Indikativ und Konjunktiv

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Indikativ und Konjunktiv
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INDIKATIV UND KONJUNKTIV
Normalerweise steht eine Aussage im Indikativ (= Wirklichkeitsform)
z.B. Wasser siedet bei 100°C.
Am frühen Morgen fuhren die Fischer aufs Meer.
In den folgenden Sätzen hingegen wird der Konjunktiv verwendet
(= Möglichkeitsform)
z.B. Peter sagt, er sammle Münzen.
Sebastian wäre gern ein berühmter Fußballstar.
Es gibt zwei Formen des Konjunktivs:
1) Konjunktiv I: -> wird gebildet von der Nennform bzw. Präsensform
des Verbs
z.B. Gebe Gott, dass du Recht hast. (geben -> Präs. ich
gebe, er gibt; Konj. I: er gebe)
Franz sagte, er kenne dich (kennen -> Präs. ich kenne,
er kennt; Konj.I: er kenne)
2) Konjunktiv II:-> wird gebildet von der Präteritumform des Verbs
Gäbe es doch endlich etwas zu essen! (gab -> Prät. es
gab; Konj.II: es gäbe)
Er hätte mich längst besuchen müssen. (hatte -> Prät. er
hatte; Konj.II: er hätte)
ÜBUNG 1:
Wird in den folgenden Sätzen Konjunktiv I oder Konjunktiv II verwendet?
1)
2)
3)
4)
5)
Wie wäre es mit einem kleinen Spielchen?
Wo kämen wir denn da hin?
Franz sagt, er habe Zahnschmerzen.
So wahr mir Gott helfe!
Ich würde mich freuen, wenn ich Sie besuchen könnte.
LÖSUNG:
1)
2)
3)
4)
5)
Konjunktiv
Konjunktiv
Konjunktiv
Konjunktiv
Konjunktiv
II
II
I
I
II, Konjunktiv II
1
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Der Konjunktiv ist schwierig anzuwenden. Nicht selten wird er in der
Umgangssprache heute bereits durch den Indikativ ersetzt, selbst wenn das nach den
Regeln der Grammatik falsch ist.
Die wichtigsten Anwendungsmöglichkeiten des Konjunktivs:
1. KONJUNKTIV I:
a) in der indirekten Rede:
direkte Rede:
indirekte Rede:
Der Kaufmann sagt: „Die Lieferung ist
noch nicht eingetroffen.“
Der Kaufmann sagt, dass die
Lieferung noch nicht
eingetroffen sei.
Der Kunde fragte: „Sind die Eier frisch?“
Johannes meinte: „Susanne bäckt
ausgezeichnete Kuchen.“
LÖSUNG:
Der Kunde fragte, ob die Eier frisch seien.
Johannes meinte, dass Susanne ausgezeichnete Kuchen backe.
Merke:
* In der direkten Rede steht der Satz so, wie er gesprochen wurde!
Anführungszeichen! Indikativ!
* In der indirekten Rede wird das Gesprochene nur berichtet! KEINE
Anführungszeichen! Konjunktiv!
Aufpassen:
direkte Rede:
indirekte Rede:
Der Bettler sagt: „Ich bin blind.“
Der Bettler sagt, dass er blind sei.
Der Bettler sagt, dass er blind wäre.
-> objektive Wiedergabe
des Gesagten OHNE
Wertung.
-> Der Bettler sagt das
zwar, aber ich glaube es
ihm nicht (Wertung
=> wird oft zur
Manipulation
verwendet...)
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Bis jetzt scheint die Verwendung des Konjunktivs I keine großen Probleme zu
bereiten....
ABER: Was passiert, wenn der Konjunktiv I genauso ausschaut wie der
Indikativ ???
Beispiel: Anna sagt: „Du hast meinen Bleistift gestohlen.“
Anna sagt, dass ich ihren Bleistift gestohlen habe.
WAS NUN???
•
wenn der Konjunktiv I gleich dem Indikativ ist, so muss der Konjunktiv
II verwendet werden!
also: Anna sagt, dass ich ihren Bleistift gestohlen hätte.
Meine Tante fragte: „Fahrt ihr dieses Jahr auf Urlaub?“
Meine Tante fragte, ob wir dieses Jahr auf Urlaub __________________.
Übrigens, es gibt auch Sätze, bei denen die indirekte Rede im Indikativ steht....!
* Der Lehrer sagte: „Rom ist die Hauptstadt von Italien.“
• Der Lehrer sagte, dass Rom die Hauptstadt von Italien IST.
(Grund: UNZWEIFELHAFTE TATSACHE!)
* Im Geographiebuch steht: „Die Sonne geht im Osten auf.“
• Im Geographiebuch steht, dass die Sonne im Osten ______________________.
Und noch etwas.....
Es ist NICHT notwendig, die indirekte Rede mit „dass“ einzuleiten!
Beispiel:
Klaus sagt: „Ich gehe ins Kino.“
• Klaus sagt, dass er ins Kino gehe.
(eingeleiteter Objektsatz -> Personalform an letzter Stelle)
• Klaus sagt, er gehe ins Kino.
(nicht-eingeleiteter Objektsatz -> Personalform NICHT an letzter
Stelle!!!)
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ÜBUNG 2:
Übertrage die folgenden Sätze in die indirekte Rede! Verwende den
Konjunktiv I! Achte auf den Personenwechsel!
1) Hans schrieb aus Italien: „Wir sind gestern hier angekommen.“
->
2) Das Kind schrie: „Ich suche meine Mutter.“ ->
3) Auf dem Schild stand: „Das Café schließt um 18.00 Uhr.“
->
4) Der Kommissar versprach: „Ich werde den Geldfälscher dingfest machen.“
->
b) Konjunktiv I wird auch verwendet, um Wünsche auszudrücken:
z.B.:
Julian lebe hoch!
Er möge uns das verzeihen!
Der Herr gebe uns Frieden!
2. KONJUNKTIV II:
a) in der indirekten Rede:
* wenn sich Indikativ und Konjunktiv I decken (siehe oben!):
Beispiel: Anna sagt: „Du hast meinen Bleistift gestohlen.“
-> Anna sagt, ich habe hätte ihren Bleistift gestohlen.
* wenn Zweifel an der Richtigkeit der Aussage ausgedrückt werden sollen
(siehe oben!):
Beispiel: Der Bettler sagt: „Ich bin blind.“
-> Der Bettler sagt, er wäre blind.
(= Er sagt es zwar, aber ich glaube es ihm nicht!)
LÖSUNG / Übung 2:
1)
2)
3)
4)
Hans schrieb aus Italien, dass sie gestern dort angekommen seien.
Das Kind schrie, dass es seine Mutter suche.
Auf dem Schild stand, dass das Café um 18.00 Uhr schließe.
Der Kommissar versprach, dass er den Geldfälscher dingfest machen werde.
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ÜBUNG 3:
Übertrage die folgenden Sätze in die indirekte Rede! Verwende den
Konjunktiv II! Achte auf den Personenwechsel!
1) Meine Freundin mahnte: „Du schreibst viel zu selten.“
->
2) Unser Nachbar meint: „Die leben hinter dem Mond.“
->
3) Wolfgang riet: „Wir müssen nun heim.“
->
4) Der Forscher berichtete: „Die Indios können an einer einfachen Erkältung sterben.“
->
LÖSUNG / Übung 3:
1)
2)
3)
4)
Meine Freundin mahnte, dass ich viel zu selten schriebe.
Unser Nachbar meint, dass die hinter dem Mond lebten.
Wolfgang riet, dass wir nun heim müssten.
Der Forscher berichtete, dass die Indios an einer einfachen Erkältung sterben könnten.
ÜBUNG 4:
Entscheide, ob in der indirekten Rede Konjunktiv I oder Konjunktiv II zu
verwenden ist!
1) Jürgen schrieb mir: „Ich erwarte dich am Bahnhof.“
->
2) Der Lehrer ermahnte uns: „Ihr sollt endlich ruhig sein!“
->
3) Die Marktfrau beteuerte: „Mein Gemüse ist taufrisch.“ (Und das, obwohl der Salat
schon ganz gelb ist...)
->
4) Mein Freund Philipp beklagte sich: „Du besuchst mich viel zu selten.“
->
LÖSUNG / Übung 4:
1)
2)
3)
4)
Jürgen schrieb, dass er mich am Bahnhof erwarten würde.
Der Lehrer ermahnte uns, dass wir endlich ruhig sein sollten.
Die Marktfrau beteuerte, dass ihr Gemüse taufrisch wäre.
Mein Freund Philipp beklagte sich, dass ich ihn viel zu selten besuchen würde.
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ACHTUNG:
Der Konjunktiv II kann auch mit „würde“ umschrieben werden...! Und zwar:
* wenn die Formen des Konjunktivs II altertümlich wirken:
Beispiel: Wenn ich dir hälfe, dann könntest du bald fertig sein.
-> Wenn ich dir helfen würde, dann könntest du bald fertig sein.
Wenn ich viel Geld gewänne, würde ich meinen Beruf aufgeben.
-> __________________________________, würde.....
Wenn man mir eine gute Stelle anböte, könnte ich meinen jetzigen Job an
den Nagel hängen.
-> ____________________________________, könnte ich.....
LÖSUNG:
Wenn ich viel Geld gewinnen würde, würde ich meinen Beruf aufgeben.
Wenn man mir eine gute Stelle anbieten würde, könnte ich meinen jetzigen Job an den Nagel hängen.
* wenn Indikativ und Konjunktiv II übereinstimmen:
Beispiel:
Wenn sie ins Theater gingen, holten sie euch ab.
-> Wenn sie ins Theater gingen, würden sie euch abholen.
-> Wenn sie ins Theater gehen würden, holten sie euch ab.
-> Wenn sie ins Theater gehen würden, würden sie euch abholen.
(richtig, aber STIL!)
LÖSUNG / Übung 5 auf Seite 7:
1)
2)
3)
4)
Konjunktiv potentialis (Möglichkeit)
Wunsch, dessen Erfüllung unmöglich ist
Konjunktiv potentiales (Möglichkeit ist ja noch gegeben)
Konjunktiv irrealis (Unmöglichkeit)
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b) Konjunktiv II drückt vorwiegend Nicht-Wirkliches oder zumindest
Unsicheres aus:
z.B. Wenn ich ein Vöglein wär, flög ich zu dir. (Ich bin aber kein Vogel!)
Hätte ich ihn doch nie gesehen! (Ich habe ihn aber gesehen.)
Du müsstest mehr lernen. (Ich bin mir aber nicht sicher, ob du es auch
tust.)
Klaus wäre sicher ein guter Tormann. (Ich nehme es jedenfalls an.)
Die wichtigsten Möglichkeiten sind hier unterschieden:
• Konjunktiv irrealis (Konjunktiv II drückt aus, dass etwas nicht wirklich bzw.
nicht (mehr) möglich ist):
Wenn ich genug Geld gespart hätte, könnte ich mir ein neues Fahrrad kaufen.
(Ich habe es aber nicht getan, deshalb wirds nix mit dem Fahrrad...)
•
Konjunktiv potentialis (Konjunktiv II drückt aus, dass etwas möglich ist):
Wenn ich eifrig sparte (= wenn ich eifrig sparen würde), könnte ich mir ein
Fahrrad kaufen.
(Ich hätte noch die Möglichkeit jetzt zu sparen, dann könnte es vielleicht noch
was werden mit dem Fahrrad...)
•
Konjunktiv II drückt einen Wunsch aus, dessen Erfüllung unmöglich oder
unsicher ist:
Hätte ich doch gespart, dann hätte ich jetzt ein neues Fahrrad. (Leider, leider....
ich hab mein Geld verprasst und so ists jetzt nix mit dem Fahrrad...)
•
Konjunktiv II wird verwendet, um etwas besonders behutsam oder
vorsichtig auszudrücken:
Könntest du mir bitte dein Fahrrad borgen? (anstatt: Borg mir bitte dein
Fahrrad!)
Sie dürften sich geirrt haben. (anstatt: Sie haben sich geirrt.)
ÜBUNG 5:
Überprüfe, ob in den folgenden Sätzen der Konjunktiv II die Möglichkeit (=
Konjunktiv potentialis) oder die Nichtwirklichkeit / Unmöglichkeit
(Konjunktiv irrealis) ausdrückt!
1) Wenn Sie mich freundlich fragten, würde ich Ihnen ein Geheimnis verraten.
2) Könnte ich doch noch einmal ein kleines Kind sein!
3) Wenn ich reich wäre, würde ich mir eine Villa auf Teneriffa kaufen.
4) Wenn die Pfanne nicht zugedeckt gewesen wäre, wäre das Fleisch verbrutzelt.
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