rudolf Steiner: „Das Johannes-Evangelium“, GA 103, 6. Vortrag, Hamburg, 25. 5. 1908 S.113:
„Und erst gegen Mitte der atlantischen Zeit ist der Mensch so weit verdichtet, dass er Fleisch
und Bein wird, nachdem sich zuerst die Knorpel verdichtet haben, die Knochen nach und nach her auskommen. Und damit wird außen die Erde auch immer fester, und der Mensch steigt herunter auf
den Erdboden. Damit verschwindet immer mehr das Bewusstsein, das er gehabt hatte in den göttlich-geistigen Welten; er wird immer mehr ein Beobachter der äußeren Welt und bereitet sich vor,
ein eigentlicher Erdenbürger zu werden. Im letzten Drittel der atlantischen Zeit wird dann die
Menschengestalt immer ähnlicher der heutigen.
So steigt der Mensch buchstäblich, wörtlich aus Sphären herunter, die wir bezeichnen müssen
als Wasser- und Wasserdampfsphären, Wasser- und Luftsphären usw.“
Zwerge und Riesen
Rudolf Steiner: „Das Prinzip der spirituellen Ökonomie“ GA 109/111 Vortrag vom 10. 6. 1909 in
Budapest, S. 239:
„Weil der physische Leib nun in der Atlantis noch weich war, so konnte er sich leichter den See lenvorgängen anschmiegen, es konnte die physische Gestalt größer oder kleiner werden. Wenn zum
Beispiel der Mensch der Atlantis dumm war oder sinnlich und so weiter, dann fiel er sozusagen in
die Materie hinein und wurde ein Riese an Gestalt. Die mehr geistigen Menschen gliederten sich
feiner heraus und waren kleiner an Gestalt, die Dummen waren groß. Die äußere Gestalt in ihrer
weichen Materie richtete sich viel, viel mehr nach den seelischen Kräften als heute, wo die Materie
starr geworden ist.“
Rudolf Steiner: „Geisteswissenschaftliche Menschenkunde“ GA 107, Vortrag vom 3. 5. 1909 in
Berlin, S. 284/285:
„In der atlantischen Zeit war der menschliche Leib noch nicht wie heute in feste Formen ge bannt, sondern es war noch so, dass geistig sehr bedeutende, hochentwickelte Menschen in der da maligen Zeit physisch klein waren, kleine Menschen waren. Dagegen hatte der, der geistig nicht
sehr bedeutend war, in der atlantischen Zeit einen riesig entwickelten Körper. Und man konnte,
wenn man damals einem solchen Riesen begegnete, sich sagen: Der steht auf keiner sehr hohen
Stufe der Geistigkeit, denn der ist mit seiner ganzen Wesenheit in den Leib hineingerannt! – Alles,
was in den Sagen von den „Riesen“ enthalten ist, beruht durchaus auf Erkenntnis der Wahrheit.
(...) Gerade in der Zeit, als die Atlantis anfing unterzugehen, da war ein großer Unterschied zwi schen den Menschen, die gut waren in ihren seelischen Eigenschaften und die ein kleiner Men schenschlag waren gegenüber den Riesengestalten, welche lasterhaft waren, bei denen alles ins
Fleisch gegangen war. Sogar in der Bibel können Sie noch Nachklänge dieser Tatsache finden,
wenn Sie suchen wollten.“
Über die anders abgelaufene Zeit
Rudolf Steiner: „Die Schöpfung der Welt und des Menschen; Erdenleben und Sternenwirken“
(Arbeitervorträge) GA 354, 4. Vortrag, Dornach, 9. 7. 1924, S. 61:
„Diese Tiere (Sibiriens Mammute, A.D.) leben heute nicht, das sind uralte Tiere. Diese Tiere
können auch ganz unmöglich langsam vereist sein; sie sind heute noch da als ganze Tiere. Das
kann nur dadurch geschehen sein, dass plötzlich, als die Tiere dort gelebt haben, eine mächtige
Wasserrevolution gekommen ist, die vereist ist gegen den Nordpol und diese Tiere auf einmal auf genommen hat. (...)
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Und wenn man so etwas wie die Alpen sich anschaut, dann muss man sich auch vorstellen, dass
das nicht Millionen von Jahren gedauert haben kann, sondern dass das verhältnismäßig kurz sich
abgespielt haben muss. Also muss in der Erde alles gebrodelt haben und gelebt haben – geradeso
wie es zugeht in einem Magen, nachdem man eben gegessen hat und dann anfängt zu verdauen.
Aber das kann nur im Lebendigen geschehen. Die Erde muss einmal lebendig gewesen sein. (...)
Diese großen Elefanten, die Mammuttiere, waren noch sozusagen wie Läuse auf dem alten Körper
der Erde, sind nur mit einer einzigen Welle, die vereist ist, zugrunde gegangen.“
Rudolf Steiner: „Die Schöpfung der Welt und des Menschen; Erdenleben und Sternenwirken“
(Arbeitervorträge) GA 354, 5. Vortrag, Dornach, 12. 7. 1924, S. 69:
„In Europa ist die Sache so, da ist vor heute etwa zehn-, zwölf-, fünfzehntausend Jahren erst die
Erde soweit fest geworden, der Boden, dass Menschen da wohnen konnten. Vorher waren nur Seetiere da, die aus dem Meer sich herausentwickelten und so weiter.“
Aus der Konferenz Rudolf Steiners vom 25. 9. 1919 mit den Lehrern der Freien Waldorfschule
Stuttgart S.19:
„Die Eiszeit, das ist die atlantische Katastrophe. Die ältere, mittlere und neuere Eiszeit, das ist
nichts anderes als das, was vorgeht in Europa, während die Atlantis untersinkt. Das ist gleichzei tig, also im 7., 8. Jahrtausend.“
12 a) Rud olf Steiner: „Mysterienwahrheiten und Weihnachtsimpulse“, GA 180:
„Wir haben jetzt die nach-atlantische Kultur, nicht wahr: ersten, zweiten, dritten, vierten, fünf ten Zeitraum, in dem sind wir jetzt. Dem geht voran die atlantische Kultur mit ihren sieben
Zeiträumen (siehe Zeichnung); dem geht voran die lemurische Kultur wiederum mit ihren sieben
Zeiträumen. Fassen wir einmal den siebenten Zeitraum der lemurischen Kultur ins Auge. Er liegt
ungefähr 25900 Jahre vor unserem Zeitraum. Es ist gegen 25000 bis 26000 Jahre her, dass dieser
siebente Zeitraum der lemurischen Zeit abgelaufen ist über die Erde hin.“ (Zum Vergleich: nach heutiger Zeitrechnung wären es nicht 26.000, sondern 65 Mio. Jahre!)
Zeitliche Parallelisierung der Erdepochen
Aus der Konferenz Rudolf Steiners vom 25. 9. 1919 mit den Lehrern der Freien Waldorfschule
Stuttgart S.19:
„Dann gehen wir dazu über, den Begriff davon hervorzurufen, wie der Osten von Amerika und
der Westen von Europa zusammenhängen, und dass das Becken des Atlantischen Ozeans einfach
Senkungsland ist. Von diesen Begriffen aus versuchen wir dann auf naturgemäße Weise klar zu ma chen, dass sich das im Rhythmus auf und ab bewegt. Von dem Begriff des Rhythmus gehen wir aus.
Wir zeigen, dass die britischen Inseln viermal auf und abgestiegen sind. Da kommen wir zurück zu
dem Begriff der alten Atlantis, auf geologischem Wege.
Dann können wir übergehen, indem wir versuchen, in den Kindern die Vorstellung hervorzuru fen, wie es anders war, als das eine da unten war, und das andre da oben. Wir gehen davon aus,
dass die britischen Inseln viermal auf und abgestiegen sind. Das ist einfach geologisch festzustel len an den Schichten. Wir versuchen also, diese Dinge in Zusammenhang zu stellen, aber wir dürfen nicht davor zurückschrecken, bei den Kindern von dem atlantischen Land zu sprechen. Wir dürfen das nicht überspringen. Auch im geschichtlichen Zusammenhang können wir daran anknüpfen.
Nur werden Sie dann die gewöhnliche Geologie desavouieren müssen . Denn die atlantische Katastrophe muss ja im 7. bis 8. Jahrtausend angesetzt werden.“ ...
S. 20: W. J. Stein: „...Der Anschluss ist sehr schwer zu finden hinter der Eiszeit. Wie ist das, was
die Wissenschaft sagt, in Parallele zu bringen mit dem, was die Geisteswissenschaft vertritt?“
Steiner: „Da finden Sie aber in den Zyklen Anhaltspunkte. Sie haben in der Tertiärzeit die erste
und zweite Säugetier-Fauna und Sie brauchen bloß das zu ergänzen, was über den Menschen gilt.
Sie können das schon parallelisieren. Die Tertiärzeit können Sie gut mit der Atlantis parallelisie 30
Atlantis-Aussagen von Rudolf Steiner
ren, und die Sekundärzeit (Mesozoikum, A. D.) können Sie parallelisieren im Wesentlichen, nicht
pedantisch, mit dem, was ich schildere als die lemurische Zeit. Da würde also die Sekundärzeit hin einkommen.“
Stuttgart, Konferenz vom 26. 9. 1919 S. 36:
Steiner: „Sie dürfen da nie pedantisch parallelisieren. Ja, wenn sie zu der Primitivform, zum
Urgebirge gehen, haben Sie die polarische Zeit. Die paläozoische entspricht der hyperboräischen
Epoche, auch da dürfen Sie nicht pedantisch die einzelnen Tierformen nehmen. Dann haben Sie das
mesozoische dem lemurischen im Wesentlichen entsprechend. Dann die erste und zweite Säugetierfauna oder das känozoische Zeitalter, das ist das atlantische Zeitalter. Das Atlantische ist nicht älter als etwa neuntausend Jahre. Diese fünf Zeitalter, das primitive, paläozoische, mesozoische, kä nozoische, anthropozoische können Sie also geradezu parallelisieren, aber nicht pedantisch.“
Die lemurische Feuerkatastrophe
Rudolf Steiner: „Aus der Akasha-Chronik“ GA 11, Kapitel: „Die lemurische Rasse“, S. 53:
„Der Platz der Erde, an dem dieser Stamm einer kommenden Menschenrasse herangebildet wur de, war dazu besonders geeignet. Er war ein solcher, in dem die damals noch sturmbewegte Erde
einigermaßen zur Ruhe gekommen war. Denn Lemurien war sturmbewegt. Die Erde hatte ja damals
noch nicht ihre spätere Dichte. Überall war der dünne Boden von vulkanischen Kräften unterwühlt,
die in kleineren oder größeren Strömen hervorbrachen. Mächtige Vulkane waren fast allerorten
vorhanden und entwickelten fortdauernd eine zerstörerische Tätigkeit. Die Menschen waren ge wöhnt, bei allen ihren Verrichtungen mit dieser Feuertätigkeit zu rechnen. Sie benutzten auch die ses Feuer bei ihren Arbeiten und Einrichtungen. Die Verrichtungen waren vielfach so, dass das
Feuer der Natur so als Grundlage diente wie heute das künstliche Feuer bei der menschlichen Ar beit.
Durch die Tätigkeit dieses vulkanischen Feuers ist auch der Untergang des lemurischen Landes
herbeigeführt worden.“
Rudolf Steiner: „Die Geheimwissenschaft im Umriss“ GA 13, Kapitel: Die „Weltentwickelung
und der Mensch“, S. 192:
„Nun war bei den niedriger stehenden Menschenarten der Lebensleib doch zu wenig geschützt,
um den Einwirkungen des luziferischen Wesens genügend widerstehen zu können. Sie konnten die
Willkür des in ihnen befindlichen Feuerfunkens des „Ich“ so weit ausdehnen, dass sie in ihrem
Umkreise mächtige Feuerwirkungen schädlicher Art hervorriefen. Die Folge war eine gewaltige
Erdkatastrophe. Durch die Feuerstürme ging ein großer Teil der damals bewohnten Erde zugrunde
und mit ihm die dem Irrtum verfallenen Menschen. Nur der kleinste Teil, der vom Irrtum zum Teil
unberührt geblieben war, konnte sich auf ein Gebiet der Erde retten, das bis dahin geschützt war
vor dem verderblichen menschlichen Einflusse.“
Rudolf Steiner: „Das Prinzip der spirituellen Ökonomie“, GA 109/111, Vortrag vom 10. 6. 1909
in Budapest, S. 237:
„Heute könnte in dieser Beziehung ein böser Mensch nichts Besonderes ausrichten. Damals war
das anders. Böse Gelüste in der Seele des Menschen hatten eine sichtbare magische Naturwirkung,
sie zogen die Kräfte des Feuers über und auf der Erde an, und der Mensch entflammte die Natur kräfte durch seine bösen Gelüste, seinen magischen Willen. Heute blitzt es nicht mehr dadurch; damals aber blitzte das Feuer durch die Luft, wenn die Menschen böse wurden.
Dadurch nun, dass Massen von Menschen böse wurden und der Mensch sich gar zu sehr dem
Einfluss der luziferischen Wesen hingab, zum Bösen sich neigte, wurden auf den Kontinenten der
Lemuria die Feuerkräfte entflammt, und die Lemuria ging unter durch die wütenden Feuermassen,
durch die Schlechtigkeit eines großen Teils seiner Bewohner.“
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Über die Eiweiß-Atmosphäre und den Kiesel in der Lemuris
Rudolf Steiner: „Mysteriengestaltungen“, GA 232, 5. Vortrag, Dornach, 1. 12. 1923, S. 74:
„...So dass eigentlich die Erde dazumal (in der lemurischen Zeit, A. D.) ganz umgeben war von
einer Eiweiß-Atmosphäre. Das heutige Eiweiß im Hühnerei ist viel gröber, aber es lässt sich schon
damit vergleichen.
Diese Erdenumgebung, die ist so geartet, dass, als später die Erde dichter wurde, da trennte
sich heraus, differenzierte sich heraus aus dieser Umgebung, was wir heute als Kohlenstoff, Was serstoff, Sauerstoff, Stickstoff und so weiter bezeichnen. Aber das war da drinnen nicht so, dass
man sagen kann, diese damalige Eiweiß-Atmosphäre war daraus zusammengesetzt, denn es hatte
diese einzelnen Stoffe nicht als Teile. Heute denkt man sich überhaupt bei allem: es sei zusammen gesetzt; aber das ist ein Unsinn. Dasjenige, was man als gewisse höher geartete Substanzen kennt,
das ist nicht immer aus dem zusammengesetzt, was dann erscheint, wenn man es analysiert, son dern die Dinge hören auf, in der höheren Substanz darinnen zu sein.“( ...)
„Das erste, was nun aus dem Kosmos herein sich bildete, das ist das, was ich gestern beschrie ben habe: die ersten Urgebirge. Die bildeten sich aus dem Kosmos herein. So dass die Quarze, die
Sie draußen im Urgebirge finden in ihrer schönen Gestalt, in ihrer relativen Durchsichtigkeit, ge wissermaßen vom Weltall in die Erde herein gebildet sind.“
S.75: “... Nur war das Quarzige, das Kieselsäure-Ähnliche, das da in die ganze Atmosphäre her eindrang und sich allmählich ablagerte als Urgebirge, nicht so hart wie heute. (...) das alles, was
sich da hereinbildete aus dem Weltall, war in der damaligen Zeit kaum härter als Wachs. (...) Als
träufelndes Wachs aus dem Kosmos kommen die Urgebirgsgesteine.“ ...
S. 76:„...Man findet Gesteine, man nimmt sie in die Hand, man schaut sie an und Sie haben in
ihnen so etwas, wie wenn in ihrem Innern ein Pflanzenbild wäre. ... Und dann gestaltete sich das
Eigentümliche heraus, dass das flüssige Eiweiß, das da war, diese Bilder ausfüllte; dadurch wur den sie wiederum etwas härter, etwas dichter; sie waren dann nicht mehr Bilder. Das Kieselige fiel
von ihnen weg, zerstreute sich in die übrige Atmosphäre, und wir haben in der ältesten lemurischen
Zeit die mächtigen schwimmenden, an unsere heutigen Algen erinnernden Pflanzenbildungen, die
nicht im Boden eingewurzelt waren – ein solcher Boden war überhaupt noch nicht da –, die in die sem flüssigen Eiweiß, aus dem sie ihre eigene Substanz herausbildeten, mit der sie sich durchdran gen, die in diesem flüssigen Eiweiß drinnen schwammen, aber nicht nur schwammen, sondern die
Sache war so, dass sie aufglänzten, möchte ich sagen, aufleuchteten, dann wieder vergingen, wie der da waren, wieder vergingen. Sie waren wandelbar; wandelbar bis zu dem Grade, dass sie ent standen und verschwanden.“ ...
S.78:„...Diese Pflanzen, die man da in der Atmosphäre sieht, die sind für die damalige Zeit Ab scheidungen, Absonderungen des Menschlichen. Der Mensch setzt das aus seiner Wesenheit, die
noch mir der ganzen Erde eines ist, heraus.“ …
Okkulte Irrtums-Möglichkeiten
Rudolf Steiner: „Die Theosophie des Rosenkreuzers“ GA 99, 4. Vortrag vom 28. 5. 1907 in
München, S.45:
„Die Akasha-Chronik ist zwar zu finden im Devachan, doch sie erstreckt sich herunter bis in die
astrale Welt, so dass man in dieser oft Bilder der Akasha-Chronik wie eine Fata morgana finden
kann. Sie sind aber oft unzusammenhängend und unzuverlässig, und das ist wichtig zu beachten,
wenn man Forschungen über die Vergangenheit anstellt (...) Hier ist ein Beispiel, wie leicht man
Irrtümern ausgesetzt ist. Wenn jemand verfolgt die astralischen Bilder der Akasha-Chronik, nicht
die devachanischen Bilder, dann kann ihm (...) eine Verwechselung passieren. Das ist wirklich der
Fall gewesen in den Angaben von Scott-Elliot über Atlantis, die zwar durchaus stimmen, wenn man
sie prüft in Bezug auf die astralischen Bilder, doch nicht mehr, wenn man sie anwendet auf die de vachanischen der wirklichen Akasha-Chronik. Das musste einmal gesagt werden. In dem Augen blick wo man erkennt, wo die Quelle der Irrtümer ist, kann man leicht zur wahren Schätzung der
Angaben kommen.“
32
Atlantis-Aussagen von Rudolf Steiner
Die Prüfung von Steiner-Angaben
Rudolf Steiner: „Die Mission einzelner Volksseelen“, GA 121, 11. Vortrag, Oslo, 17. 6. 1910 S
206:
„Was ich je gesagt habe über Zarathustra und Jesus von Nazareth, über Odin und Thor, über
den Christus Jesus selber, ich bitte Sie nicht, es zu glauben und meine Worte auf Autorität hin an zunehmen. Ich bitte Sie, sich abzugewöhnen das Autoritätsprinzip; denn vom Übel würde das Auto ritätsprinzip für uns werden.
Ich weiß aber ganz gewiss, wenn Sie anfangen, nachzudenken mit unbefangenem Wahrheitssinn,
wenn Sie sagen: das wird uns gesagt, prüfen wir die uns zugänglichen Urkunden, die Religionsund mythologischen Dokumente, prüfen wir, was uns sagt jegliche Naturwissenschaft, – so werden
Sie die Richtigkeit des Gesagten einsehen. Nehmen Sie alles zu Hilfe, und je mehr Sie zu Hilfe neh men können, umso besser. Ich bin unbesorgt. Was aus den Quellen des Rosenkreuzertums heraus
gesagt wird, Sie können es prüfen mit allen Mitteln. Prüfen Sie mit der materialistischen Kritik an
den Evangelien, was ich über den Christus Jesus gesagt habe, prüfen Sie, was ich über Geschichte
gesagt habe, an allen Quellen, die Ihnen zugänglich sind, prüfen Sie so genau als möglich mit den
Mitteln, die Ihnen für den äußerlich-physischen Plan zu Gebote stehen! Ich bin überzeugt, je ge nauer Sie prüfen, umso mehr werden Sie das, was aus den Quellen des Rosenkreuzermysteriums
heraus gesagt wird, der Wahrheit entsprechend finden. Darauf rechne ich, dass die Mitteilungen,
welche aus dem Rosenkreuzertum heraus gemacht werden, nicht geglaubt, sondern geprüft werden,
nicht oberflächlich, mit den oberflächlichen Methoden der gegenwärtigen Wissenschaft, sondern
immer gewissenhafter und gewissenhafter. Nehmen Sie alles, was die neueste Naturwissenschaft
mit ihren neuesten Methoden Ihnen bieten kann, nehmen Sie alles, was die historischen oder religi ösen Forschungen ergeben haben – ich bin unbesorgt. Je mehr Sie prüfen, umso mehr werden Sie
bewahrheitet finden, was aus dieser Quelle heraus gesagt worden ist. Sie sollen nichts auf die Au torität hin annehmen.“
Rudolf Steiner: „Die Geheimwissenschaft im Umriss“ GA 13, Vorbemerkungen zur ersten Aufla ge“, S. 12:
„Der Verfasser sagt es unumwunden: er möchte vor allem Leser, welche nicht gewillt sind, auf
blinden Glauben hin die vorgebrachten Dinge anzunehmen, sondern welche sich bemühen, das
Mitgeteilte an den Erkenntnissen der eigenen Seele und an den Erfahrungen des eigenen Lebens zu
prüfen. Er möchte vor allem vorsichtige Leser, welche nur das logisch zu Rechtfertigende gelten
lassen. Der Verfasser weiß, sein Buch wäre nichts wert, wenn es nur auf blinden Glauben angewie sen wäre, es ist nur in dem Maße tauglich, als es sich vor der unbefangenen Vernunft rechtfertigen
kann.“
* * *
Ich gestehe, das ich mit einer gewissen Lust am Provozieren in diesem Kapitel gerade solche
Steiner-Zitate zusammengestellt habe, die jeder, der sich auch nur in den gröbsten Grundzügen mo derner Wissenschaft auskennt, als unhaltbar ansehen muss. Ich will zeigen, dass es sich dabei also
nicht um einzelne wenige „Fehler“ handelt. Dies sind keine Ausrutscher, das ist Methode! Die heu tigen Anschauungen sprechen in erdrückender Weise gegen Steiner, Steiners Aussagen in er drückender Weise gegen die heutigen Anschauungen. Es sind aber nicht bloß Steiners Anschauun gen; es ist der Okkultismus insgesamt: „Die Esoterik der Weltreligionen unterscheidet sich, was ihren Konflikt mit der „rationalen“ Wissenschaft angeht, in nichts von den Impulsen Steiners.“ (Rüdiger Sünner: „Anthroposophie: Wissenschaft oder Wissenskultur?“ in „Info3“ 02/09)
Hätte die moderne Wissenschaft in ihren Ergebnissen Recht, stünde Steiner nicht nur als wissen schaftlich völlig naiv, sondern geradezu als gewissenlos da – ein Rattenfänger ohnegleichen. Aus
diesem Grunde sind manche Anthroposophen dazu übergegangen, Steiners Aussagen nur noch als
„Gleichnis“, als „Imagination“ anzusehen. Damit wird natürlich Rudolf Steiner zum Fantasy-Autor befördert, in den man alles hineinlesen kann.
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Zum methodischen Umgang mit Rudolf Steiners Aussagen möchte ich zum Schluss noch folgen de Bemerkung machen: Es gibt mindestens eine Stelle bei Rudolf Steiner, wo er ganz eindeutig absolut Unrecht hat. In GA 219 behauptet er nämlich auf S. 27, die Osterinsel sei untergegangen. Er
ist damals einer Zeitungsente aufgesessen, die er nicht durchschaut hat. Dies ist ein grobes Beispiel
(es gibt noch weitere), aber es zeigt, dass auch dem gläubigsten Steiner-Jünger eine gründliche Prü fung aller Aussagen Steiners nicht erspart bleibt. Da mag sich durchaus noch manches relativieren.
Hinzu kommen natürlich insbesondere bei Steiners frühen Vorträgen sehr viele Fehler und
Lücken in den Mitschriften, die durchaus sinnentstellend sein können, sowie bei allen Vorträgen
auf jeder Seite stilistische Glättungen der Herausgeber, die manche Aussagen auf subtile Art ins
Gegenteil verkehren können. Leider kann man bei keinem Vortrag, keinem Satz, den er nicht selber
durchgesehen hat, sicher sein, dass er das, was man liest, auch so gesprochen und gemeint hat.
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