Bachelorarbeit Franziska Holm

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Bachelorarbeit Franziska Holm
Fachbereich Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung
Studiengang Early Education – Bildung und Erziehung im Kindesalter
Bachelorarbeit
zur
Erlangung des akademischen Grades
Bachelor of Arts (B.A.)
„Rituale im pädagogischen Alltag
als Hilfsmittel in Institutionen der frühen Kindheit“
Name:
Franziska Holm
URN:
urn:nbn:de:gbv:519-thesis2012-0065-3
Erstprüfer:
Prof. Dr. Heike Helen Weinbach
Zweitprüfer:
Prof. Dr. phil. Marion Musiol
Abgabe:
02.Juli 2012
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Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
3
THEORETISCHER TEIL
5
1.Kapitel: Begriffsbestimmung
5
1.1 Definition Ritual
5
1.2 Sinn von Ritualen
6
1.3 Arten von Ritualen
7
2. Kapitel: Selbstreflexion
8
3.Kapitel: Rituale im pädagogischen Alltag
11
3.1 Rituale in pädagogischen Konzeptionen
12
3.2 Den pädagogischen Alltag mit Ritualen gestalten
13
3.2.1 Morgen/Abschiedsrituale
14
3.2.2 Tischrituale
15
3.2.3 Schlafrituale
18
3.2.4 Morgenkreis
20
3.2.5 Rituale als Alltagshelfer
21
4.Kapitel: Rituale im Jahreskreis
23
4.1 Das Jahr feiern
23
4.1.1 Feste im Jahreskreis
23
4.1.2 Geburtstage feiern
24
4.1.3 Feste individuell gestalten
25
4.2. Mit Ritualen Transitionsprozesse gestalten
26
4.2.1 Der Übergang von der Familie in die Krippe
28
4.2.2 Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule
32
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5.Kapitel: Rituale und ihre Wirkung
35
5.1 Rituale und ihre Bedeutung für Kinder
36
5.2 Die Bildungswirkung von Ritualen
38
5.3 Rituale als Entwicklungshilfen
40
5.4 Entwicklungshemmende Rituale
42
5.4.1 Typologie „schlechter“ Rituale
43
5.4.2 Wenn aus Ritualen Zwänge werden
45
5.4.2.1 Zwänge bei Kindern
46
5.5 Kita - Alltag gestalten – feste Strukturen oder komplette Öffnung?
48
EMPIRISCHER TEIL
50
1.Kapitel: Vorstellung der empirischen Methoden
50
2.Kapitel: Methodisches Vorgehen
54
3.Kapitel: Ergebnisse der Datenerhebungen
55
4.Kapitel: Auswertung der Ergebnisse
64
4.1 Schlussfolgerungen
65
4.2 Fehleranalysen
68
SCHLUSSTEIL
69
LITERATURVERZEICHNIS
71
ANHANG
75
Anlage 1 -
Anschreiben
76
Anlage 2 -
Fragebogen
77
Anlage 3 -
Fragebogenauswertung
80
Anlage 4 -
Diagramme
87
Anlage 5 -
Protokolle der teilnehmenden Beobachtung
92
Eidesstattliche Erklärung
105
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„Ich habe keine Rituale –
bis auf Sachen, die man immer wieder gleich macht.“
(Michael Ballack)
Einführung
Geregelte Tagesabläufe und tägliche Routine wirken sich positiv auf das seelische
Wohlbefinden aus, so ein Ergebnis der AOK-Familienstudien 2010. Werden Tagesabläufe mit Hilfe von Ritualen gestaltet, tragen diese dazu bei, dem Alltag eben
solche feste und geordnete Strukturen zu geben und ihn so für den Einzelnen vorhersehbar zu machen. Obwohl eine Vielzahl, ich möchte gar meinen der Großteil
der Leute ihren Alltag oder bestimmte Ereignisse ihres Lebens nach von ihnen
festgelegten Strukturen und gleichbleibenden Abläufen gestalten, nehmen nur die
wenigsten ihre täglichen Rituale wirklich als solche wahr bzw. benennen diese so.
Dies ist zum Einen der Tatsache geschuldet, dass viele Menschen den Begriff Ritual mit Religion in Verbindung bringen und damit automatisch an starre und veraltete Zeremonien denken. Zum Anderen sind Verhaltensweisen solcher Art bei vielen Leuten schon in einem Ausmaß manifestiert, dass sie oft in der Lage sind, diese mechanisch zu vollziehen, mit der Konsequenz, dass Rituale zum Automatismus werden und die Beteiligten immer weniger über ihre Riten nachdenken und
reflektieren. Erst wenn das Vorgehen verändert oder vergessen wird, merken die
meisten Leute, dass etwas anders ist. Augenscheinlich fehlt etwas.
Bei Vorüberlegungen zu dieser wissenschaftlichen Arbeit fielen auch mir zahlreiche Situationen ein, in denen ich in Praktika oder im Privaten an Ritualen teilnahm
bzw. sie selber gestaltete, ohne näher darüber nachzudenken, was hinter meinem
Handeln und somit hinter dieser „Alltäglichkeit“ steckt. Rituale werden eingesetzt
und vollzogen, weil sie einen bestimmten Sinn verfolgen, so auch in der Erziehung
und Bildung von Kindern. Damit sich dieser Sinn aber auch ergibt muss ein Bewusstsein darüber entwickelt werden, was sich hinter dem Begriff Ritual verbirgt
und welche Effekte man mit ihnen erzielen kann. Daraus resultierend drängte sich
mir die Fragestellung auf, welche Bedeutung Rituale für Erzieher haben, verbunden mit der Frage, welchen Stellenwert sie im pädagogischen Handeln einnehmen
– werden diese bewusst vollzogen oder handelt es sich um starre Angewohnheiten, die durchgeführt werden, weil sie eben da sind? Vor diesem Hintergrund
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möchte ich mich in meiner Bachelorarbeit mit dem Thema Rituale beschäftigen.
Diese sollen im Zusammenhang mit der pädagogischen Praxis in frühkindlichen
Institutionen betrachtet werden. Deshalb trägt meine Arbeit den Titel: „Rituale im
pädagogischen Alltag als Hilfsmittel in Institutionen der frühen Kindheit“.
Unter der Fragestellung: „Inwieweit bestimmen Rituale den Alltag frühkindlicher
Institutionen und welche Wirkungen erzielen sie?“ soll das Thema „Rituale“ näher
beleuchtet werden.
Dazu werde ich in einem theoretischen Teil beginnend auf den Begriff Ritual eingehen und in dem Zusammenhang den Sinn und exemplarisch verschiedene Arten von Ritualen näher betrachten. Im zweiten Kapitel werde ich mich und meine
eigenen Erfahrungen mit Ritualen reflektieren, ehe ich mich im dritten mit Ritualen
im pädagogischen Alltag auseinandersetze. Neben allgemeinen Aspekten möchte
ich überprüfen, ob und inwieweit Rituale in pädagogischen Konzepten vertreten
sind bevor ich dann einige Rituale aus frühkindlichen Institutionen beispielhaft beleuchten werde. Im vierten Kapitel möchte ich mich schließlich mit Ritualen innerhalb des Jahreskreises auseinandersetzen. Dabei wird der Fokus neben dem Feiern von Festen und Geburtstagen vor allem auf die Gestaltung von
Transitionsprozessen mit Hilfe von Ritualen liegen. Im fünften Kapitel des theoretischen Teils werde ich auf Rituale und ihre Wirkung eingehen. Dieser Abschnitt
schließt unter anderem die Bildungswirkung von Ritualen sowie ihre Bedeutung für
Kinder ein. Desweiteren werde ich Rituale zum Einen als Entwicklungshilfen, und
zum Anderen als Entwicklungshemmer betrachten.
Um eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis herzustellen möchte ich in einem zweiten empirischen Teil den aktuellen Zustand in der Praxis beleuchten. Es
ist meine Absicht die Vielfalt von Ritualen aufzeigen und die durch ihren Einsatz
erzielte Wirkung, vor allem in Bezug auf Kinder zu untersuchen. Zielsetzung der
Arbeit soll eine Vorstellung verschiedenster Rituale sowie deren kritische Betrachtung und ihrer Wirkung sein, immer hinsichtlich ihrer Anwendung in frühkindlichen
Bildungsinstitutionen. Diese Bachelorarbeit soll kein Ratgeber für verschiedene
Rituale und deren Anwendung werden, sondern durch Beleuchtung theoretischer
Aspekte in Verbindung mit praktischen Gesichtspunkten dazu beitragen, das Bewusstsein und die Sensibilität für diese Thematik anzuregen und zu schärfen.
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Um den Lesefluss zu erhalten werde ich im Laufe der Arbeit stets die maskuline
Form für pädagogische Fachkräfte verwenden. Feminine Formen sind damit ebenfalls angesprochen. Genauso werden mit dem Begriff „Kinder“ immer Jungen wie
Mädchen gleichermaßen angesprochen.
THEORETISCHER TEIL
1.Kapitel: Begriffsbestimmung
1.1 Definition Ritual
Die große Bedeutung und Wichtigkeit von Ritualen wird in vielen Kontexten hervorgehoben, eine allgemein gültige Definition darüber was ein Ritual ist, ist jedoch
schwer zu finden. Rituale existieren bereits seit Beginn der Menschheit in allen
Kulturen und sind auch heute noch überall auf der Welt in großer Vielfalt zu finden.
Man spricht deshalb auch davon, dass es sich bei rituellem Handeln um archetypisches sprich um genetisch verankertes, evolutionär erworbenes Verhalten handelt (vgl. Kaufmann-Huber 2001, S. 11). Trotzdem war der Begriff Ritual(e) in den
60er und 70er Jahren lange verpönt, da man ihn in dieser Zeit mit sinnentleerten
Traditionen und überholten kirchlichen wie volkstümlichen Bräuchen gleichsetzte.
Diese Gedanken haben sich allerdings inzwischen verworfen, sodass sich Wissenschaft wie Praxis wieder zunehmend der Thematik annehmen (vgl. Kunze/Salamander 2009, S.9).
Laut Langlotz und Bingel bezeichnen Rituale bewusst wiederholte Vorgehensweisen, die von der Wiederkehr leben, wodurch sie Zeit rhythmisieren und Struktur
wie Raum schaffen. Deshalb eignen sie sich besonders dazu, den Alltag mit Kindern bewusster zu gestalten und so gezielt Alltagskultur zu prägen (vgl.
Langlotz/Bingel 2008, S.4) Dabei unterliegen Rituale einem bestimmten Schema
und folgen damit einem festen Ablauf, der allen Beteiligten bekannt ist. Von wem
Form und Ablauf des Rituals festgelegt wurden, ist dabei zweitrangig (vgl. Kunze/Salamander 2009, S.9-10). Durch ihre symbolische Bedeutung lassen sich Rituale deutlich von Gewohnheiten unterscheiden. „Die Gewohnheit Zähneputzen
beispielsweise hat den Zweck, die Zähne zu reinigen, mehr nicht. Eine Ritualhand
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lung hingegen hat eine Tiefendimension. Sie macht über die bloße Handlung hinaus Beziehungen deutlich und vollzieht Beziehung.“ (Bischöfliches Ordinariat
2010, S.13)
Dass es sich bei der Durchführung eines Rituals um eine besondere Situation
handelt zeigen vor allem die besonderen Umstände an, mit denen rituelles Handeln oft verbunden ist. So werden Rituale etwa an einem besonderen Ort oder zu
einer bestimmten Zeit durchgeführt. Desweiteren nutzen die Teilnehmer bestimmte Gegenstände, Worte oder Verhaltensweisen, die das Ritual zu einer speziellen
Situation werden lassen (vgl. Imber-Black u.a. 2001, S.21).
Aus diesen Gedanken heraus stellt sich die Frage, warum Rituale vollzogen werden und vor allem welcher Sinn mit ihnen verfolgt wird.
1.2 Sinn von Ritualen
„Die Funktion des Rituals, wie ich es verstehe, ist, dem menschlichen Leben Form
zu verleihen und zwar nicht durch ein bloßes Ordnen auf der Oberfläche, sondern
in seiner Tiefe.“ (Joseph Campell, amerikanischer Mythenforscher)
Blickt man zurück, so sind Rituale vor allem in Krisensituationen zu finden, in Momenten, denen Menschen Angst machten und in welchen sie sich auf etwas Neues einstellen mussten. In diesem Zusammenhang wurden etwa Fruchtbarkeitsrituale durchgeführt, die vor Missernten bewahren sollten oder Rituale vollzogen, welche die Götter gnädig stimmen sollten (vgl. Kaufmann-Huber 2001, S.10f.). Rituale
hatten also den Sinn das Leben der Menschen in Krisensituationen zu ordnen und
sie von Existenzängsten zu befreien.
In unserer heutigen Zeit verfolgt man mit der Anwendung von Ritualen zwar weniger mit dem Sinn, Existenzängste zu mildern bzw. Existenzen zu sichern, doch
besinnen sich noch immer viele Menschen in Krisensituationen auf sie. Darüber
hinaus werden sie vor allem vollzogen, um das menschliche Bedürfnis nach verlässlichen Strukturen und Regeln im Alltag zu befriedigen. So strukturieren sie
zum Einen Handlungsverläufe indem sie einen klaren Anfang, Ablauf und ein deutliches Ende vorgeben, als auch das menschliche Zusammenleben und fungieren
damit als Bindeglied für Gruppen und Gesellschaft. Dementsprechend vermitteln
sie etwa Umgangsformen, wie z.B. das in unserer Kultur verbreitete Händeschüt
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teln zur Begrüßung und zur Verabschiedung und erleichtern somit das gesellschaftliche Leben (vgl. Kunze/Salamander 2009, S.11/20). Auf diese Weise können Rituale Menschen zusammenbringen indem sie Leute in Gruppen einbeziehen oder aber auch ausschließen. So stärken sie das Zusammengehörigkeitsgefühl und tragen damit entscheidend zur Identitätsbildung bei. Ihre festgelegte Form
und der sich wiederholende Charakter schafft Gewohnheit und vermittelt Sicherheit, was etwa dazu beitragen kann, schwierige Situationen zu überstehen, Veränderungen zu verarbeiten oder Ängste zu begrenzen bzw. ganz und gar zu
überwinden (vgl. Kränzle u.a. 2006, S.263).
Rituale stellen einen Erwartungsrahmen. Durch diesen von Wiederholungen und
Vertrautheit gekennzeichneten Rahmen schaffen sie Ordnung und geben Halt.
Rituale helfen auf diese Weise dabei, sich im Alltag zu orientieren (vgl. Greine/Rodner 2009a, S.3). Desweiteren kann durch stetiges Wiederholen bereits Bekanntes verfestigt oder in neue Verhaltensweisen und Handlungen umgewandelt
werden. Dadurch tragen Rituale zur Bedeutungserweiterung bei (vgl. Imber-Black
u.a. 2001, S.28).
Letztlich haben Rituale auch immer den Sinn, alte Gebräuche und Traditionen
über Generationen hinweg weiterleben zu lassen. Auf diese Weise tragen sie dazu
bei, Werte und Normen auszubilden, an denen wir uns in unserem Leben orientieren können. Rituale tragen damit dazu bei, unsere Traditionen zu pflegen (vgl.
Greine/Rodner 2009a, S.3).
Es gibt verschiedene Situationen, in denen Rituale als Machtmittel missbraucht
werden, etwa um zu disziplinieren, zu reglementieren, zu manipulieren oder soziale Kontrolle auszuüben. Dies ist allerdings weder Ziel noch Sinn von Ritualen. Sie
sollen sinnstiftende Handlungen kreieren, die für alle Mitwirkende bedeutsam sind.
Andernfalls können Rituale Ausgangspunkt negativer Erfahrungen werden, woraus sich ihnen gegenüber Abwehrhaltungen entwickeln können (vgl. Langlotz/
Bingel 2008, S.9).
1.3 Arten von Ritualen
Je nach Kultur und Situation lassen sich in Alltag und Praxis sich eine Vielzahl an
unterschiedlichen Ritualen in ihrem Typ und ihrer Funktion unterscheiden. Im Fol
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genden möchte ich zum besseren Verständnis kurz drei Arten von Ritualen vorstellen, die im Verlauf meiner Arbeit und meiner Meinung nach im pädagogischen
Alltag von besonderer Relevanz sind.
Bei dem wohl am regelmäßigsten anzutreffende Ritual handelt es sich um das
Alltagsritual. Dieses kann überall dort sinnvoll sein, wo es darum geht, den Alltag
harmonischer zu gestalten, Entspannung zu schaffen und ein größeres Gefühl von
Sicherheit zu geben (vgl. Ersfeld 2011). So kann etwa der Kindergartentag jeden
Morgen mit einem Alltagsritual (beispielsweise mit einem Morgenkreis) begonnen
werden, welches die Kinder willkommen heißt und ihnen somit die nötige Sicherheit und Motivation für den Tag gibt (vgl. Bischöfliches Ordinariat 2010, S.14).
Andere Rituale wiederum begegnen uns nicht täglich, sondern nur einige Male, oft
sogar nur ein Mal im Jahr. Diese Rituale im Jahreskreis, auch Jahresrituale genannt, verbinden uns bewusst mit den angelegten Rhythmen der Natur und schaffen so besondere Struktur im Jahr (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.33). Unter diesen
Riten sind bzw. Rituale wie Geburtstage, Feste wie Weihnachten und Ostern oder
das jährliche Abschiedsfest im Kindergarten zu verstehen.
Von ebenfalls großer Bedeutung im pädagogischen Handeln sind Übergangsrituale. Sie sind überall dort zu finden, wo Lebensübergänge bevorstehen und sollen
helfen den Übergang im Leben gefühlsmäßig zu verarbeiten (vgl. Ersfeld 2011).
So kann etwa der Übergang von der Familie in die Tageseinrichtung oder die
Transition vom Kindergarten in die Grundschule bewusst mit Ritualen gestaltet
werden. Auf diese Weise erleben Kinder den Übergang intensiver und das Loslassen sowie der damit verbundene Identitätswechsel wird ihnen erleichtert (vgl.
Langlotz/Bingel 2008, S.68).
2.Kapitel: Selbstreflexion
Erste Vorüberlegungen und zunehmende Kenntnisse über das Thema regten mich
dazu an, mich und meine persönlichen Erfahrungen mit Ritualen zu reflektieren.
Etwas, was mich in meiner Entwicklung und in meinem „So-geworden-sein“ entscheidend geprägt hat, war die religiöse Erziehung, die ich genossen habe. Als
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Tochter eines zum Teil katholisch geprägten Elternhauses erfuhr und erlebte ich
eine Vielzahl an religiösen Ritualen, die mein Leben stets begleiten und mich in
Lebensereignissen unterstützen. So teilten die Ereignisse Taufe, Erstkommunion
und Firmung und die jeweiligen Vorbereitungen darauf mein Leben in für mich
überschaubare Etappen ein, die mir das Erwachsenwerden vor Augen führten und
greifbarer machten. Dabei erfuhr ich es stets als sehr unterstützend und positiv,
bei all diesen Ritualen immer jemand (einen sogenannten Paten) an meiner Seite
zu wissen. Dieser unterstützte und begleitete mich bei all diesen Schritten. Bei
weltlichen Übergangsritualen wie etwa der Jugendweihe ist so etwas zu vermissen. Dabei beschränkte sich das Verhältnis zu meinem Paten nicht nur auf die
religiöse Ebene. Durch diese religiösen Rituale wurde mir ein Mensch an meine
Seite gestellt, der mich bisher durch mein ganzes Leben begleitet hat und zu dem
ich in meinen Augen eine besondere und irgendwo auch einzigartige Beziehung
pflege. Desweiteren erlebte ich eine Vielzahl an religiösen Ritualen durch die katholische Kindertageseinrichtung, die ich 5Jahre lang besuchte. Dabei sind mir die
morgendlichen Runden, in denen jedes Kind die Gelegenheit hatte Gott mitzuteilen, was es gerade beschäftigt oder ein Gebet bzw. eine Bitte vorzutragen besonders in Erinnerung geblieben. Zum Einen vermittelten sie mir ein enormes Gefühl
von Gemeinschaft. Zum Anderen beruhigte es mich als Kind zu wissen, dass es
jemanden gibt, der fähig ist, auf mich, meine Familie und alle Menschen aufzupassen. Gerade in einem Alter, in dem man als Kind erkennt, dass die Eltern nicht
wie lange geglaubt allmächtig sind und alles zum Guten wenden können kann der
Glaube an eine höhere Macht so manche Angst nehmen. Zu wissen, dass es in
meinem Leben immer etwas geben wird, an das ich mich halten kann, gibt mit
auch heute noch in vielen Situationen Sicherheit.
Ein Ritual, das mich bis zum Ende meiner Schulzeit begleitet hat, war das morgendliche Wecken durch meine Eltern. Jeden Morgen kam meine Mutter zur gleichen Zeit in mein Zimmer und weckte mich auf immer die gleiche Weise, danach
ging sie zu meinem Bruder. Schon wenn ich sie noch im Halbschlaf vor meiner
Zimmertür hörte, wusste ich was gleich folgte. Danach ging sie nach unten um das
Frühstück vorzubereiten. Für mich jedoch noch kein Grund aufzustehen, denn ich
wusste, dass gleich mein Vater das Zimmer betreten würde, um mich mit dem
immer gleichen Guten-Morgen-Lied zu wecken. Dann wusste ich, dass es Zeit
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zum Aufstehen ist. Ich genoss diesen morgendlichen Ablauf sehr, er strukturierte
unseren Tagesbeginn und trug in meinen Augen dazu bei, dass er meist harmonisch und stressfrei ablief. Im späteren Verlauf änderte sich unser morgendliches
Ritual etwas, bedingt durch neue Arbeitszeiten meines Vaters. Er konnte länger
schlafen, so dass ich es nun war, die ihn jeden Morgen weckte, bevor ich nach
dem Frühstück ins Bad ging. Meist packte ich ihn am großen Zeh und zog dran. Er
war zu dem Zeitpunkt oft bereits wach, doch wartete meist immer noch mit dem
Aufstehen, bis ich ins Zimmer kam. Bin ich jetzt zuhause und es bietet sich die
Situation, dass wir alle zusammen aufstehen, genieße ich es, wenn meine Eltern
unser altes Ritual wiederholen und mich morgens auf die gleiche Art wecken wie
früher.
Ein Ritual, für mich von sehr hoher Bedeutung, ist Weihnachten. Der Heilige
Abend muss für mich möglichst jedes Jahr gleich sein und nach selben Ablauf erfolgen. Das impliziert, dass ich mit meinem Vater den Baum aufstelle und diesen
schmücke, genauso wie den Zeitpunkt wann gegessen und wann und wo zur Kirche gegangen wird. In den letzten Jahren hat meine Familie versucht innerhalb
des Abends etwas zu variieren, aber so gut gefallen wie unsere Ursprungsvariante
hat es nie, sodass wir in diesem Jahr wieder alles wie immer machen wollen.
Von meinem Standpunkt aus kann ich sagen, dass ich Rituale meist positiv erlebte
und mir auch nach längerer Reflexionszeit keine Situation eingefallen ist, welche
mich ausgehend von erlebten Ritualen Abwehrhaltungen oder ähnliches entwickeln ließ, wobei ich mir im Klaren darüber bin, dass dies durchaus gängig ist. Ich
erlebte die gemeinschaftsstiftende Wirkung von Ritualen, erfuhr durch sie Sicherheit und Struktur und lernte es zu schätzen, wenn man sich auf etwas verlassen
kann. Trotzdem habe ich die wichtige Erfahrung gemacht, dass man Rituale auch
mal verändern muss, entweder um sich neuen Gegebenheiten anzupassen oder
altes wieder schätzen zu lernen um so den richtigen Weg für sich zu finden. Diese
Gedanken möchte ich mir für mein späteres berufliches Wirken behalten um so
die Kraft von Ritualen optimal für mich nutzen zu können, ohne dabei im Handeln
zu erstarren.
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3.Kapitel: Rituale im pädagogischen Alltag
„Ein erheblicher Teil der Bildung von Kindern und Jugendlichen vollzieht sich in
Ritualen.“ (Wulf u. et al 2004, S.8) Folgt man diesem Zitat, so müssten sich, ausgehend vom Bildungsauftrag frühkindlicher Institutionen, im Alltag von Kindertagesstätten eine Fülle von Ritualen wiederfinden.
Rituale bilden das Grundgerüst des pädagogischen Alltags (vgl. Hielscher 2011,
S.7). Diese Aussage deckt sich mit Angaben pädagogischer Fachkräfte, die mir
bestätigten, dass Rituale einen hohen Stellenwert in ihrem pädagogischen Handeln inne haben und so Kindern wie Erziehern im täglichen Kitaleben Halt und
Struktur geben. Dabei geht es jedoch nicht darum möglichst originelle oder zeitaufwändige Rituale zu finden, sondern diese regelmäßig, verlässlich und liebevoll
einzusetzen. Nur auf diese Weise erfüllen Rituale ihren eigentlichen Sinn (vgl.
Kunze/Salamander 2009, S.24). Da jedes Kind individuelle Bedürfnisse und Vorlieben sowie Abneigungen hat sollten sowohl diese, als auch Gruppenbedürfnisse
Grundlage für die Entscheidung sein, wann, wie und welche Situationen bewusster mit Ritualen gestaltet werden soll. Um diesem möglichst nahe zu kommen ist
es deshalb sinnvoll, die Kinder, die im Späteren die „Konsumenten“ des Rituals
sein werden von Beginn an, in die Planung mit einzubeziehen. Diese Form der
Partizipation lässt Kinder nicht nur spüren, dass sie ernst genommen werden und
ihre Meinungen und Ideen Anklang finden, sondern ermöglicht es den Sinn des
Rituals für die Kinder greifbarer zu gestalten und diese so intensiver zu erleben
(vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.8-9). Zudem sollten Erzieher in engen Austausch mit
den Eltern der Kinder stehen um zu erfahren, welche Rituale zuhause vollzogen
werden (vgl. Neuß 2011, S.108). Auf diesem Weg können Rituale aus dem Privaten der Kinder mit in den Gruppenalltag integriert bzw. miteinander kombiniert
werden.
Von Erziehern ist dann darauf zu achten, dass einmal eingeführte Rituale auf
möglichst immer gleiche Weise beibehalten und nicht stetig verändert werden. So
lernen Kinder wann sie mit welchem Ritual rechnen können, was Erwartung und
Vorfreude entstehen lässt (vgl. Bäcker-Braun 2011, S.16). Zudem sollten pädagogische Fachkräfte Rituale weder als Belohnung, noch zur Bestrafung einsetzen,
sprich eventuell ein sonst fest im Tagesablauf verankertes Ritual ausfallen lassen,
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um ein oder mehrere Kinder damit zu bestrafen. Nur wenn Rituale stets kontinuierlich ausgeführt werden können sie ihre volle Kraft und Sicherheit entfalten (vgl.
Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S. 23).
Werden diese grundlegenden Gedanken von Erziehern beachtet tragen Rituale
dazu bei, die einzelnen Wochentage, Aktivitäten und Themen im pädagogischen
Alltag zu ordnen. So können sich die Kinder darauf verlassen, dass das eine Ereignis an einem festen Tag stattfindet, was ihnen hilft ein Gefühl für Zeit zu entwickeln. Desweiteren muss nicht jeder Tag von den Pädagogen komplett neu geplant werden, wodurch sie Hilfestellung bei der Tagesgestaltung erhalten (vgl.
Langlotz/Bingel 2008, S.23). Auf diese Weise wissen Kinder, Erzieher und möglichst auch die Eltern was jeden Tag wann zu erwarten ist. Demzufolge verhelfen
Rituale zu einem vorhersehbaren und wohltuenden Tagesrhythmus.
3.1 Rituale in pädagogischen Konzeptionen
Es ist auffällig, dass trotz des hohen Stellenwertes den viele Pädagogen Rituale in
ihrem Handeln einräumen, in den Bildungskonzeptionen und Rahmenplänen der
Bundesländer keine ausführlichen Ausführungen zu diesem Thema zu finden sind.
So sind lediglich vereinzelnd kurze Einschiebungen bezüglich dieser Thematik zu
finden.
In der Bildungskonzeption Mecklenburg-Vorpommerns wird etwa empfohlen, Rituale als Hilfsmittel zu nutzen, um den Kindern so die Eingewöhnung in die Kindertagesstätte zu erleichtern (vgl. Bildungskonzeption MV, Übergänge bewältigen
S.6). Desweiteren wird die Relevanz von Ritualen bei der Gestaltung des Alltages
hervorgehoben. „Rituale sind von Bedeutung bei der bewussten Gestaltung des
Alltags, des Lebens und um Werte zu pflegen, z.B. Rituale zur Begrüßung, zum
Abschied, oder die gemeinsamen Mahlzeiten am Tisch.“ (Bildungskonzeption MV,
Wertorientiert handelnde Kinder, S.5). Desweiteren werden die Fachkräfte dazu
angehalten, zusammen mit den Kindern die Bedeutung von traditionellen Ritualen
zu erkunden und gemeinsam zu überlegen, welche Rituale für die Gruppe übernommen werden sollen (vgl. Bildungskonzeption MV, Wertorientiert handelnde
Kinder, S.12). Auch wird den Erziehern empfohlen, sich untereinander abzusprechen, welche Rituale fest im Tagesablauf verankert werden sollen, um so auf der
einen Seite Sicherheit im Alltag zu schaffen und um auf der anderen Seite zu ver
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hindern, dass diese eventuell Kinder, Eltern oder Mitarbeiter einengen (vgl. Diakonie Mitteldeutschland 2009, S. 107). Im Berliner Bildungsprogramm wird dieser
Aspekt ergänzt indem Fachkräften außerdem geraten wird sich auch mit den Eltern der Kinder im Anmeldegespräch über eventuell im Privaten praktizierte Rituale auszutauschen, um diese dann nach Möglichkeit in den Kitaalltag zu integrieren
(vgl. Berliner Bildungsprogramm S.110-111). Der bayrische Bildungsplan beschreibt Rituale darüber hinaus als Hilfsmittel, mit denen Fachkräfte ihrer Einrichtung eine persönliche Note verleihen können. Zudem eignen sie sich, um Kindern
beispielsweise eigene Identitätswandel erlebbar zu machen, da sie ihnen eine
spielerische Bewältigung der komplexen Situation ermöglichen (vgl. bayrischer
Bildungsplan S.110-111).
In der Pikler-Pädagogik ist zwar nicht ausdrücklich von Ritualen zu lesen, jedoch
heißt es in den Grundsätzen, dass Beständigkeit und immer wiederkehrende
Handlungen zu einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung des Kindes beitragen,
da es auf diese Weise Sicherheit und Vertrauen erfährt, was dem Wesen von rituellen Handeln entspricht (vgl. Neuß 2001, S.61). Desweiteren sollen laut Pikler
Sicherheit und Verlässlichkeit durch regelmäßige Tagesstruktur mit vorhersagbaren Gegebenheiten gewährleistet werden (vgl. Von Gosen/Wettich 2009, S.12).
Resultierend lässt sich sagen, dass Ritualen in den untersuchten Konzeptionen
keine zentrale Rolle eingeräumt wird. Zwar wird oft deren hohe Bedeutung erwähnt und wann es möglich wäre sie einzusetzen, doch bin ich auf keine Konzeption gestoßen, die sich etwa mit der Begriffsdefinition oder dem Wie und Warum
der Anwendung beschäftigt. Das lässt vermuten, dass Rituale von Einrichtungen
und den pädagogischen Fachkräften weitgehend in Eigenregie erdacht und
durchgeführt werden, was mich wieder zu der Frage kommen lässt, ob sich Institutionen und Erzieher der Thematik in vollem Umfang bewusst sind und dieser genügend Beachtung schenken.
3.2 Den pädagogischen Alltag mit Ritualen gestalten
Im Folgenden möchte ich exemplarisch Situationen aufzeigen die sich dazu eignen im pädagogischen Alltag ritualisiert zu werden sowie beschreiben, warum und
wie diese Rituale eingesetzt werden können und welche Effekte damit teilweise
hervorgerufen werden.
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3.2.1 Morgen/ Abschiedsrituale
Das morgendliche Bringen der Kinder und das damit verbundene Abschied nehmen von den Eltern stellt eine besondere Situation im Tagesablauf dar. Kinder wie
Eltern müssen den Wechsel vom kleinen Kreis der Familie zum größeren Kreis
der Kindergartengruppe bewältigen. Dies ist häufig mit vielen Emotionen verbunden (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.24). Oft werden Kinder von der Angst geplagt,
dass die Eltern sie verlassen und am Ende des Tages nicht mehr wiederkommen.
Viele Eltern haben wiederum gerade zu Beginn der Kindergartenzeit ihres Kindes
Schuldgefühle, welche oft aus dem Gedanken resultieren sie würden ihre Kinder
abschieben. Um den unterschiedlichen Gefühlen und den damit verbunden Bedürfnissen gerecht zu werden sollte dieser Übergang im Tag bewusst gestaltet
werden. Rituale mit ihren wiederkehrenden Strukturen und festen Abläufen können dazu beitragen, den Beteiligten die nötige Sicherheit, Vertrauen und Geborgenheit zu vermitteln (vgl. Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.13).
Der Zeitpunkt des Abschiednehmens sollte ein Moment des Innehaltens sein, indem eine bewusste Begegnung der Beteiligten, sprich zwischen Eltern und Kind,
stattfindet (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.69). Es sollte deshalb ein Augenblick der
Zweisamkeit geschaffen werden, für den sich angemessen viel Zeit genommen
und der nicht nebenbei vollzogen wird.
Besonders bei jüngeren Kindern ist zu beobachten, dass ihnen der Abschied von
den Eltern oft schwer fällt. Hier kann es hilfreich sein, ein Ritual zu entwickeln, mit
dem das Loslassen schrittweise vollzogen wird. „… von der Umarmung über das
Halten der Hände bis hin zum Winken und Luftküssen o.Ä. aus der Entfernung.“
(Langlotz/Bingel 2008, S.69) Dieser immer gleich bleibende Ablauf gibt den Kindern Stabilität und Sicherheit. Oft hilft es auch das Trennungsritual im Vorfeld mit
den Kindern zu üben, sodass sie genau wissen, was sie in den nächsten Momenten erwartet und sich beide Seiten auf die Trennung vorbereiten können. Um seine
volle Kraft zu entfalten und auf diese Weise eine zentrale Stütze für Kind und Eltern zu werden ist es von zentraler Bedeutung, dass das Abschiedsritual jedes Mal
durchgeführt und auf immer gleiche Weise vollzogen wird (vgl. Kunze/Salamander
2009, S.73).
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Nicht nur gleichbleibende Handlungen, auch die Nutzung von jeweils ähnlichen
Abschiedsworten kann erheblich für Sicherheit sorgen. So können die Eltern ihren
Kindern etwa erklären wo sie hingehen oder mit ihnen verbindliche Absprachen
treffen wann sie wiederkommen (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.69). Dabei sollte
beachtet werden, dass die Worte eine positive und stärkende Wirkung haben, die
das Selbstbewusstsein der Kinder stärkt (vgl. Greine/Rodner 2009b).
Es ist von zentraler Bedeutung, dass sich die pädagogische Fachkraft an der morgendlichen Übergangssituation beteiligt. In Absprache mit Eltern und Kind sollte
überlegt werden, was die Beteiligten in dieser Situation brauchen und wie der Erzieher sie unterstützen kann. Ungeachtet dessen sollte die Fachkraft jeden Morgen jedes Kind persönlich und möglichst individuell begrüßen sowie auf die augenblickliche Verfassung von Eltern und Kind achten und je nach Möglichkeit darauf eingehen (vgl. Diakonie Mitteldeutschland 2009, S.108). Erzieher sollten sich
dem Kind also als sichere Bezugsperson anbieten und das Kind in den Tag einladen. Auf diese Weise wird es dem Kind erleichtert von einem sicheren Hafen in
den anderen überzutreten.
Sollte die Trennung während des Tages für das Kind unerträglich werden können
sogenannte Ritualgegenstände, sprich Gegenstände die das Ritual begleiten, helfen. Viele Kinder bringen z.B. ein Kuscheltier mit in die Einrichtung, an das sie sich
bei Angst und Trauer klammern oder ihm ihre Sorgen erzählen können. Welcher
Gegenstand welches Kind am besten unterstützt ist variiert und sollte deshalb zusammen mit dem Kind besprochen und entschieden werden (vgl. Diekemper
/Reimann-Höhn 2000, S.14-15).
Mit zunehmendem Alter sollte das Ritual dann an den Entwicklungsstand und die
damit zunehmende Selbstständigkeit und veränderten Bedürfnisse des Kindes
angepasst werden (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.69).
3.2.2 Tischrituale
Täglich nehmen wir mehrere Mahlzeiten zu uns, was diese zu einem festen Teil
unseres Alltages werden lassen. Bewusstes Essen geht jedoch vermehrt durch
Arbeits- und Alltagsstress unter, sodass wir uns immer weniger Zeit nehmen gemeinsames Essen zu kultvieren (vgl. Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.135).
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Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass gemeinsame Mahlzeiten für viele
Kinder keine Selbstverständlichkeit mehr darstellen. In Kindertagesstätten bietet
sich die Möglichkeit dies zu kompensieren. Rituale können helfen, die Bedeutung
für bewusste Ernährung zu fördern und auf diesem Weg Interesse, Appetit und
Freude am Essen wecken (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.62). Dabei gilt, je früher
Rituale am Tisch eingeführt werden, desto selbstverständlicher gehören sie für die
Kinder zum Essen dazu.
Es geht darum den Kindern mit Hilfe von Ritualen zu vermitteln, dass Nahrung
Achtsamkeit verdient, verbunden mit Wertschätzung für den eigenen Körper und
die eigene Gesundheit. Das Wort Nahrung kommt von nähren, heilen, gesund
werden. Für eine gesunde, nährende Mahlzeit ist dabei nicht die Frage „Was essen?“, sondern auch das „Wie essen?“ entscheidend. Mit Freude genießen ist dabei die beste Voraussetzung, um gesund zu bleiben. Kinder nehmen ihre Umwelt
ganzheitlich wahr, was bedeutet, dass sie auch Stress und Spannungen mit allen
ihren Sinnen aufnehmen, auch beim Essen und könne darauf empfindliche regieren (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.62).
Damit die gemeinsamen Mahlzeiten keine Hast werden, die nebenbei abgehandelt
werden ist es von zentraler Bedeutung viel Zeit einzuplanen. Auf diese Weise
dient das gemeinschaftliche Essen der Erholung und allen Beteiligten bietet sich
die Möglichkeit vom Alltagsstress weg zukommen. Zudem unterstreicht ein entsprechender Rahmen, so etwa angemessen viel Zeit, die Bedeutung der Mahlzeit
(vgl. Kunze/Salamander 2009, S.31).
Um Neugier und Appetit auf gesundes und vielseitiges Essen bei den Kindern zu
wecken empfiehlt es sich die Zubereitung dessen zu ritualisieren. Statt sie als nötige Last zu betrachten kann die Essensvorbereitung auf diese Weise zu einem
sinnlichen Erlebnis werden. Desweiteren bildet dieser Weg einen Gegentrend zum
sonst oft gängigen Fastfood und kann so vor allem Kindern mit Gewichtsproblemen darin unterstützen ihr Interesse an gesunder Nahrung zu wecken (vgl.
Langlotz/Bingel 2008, S.62). Denn gerade unbekannte Lebensmittel essen Kinder
mit größerer Bereitschaft, wenn sie diese im Vorfeld selber zubereitet und sich mit
ihnen auseinandergesetzt haben. Außerdem lässt sich so den Kindern der Wert
von Nahrungsmitteln verdeutlichen. Erleben sie mit, wie diese wachsen und wie
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viel Sorgfalt, Mühe und Zeit es bedarf diese zu ernten und zuzubereiten, werden
sie sorgsamer und bewusster mit Essbaren umgehen (vgl. Hof 2010, S. 24-27).
Beim Decken des Tisches sollten Kinder ebenfalls einbezogen werden. Auf diese
Weise übernehmen sie die Verantwortung dafür, dass auch jeder das geeignete
Essgeschirr erhält. Hier handelt es sich bei bewusstem Vollzug um ein Ritual der
Aufmerksamkeit, welches großen Einfluss auf die Lebensqualität haben kann. So
kann ein liebevoll gestalteter Tisch die Vorfreude auf das Essen wecken und es zu
einem gemütlichen und wohltuenden Ereignis werden lassen (vgl. Langlotz/Bingel
2008, S.63).
Einstimmungsrituale wie zum Beispiel ein Gong, Musik, beten oder ein Lied signalisieren den Kindern den Beginn der Mahlzeit und verdeutlichen ihnen den Wechsel vom lebhaften Spiel zur ruhigeren Atmosphäre des Essens (vgl. Wehrmann
2009, S.6). Zudem können sie eine fröhliche Stimmung, ein Gefühl von Dankbarkeit und Konzentration fördern. Fasst man sich an die Hände und sagt gemeinsam
einen Tischspruch auf verbindet das die Teilnehmer des Essens zusätzlich, was
das Wir-Gefühl deutlich verstärkt und das Essen zu einer besonderen Situation
werden lässt (vgl. Langlotz/ Bingel 2008, S.64). Spruch oder Lied vor dem Essen
werden auf diese Weise zum Erkennungszeichen für die gemeinsame Mahlzeit
und sollte deshalb bewusst ausgewählt und möglichst von allen mitgetragen werden (vgl. Bäcker-Braun 2011, S.17).
Beim Essen selbst sollte der Ablauf verlässlich und allen bekannt sein. Jeder sollte
sich am Tischgespräch beteiligen dürfen und auf die anderen Rücksicht nehmen.
Dazu zählt, dass mit dem Beginn des Essens gewartet wird, bis alle etwas auf
dem Teller haben, genauso wie erst aufgestanden werden sollte, wenn alle mit der
Mahlzeit fertig sind (vgl. Rustemeyer, Dr. 2010, S.26). Gemeinsames beginnen
und beendigen stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
Werden Mahlzeiten auf diese Weise mit beschriebenen oder ähnlich besonderen
Rituale bewusst gestaltet, können sie für alle Beteiligten zu einem kulturellen und
sozialen Ereignis mit zahlreichen Bildungs- und Sozialerfahrungen werden.
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3.2.3 Schlafrituale
„Zu einem wohltuenden Rhythmus des Tages gehören Pausen.“ (Langlotz/Bingel
2008, S.14). Diese können gerade für jüngere Kinder und für jene, die schon von
früh morgens in der Einrichtung sind, enorm wichtig sein. Deshalb empfiehlt es
sich gerade nach dem Mittagessen für die Kinder eine Zeit zu gestalten, in der sie
zur Ruhe kommen können, um so Kraft für die zweite Hälfte des Tages zu tanken.
Für die Erzieher bedeutet dies, dass sie den Kindern einen angemessenen Rahmen zur Verfügung stellen müssen, in denen diese den Wechsel zwischen Realität und Traumwelt, zwischen Aktivsein und Entspannung vollziehen können. Die
Kinder sollen ohne Bedenken den Alltag mit all seinen Erlebnissen, Freuden und
Sorgen mit der Gewissheit loslassen können, dass sie sich in einer beschützten
und geborgenen Umgebung befinden. Dieses Gefühl erleichtert es ihnen sich zu
entspannen und sich fallen zu lassen (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.11ff.).
Deshalb ist es wichtig, den Übergang vom Alltagsleben hin zum Schlaf ohne Hektik und Stress zu gestalten, sodass er sich beruhigend auf die Kinder auswirkt.
Dazu gehört zum Einen, die Kinder dazu anzuhalten nicht mehr zu toben und auch
keine aufreibenden Aktionen mit ihnen durchzuführen, da sonst die Gefahr besteht, dass diese überdrehen. Desweiteren sollte auch der Erzieher Ruhe und
Ausgeglichenheit ausstrahlen, welche sich auf die Kinder überträgt (vgl. Kunze/Salamander 2009, S.45-46).
Ein Geheimrezept damit Einschlafen bzw. Entspannen garantiert gelingen, gibt es
nicht. Riten, die immer vor dem Einschlafen wiederholt werden, können jedoch
dazu beitragen, den Übergang vom Wachzustand zum Schlaf zu erleichtern und
den Kindern helfen sich dem Schlaf anzuvertrauen (vgl. Langlotz/Bingel 2008,
S.11). Durch den wiederholenden Charakter von Ritualen wissen die Kinder genau, was als nächstes kommt und sind dadurch wesentlich entspannter. Dies kann
besonders jüngeren Kindern helfen, die oft Probleme haben, die vielen bisher am
Tag erlebten Eindrücke, zu verarbeiten. Immer gleich ablaufende Einschlafrituale
helfen solche Gedanken zu vertreiben, sich von den Aufregungen zu erholen und
entspannt einzuschlafen (vgl. Greine/Rodner 2009b).
Um auf das eigentliche Zu-Bett-Gehen einzustimmen empfiehlt es sich die Vorbereitung darauf ebenfalls mit den Kindern zu ritualisieren. So können der Toiletten
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gang, das Zähneputzen, das Ausziehen immer in unveränderte Reihenfolge ablaufen. Auf diese Weise wird den Kindern signalisiert, dass es langsam zum Schlafen
geht. Anhand der einzelnen Schritte können sie einschätzen, wie viel Zeit bis dahin noch ist (vgl. Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.29). Zur Vorbereitung auf den
Mittagsschlaf sollte auch gehören, dass jedes Kind seinen Schlafplatz selber vorbereiten darf und für sich entscheidet, wie Kissen, Decke und Kuscheltiere liegen
sollen. So fühlt es sich später geborgen und sicher.
Da alle Kinder individuelle Einschlafgewohnheiten haben kann kein allgemein gültiges Ritual benannt werden, dass allen gleichermaßen zu Gute kommt. Deshalb
erweist es sich bei der Wahl von Mittagschlafritualen als positiv die Kinder nach
ihren Vorlieben und Vorstellungen zu fragen. Ebenfalls kann es hilfreich sein, diese an die für die Kinder von zuhause bekannten Abendrituale anzulehnen. Dies
verstärkt bei den Kindern das Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit. Dabei sollte
jedoch beachtet werden, dass die Rituale zum Mittagsschlaf deutlich kürzer sein
sollten, als die zum abendlichen Zu-Bett-Gehen. Das Ausmaß sollte dabei im Vorfeld zusammen festgelegt und auch eingehalten werden (vgl. Langlotz/Bingel
2008, S.15), sprich es sollte einen klaren Anfang und ein deutliches Ende geben.
Sind Kindern diese nicht bewusst, werden sie immer wieder Erklärungen finden,
um die Einschlafzeit zu verschieben. Zudem können sie sich durch ein deutliches
Ende eher auf den Schlaf einstellen, als wenn sie die ganze Zeit gespannt darauf
warten ob und was als nächstes folgt (vgl. Greine/Rodner 2009b). Im Mittelpunkt
von Einschlafritualen stehen wohl am häufigsten Tätigkeiten wie singen, vorlesen,
erzählen oder kuscheln. Im Zuge des Einschlafrituals Musik zu spielen oder etwas
vorzusingen eignet sich besonders, da vor allem alte Schlaflieder auf einer harmonischen Tonfolge basieren, was meist mit einer entspannten Wirkung einher
geht. Spezielle Entspannungs- oder Meditationsmusik ist extra den in der Entspannung herrschenden Pulsschlag angepasst, was die Kinder darin unterstützt
sich zu beruhigen.
Auch das Vorlesen einer Geschichte ist ein beliebtes Einschlafritual. Dies kann so
weit gehen, dass viele Kinder vor dem Schlafen immer die gleiche Geschichte hören wollen. Bei der Auswahl der Geschichte sollte darauf geachtet werden, dass
diese nicht zu lang ist und eine klare Handlung, sowie einen positiven Ausgang
hat. Auch für Rituale zum Einschlafen gilt wie für alle, dass sie, ungeachtet des
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sen, was im Vorfeld vorgefallen ist, immer konsequent durchgeführt werden sollten. Nur so können sie zu verlässlichen Strukturen werden (vgl. Kunze/Salamander 2009, S.49ff.).
Auch beim Schlafen können Ritualgegenstände eingesetzt werden, welche die
Kinder vor und während des Schlafens unterstützen. Oft handelt es sich dabei um
Kuscheltiere, an die sich die Kinder kuscheln und selbst regulieren können, um
sich im Bett weniger allein zu fühlen. Es sollte darauf geachtet werden, dass rituelle Schlafgegenstände nicht für andere Situationen zweckentfremdet werden, da
sie sonst ihren Wert verlieren (vgl. Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.29).
Auch Aufwachrituale sollten auf den individuellen Wach-Werde-Rhythmus der
Kinder abgestimmt werden (vgl. Greine/Rodner 2009b). Ruhige und ausgeglichene eignen sich dabei am besten. So kann z.B. leise Musik gespielt werden, die
Vorhänge können langsam aufgemacht werden oder man erzählt einander von
seinen Träumen. Die verlässliche Strukturen, die Rituale bieten eignen sich zum
Einsatz beim Aufwachen, da sie Stress reduzieren und den Kindern ausreichend
Zeit geben, um wieder in den Tag zu kommen (vgl. Langlotz/Bingel, 2008, S. 11f.)
3.2.4 Morgenkreis
In frühkindlichen Institutionen treffen oft eine Vielzahl an Kindern aus unterschiedlichsten Familiensituationen und Erlebniswelten aufeinander. Deshalb stehen die
pädagogischen Fachkräfte vor der Herausforderung, aus vielen individuellen Persönlichkeiten mit verschiedensten Bedürfnissen eine Gemeinschaft zu formen und
ein möglichst ausgeprägtes Wir-Gefühl zu schaffen. Den Tag jeden Morgen mit
einem gemeinsamen Kreis als rituellen Anfangspunkt zu beginnen führt die Gruppe stetig aufs Neue zusammen, was dazu beiträgt, das Gemeinschaftsgefühl zu
stabilisieren. Wird der Morgenkreis jeden Tag zur gleichen Zeit durchgeführt wird
den Kindern außerdem bewusst, dass jetzt eine bestimmte Phase innerhalb des
Tages anbricht. Dies hilft ihnen, sich im Tagesablauf zu orientierten (vgl.
Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.58f.).
Ein im Vorfeld ausgemachtes und allen Beteiligten bekanntes Zeichen kann den
Anfang des Morgenkreises signalisieren. Dazu eignet sich z.B. ein Gong oder ein
Lied (vgl. Langlotz/Bingel 2008 S.24). Zu Beginn des Morgenkreises sollten alle
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Anwesenden persönlich willkommen geheißen werden. „Ein Begrüßungsritual, bei
dem man seinem Gegenüber in die Augen schaut, seinen Namen nennt und/oder
in irgendeiner Weise Körperkontakt aufnimmt, symbolisiert Achtung vor dem anderen und Akzeptanz.“ (Greine/Rodner 2009b). Durch die Erwähnung eines jeden
Einzelnen fühlen sich die Kinder angenommen und willkommen. Ihnen wird deutlich vor Augen geführt, dass sie ein Teil der Gruppe sind. Im Anschluss sollten alle
Anwesenden die Möglichkeit erhalten, von Erlebten zu erzählen, Gefühle, Wünsche und Sorgen anzusprechen oder Neuigkeiten in die Runde zu bringen (vgl.
bayrischer Bildungsplan S.410). Erst wenn die Kinder den Kopf frei von Gedanken
haben und ihr Redebedarf gedeckt ist sind sie wirklich in der Lage, sich auf das
Folgende einzustellen. Auf diese Weise spüren sie außerdem, dass sie mit ihren
Anliegen wahrgenommen und wertgeschätzt werden.
Um sich auf den folgenden Tagesablauf einzustimmen bietet es sich an, anstehende Vorhaben zu besprechen oder Dinge zu planen. Auf diese Weise stellt der
Morgenkreis eine Partizipationsmöglichkeit für die Kinder dar (vgl. Langlotz/Bingel
2008 S.26). Führen Erzieher den Morgenkreis als Alltagsritual ein geben sie den
Jungen und Mädchen jeden Tag aufs Neue die Möglichkeit, aktiv am Kitaleben
mitzuwirken.
3.2.5 Rituale als Alltagshelfer
Um eine Phase im Tagesablauf zu ritualisieren, bedarf es keines großen Tagespunktes. Auch für kleine und auf den ersten Blick vielleicht unscheinbare Momente
können Rituale entwickelt werden, welche allen Beteiligten ihre Bewältigung erleichtern kann. Ein Beispiel dafür wäre das nahezu täglich stattfindende Aufräumen der Spielsachen und Arbeitsmaterialien.
Der Moment in dem das Ende des freien Spiels verkündet wird sowie die anschließende Zeit des Aufräumens sind nicht selten von Disharmonie und Unmut
seitens der Kinder gekennzeichnet. Während Erzieher zum Ende des Spiels aufrufen und es als Pflicht der Kinder ansehen, dass in ihren Augen geschaffene
Durcheinander möglichst schnell wieder zu ordnen, stören diese sich meist nicht
daran und sind eher gewillt ihr Spiel fortsetzen. Aufräumrituale können helfen, diese Situation zu entspannen. Dazu empfiehlt es sich, dass Erzieher und Kinder im
Vorfeld aushandeln in welcher Form aufgeräumt werden soll und wie das Ergebnis
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letztlich aussehen soll. Dabei sollte von den Fachkräften bedacht werden, dass die
Kinder meist bereits ihre eigene Ordnung im Raum entwickelt haben. Diese gilt es
mitzudenken. Um den Kindern dann den Übergang vom Spiel zur „Pflicht“ möglichst angenehm zu gestalten, sollte darauf geachtet werden, dass das gewählte
Aufräumritual fröhlich und spielerisch von statten geht (vgl. Kunze/Salamander
2009, S.38). Das Ende des freien Spiels kann mit einem den Kindern bekannten
Signal deutlich gemacht werden. So eignet sich z.B. ein Gong oder ein Lied, das
die Erzieher anstimmen. Dabei ist es wichtig das Spiel nicht abrupt zu beenden,
sondern es den Kindern einige Zeit vorher anzukündigen. So können sich die Kinder langsam auf das Ende einstellen und in ihrem eigenen Tempo das Spiel beenden. Während des Aufräumens ist es dann wichtig, dass den Kindern bewusst
wird, dass jetzt auch wirklich aufgeräumt wird. Dies kann dadurch erzielt werden,
indem der Vorgang des Aufräumens dann immer gleich gestaltet wird. So lässt er
sich z.B. spielend verpacken. Es können etwa Aufgaben verteilt werden, die dann
spielerisch bewältigt werden müssen (Bsp. Alle Kinder mit blonden Haaren räumen alle roten Spielzeuge weg). Oder der Prozess kann immer in Form von Wettkämpfen gestaltet werden (Bsp. Wer seine Spielsachen als erstes aufgeräumt hat,
hat gewonnen). Sind sich die Kinder darüber bewusst, wie das Aufräumen abläuft
und dass es immer wieder spaßig gestaltet wird, werden sie sich mit mehr Freude
und Bereitschaft daran beteiligen (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.101). Auf diese
Weise kann die tägliche Pflicht zu einem gemeinsamen Erlebnis werden, das vor
allem von Freude und Spaß gekennzeichnet ist.
Auch in emotionsgeladenen Situationen bietet es sich an, Rituale als Bewältigungshilfsmittel einzusetzen. Kindern fällt es oft noch schwer angemessen mit
ihren Emotionen umzugehen, da sie aufgrund geringerer Erfahrungen über weniger Bewältigungsstrategien verfügen. Deshalb ist es für die kindliche Entwicklung
bedeutsam, Erfahrungen mit den eigenen Gefühlen zu machen und dabei sein
Bewältigungsspektrum zu erweitern. Dafür brauchen sie jedoch Möglichkeiten im
Alltag, in denen sie Gelegenheit haben ihre Gefühle voll auszuleben. Hier können
Rituale helfen, Gefühle auszudrücken und sich selber Luft zu machen ohne dabei
andere auf irgendeine Weise zu verletzen. Gerade wenn Kinder wütend sind ist es
wichtig, diesem Gefühl einen angemessenen Raum zu geben und zusammen mit
dem jeweiligen Kind einen Weg zu finden, wie Emotionen verarbeitet werden kön-
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nen. Rituale unterstützen dabei, die aufkommende Energie der Gefühle zu verwandeln und sind damit wichtige Begleiter. Die starke Energie der Wut kann z.B.
in konstruktives Tun wie etwa Bewegungen oder Kreativität umgelenkt werden,
statt sich in zerstörerischen Verhalten auszudrücken (vgl. Langlotz/Bingel 2008,
S.112f.). So können Kinder etwa mit aller Kraft auf den Boden stampfen, draußen
laut schreien oder ein Kissen hauen. Ebenfalls stellt es eine Möglichkeit dar, mit
möglichst verschiedenen und wilden Bewegungen die Wut aus dem eigenen Körper schütteln. Die verschiedenen Formen an Trotz-und Wutritualen sollten allerdings im Vorfeld spielerisch mit den Kindern eingeübt werden, damit sie dann in
entsprechenden Situationen eigenständig vom Kind abgerufen werden können
(vgl. Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.50). Auf diesen Weg geben Rituale den
Gefühlen einen Raum, der sowohl dem Kind, als auch dem Erzieher dabei hilft,
Wut und entsprechende Signale zu verstehen.
Nachdem ich mich einer Auswahl an Alltagsritualen widmete, möchte ich im Folgenden Bespiele für Jahresrituale beleuchten, die in meinen Augen einen besonderen Platz im pädagogischen Handeln einnehmen sollten.
4.Kapitel: Rituale im Jahreskreis
Es existiert eine Fülle an Ritualen die alljährlich wiederkehren und uns auf diese
Weise ein Gefühl von Sicherheit und Kontinuität vermitteln. Ähnlich wie bei Alltagsritualen besteht ihre Funktion darin, Orientierung in der Zeit zu geben, wodurch sie Geborgenheit vermitteln. Handelt es sich um ein persönliches oder Familienritual fördern sie außerdem das Selbstwertgefühl und stärken einen in dem
Bewusstsein, in ein größeres Ganzen eingebunden zu sein (vgl. Kaufmann-Huber
2001, S.127).
4.1 Das Jahr feiern
4.1.1 Feste im Jahreskreis
„Feste sind Rituale, die im Jahresablauf immer wiederkehren.“ (Van Dieken 2008,
S.100) Das Feiern von Festen mit Kindern kann ihnen ein Gefühl von Zeit und
Rhythmus vermitteln. Da Kinder handelnd wahrnehmen, schafft man ihnen auf
diese Weise besondere Erfahrungen auf der Ebene des selber Erlebens (vgl.
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Langlotz/Bingel 2008, S.10). Dabei gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie die
einzelnen Feste im Verlauf des Jahres gestaltet und gefeiert werden können. Kinder lieben vertraute Traditionen. Deshalb finden sie Feste meist gerade dann besonders schön, wenn diese immer weitgehend gleich ablaufen. So achten viele
Kinder bewusst darauf, ob das jeweilige Fest nach dem gleichen Ritual verläuft,
wie im Jahr zuvor (vgl. Kunze/Salamander 2009, S.105). Auf diese Weise wissen
sie, was bei dem Fest zu erwarten ist. Somit gibt ihnen der gleichbleibende Ablauf
Sicherheit und weckt Vorfreude.
Kinder denken bis zu einem bestimmten Alter nicht in Wochen oder Monaten,
sondern in Ereigniszeiten. „Das bedeutet z.B.: „Zuerst kommt mein Geburtstag,
dann Nikolaus, dann Weihnachten und dann der Geburtstag von Oma. Die Bedeutung dieser Ereignisse bestimmt somit für die Kinder einen eigenen Jahresverlauf
– und an dem orientieren sie sich.“ (vgl. Bäcker-Braun 2011, S.16). Das Feiern der
Jahresfeste hilft Kindern den Verlauf des Jahres wahrzunehmen und sich so in der
Zeit zu orientieren. Zudem wird den Kindern auf diese Weise zum Einen der Wandel des Jahres vor Augen geführt, verbunden mit den Phänomenen Entstehen und
Vergehen. Zum Anderen wird ihnen vermittelt, dass es zugleich Kontinuität im Leben gibt. Dadurch kommen sie bewusst mit den in der Natur angelegten Rhythmen in Verbindung, was Struktur schafft (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.33).
4.1.2 Geburtstage feiern
Bei Geburtstagen handelt es sich um individuelle Jahresfeste. Für die meisten
Kinder zählt der eigene Geburtstag zu einem der herausragendsten Rituale im
Jahresverlauf. Deshalb ist es für viele von enormer Bedeutung, dass der eigene
Jahrestag auch angemessen gefeiert wird. Wird der Tag liebevoll und altersgerecht gestaltet, merkt das Geburtstagskind nochmals auf besondere Weise, dass
man sich über sein Dasein freut. Besonders für jüngere Kinder ist es gut, wenn der
Geburtstag rituell gestaltet wird und damit jedes Jahr in ähnlicher Form abläuft. So
wird dem Kind der Übergang von einem Lebensjahr ins andere erleichtert (vgl.
Kaufmann-Huber 2001, S. 127). Wird ein Geburtstag als Ritual gefeiert enthält er
für das Geburtstagskind alljährlich wiederkehrende Aspekte. Darunter fallen besonders die Ritualgegenstände- und Handlungen wie etwa der Geburtstagskuchen
mit der entsprechenden Anzahl an Kerzen, die Festtafel, Geschenke oder Singen
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von Geburtstagsliedern mit den verbundenen Gratulationen (vgl. Diakonie Mitteldeutschland 2009, S.119). Um den besonderen Charakter der Geburtstagsrituale
zu wahren sollte es z.B. gewisse Spiele und Lieder geben, die nur diesem Anlass
vorbehalten sind (vgl. Bäcker-Braun 2011, S.18).
Egal auf welche Weise der Jahrestag gestaltet wird, es ist dabei von enormer Bedeutung stetig zu hinterfragen, ob bei der rituellen Ausrichtung auch wirklich stets
das Kind im Mittelpunkt steht und ob das Fest mit seinen Ritualen auch wirklich
zum Kind und seinen individuellen Wünschen und Bedürfnissen passt.
4.1.3 Feste individuell gestalten
Um Kultur zu wahren, ist es von großer Bedeutung, dass Feste sowie deren Ursprünge mit ihren Traditionen und Ritualen nicht in Vergessenheit geraten. Für die
Gesellschaft bedeuten Traditionen und Rituale Sicherheit, Geborgenheit und Verlässlichkeit. Aus diesen Gründen sollte das Wissen darum an Kinder weitergegeben werden, sodass sie sich der Herkunft und den Besonderheiten der Feste, die
mit ihnen gefeiert werden, bewusst sind. Um starres und überholtes Handeln zu
verhindern, sollten allerdings gerade pädagogischen Fachkräfte sich nicht gegen
neue Einflüsse sperren. „Es muss nicht gut sein, was immer gut war. Schon gar
nicht für alle Kinder gleich. Was für den einen gut ist, muss dem anderen noch
lange nicht gefallen.“ (Breuer 2009, S.7). Werden Traditionen individuell gestaltet
ergibt sich ein persönlicher Bezug zu ihnen, wodurch ihnen noch größere Bedeutung und Wirkung zukommt. Durch Beobachtung und Dokumentation lernen Erzieher die Vorlieben und Abneigungen der Kinder kennen und sollten diese bei der
Gestaltung von Festen mitdenken.
So gefällt es nicht jedem Kind im Mittelpunkt zu stehen, auch nicht am eigenen
Geburtstag und auch nicht jedem gefällt es, mit dem Stuhl in die Luft gehoben zu
werden. Der Geburtstag wird erst dann zu einem besonderen Fest, wenn neben
den für alle geltenden Rituale, die Person um die es geht mit ihrer Persönlichkeit
Beachtung findet. Dazu gehört es zu akzeptieren, dass manche Rituale, die allen
anderen gefallen, für den einen eben nicht geeignet sind. Um den Geburtstag oder
ein anderes Fest möglichst individuell und damit persönlich ansprechend zu gestalten, sollten Fachkräfte den Rahmen, in dem gefeiert werden soll, nicht alleine
bestimmen. Hierfür bedarf es einem Dialog mit den Beteiligten und vor allem mit
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der Peron(en), um die es hauptsächlich gehen soll (vgl. Breuer 2009, S.7f.). „Es
sind doch die persönlichen Dinge, im Kleinen, die uns berühren, an die wir uns
gerne erinnern.“ (Breuer 2009, S.8)
Bei der Festgestaltung, empfiehlt es sich also bisher existierende Rituale zu reflektieren und zu hinterfragen, ob diese wirklich den individuellen Bedürfnissen der
Beteiligten entsprechen. Gegebenenfalls bedeutet dies, dass Vorhandenes angepasst oder neu gedacht werden muss, es bedeutet aber auch, einen Menschen in
seinem So-Sein zu begegnen und zu respektieren.
4.2 Mit Ritualen Transitionsprozesse gestalten
Unser Leben mit seinen einzelnen Abschnitten und seinem Eingebettet sein in die
Gesellschaft mit ihren Strukturen und Veränderungen bringt es mit sich, dass wir
von Zeit zu Zeit stetig vor Transitionen stehen, die es zu bewältigen gilt. „Als
Transition werden komplexe, ineinander übergehende und sich überblendende
Wandlungsprozesse bezeichnet, wenn Lebenszusammenhänge eine massive
Umstrukturierung erfahren – ein Kind z.B. vom Kindergartenkind zum Schulkind
wird.“ (Griebel/Niesel 2004, S.35). Bei diesen Übergängen durchleben alle daran
Beteiligten eine besonders lernintensive Zeit, die mit Phasen beschleunigter Veränderungen einhergeht. Dabei kommt es zur Anhäufung von unterschiedlichsten
Belastungsfaktoren, die Veränderungen und Anpassungen auf individueller (von
der Person aus), interaktionaler (Beziehungen zwischen verschiedenen Personen)
und kontextueller Ebene (zwischen den Lebensbereichen) erfordern. Auf diese
Weise und durch die Neuordnung von innerpsychischen Prozessen sowie der
Neugestaltung von Beziehungen zu anderen Personen wird das Vorherige in das
Gegenwärtige integriert (vgl. Griebel/Niesel 2004, S.35).
Dabei gehen viele Übergänge mit emotionalen Belastungen, Unsicherheiten und
Ängsten einher. Um diese zu mindern und solchen Lebensphasen die nötige Sicherheit zu geben, wurden entscheidende Übergänge im Leben der Menschen mit
Riten abgesichert, die auch als Übergangsrituale bezeichnet werden (vgl. Kerstin
Klimenta 2011)+ Sie markieren Schnittstellen im Leben und helfen eine Zäsur zu
setzen, um Altes abzuschließen und Neues beginnen zu können (vgl.
Langlotz/Bingel 2008, S.4). Nach Victor Turner und Arnold van Gennep lassen
sich Übergangsriten dabei in drei Phasen einteilen: der Trennungsphase, der
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Marginal-Schwellphase und der Reintegration. In der Trennungsphase wird das
Individuum von seinem eigentlichen Status getrennt und von bisher üblichen Routinen, Strukturen, Kontakten und früheren sozialen Status isoliert. In der MarginalSchwellphase befindet sich die Person dann weder im alten, noch im neuen Status, sprich in der Schwebe, in einem Zwischenstatus zwischen beiden. In der letzten Phase, der Reintegration gelangt die Person dann zu ihrem neuen Status und
damit zu einem neuen, wieder stabilen Zustand. Der neue Status ist dabei für gewöhnlich ein höherer als der zuvor. Ab jetzt wird von der Person wieder angemessenes Verhalten erwartet. Die Phasen können bei verschiedenen Übergangsriten
unterschiedlich, etwa in Dauer oder Ausgestaltung variieren. (vgl. Imber-Black u.a.
2001, S.39f.).
Auch Kinder sind bereits von einer Vielzahl an Übergängen betroffen, so etwa der
Übergang von der Familie in die Kindertagesstätte, von der Kita in die Schule oder
bei der Geburt eines Geschwisterkindes. In diesen und in vielen anderen Situationen müssen sich Kinder von Altem trennen und werden mit Neuem konfrontiert.
Übergangsrituale bieten sich hier als sinnvolle Unterstützung an. Sie stellen in Zeiten der Veränderung eine Konstante dar und bilden so eine Brücke zwischen Altem und Neuem. Auf diese Weise mindern sie Angst und bieten Schutz, Vertrauen, Sicherheit und Orientierung – Qualitäten, die gerade in Umbruchsituationen
von Bedeutung sind (vgl. Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.10). Mit Hilfe von
Ritualen lassen sich Übergänge bewusst gestalten sowie erleben und können
Kindern auf diese Weise das Loslassen erleichtern (vgl. Langlotz/Bingel 2008,
S.68).
Es gilt jedoch zu beachten, dass nicht jeder Übergang gleich ist. So müssen gelebte Rituale und bewährte Strategien vor jedem Eintritt in den Übergang verändert, angepasst oder zum Teil neu entwickelt werden. Diese Veränderungsprozesse wirken sich wiederum grundlegend auf die kindliche Identität aus (vgl. Bildungskonzeption MV, Übergänge gestalten, S.1).
Im Folgenden möchte ich an den Transitionsprozessen Familie-Kinderkrippe und
Kindergarten-Grundschule beispielhaft aufzeigen, wie und warum es sich anbietet, diese Phasen rituell zu gestalten und beleuchten, welche Effekte damit zu erzielen sind.
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4.2.1 Der Übergang von der Familie in die Krippe
Der Eintritt in die Kinderkrippe bedeutet für viele Kinder, zum ersten Mal über längere Zeit fremd betreut zu werden, was mit einem Abschied von der reinen Familienzeit einhergeht (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.70). Die Gestaltung der Übergangsphase, sprich die Eingewöhnung des Kindes in die Einrichtung, in der es
sich allmählich an die neue Umgebung und die neuen Menschen gewöhnen soll
und so seine Identität vom „zuhause-betreuten Kind“ zum Krippenkind ausbildet,
hat enormen Einfluss auf die kindliche Entwicklung und entscheidet über den Aufnahmeerfolg des Kindes in die Krippe, sowie über seinen weiteren Werdegang in
der außerfamiliären Betreuung. Somit kann die Eingewöhnung als wichtiger Übergang im Lebensverlauf eines Kindes betrachtet werden und sollte deshalb bewusst gestaltet werden. Am Ende des Übergangsprozesses sollte der Erzieher
neben den Eltern zur Bezugsperson für das Kind werden und ihm die nötige Sicherheit und Geborgenheit vermitteln können, die das Kind in der neuen Umgebung braucht. Dieses wiederum soll sich in der Einrichtung erkenntlich wohl fühlen
und sich am Morgen beruhigt von seinen Eltern verabschieden können (vgl. Neuß
2001, S.87f.).
Um dem Kind den Übergang in die Krippe und die Konfrontation mit den vielen
neuen Eindrücken zu erleichtern helfen kleine Übergangsrituale. Durch sie erfährt
das Kind, dass es herzlich willkommen ist und in seiner neuen Umgebung akzeptiert wird (vgl. Bäcker-Braun 2011, S.18).
Um zu erfahren, welche Rituale dem Kind bereits bekannt sind und welche sich für
die Interaktion mit ihm am besten eignen, empfiehlt es sich, sich bereits im Aufnahmegespräch diesbezüglich bei den Eltern zu informieren. Auf diese Weise erfahren die Fachkräfte, welche Rituale zuhause vollzogen werden und wie das Kind
auf diese im Einzelnen reagiert, um sie dann nach Möglichkeit in ihre Interaktionen
mit dem Kind zu integrieren (vgl. Berliner Bildungsprogramm S.110-111). So sollte
der Erzieher sich z.B. erzählen bzw. noch besser zeigen lassen, wie das Kind am
liebsten gewickelt, gefüttert oder getröstet werden möchte und dieses in sein Handeln übernehmen. „Das Beisein der Erzieherin in dieser Situation ist deswegen
wichtig, da sie so etwas über die individuellen Rituale der Eltern erfährt. An ihnen
kann sie sich später im allgemeinen Umgang mit dem Kind orientieren und mutet
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ihm so keine völlig neue und fremde Situation zu.“ (Neuß 2001, S.91). Folgendermaßen findet das Kind auf diesen Weg in der neuen Umgebung bereits Vertrautes
vor, was ihm extra Sicherheit gibt.
Desweiteren sollte mit den Eltern darüber gesprochen werden, wie das Kind mit
bisherigen Abschieden umgegangen ist. Verfügt die Fachkraft über entsprechendes Wissen kann sie sich optimal auf das Kind vorbereiten und weiß, wie sie auf
dessen Abschiedsschmerz zu reagieren hat. Hat das Kind bisher noch nie längere
Abschiede von den Eltern erfahren oder fallen diese immer sehr schmerzhaft aus,
sollten die Eltern im Vorfeld des Kitabesuches mit ihm kleine Abschiede im familiären Rahmen üben sowie gemeinsame Abschiedsrituale entwickeln. Hat das Kind
durch diese kleinen Abschiede oft genug erfahren, dass die Eltern wiederkommen
und ist ihm durch den bekannten Ablauf des Rituals bewusst, dass ein Abschied
ansteht, wird ihm dieser deutlich leichter fallen. Es empfiehlt sich dann, diese eingeübten Rituale aus der Familie mit in die Kita zu übernehmen (vgl.
Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.15).
Werden Abschiedsrituale mit Krippenkindern vollzogen sollte darauf geachtet werden, dass diese so ausgerichtet sind, dass der Abschied schrittweise vollzogen
werden kann. So können die Eltern etwa noch mit in den Raum kommen und sich
mit ihrem Kind ein Buch anschauen, um dann im Anschluss langsam den Raum
zu verlassen und zum Winken nochmals am Fenster zu erscheinen. Durch die
langsame Entfernung voneinander, die sich jeden Tag in gleicher Abfolge wiederholt wird dem Kind die Zeit gegeben, sich ganz langsam auf den nahenden Abschied einzustellen. Das erleichtert ihm, wie auch seinen Eltern den Abschied und
erspart übermäßigen körperlichen Stress (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.70).
Die Begrüßung des Kindes durch die Erzieherin sollte ebenfalls ritualisiert werden.
Eine fröhliche, zugewandte und in der ersten Zeit täglich gleiche Begrüßung erleichtert dem Kind den Einstieg in den neuen Lebensabschnitt und fördert sein
Vertrauen und seine Entdeckerlust (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.90). Eine ebenfalls freundliche Reaktion der Eltern darauf, wirkt sich entspannend auf das Kind
aus. Begrüßt die Fachkraft das Kind mit immer dem gleichen Lied oder Spiel (gemeint sind Fingerspiele, Streichelspiele Kitzelspiele etc.) entwickeln sich diese für
das Kind zum Erkennungszeichen in der neuen Situation und für seinen festen
")
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Platz in der Einrichtung (vgl. Bäcker-Braun 2011, S.18). Kommt das Kind in der
Einrichtung an, ist es vor allem während der Eingewöhnung und in der ersten Zeit
danach enorm wichtig, dass es jeden Tag von seiner vertrauten Erzieherin, seiner
späteren Bezugserzieherin begrüßt wird und diese es mit in die Gruppe nimmt
(vgl. Neuß 2001, S.90/97). Bei ihr ist sich das Kind in der Regel von allen neuen
Personen am sichersten, dass es hier gut aufgehoben ist und lässt sich bei Trennungsschmerz auch von ihr am ehesten wieder beruhigen. Sie ist der sichere Hafen für das Kind, in dem es den Abschied von den Eltern am ehesten verkraften
und sich emotional aufladen kann.
Für den Tagesablauf ist es vor allem in der Eingewöhnung entscheidend, dass
dieser möglichst ritualisiert, sprich gleich und sich wiederholend gestaltet wird. So
sollte viel Wert auf das Wiedererscheinen von Situationen gelegt werden, die dem
Kind bereits bekannt sind. Dies vermittelt ihm Verlässlichkeit und Stabilität. Desweiteren sollte der Tagesablauf geregelt und überschaubar sein. Auf diese Weise
erhält das neue Kind die emotionale Sicherheit, um für unterschiedliche Lernerfahrungen offen zu sein (vgl. Neuß 2001, S.91).
Entsprechende Ritualgegenstände oder in diesem Kontext sogenannte Übergangsobjekte können den Abschied und die erste Zeit in der Einrichtung neben
den immer wiederkehrenden Ritualen zusätzlich erleichtern. Diese Ritualgegenstände stellen etwas Besonderes für Kinder dar, über die sie mit ihrem gewohnten
Umfeld in Verbindung bleiben. Schon ihr Anblick kann in ihnen bestimmte Prozesse in Bewegung bringen. Auf sie kann das Kind seine Sorgen und emotionale
Schmerzen übertragen, es drücken und sich von ihm körperliche Zuwendung holen. Zudem symbolisiert es, an Anstelle der abwesenden Eltern, für das Kind deren Stärke und Macht. So hilft es ihm, die Situation ohne seine Eltern besser auszuhalten (vgl. Neuß 2001, S.98). Bei dem Übergangsobjekt kann es sich um alles
Mögliche handeln, um ein Stofftier, ein T-Shirt der Mutter, ein Bild der Familie oder
ein beliebiger Gegenstand, den es morgens von Mutter oder Vater mit in den Tag
bekommt und der beim Abholen wieder zurückgetauscht wird. Damit es sich dabei
allerdings auch wirklich um einen Gegenstand handelt, der dem Kind Halt, Kraft
und Trost gibt, sollte das Kind sich das Übergangsobjekt selber auswählen, bzw.
wenn es dafür noch zu jung ist, sollten die Eltern dies nach besten Wissen übernehmen. Da ein Ritualgegenstand immer an eine Situation bzw. einen Sinn ge
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knüpft ist und in diesem Fall ein Hilfsmittel in einer Krisensituation darstellt, sollte
er nicht zum Spaß, sprich zweckentfremdet werden. Andernfalls würde der Wert
und die damit verbundene Kraft für das Kind verlieren. Die Macht des Objektes ist
dabei immer vom kindlichen Entwicklungsstand, seiner Denkweise und seinen
psychosozialen Bedürfnissen abhängig (vgl. Diekemper/Reimann-Höhn 2000,
S.149ff.). Die Fachkraft sollte den Ritualgegenstand des Kindes kennen, sich über
seinen Wert für das Kind bewusst sein und ihn nach Möglichkeit von Beginn an so
oft wie möglich in die Interaktionen mit dem Kind einbeziehen. So kann er z.B. in
den morgendlichen Abschied von den Eltern einbezogen werden. Der Erzieher
kann, handelt es sich bei dem Übergangsobjekt z.B. um ein Stofftier auch dies
morgens begrüßen und es dazu einsetzen, das Kind in den Tag einzuladen (Bsp.
Dein Teddy und ich können dir ja mal zeigen, welche Kinder schon da sind…).
Setzt beim Kind über den Tag plötzlich wieder Trennungsschmerz ein sollte der
Ritualgegenstand immer griffbereit sein, um regulierend auf das Kind zu wirken
(vgl. Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.17f.).
Auch innerhalb der Kindergruppe können Rituale eingeführt werden, die zum Einen die Jungen und Mädchen darauf vorbereitet, dass bald ein neues Kind in die
Gruppe kommen wird und zum Anderen dem neuen Kind verdeutlicht, dass es
hier herzlich willkommen ist und einen festen Platz haben wird. So kann jedem
neuen Kind etwa ein Gruppensymbol mitgegeben werden, dass ihm seine Zugehörigkeit zur Gruppe verdeutlicht. Eine weitere Möglichkeit wäre noch vor dem
ersten Besuch einen Begrüßungsbrief an das neue Kind zu schreiben, in dem die
Gruppe ihre Freude über sein Kommen zum Ausdruck bringt. Um die Jungen und
Mädchen der Gruppe auf das neue Mitglied vorbereiten zu können, werden die
Eltern des neuen Kindes gebeten werden, Hand-Fuß- oder Körperumrisse ihres
Kindes mitzubringen. Diese werden dann im Vorfeld im Gruppenraum aufgehängt.
So wissen die Jungen und Mädchen der Gruppe, dass immer wenn ein Umriss
dazu kommt bald ein neues Kind dazu stoßen wird. Das Kind wiederum findet
schon am ersten Tag Spuren von sich im Raum vor, was ihm verdeutlicht, dass es
hier einen festen Platz hat (vgl. bayerische Bildungsplan S.111).
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4.2.2 Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule
Wie alle Übergänge im Leben, sollte auch der Übertritt vom Kindergarten in die
Grundschule bewusst gestaltet werden. Dieser Prozess betrifft dabei nicht nur das
Kind. Auch Eltern, Erzieher und zukünftige Lehrkräfte sollten sich daran beteiligen
bzw. mit eingeschlossen werden.
Die Kindertagesstätte war bisher ein wichtiger Lebensort für das Kind, an dem es
viele Stunden verbrachte und reichhaltige neue Erfahrungen und Entwicklungsschritte machte. Auch hat es eine Vielzahl an Beziehungen zu Erziehern und anderen Kindern aufgebaut, von denen einige entscheidend prägten (vgl.
Langlotz/Bingel 2008, S.71). Nun steht das Kind vor der Herausforderung, sich
schrittweise eine neue Identität aufzubauen. Es wird nun bald kein Kindergartensondern ein Schulkind sein. An diese neue Identität werden neue Ansprüche, Leistungen und Regeln gekoppelt sein. Dieser Schritt in einen neuen Lebensabschnitt
sollte langsam und langfristig mit dem Kind zusammen vorbereitet werden. Um
allen am Übergang Beteiligten bei diesem Schritt verlässliche Orientierung zu geben, empfiehlt es sich diesen rituell zu gestalten(vgl. Diekemper/Reimann-Höhn
2000, S.79). Dabei finden sich Rituale von Seiten der Kindertagesstätte aus, die
das Kind angemessen verabschieden sollen und welche seitens der Grundschule,
die es herzlich und vertraut wieder aufnehmen.
Auf die kommenden ABC-Schützen sollten im letzten Kindergartenjahr Jahresrituale warten, die ihnen viele Wünsche, Erinnerungen und Mut machendes mit auf
den Weg geben und sie gleichzeitig in ihrer Selbstständigkeit und ihrer Identität
stärken um ihnen so den Abschied leichter zu machen. Sind den Vorschülern die
Rituale von den älteren Kindern aus den letzten Jahren bekannt, sind sie sich bewusst, dass wenn sie dran sind diese zu erleben, da auch für sie bald der Schuleintritt bevorsteht (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.71). Das Wissen, darum jetzt einer
von „den Großen“ zu sein, stärkt oftmals das kindliche Selbstbewusstsein und
weckt Vorfreude auf Kommendes. Bei den Kindern entstehen dadurch erfahrungsgemäß viele Fragen und Anliegen. Deshalb sollte sich die Thematik „Schule“
im Jahresverlauf immer wieder an verschiedenen Stellen des Alltags wiederfinden.
Auf diese Weise wird den Kindern ermöglicht, sich intensiv mit ihr auseinanderzusetzen. So könnten regelmäßige Besuche der neuen Schule mit vereinzelten
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Schnupperstunden bei zukünftigen Lehrern zu festen Jahresritualen gehören. Genauso erkunden viele Fachkräfte zusammen mit ihren Vorschülern den zukünftigen Schulweg. Das Abschiedsfest für die Vorschüler stellt in vielen Einrichtungen
ein festes Jahresritual dar. Hier wird sich nochmal zurück erinnert aber vor allem
fröhlich und positiv in die Zukunft geblickt. Daran gebunden ist oftmals ein Abschiedsgeschenk. Ein gängiges Ritual ist es den Kindern eine Mappe mit Erinnerungen an ihre Kindergartenzeit mitzugeben. Sie enthalten meist Fotos, Gebasteltes oder Dokumentiertes des Kindes (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.91). Auch die
Kinder können für sich untereinander Rituale entwickeln, um sich von ihrer Kindergartenzeit zu verabschieden. So kann es etwa zu einem kraftvollen Abschiedsritual werden, wenn die älteren den jüngeren ihren Gruppenraum feierlich übergeben. Dafür räumen sie diesen im Vorfeld auf, säubern ihn und übergeben ihn dann
z.B. mit einem schönen Empfang an die Kinder, die ihn im nächsten Jahr nutzen
werden (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.72).
Kommen die Kinder dann in die Schule beginnt für sie endgültig der Lebensabschnitt, auf den sie über ein Jahr vorbereitet wurden. Für sie bedeutet es, in eine
neue Situation, hineinzuwachsen und sich an einen anderen Lebensrhythmus mit
neuen Herausforderungen gewöhnen zu müssen. Rituale helfen Übergang und
Schulzeit zu gliedern, sie mit Spannung zu füllen und durch ihren festen und sich
wiederholenden Charakter jedem Kind psychischen Halt zu geben (vgl.
Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.79)
Ein fast in allen Schulen verbreitetes Ritual ist die Einschulungsfeier. Hier wird der
Übergang vom Kindergarten in die Schule symbolisch inszeniert. Das Einschulungsritual als performativer Akt macht aus Kindergartenkindern Schulkinder und
deren Eltern zu Eltern schulpflichtiger Kinder (vgl. Wulf u.a. 2004, S.24). Dabei gilt,
dass je behutsamer die Kinder auf die Einschulung vorbereitet wurden, desto
mehr können sie diese genießen. Dazu gehört vor allem, dass im Vorfeld vor den
Kindern nicht negativ von der Institution Schule gesprochen, sie etwa als Ernst
des Lebens oder ähnliches betitelt wird. Dies bremst die Vorfreude und weckt die
Vorstellung, Schule sei etwas Bedrohliches (vgl. Diekemper/Reimann-Höhn 2000,
S. 79ff.). „Einschulungen laufen in vielen Grundschulen Jahr für Jahr nach einem
bestimmten Muster ab, ein Ritual, das sowohl den Kindern und ihren Eltern als
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auch den Lehrern und Lehrerinnen Beständigkeit und Sicherheit vermittelt.“
(Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.80)
Ein weit verbreitetes Ritual, welches mit der Einschulung einher geht, ist das
Schenken einer Schultüte an den Erstklässler. Sie ist oft mit Süßigkeiten, Spielzeug, Schulsachen und anderen kleinen Dingen gefüllt und symbolisiert nach außen, was den Träger erwartet, nämlich dass er am heutigen Tag eingeschult wird.
Die Vorfreude auf die auch oft als Zuckertüte bezeichnete Schultüte, ist bei Kindern oftmals so groß, dass bestehende Angst und Aufregung vor dem großen
Schritt, meist Stolz und Freude weichen (vgl. Diekemper/Reimann-Höhn 2000,
S.82). Darf sich das Kind die Schultüte selber aussuchen oder bastelt sie gar zusammen mit einem Erwachsenen, vertieft sich der persönliche Bezug zu ihr (vgl.
Langlotz/Bingel 2008, S.91).
Nach der Feierlichkeit beginnen dann für die Kinder meist ziemlich schnell der
neue Alltag und damit die Herausforderung sich im neuen Umfeld zu Recht zu finden,
alle
kennenzulernen
und
sich
auf
alles
Neue
einzustellen
(vgl.
Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.86). Um den Erstklässlern diesen Schritt zu
erleichtern ist es in vielen Grundschulen ein gängiges Ritual geworden, ihnen für
die erste Zeit einen Schüler der höheren Stufe, sprich einen Paten an die Seite zu
stellen. Seine Aufgabe ist es, dem neuen Schulmitglied alles zu zeigen und ihm
bei Fragen und Problemen zu helfen. Durch das Wissen, dass es extra eine Person gibt, die für einen da ist, fühlen sich die Erstklässler gut aufgehoben und in
ihrem Status als Anfänger akzeptiert (vgl. Diekemper/Reimann-Höhn 2000,
S.123). Die älteren Kinder wiederum, die eine Patenschaft übernehmen, setzen
sich durch dieses Ritual aktiv mit der Situation der neuen Kinder auseinander und
werden daran erinnert, wie es ihnen damals erging. Dadurch werden sie für die
Situation der neuen sensibilisiert. Außerdem wird ihnen auf dieses Weise Mitverantwortung für andere übertragen, was ihre Selbständigkeit stärkt und ihnen positive Wertschätzung durch die Gruppe entgegenbringt.
Durch dieses Ritual wird das Kind auf der gleichaltrigen Ebene in die neue Umgebung eingeführt und hat dabei einen Ansprechpartner und vertrauten Begleiter an
seiner Seite (vgl. bayerische Bildungsplan S.412).
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5.Kapitel: Rituale und ihre Wirkung
Folgt man Aussagen pädagogischer Fachkräfte, so finden sich Rituale beim überwiegenden Teil im pädagogischen Handeln wieder. Dies lässt rückschließen, dass
Kinder, die eine elementarpädagogische Einrichtung besuchen, täglich Rituale
erfahren. Vorausgehend wurde beleuchtet, wie diese aussehen und vollzogen
werden können. Da bisher nur in einigen Zügen leicht angeklungen, möchte ich
mich im Folgenden vertiefend mit den damit erzeugten Effekten, sprich den Wirkungen von Ritualen beschäftigen.
Werden Rituale regelmäßig eingehalten können sie viel bewirken. Da sie jedoch
ihre eigentliche Funktion oft überschreiten, kann ihre Wirkung nicht auf eine
Zweck-Mittel-Relation reduziert werden (vgl. Wulf u.a. 2004, S.10).
Allgemein ist festzustellen, dass Rituale durch ihren wiederkehrenden Charakter
und gleichbleibenden Ablauf Sicherheit und Vorhersehbarkeit erzeugen. Auf diese
Weise tragen sie dazu bei, Stress, Angst und Unsicherheit bei den an Ritualen
beteiligten Leuten zu verringern und unterstützen diese so bei der Bewältigung
von großen und kleinen Krisen. Bedingt durch eben diese Eigenschaften, geben
sie dem Leben Strukturen vor und teilen so unsere Tage, Wochen und unser Jahr
ein, wodurch sie mit ihrer Ordnung einen Jahreskreis ergeben (vgl. Bäcker-Braun
2011, S.16). Doch nicht nur zeitliche sondern auch gesellschaftliche Ordnungen
können Rituale durch ihren gemeinschaftstiftenden Charakter markieren. Folgt
eine große Masse bestimmten Ritualen, so können dadurch auf der Einen Seite
Normen und Traditionen etabliert werden, wie auf der anderen gesellschaftliche
Strukturen zerstört oder transformiert (vgl. Imber-Black u.a. 2001, S.31). Demzufolge sind Rituale in der Lage, soziale Strukturen zu bestätigen oder aber auch zu
wiederlegen
Menschen die gemeinsam Rituale vollziehen, fühlen sich dadurch sehr miteinander verbunden und stark. Auf diese Weise wirken sich Rituale, die in Gemeinschaften vollzogen werden stabilitätsfördernd auf die Gruppe aus. „Ein Ritual wird
immer wiederholt und damit die Zusammengehörigkeit neu besiegelt“ (KaufmannHuber 2001, S.100), wodurch sie die Identität eines einzelnen Menschen oder der
gesamten Gemeinschaft stärken.
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Im Folgenden möchte ich die Wirkung von Ritualen nochmals spezialisierter betrachten.
5.1 Rituale und ihre Bedeutung für Kinder
Kinder wünschen sich Wiederkehrendes. Für sie ist es von großer Bedeutung,
dass bestimmte Dinge immer auf die gleiche Art und Weise getan werden. Deshalb haben sie einen besonderen Zugang zu Ritualen und fordern sich diese häufig ein. Aus diesem Grunde bestimmen Rituale auch weite Teile der kindlichen
Lebenswelt und erfüllen dort wichtige Funktionen (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.4).
Das kindliche Alter spielt dabei eine untergeordnete Rolle, denn Kinder sind in jedem Alter für Rituale empfänglich. Es gilt jedoch, je kleiner ein Kind ist, desto größer ist auch sein Bedürfnis nach Ritualen (vgl. Kunze/Salamander 2009, S.21).
Das immer Wiederkehrende vermitteln Kindern abseits von der Hektik des Alltages ein Gefühl von Gewohnheit, Vertrautheit und Sicherheit. Dadurch bewirken
sie, dass sich das Kind in die Handlung oder in die Beziehung zu einem Menschen
fallen lassen kann und aus diesem Gefühl von Geborgenheit und wohl sein heraus
bereit für die folgenden Schritte ist (etwa für den Abschied von den Eltern oder für
das Einschlafen) (vgl. Bischöfliches Ordinariat 2010, S.13). Dieses Gefühl ist vor
allem in den ersten Lebensjahren von besonderer Bedeutung, da es die Grundlage für die Explorationsprozesse des Kindes bildet. (vgl. Greine/Rodner 2009a,
S.4).
Rituale tragen dazu bei, Stücke von Kultur einzuüben und weiterzugeben. Erfahren und erleben Kinder rituelle Arrangements, werde ihnen dadurch Erlebnis–und
Erfahrungsräume eröffnet, die dazu beitragen, sie zu kultivieren. Demzufolge dienen sie Kindern zur Orientierung in der Gesellschaft und geben ihnen auf diese
Weise Hilfestellung dabei, sich die Welt vertraut zu machen und nach und nach
anzueignen (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.5). In dem sie Grenzen setzen und ihr
Ablauf oft an Regeln gebunden ist unterstützen sie Kinder außerdem darin, Regeln zu akzeptieren. „Alles, was regelmäßig wiederkehrt und immer nach dem
gleichen Schema abläuft, akzeptieren Kinder leichter.“ (Greine/Rodner 2009a, S.4)
Kinder stehen im Laufe ihrer Entwicklung wie bereits beschrieben immer wieder
vor neuen Lebensabschnitten und Übergängen, die es zu bewältigen gilt. Rituale
sind vorhersehbar. Auf diese Weise helfen sie, Vertrauen zu entwickeln. Demzu
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folge sind Rituale in solchen Lebenssituationen wohltuende Stützpunkte für Kinder, die ihnen Geborgenheit, Sicherheit und Verlässlichkeit vermitteln und auf diese Weise eine Konstante in ihrem Leben bilden. Dementsprechend signalisieren
Rituale Kindern, dass zwar nicht immer alles im Leben, aber doch das meiste
Liebgewordene und Vertraute erhalten bleibt (vgl. Kunze/Salamander 2009, S.64).
Erleben Kinder tägliche Routine und damit verbunden feste Rituale in ihrem Alltag
(egal ob alleine oder in Gemeinschaft), schützen diese sie vor übermäßigen
Stress und fördern darüber hinaus die Stressverarbeitung. Auf diese Weise können Kinder durch das Erleben von Ritualen vor Stressreaktionen wie etwa wiederkehrende Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen oder Nervosität geschützt
werden (vgl. Settertobulte, Dr. 2010, S.26). Durch ihre große Wirkung auf die psychische Gesundheit des Kindes stärken Rituale zudem die Widerstandkraft, sprich
die Resilienz von Kindern (vgl. Greine/Rodner 2009a, S.4). Somit wirkt sich das
Erleben von Ritualen positiv auf die kindliche Gesundheit aus.
Kinder haben das Verlangen, Teil einer Gemeinschaft zu sein, in ihr mitzuwirken
und sich einzubringen. Erfahren Kinder gemeinschaftliche Rituale, stärken diese
ihre Beziehungsfähigkeit und Identität. Werden sie offen gestaltet geben sie außerdem Raum für unterschiedliche Persönlichkeiten und Bedürfnisse, wodurch
das einzelne Kind Verständnis und Achtsamkeit für seine Anliegen erfährt (vgl.
Langlotz/Bingel 2008, S.95). Durch gemeinschaftliches rituelles Handeln dieser Art
fühlt sich das Kind in seiner Person wertgeschätzt und angenommen, was dazu
beiträgt, sein Selbstvertrauen zu stärken.
Werden Lernarrangements für Kinder rituell gestaltet hilft dies ihnen dabei, zu
kompetenten Individuen zu werden, die in der Lage sind, ihre Lernprozesse
selbstständig zu gestalten und zu kontrollieren. Somit unterstützen Rituale die
Entwicklung der kindlichen Selbstständigkeit, die wiederum hilft Individualität zu
entfalten (vgl. Wulf u.a. 2007, S.326).
Zusammenfassend kann gesagt werden, das die Orientierung und die Strukturierung kindlichen Alltags durch Rituale Kindern hilft, sich von Menschen zu lösen
und anzunähern um sich so in Gruppen einzufügen; dazu beiträgt, kindliches
Selbstvertrauen zu stärken; Ängste zu bewältigen, indem sie ihnen Vertrauen geben; kindliche Autonomie zu stärken, kindliche Gesundheit positiv zu beeinflussen
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sowie sich gemeinschafts- wie identitätsstiftend auswirkt (vgl. Diekemper/ Reimann-Höhn 2000, S.37/55/70).
Betrachtet man die Wirkungen, die Rituale auf Kinder haben können, wird deutlich,
dass sich die Effekte nicht nur auf die Zeit der Kindheit beschränken, sondern in
der Kindheit vollzogene Rituale eine Person sein ganzes späteres Leben lang
prägen (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.4). Aus diesem Grund sollten kindlichen Ritualen stets Beachtung geschenkt und mit Bedacht entwickelt werden. Demzufolge kann gesagt werden, dass von Kindern erlebte Rituale eine große Bedeutung
für die Jungen und Mädchen, sowie deren Entwicklung haben.
5.2 Die Bildungswirkung von Ritualen
Mit zunehmender Entwicklung erschließt sich ein Kind nach und nach mehr Lebensräume, die miteinander in Wechselbeziehung stehen und an denen sich die
entwickelnde Person aktiv beteiligt. Demzufolge wächst ein Kind meist nicht nur in
einem, sondern in mehreren Sozialisationsfeldern gleichzeitig auf (Bsp. Familie,
Institution, Peers, Nachbarschaft) (vgl. Bronfenbrenner 1989, S.39f.). Innerhalb
ihrer verschiedenen Sozialisationsfelder machen Kinder unterschiedlichste Lernerfahrungen. Kindliche Lernprozesse sind somit in soziale Situationen eingebettet,
die unmittelbar Einfluss auf die Bildung und Entwicklung nehmen. Rituale können
helfen diese Lernprozesse durch ihre symbolischen, kommunikativen Handlungsmuster und Regeln zu prägen und auf diese Weise Ordnung in ihnen zu erzeugen
(vgl. Wulf u.a. 2007, S.324).
Ausgehend von diesen Gedanken tätigt Wulf die Aussage: „Ein erheblicher Teil
der Bildung von Kindern (…) vollzieht sich in Ritualen.“ (Wulf u.a. 2004, S.8) Folgt
man dem, so haben Rituale bildende Wirkung. Mit Bildung meint er jedoch weniger die Aneignung curricularer, sprich formaler, geplanter Fähigkeiten, sondern
den Erwerb sozialer Kompetenzen. So lernen Kinder durch die aktive Teilnahme
an Ritualen etwa mit individuellen Differenzen umzugehen, sodass eine gemeinsame Aufführung entstehen und dadurch eine Gemeinschaft erzeugt werden
kann. Auf diese Weise werden rituelle Lernarrangements mimetischen Lernprozesse bei Kindern gefördert. Sie lernen also sich auf einander zu beziehen und
abzustimmen (vgl. Wulf u.a. 2007, S.326). Deshalb ist Bildung in diesem Zusammenhang nicht auf die Aneignung kognitiver Lernprozesse zu begrenzen, sondern
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als performativer, ritueller Prozess zu sehen. Die Bildungswirkung solcher ritueller
Prozesse hängt nämlich vor allem vom Körper ab, dem hier eine zentrale Rolle
zukommt (vgl. Wulf 2004, S.10). Dieser wird während ritueller Prozesse auf verschiedenste Weise eingesetzt. So verbinden sich u.a. Sprache Handlungen, Mimen und Gesten, sodass der Körper bei der Durchführung von Ritualen meist
ganzheitlich genutzt wird. Auf diese Weise und durch stetige Wiederholung der
Prozesse schreiben sich die rituellen Prozesse und ihre Abfolgen, Sequenzen und
Muster in die Körper der Beteiligten ein, formen dort innere Bilder und werden so
zu praktischem Körperwissen. Dieses, sprich das Wissen darüber, wie das Ritual
abläuft, bildet wiederum die Grundlage, um erfolgreich daran teilnehmen zu können. Dabei darf praktisches Wissen nie als abgeschlossen betrachtet werden.
Durch die stetige Wiederholung von Ritualen werden die erzeugten inneren Bilder
zunehmend ausdifferenziert. Sie verändern sich in Form und Qualität. Auf diese
Weise wird auch praktisches Körperwissen zunehmend aktualisiert, modifiziert
und erweitert, was wiederum zur Erweiterung ritueller Kompetenzen beiträgt und
neue Formen des Lernens ermöglicht (vgl. Wulf u.a. 2004, S.9 / vgl. Wulf u.a.
2007, S.324). Bildung durch Rituale bedeutet also, „die Erzeugung sozialer, im
praktischen Wissen des Körpers verankerte Kompetenzen.“ (Wulf u.a. 2004,
S.10).
Werden Rituale regelmäßig reflektiert und bei entsprechenden Bedarf den Bedürfnissen der Beteiligten neu angepasst, kommt es automatisch zu einer Verbindung
zwischen bisherigen Ritualen, sprich vertrauten Lernaktivitäten und den neuen,
veränderten Kontexten. Auf diese Weise wird bereits Gelerntes durch die neuen
Aspekte erweitert, was von den Beteiligten ein Umlernen erfordert. Dadurch werden bestimmte Lerninhalte vergessen und andere gefördert und aktualisiert. Diese
werden wiederum zum Ausgangspunkt neuer Erfahrungen (vgl. Wulf 2007, S.325).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Nachhaltigkeit der Bildungswirkung
von Ritualen in ihrem performativen, symbolischen und repetiven Charakter besteht (vgl. Wulf 2004, S.9).
Wie in allen Gruppen bestehen auch im Kindergarten zwischen den Teilnehmern
Differenzen, die sich unterschiedlich auf kindliche Bildungs- und Lernprozesse
auswirken können. Rituale eignen sich aufgrund ihres performativen Charakters
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dazu, solche Differenzen und eventuell daraus resultierende Konflikte zu bearbeiten. Durch die erzeugten körperlichen und kommunikativen Handlungen werden
Gefühle von Zugehörigkeit und Gemeinschaft hervorgerufen, was zu Beziehungen
unter den Lernenden führt. Rituale erzeugen also durch ihren Rahmen und ihre
Kontinuität gemeinschaftliche Lernkulturen (vgl. Wulf u.a. 2007, S.324f.). Rituell
gestaltetet Lernarrangements sind wirksam, weil die Beteiligten an den Sinn der
Rituale glauben und ihn anerkennen. Wird dieser jedoch in Frage gestellt, dann
verlieren sie ihre Funktion, die das gemeinschaftliche Lernen fördern soll. In diesem Fall müssen Rituale wieder so gestaltet werden, dass sie von allen Beteiligten
anerkannt werden (vgl. Wulf u.a. 2007, S.325f.).
5.3 Rituale als Entwicklungshilfen
„Kinder stehen beinahe täglich vor ungewohnten und neuen Situationen, die ihnen
Mut, Neugier und Kraft abverlangen. Ganz selbstverständlich lernen sie jeden Tag
hinzu und meistern die vielen Herausforderungen des Lebens. Dafür brauchen sie
Rahmenbedingungen in Familie, Kindergarten und Schule, die vielfältige Erfahrungen und Entwicklungsmöglichkeiten bieten und die ihnen zu mehr Selbstständigkeit verhelfen.“ (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.83) Ritualen können dazu beitragen, einen entsprechen, die Entwicklung unterstützenden Rahmen zu schaffen.
So können entsprechende Rituale etwa dazu beitragen, das Vertrauen der Kinder
in sich selbst und in die eigenen Fähigkeiten zu stärken.“ Stärkende Rituale können Gesten sein, die Zutrauen und Anerkennung ausdrücken, die Erreichtes
sichtbar machen und das Können der Kinder hervorheben.“ (Langlotz/Bingel 2008,
S.83). So könnte man in der Einrichtung z.B. zusammen mit den Kindern einen
kleinen Heißluftballon basteln. Am Ende der Woche finden sich alle Kinder zu einem Abschlusskreis zusammen und es wird gemeinsam überlegt, welches Kind in
der letzten Woche besonderes geleistet hat oder es aus anderem Grund verdient,
in den Ballon einzusteigen. Der Name des ausgewählten Kindes wird im Anschluss auf einen Zettel geschrieben und in den Korb des Ballons gelegt. Dieser
wird dann wieder an die Decke gehängt, sodass das Kind auf diese Wiese eine
Woche lang symbolisch mitfliegen darf. Durch Rituale dieser Art wird auch den
kleinen Errungenschaften angesichts der täglichen Herausforderungen Aufmerksamkeit geschenkt. Hier zeigt sich eine Möglichkeit, den Kindern bewusst vor Au-
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gen zu führe, dass und was sie geschafft haben. Auf diese Weise tragen Rituale
dazu bei, das Vertrauen der Kinder zu sich selber, die Wahrnehmung für andere,
sowie die Fähigkeit, sich darüber zu freuen, was ein andere geschafft hat zu unterstützen und zu fördern (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.83).
Die meisten Kinder kommen in ein Alter, in denen ihnen viele Situationen Angst
bereiten. Das kann z.B. die Angst vor Dunkelheit, vor bestimmten Tieren, vor dem
Alleinsein oder vor fremden Menschen sein. Viele Kinder entwickeln in diesen Situationen für sich eigene Rituale, um sich selbstständig zu regulieren. So lutschen
sie etwa am Daumen oder umarmen fest ihr Kuscheltier. Es ist wichtig die Ängste
von Kindern ernst zu nehmen und ihnen in diesen Momenten Beistand und Verständnis entgegen zu bringen. Es kann helfen, diese, dem Kind Angst machende
Situationen im Vorfeld mit ihm zu üben und zusammen weitere Rituale zu entwickeln, die ihm helfen, seine Angst schrittweise zu überwinden (vgl. Kunze/Salamander 2009, S.86). Im sogenannten „magischen Alter“, also im Alter von
zwei bis fünf, in dem Kinder besonders offen für Geheimnisvolles und Magisches
sind, kann ihre Offenheit diesem gegenüber und ihre Fantasie genutzt werden, um
kleine magische Rituale zu entwickeln, die ihnen in Angstsituationen helfen. So
können etwa gezielte Mut- und Zaubersprüche für die jeweiligen Situationen entwickelt werden. Werden sie in den jeweiligen Momenten aufgesagt helfen sie dem
Kind, aus seiner Angst heraus zu kommen und wieder eigene Handlungskraft zu
entwickeln. Eine andere Möglichkeit wäre es, zusammen mit dem Kind ein
Mutmach-Schutzwesen zu erschaffen. Das Kind stattet es mit den gewünschten
Eigenschaften aus, die sein Wesen braucht, um es zu beschützen. Um das Wesen dem Kind zu vergegenständlichen kann z.B. ein Stofftier mit den entsprechenden Eigenschaften beseelt werden. Kommt das Kind dann in eine Situation,
welche ihm Angst bereitet hat es sein Schutzwesen an der Seite, an dessen Kräfte
es glaubt und dass es beschützt. (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.86f.). Bei solch
magischen Ritualen geht es weniger darum, den Kindern etwas vorzuzaubern,
auch können sie die entsprechenden Momente nicht auflösen. Sie können Kindern aber helfen, sich ihren eigenen Ängste bewusst zu werden, sich diesen zu
stellen und sie dabei unterstützen, eigene Stärken zu finden, um so mit eigener
Kraft die Angst zu besiegen (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.86).
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Ängste oder andere Probleme lassen sich ebenfalls durch rituelles Geschichtenerzählen lösen. Dazu wird zusammen mit dem Kind eine Geschichte ausgesucht,
die sich auf die Situation des Kindes bzw. auf die gerade erlebte Schwierigkeit
übertragen lässt. Das Kind erkennt sich und seine Problematik in der Geschichte
wieder und kann die Lösung aus der Geschichte für sich selber übernehmen. Wird
diese immer und immer wieder vorgelesen/erzählt löst dies einen inneren Suchprozess im Kind aus. Dadurch wird es dazu angeregt, neben der angebotenen
Lösung auch eigene zu entwickeln (vgl. Kaufmann-Huber 2001, S.145f.).
Ausgehend von den exemplarisch genannten Beispielen kann zusammenfassend
festgehalten werden, dass positive Rituale Kinder in ihrer gesunden Entwicklung
unterstützen, indem sie etwa ihre Selbstständigkeit fördern, ihnen helfen Krisen
und Ängste zu besiegen, ihnen Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein geben und
ihr Leben strukturieren (vgl. Kunze/Salamander 2009, S.16). So lässt sich schnell
vermuten, dass Rituale an sich stets positiv und damit entwicklungsfördernd sind.
Um den kindlichen Alltag und ihr Leben allerdings wirklich zu bereichern, sollten
Rituale immer den neuen Anforderungen der kindlichen Lebenssituation angepasst werden (vgl. Kunze/Salamander 2009, S.12). Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich ausgewählte Rituale negativ auf die kindliche Entwicklung auswirken und auf diese Weise zum Entwicklungshemmer werden.
5.4 Entwicklungshemmende Rituale
Rituale zeichnen sich unter anderem durch ihren festen Ablauf und bestimmte Regeln aus, welche über längere Zeit gleich bleiben. Allerdings leben wir inzwischen
in einer Gesellschaft, die durch stetigen Wandeln und fortlaufende Veränderungsprozesse gekennzeichnet ist. Werden Rituale in ihrem Sinn und ihren Inhalten
nicht an entsprechend neue gesellschaftliche Gegebenheiten angepasst, laufen
sie schnell Gefahr, ihren Sinn zu verlieren und somit zu leeren Handlungen zu
werden, die niemanden etwas bedeuten (vgl. Kaufmann-Huber 2001, S.10). In
solchen Fällen ist der eigentliche Sinn des Rituals nicht mehr nachvollziehbar, wodurch die Handlung weder Wert noch Bedeutung für die Beteiligten hat und für sie
damit auch keinen positiven Effekt mehr erzielen kann. In diesem Fall besteht die
Gefahr, dass Rituale den Beteiligten entgegen der ursprünglichen Absicht mehr
schaden als nutzen (vgl. Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S.152f.). Deshalb soll-
$"
!
ten Rituale nie einfach so vollzogen, sondern sensibel eingesetzt ausgewählt und
ihr Einsatz stets hinterfragt werden.
Auch kindliche Bedürfnisse verändern sich ausgehend von stetig gemachten Erfahrungen und zunehmenden Alter. Demzufolge ist es ebenso im elementarpädagogischen Kontext von enormer Bedeutung, eingesetzten Rituale offen zu halten
und ihre Stimmigkeit immer wieder zu überprüfen. Andernfalls verkommen Rituale
zu reinen Floskeln und mechanischen Handlungen, die die Sicherheit, welche
durch sie vermittelt werden soll,
nicht aufkommen lassen und eigenständiges
Denken blockieren. Rituale dieser Art nehmen Kindern oft den Spaß und werden
dann von ihnen als Zwang und Gängelei empfunden. Aus negativen Erfahrungen
dieser Art können schließlich Abwehrhaltungen Ritualen gegenüber entstehen
(vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.8ff.). Demzufolge sind ein kritischer Blick und ein
sensibler Umgang mit dem Thema gefordert, um den negativen Effekten von nicht
angemessenen Ritualen entgegenzuwirken
5.4.1 Typologie „schlechter“ Rituale
Es gibt eine Vielzahl von Ritualen, die sich durch ihre unangemessene Anwendung negativ auf die kindliche Entwicklung auswirken können. So etwa starre Rituale. In ihnen gibt es viele Verhaltensweisen, die den Teilnehmern vorgeschrieben sind und nur wenige offene Teile, die Individualität oder Kreativität zulassen
(vgl. Imber-Black u.a. 2001, S.51) Zwar geben kontinuierliche und im Wesentlichen gleichbleibende Strukturen Sicherheit und Orientierung, von denen vor allem
sehr junge Kinder profitieren, aber trotzdessen sollten sich Rituale letztlich immer
an den Bedürfnissen der Kinder orientieren. Demzufolge sollten Rituale stets weiterentwickelt und an neue Gegebenheiten oder den Bedürfnissen der beteiligten
Kinder angepasst werden (vgl. Eder 2011, S.9). Starre Rituale bleiben jedoch stets
unverändert (vgl. Imber-Black u.a. 2001, S.51). Auf diese Weise halten sie stetig
an Gewohnheiten fest und stehen damit notwendige Entwicklungen und angemessener Bedürfnisbefriedigung im Wege (vgl. Kunze/Salamander 2009, S.12).
Auch den Kindern aufgezwungene Rituale können sich negativ auf ihre Entwicklung auswirken. Bedeuten sie den Kindern nichts, so werden sie als sinnlos empfunden. Kinder sind in diesem Sinne nur Statisten, die sich zwar am Ablauf beteiligen, sich jedoch nicht mit den Inhalten und Zielen auseinandersetzen (vgl.
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Diekemper/Reimann-Höhn 2000, S. 153). Rituale dieser Art verfehlen meist die
eigentlichen Bedürfnisse des Kindes.
Ein Beispiel für ein starres, wie auch für ein aufgezwungenes Ritual, wäre ein Baby, das die Brust oder die Flasche nicht nur zum Stillen seines Hungers bekommt,
sondern auch zur Beruhigung, zur Ablenkung oder zum Trösten. Aus diesem negativen Ritual kann sich eine schlechte Angewohnheit beim Kind entwickeln. Bekommt es immer wieder Nahrung, anstelle Aufmerksamkeit für seine wahren Bedürfnisse wird das Kind daran gehindert, ein Gefühl für seinen Körper und für
Hunger zu entwickeln. Desweiteren erfährt es Essen als Problemlösestrategie,
woraus sich eine Essstörung entwickeln kann (vgl. Kunze/Salamander 2009,
S.26).
Vollziehen viele Menschen ein gemeinsames, sprich ein Gruppenritual, kann dies
enorme Kraft und Wirkung freisetzen – man fühlt sich verbunden und stark. Aus
dem persönlichen Ich des Einzelnen wird ein „kollektives Wir“, welchem man sich
als alleinige Person oft nur schwer entziehen kann. Diese Wirkung und Kraft kann
ausgenutzt werden, so z.B. in Zeiten des Neo-Faschismus zu sehen. Hier folgten
Millionen von Menschen einem falschen Ideal, weil sie unter anderem durch die
Kraft verschiedener Rituale in den Bann gezogen wurden. Die Kraft von Ritualen
darf deshalb nicht unterschätzt oder ausgenutzt werden (vgl. Kaufmann-Huber
2001, S. 100f.). Da Rituale eine besondere Wirkung auf Kinder ausüben sollte dies
besonders von Fachkräften bedacht werden. Rituale sollten die persönliche Integrität nicht untergraben.
Mit diesem Gedanken geht einher, dass Rituale oftmals zur Machtausübung missbraucht werden. So entwickeln Erzieher bspw. Strafrituale wie „in die Ecke stellen“
oder Ausschluss von der Gruppe. Statt sinnstiftende Handlunge zu erzeugen, wie
eigentlich durch Rituale vorgesehen, erfahren Kinder so Disziplinierung und soziale Kontrolle. Unter diesen Umständen wird eventuell der störungsfreie Ablauf in
der Institution gesichert, der eigentliche in der jeweiligen Situation vorherrschende
Konflikt jedoch unter den Teppich gekehrt und nicht angemessen und individuell
mit dem Kind geklärt (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.9). Um der kindlichen Entwicklung nicht hinderlich zu sein, sondern sie möglichst positiv zu unterstützen sollten
Rituale deshalb regelmäßig darauf überprüft werden, ob sich alle Beteiligten mit
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ihnen wohlfühlen und ob sie ihren ursprünglichen Sinn noch immer gerecht werden (vgl. Langlotz/Bingel 2008, S.9).
Doch nicht immer wird rituelles Verhalten von außen an Jungen und Mädchen
herangetragen. Auch Kinder sind in der Lage, für sich selber komplexe Rituale zu
entwickeln und zu vollziehen. Auch diese müssen nicht immer im positiven Sinne
entwicklungsfördernd sein.
5.4.2 Wenn aus Ritualen Zwänge werden
Ein intrinsisch vollzogenes Ritual wird dann zum Entwicklungshemmer, wenn es
dem Einzelnen nicht mehr nur dazu dient eine Krise oder eine besondere Situation
zu überstehen und ihn darin unterstützt stetig auf Neues zuzugehen, sondern es
lediglich vollzogen wird, um die Angst vor dem Neuen abzuwehren. In diesem Fall
können sich rituelle Zwangshandlungen entwickeln, die zwar die Angst vor Unbekannten abwehren, jedoch die folgenden Entwicklungsschritte nicht zulassen (vgl.
Kaufmann-Huber 2001, S.98). Damit sind nicht die harmlosen Formen des Zwanges gemeint, die wir in unserem täglichen Leben erfahren, wie etwa doppelt zu
überprüfen, ob die Haustür abgeschlossen ist oder nochmal zu kontrollieren, ob
Herd und Bügeleisen abgeschaltet sind. Diese Art von Zwängen behindern uns in
unserem Leben kaum und kommen uns selber oft albern oder unsinnig vor (vgl.
Hoffmann/Hofmann 2011, S.7).
Unter einem wahren Zwang oder einer Zwangsstörung werden „wiederkehrende
und anhaltende Verhaltensweisen, Ideen, Gedanken und Impulse verstanden, die
sich gegen den inneren Widerstand aufdrängen und vom Patienten als unsinnig,
übertrieben oder quälend erlebt werden.“ (Wewetzer 2004, S.13). Es handelt sich
also um ein Ritual, das, obwohl der Sinn des Tuns nichts mehr mit dem ursprünglichen Auslöser zu tun hat, trotzdem immer wieder wiederholt wird. Auf diese Weise schränkt er das Leben des Betroffenen deutlich ein (vgl. Kaufmann-Huber
2001, S.99).
Zwangsrituale sind in Zwangsgedanken und Zwangsstörungen zu unterteilen.
Zwangsgedanken implizieren Ideen, Vorstellungen und Impulse, die sich beim Erkrankten gegen dessen Willen aufdrängen und ihn damit immer wieder beschäftigen. Es handelt sich dabei also um nichts von außen an Person herangetragenes,
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sondern der Betroffene erlebt diese Vorstellungen als eigene Gedanken. Meist
handelt es sich bei Zwangsgedanken um zwanghafte Befürchtungen, wie etwa vor
Verschmutzungen oder Bakterien oder sie beziehen sich auf Symmetrien und Genauigkeit (vgl. Wewetzer 2004, S.13f.).
Bei Zwangshandlungen handelt es sich wiederum um häufig wiederholte, ritualisierte Handlungen, deren Nichtausführung den Betroffenen nur sehr schwer möglich ist. Als Beispiele für zwanghafte Handlungen sind Wasch- oder Kontrollzwänge, sowie die Einhaltung bestimmter Ordnungen zu nennen. Wird zwanghaftes
Verhalten nicht verwirklicht steigen im Betroffenen Anspannung und Angst, verbunden mit der Furcht, die Nichtausführung ziehe schlimme Folgen nach sich.
Zwangshandlungen solcher Art gehen meist Zwangsgedanken voraus, welche
dann durch die entsprechende Handlung umgesetzt und so neutralisiert werden
(vgl. Wewetzer 2004, S.14).
Zwangsrituale werden von den Betroffenen oft als „ich-dyston“, sprich als nicht zu
ihnen dazugehörig, fremd und störend erlebt. Somit werden das eigene Handeln
oder die eigenen Gedanken meist als unnötig, unangenehm, lästig und total übertrieben empfunden. Trotzdessen zwingen sich Betroffene entsprechende Handlungen und Gedanken, bis zur persönlichen Zufriedenheit immer wieder auszuführen. Dadurch nehmen sie rituellen Charakter an (vgl. Wewetzer 2004, S.25).
Zwangsrituale können mit Begleitstörungen wie etwa Depressionen, Angsterkrankungen sowie Ess-Tic-oder Persönlichkeitsstörungen einhergehen (vgl. Wewetzer
2004, S.31).
5.4.2.1 Zwänge bei Kindern
Entgegen der langjährigen Meinung Zwangsstörungen treten nur äußerst selten
bei Kindern auf, wurde inzwischen bewiesen, dass etwa ein Drittel bis die Hälfte
der erkrankten Erwachsenen bereits im Kindesalter von ihren Zwängen betroffen
waren. Während kindliche Rituale als entwicklungsbezogene Verhaltensweisen
betrachtet werden können, die zu einer normalen emotionalen und sozialen Entwicklung gehören und von Kindern als positiv erlebt werden, werden Zwangsrituale in diesem Alter oft als quälend und belastend erlebt. Zwangsrituale als Krankheitssymptom entstehen meist zwischen dem 6. und 8. Lebensjahr, also zu einem
Zeitpunkt, indem kindliche Rituale rückläufig sind. Beide Formen haben jedoch
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gemein, dass jeweils hartnäckig auf die exakte Durchführung geachtet wird und
sie in Situationen des täglichen Lebens auftreten (vgl. Wewetzer 2004, S.24f.).
Studien ergaben, dass sich kindliche Zwangsgedanken am häufigsten um die Befürchtung vor Schmutz und Keimen drehen, sowie sich auf Symmetrie und Genauigkeit beziehen. Auf der Handlungsebene sind Wasch-und Reinigungsrituale, sowie Kontrollzwänge an erster Stelle zu finden. Desweiteren sind betroffene Kinder
oftmals deutlich in ihrem Leistungsbereich beeinträchtigt und ziehen sich häufig
aus dem sozialen Leben zurück (vgl. Wewetzer 2004, S.29f.).
Die definitive Ursache, warum Kinder Zwänge entwickeln ist nicht bekannt. Auch
konnte bisher kein Kontinuum zwischen kindlichen Ritualen und späteren
Zwangserkrankungen festgestellt werden. Zwangserkrankte Kinder vollziehen
demzufolge nicht häufiger Rituale, als nichterkrankte (vgl. Wewetzer 2004, S.25).
Es wird jedoch vermutet, dass zwangserkrankte Kinder häufig perfektionistische
Eltern haben. In diesem Sinne ist die elterliche Akzeptanz daran gebunden, dass
einzuhalten, was die starren Regeln und die Normen der Eltern vorgaben. Abweichungen wurden geahndet oder als böse empfunden, weshalb es diese zu vermeiden galt. Aus Angst sich falsch zu verhalten und so ausgeschlossen oder bestraft zu werden, ordnet sich das Kind und seine eigene Bedürfnisse nach Unabhängigkeit und Eigenständigkeit unter, sodass es keine eigene Impulse ausleben
kann. Um keine Abweichungen zuzulassen und sich stets richtig zu verhalten entwickelt das Kind für sich ritualisierte Verhaltensweisen, die ihm die Sicherheit geben, sich immer gleich zu verhalten. Dieses starre Handeln kann dann allmählich
zu einem Müssen, sprich zu einem Zwang werden, der jegliches spontanes Handeln unmöglich macht (vgl. Wewetzer 2004, S.87f.).
Ausgehend von den zuletzt aufgeführten Gedanken stellt sich die Frage, ob es
sich eher empfiehlt den pädagogischen Alltag mithilfe von Ritualen zu gestalten
und Kindern auf diese Weise Struktur uns Sicherheit zu geben, oder aufgrund der
möglicherweise negativ erzeugten Effekte auf diese zu verzichten und so Platz für
maximale Individualität zu schaffen.
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„Tägliche Routine kann entlasten, aber sie verhindert auch,
dass man nach neuen und besseren Lösungen sucht,
um seine Zeit sinnvoll zu füllen.“
(Gelinde Unverzagt, 2012)
5.5 Kita-Alltag gestalten – feste Strukturen oder komplette Öffnung?
Gerade in unserer schnelllebigen Zeit brauchen Kinder Orte und Situationen mit
verlässlichen und gleichbleibenden Strukturen, die ihnen den nötigen Halt geben.
So sollte auch in Kindertagesstätten ein verbindlicher Rahmen geschaffen werden,
auf den sich die Kinder verlassen können und der ihnen Orientierung im Alltag
bietet. Demzufolge ist es sinnvoll, Abläufe in frühkindlichen Institutionen zu ritualisieren und Rituale zu einem festen Bestandteil des Kitalebens zu machen. Auf
diese Weise werden gleichbleibende und kontinuierliche Tagesstrukturen geschaffen, die den Kindern Sicherheit, Vertrauen und Wohlbefinden vermitteln. Kindliche
Bedürfnisse dürfen dabei jedoch nie aus dem Auge verloren werden. Die Struktur
des Tagesverlaufs sollte sich in erster Linie an ihnen orientieren (vgl. Eder 2011,
S. 7ff.).
Das Selbstverständnis von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen unterliegt jedoch stetigen Wandlungsprozessen. So brauchen Kinder nach dem modernen
Verständnis von Bildung Gelegenheiten, ihre Lernprozesse selbstständig zu gestalten. Folglich erweist es sich als nicht förderlich, den Kita-Alltag bis ins kleinste
Detail durchzuplanen. Demnach müssen Abläufe auch mal verändert werden, um
so kindlichen Entwicklungsschritten Gestaltungsspielräume zu eröffnen (vgl. Eder
2011, S.9f.). Fachkräfte sollten deshalb ihr pädagogisches Handeln und die Tagesstruktur stetig reflektieren und überprüfen, ob sich an manchen Stellen Gewohnheiten eingeschlichen haben, die eventuelle Freiräume blockieren oder Bedürfnissen nicht gerecht werden. Demzufolge kann eine Tagestruktur nicht ein für
alle Male festgelegt werden, sondern sollte immer wieder an neue Gegebenheiten
angepasst werden, da sie sonst nur zu sehr einengt und nur wenig Raum für individuelle Lebensgestaltung und Kreativität lässt (vgl. Kaufmann-Huber 2001,
S.115). So sollten etwa die Tagestrukturen nicht einfach so aus dem letzten KitaJahr übernommen werden, sondern unter Berücksichtigung individueller Bedürf-
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nisse und durch Mitgestaltung der Kinder offen gehalten und neu angepasst werden (vgl. Eder 2011, S.10).
Vielleicht entsteht so etwa der Wunsch, mal anders zu essen oder eine neue Form
der Gutnachgeschichte zu hören. Auf diese Weise entdecken Kinder neue Formen
z.B. von Esskultur und bekommen ausgehend von der erlebten Vielfalt wiederum
die Möglichkeit, daraus persönliche Rituale zu entwickeln (vgl. Langlotz/Bingel
2008, S. 67). Bedingt dadurch, dass Kinder sich so mit den einzelnen Situationen
aktiv auseinandersetzen, werden bei ihnen zusätzlich neue und kreative Denkprozesse angeregt. Diese befähigen sie zum flexiblen Denken, sprich es fällt ihnen
leichter, neu zu disponieren, umzudenken und vielseitige Wege in Betracht zu ziehen – eine Basiskompetenz, die in unserer heutigen Gesellschaft durchaus gefordert ist (vgl. Eder 2011, S.7f.).
Es ist festzuhalten, dass es in dieser Thematik kein Entweder - Oder gibt. Weder
ein straff strukturierter Tagesablauf, noch ein komplett ungeregelter, bilden den
goldenen Weg. Ein nur von starren Strukturen bestimmter Alltag kann Kinder zu
sehr in ihrer Individualität einengen, während ein komplett ungeregelter bei ihnen
Verwirrung stiften kann (vgl. Kaufmann-Huber 2001, S.116). Die Mischung macht
es aus. Es geht darum flexibel zu arbeiten, was nicht bedeutet unstrukturiert zu
sein, sondern Lebensräume für Kinder zu schaffen, in denen sie ihre individuellen
Bedürfnisse entwickeln und entfalten können. Um dies zu ermöglichen sollten sich
pädagogische Fachkräfte stets fragen, wann es sinnvoll ist, den Alltag mal zu unterbrechen, um ihn anders zu gestalten oder Neuerungen einzuführen, die alle
bereichern. Dabei müssen sie ihr Handeln stets an den Bedürfnissen der Kinder
ausrichten, um diese zum Einen nicht mit dauernden Neuerungen zu überfordern
und zum Anderen durch Strukturen und Plänen Eltern, Kindern und Bildungsplänen Genüge zu tun (vgl. Eder 2011, S.8). Deshalb ist es sinnvoll „ … der Struktur,
die durch Rituale geschaffen wird, und der Herausforderung, die im Ausprobieren
von Neuem liegt, gleichermaßen Platz einzuräumen. So gilt es, eine Ausgewohnheit zu ermöglichen, um ein fruchtbares und stabiles Lebensumfeld für Kinder,
Pädagogen und Eltern zu schaffen.“ (Eder 2011, S.7).
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EMPIRISCHER TEIL
Im theoretischen Teil dieser Arbeit wurden die fachlichen Grundlagen zum Thema
Rituale in frühkindlichen Institutionen gelegt. In diesem zweiten, empirischen Teil,
soll es nun darum gehen, wie Rituale in der aktuellen Praxis bewertet und gehandhabt werden. Den Fragebogen, Antworten der Befragung, die dazugehörigen
Diagramme, sowie die Protokolle der teilnehmenden Beobachtung finden sich im
Anhang wieder.
1.Kapitel: Vorstellung der empirischen Methoden
„Unter empirischer Sozialforschung wird allgemein eine Gesamtheit von Methoden, Techniken und Instrumenten zur wissenschaftlich korrekten Durchführung
von Untersuchungen des menschlichen Verhaltens und weiterer sozialer Phänomene verstanden.“ (Häder 2010, S.20). Um dabei ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen, etwa um spezielle Informationen zu gewinnen, können verschiedene Methoden eingesetzt werden. Bei diesen Methoden handelt es sich um Systeme von
Handlungsanweisungen und Regeln, die dazu dienen, bestimmte Erkenntnisse
bzw. gewisse Resultate zu realisieren (vgl. Häder 2010, S.20). Die Ergebnisse, die
mit Hilfe solch sozialwissenschaftlicher Methoden gewonnen werden, lassen sich
in quantitative und qualitative Daten unterscheiden. Wird in einer Empirie etwa die
Menge eines Merkmals, einer Verhaltensweise oder etwa einer Eigenschaft betrachtet, so bezeichnet man diese Ergebnisse als quantitative Daten bzw. den
Prozess als quantitative Sozialforschung. Werden solche Merkmale oder entsprechende Merkmalsausprägungen jedoch verbal beschrieben, spricht man von qualitativen Daten bzw. qualitativer Sozialforschung (vgl. Häder 2010, S.23). Dabei
kommt es häufig jedoch auch dazu, dass sich qualitative und quantitative Forschungen nicht leicht voneinander trennen lassen bzw. vermischen. So habe ich
für meinen empirischen Teil einen Fragebogen entwickelt, sprich eine Methode
der quantitativen Forschung gewählt. Da ich ihn jedoch in Verbindung mit von mir
gemachten teilnehmenden Beobachtungen setzen werde und es mir bei der Beantwortung der Fragen nicht auf die Masse, sondern auf die qualitativen Äußerungen der einzelnen Fachkräfte ankommt, zähle ich meine Forschung insgesamt zur
qualitativen Forschung.
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Um theoretische Erkenntnisse zu überprüfen, möchte ich im empirischen Teil meiner Arbeit pädagogische Fachkräfte mit Hilfe eines Fragebogens zu ihren Erfahrungen und ihren Umgang mit Ritualen im eigenen Handeln befragen. Desweiteren werde ich mir durch teilnehmende Beobachtungen einen eigenen und nochmals vertiefenden Eindruck über bestehende Rituale in verschiedenen Kindergruppen verschaffen. Auf diese Weise können die durch den Fragebogen gewonnenen Erkenntnisse mit der gelebten Praxis abgeglichen werden. Durch den Gebrauch der Fragebögen erwarte ich mir vielseitige Antworten auf gleiche Fragen
und erhoffe mir dadurch Multiperspektivität. Durch die gegebenen Antworten werde ich dann die den Fragen zugrunde liegende Konzepte überprüfen. Die Bögen
dienen also als Verbindungsstück zwischen Theorie und Praxis.
Zunächst möchte ich den Aufbau meines Fragebogens vorstellen, bevor ich den
zweiten Teil meiner Forschung, die teilnehmende Beobachtung genauer darstellen
werde.
Der Fragebogen, welcher sich zur Verdeutlichung im Anhang befindet, gliedert
sich in vier Teile. Im ersten Teil werden Daten zu den persönlichen Angaben der
Befragten erhoben. An dieser Stelle sollen die Fachkräfte Aussagen zu ihrem Alter, ihrem pädagogischen Abschluss, möglichen Zusatzqualifikationen und der
Dauer, wie lange sie bereits als pädagogische Fachkraft tätig sind, bzw. seit wann
sie in ihrer jetzigen Einrichtung arbeiten, machen. Mit Hilfe dieser Fakten, möchte
ich eventuelle Beziehungen zwischen Alter, beruflicher Qualifikation oder bisheriger Tätigkeit und dem Einsatz von Ritualen ermitteln. Im zweiten Teil (Rituale)
werden den Fachkräften Fragen zum persönlichen Verständnis von Ritualen gestellt. Da es keine feste und allgemein gültige Definition vom Begriff Ritual(e) gibt,
kann auf diese Weise in Erfahrung gebracht werden, welches Verständnis die
Grundlage für das pädagogische Handeln und die Argumentationen der einzelnen
Fachkräfte bildet. Dabei lässt sich außerdem ermitteln, inwieweit sich in der Praxis
einzelne Verständnisse von Ritualen voneinander unterscheiden. Im dritten Teil
(Selbstreflexion) werden die Erzieher zu ihrer persönlichen Einstellung und ihren
eigenen Erfahrungen mit Ritualen befragt. So ist anzugeben, ob sie Rituale im Privaten ausüben, wie diese ihrer Ansicht nach gestaltet werden sollten, ob es Rituale gibt, die in der Kindheit selber erlebt und deshalb weitergegeben wurden und ob
sich schon ein Mal gegen ein Ritual entschieden wurde. Durch diese Aussagen
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kann ein Zusammenhang zwischen persönlicher Einstellung und vermehrten bzw.
verminderten Einsatz in der Praxis hergestellt werden. Der letzte Teil macht den
Großteil des Fragebogens aus und beschäftigt sich mit Ritualen im pädagogischen
Handeln. Hier werden die Fachkräfte gezielt nach einzelnen Ritualen sowie deren
Entstehung und Effekten in ihrer beruflichen Praxis befragt.
Bei dem Fragebogen handelt es sich um einen standardisierten Fragebogen. Dies
bedeutet, dass alle Befragten den gleichen Bogen mit den gleichen Fragen in der
gleichen Reihenfolge erhalten. Alle Bögen sind also identisch.
Bis auf eine Ausnahme im dritten Teil sind alle Fragen der ersten drei Teile offen
gestellt, d.h. es sind keine Antwortkategorien vorgegeben. Auch Teil vier enthält in
Teilen offene Fragen. Dies ermöglicht es den Fachkräften in eigenen Worten zu
antworten. Zudem ist durch eine Fragestellung solcher Art die Wahrscheinlichkeit
viel größer, eine Vielzahl an unterschiedlichen Antworten zu bekommen (vgl. Porst
2011, S.54). Teile des vierten Abschnittes des Fragebogens enthalten darüber
hinaus geschlossene Fragen. Hier liegt eine begrenzte und definierte Anzahl an
möglichen Antwortkategorien vor. Demzufolge muss der Befragte seine Antwort in
die Vorlagen einpassen. Dabei ist stets immer nur eine Nennung möglich, d.h. die
Fachkräfte müssen sich für eine der vorgegebenen Alternativen entscheiden (vgl.
Porst 2011, S.51). Um die einzelnen Meinungen und Einstellungen differenziert
messen zu können, habe ich die vorgegebenen Antwortformate in mehrstufige
Skalen eingeteilt und diese außerdem mit folgenden vier Antwortkategorien verbalisiert:
•
Trifft voll und ganz zu
•
Trifft eher zu
•
Trifft eher nicht zu
•
Trifft überhaupt nicht zu
Durch die Mehrstufigkeit der Skalen können die Befragungspersonen ihre Einstellung zum Thema zum Ausdruck bringen. Zudem wird diese Art der Befragung dem
Bedürfnis des Einzelnen gerecht, seine Position differenziert darzustellen (vgl.
Porst 2011, S.75). Um neutrale Antworten zu vermeiden habe ich mich für einen
so genannten Force-Choice, sprich einen Frageborgen mit gerader Anzahl an
Antwortkategorien entschieden. Die Befragten müssen sich also entweder für die
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!
Seite des bejahenden Pols oder für die des verneinenden entscheiden (vgl. RaabSteiner/Benesch 2010, S.55). Dadurch verspreche ich mir aussagekräftigere Ergebnisse und eindeutigeres Material.
Desweiteren nutze ich in meiner Empirie die teilnehmende Beobachtung. Sie gilt
als eine Standardmethode der Feldforschung. Durch die teilnehmende Beobachtung verspreche ich mir einen umfassenden Einblick in das Leben einzelner Kindergruppen und deren Rituale. Dabei stehe ich bei der Durchführung nicht passiv,
sprich außerhalb des Geschehens, sondern nehme selbst an der sozialen Situation teil. So bin ich näher am Geschehen, was mir eine Innenperspektive der jeweiligen Situation eröffnet. Ziel ist es entsprechende Daten über die Rituale zu sammeln. Dabei ist es weder sinnvoll, völlig frei noch vollständig strukturiert vorzugehen (vgl. Mayring 2002, S.80f.). Um entsprechende Informationen zu dokumentieren, arbeite ich deshalb zum Einen mit eigens entwickelten halb-standardisierten
Beobachtungsbögen.
Wie im Anhang nachzuvollziehen, sind im Protokoll fünf Teile auszufüllen. Um sich
auf den ersten Blick orientieren zu können, soll im ersten Teil knapp die vorliegende Situation beschrieben werden. Darunter sind dann im zweiten das aktuelle Datum bzw. die Dauer des Rituals einzutragen. Im folgenden dritten Teil sollen dann
alle Teilnehmer aufgeführt werden. Es folgt der vierte, der Hauptteil. Ihm ist der
meiste Platz des Protokolls gewidmet. Hier soll die jeweilige soziale Situation,
sprich der Ablauf des Rituals verbunden mit jeweiligen Reaktionen etc. beschrieben werden. In der rechten Spalte befindet sich dann letztlich der fünfte und letzte
Teil. Hier dokumentiere ich eigene Gedanken und Empfindungen.
Diese wenigen Vorgaben ermöglichen es mir, offener zu arbeiten und ausführliche
Kommentare abzugeben, sowie neue Aspekte herauszuarbeiten. Um die unterschiedlichen Beobachten jedoch im Nachherein miteinander vergleichen zu können, habe ich im Vorfeld trotzdem die wichtigsten Beobachtungsdimensionen festgelegt, sprich entwickelte für mich einen Beobachtungsleitfaden. So möchte ich
ungeachtet der jeweiligen Situation bzw. des jeweiligen Rituals für mich festhalten
wer alles daran teilnimmt, welche Rahmenbedingungen vorliegen, wie das Ritual
abläuft (sprich Ablauf bekannt? Starr? Individuell? etc.), wer die jeweilige Situation
anleitet, wie die Beteiligten jeweils auf sie reagieren und was ich selber in den je-
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weiligen Momenten empfinde. Desweiteren fokussiere ich mich in meinen Beobachtungen auf im Vorfeld von mir festgelegte Situation. Zu beobachten sind: die
jeweiligen Abschieds/Begrüßungs- Tisch- und Schlafrituale, sowie spezifische Rituale der einzelnen Gruppen. Auf diese Weise sollte aus jeder Beobachtung ein
aussagekräftiges Beobachtungsprotokoll entstehen. Diese Beobachtungsprotokolle werden dann im Nachherein mit den Aussagen der Fragebögen abgeglichen,
wodurch ich in Erfahrung bringen möchte, inwieweit pädagogisch rituelles Handeln
sich in Vorstellung und Praxis der Fachkräfte differenzieren.
2.Kapitel: Methodisches Vorgehen
Nach der Erarbeitung der beiden qualitativen Methoden, bat ich zwei Kindertagesstätten in Schwaan um ihre Mithilfe bei der Durchführung meiner Empirie. Zum
Einen kontaktierte ich die katholische Kindertagesstätte und bat die drei Mitarbeiterinnen dort um Hilfe beim Ausfüllen zweier Fragebögen. Ich wählte diese Einrichtung, da ich ihre Arbeit in einem meiner Praktika als sehr positiv erlebte und
mir aufgrund ihrer religiösen Ausrichtung aufschlussreiche Informationen bezüglich religiöser Rituale erhoffte.
Bei der zweiten Einrichtung handelte es sich um die Kindertagesstätte
„Warnowkrümel“, welche sich in Trägerschaft des DRK befindet. Auch hier absolvierte ich im Vorfeld ein Praktikum, jeweils eines im Hort- und eines im Kitabereich. Die Vorgespräche zu den jeweiligen Praktika und zur Durchführung meiner
Praxis empfand ich zudem immer als sehr bereichernd.
Nachdem ich von den beiden Einrichtungen die Zusage zur Zusammenarbeit hatte, brachte ich die Fragebögen persönlich in die Kindertagesstätten, wo ich sie den
Mitarbeitern zum Einen im persönlichen Gespräch, zum anderen in der Dienstversammlung vorstellte und Fragen bezüglich meiner Arbeit beantwortete. Ich ließ
jeder Fachkraft jeweils einen Bogen für zwei Wochen zum ausfüllen dort und holte
sie dann persönlich wieder ab. Um den Erziehern Anonymität zu garantieren erhielt jeder zusätzlich einen Briefumschlag, in den der Fragebogen nach dem Ausfüllen reinzustecken und dieser dann zu verkleben war. Von acht ausgeteilten Bögen bekam ich sieben zurück, was einer Rücklaufquote von 87,5% entspricht.
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Diese hohe Quote ist auf die überschaubare Anzahl der ausgeteilten Bögen und
den stets persönlichen gepflegten Kontakt zurückzuführen.
In der Einrichtung der „Warnowkrümel“ bekam ich zudem die Möglichkeit, die Rituale der drei Kindergruppen durch teilnehmende Beobachtung mitzuerleben. Ich
wählte dafür diese Einrichtung, weil mein letztes Praktikum hier noch nicht allzu
lange her war und ich so einem Teil der Kinder noch bekannt, bzw. ich mit den
Abläufen und Anforderungen des Alltages vertraut war. Dies schienen für mich
geeignete Bedingungen zu sein, um in den Gruppen nicht als Störfaktor zu wirken
und von den Kindern schnell akzeptiert zu werden. Beides wichtige Komponenten
um einen angemessenen Zugang zum Untersuchungsfeld zu bekommen (vgl.
Mayring 2002, S.82). Im Vorfeld setzte ich mich zuerst mit der Leiterin und anschließend mit den einzelnen Erziehern der Gruppen in Verbindung und machte
mit ihnen Termine für meine jeweils eintägige Hospitation aus. Ich verbrachte
dann an den jeweiligen Tagen immer ein paar Stunden in den drei Gruppen und
nahm aktiv an den Geschehnissen und vor allem an ihren Ritualen teil. Um jedoch
keine Situationen zu verfälschen oder meinen subjektiven Eindruck beeinträchtigen zu lassen, griff ich in die jeweiligen Situationen nicht weiter ein und überlies
pädagogisches Handeln in entsprechenden Momenten weitgehend den Erziehern.
Im Anschluss eines beobachteten oder erlebten Rituals zog ich mich zurück, um
Eindrücke und Wahrgenommenes auf meinen Protokollen zu dokumentieren. Um
eine angemessene wissenschaftliche Form herzustellen überarbeitete ich meine
Aufzeichnungen nach den jeweiligen Hospitationen nochmals und trug verschiedene Beobachtungen zusammen. Entsprechende Beobachtungen, sowie die Ergebnisse der Fragebögen trug ich letztlich zusammen. Diese bilden die Grundlage
für meine Schlussauswertung bilden.
3.Kapitel: Ergebnisse der Datenerhebungen
Im Vorfeld meiner Ergebnispräsentation möchte ich betonen, dass die Ergebnisse
meiner Empirie gemessen an der Zahl der Befragten und gemachten Beobachtungen nicht repräsentativ, sondern lediglich exemplarisch zu betrachten sind. Einige Ergebnisse der Fragebögen habe ich zur anschaulicheren Darstellung prozentual als graphische Darstellung in den Anhang eingefügt. Dort ist die Auswer
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!
tung ebenfalls nochmals in tabellarischer Form zu finden, sowie einige Protokolle
der teilnehmenden Beobachtung. Ich beginne mit den Ergebnissen der Fragebögen und präsentiere im Anschluss die der teilnehmenden Beobachtungen.
Der erste Teil des Fragebogens, welcher nach den persönlichen Angaben der
Fachkräfte fragte lieferte folgende Ergebnisse. Zum Zeitpunkt der Befragung waren drei der pädagogischen Fachkräfte im Alter von 20 - 29 Jahren, zwei in der
Altersspanne von 40 – 49 Jahren und zwei weitere zwischen 50 – 59 Jahre alt.
Vier der Befragten absolvierten eine Ausbildung zum Erzieher, zwei zum Heilerzieher und einer zum Sozialassistenten. Daneben erlangten zwei Erzieher eine
Zusatzqualifikation zum Religionspädagogen, einer zum Naturkindergärtner und
einer verfügt über Leitungsqualifikationen. Vier der Befragten machten zu diesem
Punkt keine Angaben. Zwei der Fachkräfte stiegen in ihren Beruf schon vor 1980
ein, zwei begannen zwischen 1985 und 1990 und zwei weitere starteten erst nach
2010 in den Beruf. Ein Befragter machte zu dieser Frage keine Angaben. Dabei
begann ein Befragter in seiner jetzigen Einrichtung bereits zwischen 1990 und
1995, zwei zwischen 2000 und 2005 und drei erst nach 2010 zu arbeiten. Einer
der Erzieher machten dazu keine Angaben.
In der ersten Frage des zweiten Teils wurden die Fachkräfte darüber befragt, was
sie unter dem Begriff Ritual verstehen. Mit diesem verbinden sie immer wiederkehrende Handlungen, sowie weltliche oder religiöse Bräuche. Desweiteren werden
sie ein Mal als durch Wiederholung und Festigung angeeignete Abläufe beschrieben. Einige Befragten erwähnten in diesem Zusammenhang, dass Rituale feste
Bestandteile der Tage und Wochen, sowie des Lebens sind, die sowohl Struktur
und Zusammengehörigkeit schaffen, als auch Traditionen pflegen. Bezogen auf
pädagogisches Handeln verbinden die Fachkräfte mit dem Begriff Ritual Wertevermittlung, Gemeinschaft, Orientierung, Sicherheit, Rhythmus, Fingerspiele vor
dem Mittag, den Morgenkreis, einen festen Tages-Wochenablauf, die Gute-NachtGeschichte vor dem Einschlafen, sowie einen vorgegebenen Fahrplan. Außerdem
wurde geantwortet, dass Rituale nicht aus dem Kita-Alltag wegzudenken seien,
Kinder diese lieben und sie die Arbeit in der Institution erleichtern. Auch eignen sie
sich, um den Kindern Hintergrundwissen zu einzelnen Dingen zu vermitteln. Das
ständige Wiederholen löse zudem Automatismus bei den Kindern aus. In Frage
acht wurden die Fachkräfte nach möglichen Effekten gefragt, die Rituale erzeugen
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können. Die Befragten antworteten das Rituale Ordnung, Orientierung, Sicherheit,
Geborgenheit, Halt, Gemeinschaft, gute Umgangsformen, Verlässlichkeit, Bindung, Zuneigung, Selbstständigkeit und Erlebnisräume schaffen. Desweiteren reduzieren sie Angst, fördern kindliche Sprache, stärken deren Persönlichkeit, prägen Gewohnheiten bzw. das ganze Leben, helfen Kindern dabei Regeln einzuhalten und eröffnen Möglichkeiten für Gespräche.
Im dritten Teil wurden die Fachkräfte gebeten, sich selber in Bezug auf eigene
Erfahrungen und ihrer Einstellung gegenüber Ritualen zu reflektieren. Zunächst
wurden sie in Frage neun dazu befragt, ob sie Rituale im Privaten ausüben. Diese
wurde von allen mit ja beantwortet. In der zehnten Frage sollte darauf geantwortet
werden, wie Rituale gestaltet werden sollten. Sie sollten liebevoll, herzlich, in Ruhe
(sprich nicht in Hektik), regelmäßig, strukturiert, und immer auf die gleiche Art und
Weise durchführt werden. Desweiteren sollten sie sinnvoll, gut abgestimmt und
von Wertschätzung und Akzeptanz geprägt sein. In einem schönen und gemütlichen Umfeld sollten sie so durchgeführt werden, dass alle Sinne angesprochen
werden. Darüber hinaus sollen sie Gewohnheiten prägen. Im Anschluss wurde
nach Ritualen gefragt, die die Fachkräfte selber als Kind erlebt und weitergegeben
haben bzw. noch heute vollziehen. In diesem Zuge nannten sie die Gute-NachtGeschichte vor dem Einschlafen, den Morgenkreis, Feiern im Kreise der Familie,
das Singen unterm Tannenbaum, das gemeinsame Familienfrühstück am Wochenende, sowie Familientreffen. Außerdem wurden Rituale zu Festen, kirchlichen
Anlässen, Mahlzeiten, Verabschiedungen und Gebeten genannt. In der letzten
Frage des Selbstreflexionsteils sollten die Befragten angeben und begründen, ob
sie sich schon einmal gegen ein Ritual entschieden haben. Daraufhin wurden Halloween aufgrund des Hintergrundes, sowie erfahrene Entspannungsübungen aus
der Grundschule genannt. Ebenfalls gab eine Fachkraft an, dass sie nicht mehr so
früh und pünktlich frühstückt, wie zu Lebzeiten der Oma und eine weitere, dass sie
Familienfeste nicht mehr wie früher alleine ausrichtet.
Der vierte Teil bezieht sich auf Rituale im pädagogischen Handeln. In einem gebundenen Antwortformat sollten die Fachkräfte ihre Einstellung und Einschätzung
gegenüber Ritualen deutlich machen. Dabei standen ihnen die Antwortkategorien
„Trifft voll und ganz zu“, „Trifft eher zu“, „Trifft eher nicht zu“ und „Trifft überhaupt
nicht zu“ zur Verfügung. Auf die Aussage dreizehn „Rituale haben für mich einen
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!
hohen Stellenwert“ antworteten fünf der Befragten mit „Trifft voll und ganz zu“, einer mit „Trifft eher zu“ und einer mit „Trifft eher nicht zu“. Aussage vierzehn lautete
„Ohne Rituale kann pädagogische Arbeit nicht gelingen“. Viermal wurde mit „Trifft
voll und ganz zu“, zweimal mit „ Trifft eher zu“ und einmal mit „Trifft eher nicht zu“
geantwortet. Vier Fachkräfte kreuzten bei der Aussage „Rituale können pädagogisches Handeln festfahren“ „Trifft eher zu“, eine „Trifft eher nicht zu“ und zwei „Trifft
überhaupt nicht zu“ an. Aussage sechzehn „Rituale lassen wenig Platz für Individualität“. Zwei antworteten mit „Trifft eher zu“, eine mit „Trifft eher nicht zu“ und
vier mit „Trifft überhaupt nicht zu“. Sechs sind voll und ganz der Meinung, dass
Rituale die kindliche Entwicklung fördern können. Eine Fachkraft denkt, dass dies
eher zutrifft. Mit Aussage achtzehn wurde das Gegenteil beleuchtet, nämlich das
Rituale die kindliche Entwicklung beeinträchtigen können. Eine Fachkraft kreuzte
„Trifft eher zu“, zwei „Trifft eher nicht zu“ und vier „Trifft überhaupt nicht zu“ an.
Zwei der Befragten sind voll und ganz der Auffassung, dass Rituale den gesamten
pädagogischen Alltag durchziehen. Vier zählten sich in diesem Punkt zu „Trifft
eher zu“ und einer zu „Trifft eher nicht zu“. Der vollen Auffassung, dass Kinder
Rituale brauchen sind sechs der Erzieher. Einer wählte die Antwortkategorie „Trifft
eher zu“. Für vier trifft es voll und ganz zu, dass Rituale und ihre Bedeutung regelmäßig hinterfragt und ggf. verändert werden müssen. Zwei entschieden sich für
die Antwortmöglichkeit „ Trifft eher zu“ und einer für „Trifft eher nicht zu“. Aussage
zweiundzwanzig lautete „Rituale müssen für alle Beteiligten nachvollziehbar sein“.
Hier kreuzten sechs „Trifft voll und ganz zu“ und eine Person „ Trifft eher nicht zu“
an. Die letzte Aussage lautet „Mir sind die Rituale der anderen Kindergruppen bekannt“. Vier der Befragten antworteten mit „Trifft voll und ganz zu“, zwei mit „Trifft
eher zu“ und einer entschied sich für die Antwortkategorie „Trifft eher nicht zu“.
Frage vierundzwanzig befragt die Fachkräfte darüber, ob sich in ihrem pädagogischen Handeln Rituale wiederfinden. Sechs antworteten mit ja, eine mit nein. Die
Personen, die mit ja geantwortet haben, sollten dann in Frage 25 begründen, warum sie diese nutzen. Folgende Antworten wurden gegeben: um kindliches
Selbstbewusstsein und das Wir-Gefühl zu stärken, um Gemeinschaft zu erleben,
um Übergänge zu bewältigen, zur Wertevermittlung, um Sicherhit, Verlässlichkeit,
Halt und Beschäftigung zu geben, um die Persönlichkeit zu stärken, zur Arbeitserleichterung, um Kinder zum Aufräumen zu bewegen oder Aktionen interessanter
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zu gestalten, damit sich Kinder leichter beruhigen. Desweiteren erwähnten sie,
dass ohne Rituale keine pädagogische Arbeit möglich wäre, dass diese für die
kindliche Entwicklung wichtig seien, dass sie im täglichen Leben unterstützen und
prägen.
Bei Frage sechsundzwanzig „ Worin sehen Sie die Wichtigkeit von Ritualen in Bezug auf Kindern?“, wurden folgende Aussagen getätigt: vermitteln Kindern Werte
und Umgangsformen, sind gemeinschaftsfördernd, persönlichkeitsstärkend und
geben Ordnung, Struktur und Anhaltpunkte, unterstützen Kinder bei der Einordnung bestimmter Situationen in den Tagesablauf/ helfen ihnen sich im Tag zu orientieren und Handlungen zu planen, unterstützen sie bei der Akzeptanz von Regeln, verdeutlichen Dinge besser, Kinder lernen mit Ritualen eigenständig zu sein.
Desweiteren sagte eine Fachkraft, dass Rituale im Vergleich zu vielen anderen
Dingen der heutigen Zeit Beständigkeit haben, wodurch sie ihnen Sicherheit, Geborgenheit und Verlässlichkeit geben. Durch den immer wiederkehrenden Ablauf
werden sie außerdem zu Alltäglichkeiten. Auf Frage siebenundzwanzig „Gibt es
Rituale, die aus Ihrem Gruppenalltag nicht mehr wegzudenken sind“ antworteten
fünf der Befragten mit ja und zwei mit nein. Darauf sollten die Personen, die ja angekreuzt haben in Frage achtundzwanzig erklären warum dies so ist und wie diese
Rituale entstanden sind. Zum überwiegenden Teil nannten die Fachkräfte infolge
dessen Beispiele für Rituale in ihren Gruppen, so das tägliche Gebet, den Lieblingsspielzeugtag, die Geschichte vor dem Einschlafen, den Morgenkreis, den
Umgang mit Kerzen, das Tischgebet, das Krippenspiel für Eltern und Freunde, das
Laternenbasteln zu Sankt Martin oder das Basteln von Muttertagsgeschenken. In
der katholischen Einrichtung gab man an, dass sich die Gruppenrituale vor allem
aus den Traditionen des kirchlichen Jahreskreises entwickelt haben. So etwa auch
das Fasten zur Fastenzeit, in der die Kinder verzichten lernen sollen. Desweiteren
benannte eine Fachkraft die jährliche Weihnachtsfeier als festes Gruppenritual,
das vor allem wegen der gemütlichen und besinnlichen Atmosphäre aufrecht gehalten wird. Auf die Frage, woran sich die Rituale in den einzelnen Gruppen orientieren kamen als Antworten der Tagesablauf, Fest & Feiern, besondere Anlässe,
der kirchliche Jahreskreis, Bräuche & Traditionen, die Bedürfnisse der Kinder, das
Alter der Kinder sowie deren Entwicklungsstand. Desweiteren erklärte eine Fachkraft, dass die Kinder selber Rituale erfinden und diese dann stetig einfordern,
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wodurch sie den Alltag mitbestimmen. Ein weiterer Erzieher orientiert sich mit seinen Gruppenritualen am Situationsansatz der Kita. Zwei weitere Antworten auf die
Frage lauteten „pflege von Traditionen“ und „ Zusammengehörigkeit der Gruppe“.
In Frage dreißig war die Frage nach der Existenz von Ritualen im Jahreskreis.
Sechs der Fachkräfte bestätigten, dass es in ihrem pädagogischen Handeln feste
Rituale innerhalb des Jahreskreises gibt. Eine kreuzte nein an. Auch hier sollten
wenn vorhanden im Anschluss Beispiele benannt werden. Folgende Jahresrituale
wurden aufgeschrieben: die Adventszeit / Weihnachten / Weihnachtsfeiern; die
Fastenzeit; Ostern, Pfingsten, Mainacht, Blumen für den Marienaltar, das Basteln
zum Muttertag, Erntedank, Sankt Martin, Laternen basteln zum Martinstag, Geburtstagsfeiern, den Morgenkreis nach Jahreszeiten gestalten, in der dunklen/ kalten Jahreszeit Kerzen beim Frühstück, am Wandertag etwas für den Gruppenraum mitbringen; das Sommerfest; der Kindertagsumzug; das Herbst- Osterfeuer;
das Drachenfest; die Sportspiele; das Abschlussfest; die Arbeitseinsätze mit Kindern; das Schultütenfest; der Laternenumzug; das Lichtfest und das Sommerfest.
Frage einunddreißig fragt danach inwieweit die Eltern in Gruppenrituale einbezogen werden und ob es eventuell Rituale gibt, die aus den Familien übernommen
wurden bzw. umgekehrt. Es wurde geantwortet, dass die Eltern in die Vor-und
Nachbereitung, sowie in die Gestaltung von Ritualen mit einbezogen werden.
Desweiteren wird mit ihnen in Elterngesprächen über die in der Kita existierenden
Rituale gesprochen. Einige Eltern hätten das Ritual des Tischspruches oder der
Gute-Nacht-Geschichte mit nach Hause übernommen. Auch das rituelle Wegräumen von Spielzeug und Arbeitsmaterialien fand bei manchem Anklang.
Auf die Frage, ob es in der Gruppe für manche Kinder individuelle Rituale gibt
antworteten 3 der Befragten mit ja und vier mit nein. Die drei Bejaher nannten als
Beispiele, dass Geburtstagsfeiern individuell nach Bedarf des jeweiligen Kindes
gestaltet werden und das es bestimmte Rituale für die Vorschulkinder gibt. Eine
Fachkraft nannte in diesem Zusammenhang kleine Sandpäckchen, die den Kindern während des Schlafens auf Rücken oder Brust gelegt werden und ihnen so
individuell beim Einschlafen helfen.
Die letzte Frage des Bogens, Nummer fünfunddreißig bezog sich auf die Reaktion
der Kinder, wenn ein Ritual mal ausfällt oder verändert wird. An dieser Stelle wur-
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!
de nochmals betont, dass Rituale ein fester Bestandteil des Kita-Alltags sind. Die
Kinder würden die Erzieher deshalb in einer solchen Situation deutlich darauf
aufmerksam machen, dass etwas fehlt. Desweiteren wurde genannt, dass die
Kinder in einem solchen Fall unkonzentrierter seien und schwerer zur Ruhe kommen. Es wurde ebenfalls geantwortet, dass die Kinder nachfragen, warum das
Ritual ausfällt und dann oft traurig sind bzw. es zu einem späteren Zeitpunkt einfordern oder aber selbstständig handeln. Eine andere Fachkraft schrieb, dass die
Kinder das Wegfallen oder die Veränderung zwar zur Kenntnis nehmen, jedoch
nichts weiter dazu sagen würden.
Soweit die Ergebnisse der Fragebögen. Nun folgend, die Resultate der teilnehmenden Beobachtung. Wie bereits beschrieben legte ich meinen Fokus vor allem
auf mögliche Rituale beim morgendlichen Verabschieden und Begrüßen der Kinder, auf Tischrituale, auf Rituale vor / beim Schlafen sowie auf spezifische Rituale
der einzelnen Kindergruppen.
Bei den morgendlichen Abschiedsritualen fiel auf, dass vor allem die jüngeren
Kinder feste Rituale und die Unterstützung ihrer Eltern sowie der Erzieher benötigen (vgl. Protokoll Nr.1&2). Sie bestehen auf ihre morgendlichen Rituale und die
Erzieher kommen diesem auch nach (vgl. Protokoll Nr.1). Dafür ist es für die
Fachkraft wichtig, den Ablauf des Rituals zu kennen bzw. etwa zu wissen, welche
Ritualobjekte dem Kind helfen, diesen morgendlichen Übergang zu bewältigen
(vgl. Protokoll 1&2). Die Kinder ließen sich durch die ihnen bekannten Rituale oft
schnell beruhigen bzw. zeigten keine weiteren zu beobachtenden Problemen. Bei
Kindern, die weniger bzw. gar keine Probleme beim morgendlichen Abschied zeigten, oder aber älter waren fiel auf, dass hier der Abschied und somit die Rituale oft
nur zwischen den Eltern und dem jeweiligen Kind vollzogen werden, sprich der
Erzieher nicht darin involviert ist (vgl. Portokoll 2&3). Dies bereitete mit teilweise
etwas Unbehagen, da so in manchen Fällen der Verabschiedung bzw. der Begrüßung aus meiner Sicht nicht die nötige Beachtung geschenkt wurde, die es eigentlich bedarf. Die Kinder zeigten darauf jedoch keine zu beobachtende Reaktion. Ein
schönes Ritual, dass ich bei einer Fachkraft beobachten durfte ist das Abholen
des jeweilig ankommenden Kindes an der Grupperaumtür. Egal wo sich der Erzieher gerade befand, wurde ein Kind gebracht kam er immer zur Tür und begleitete
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das Kind in den Raum und führte es so in die Gruppe ein. Dies empfand ich als
ein die Kinder stärkendes Ritual (vgl. Protokoll 2).
Die Rituale zum Essen bzw. zur Vorbereitung der Mahlzeiten waren in allen Gruppen nahezu identisch. Unter den Kindern werden zwei ausgewählt, die den Tischdient übernehmen. Die Kinder informieren sich, was es zum Essen gibt und decken anhand dieser Informationen für die vorher abgezählte Kinderanzahl den
Tisch mit dem entsprechenden Geschirr. Im Anschluss holen sie selbstständig den
Essenswagen. Wo und wie ist ihnen bekannt. Die Kinder vollziehen den Ablauf der
Vorbereitungen sicher, sodass sie zum größten Teil alles selbstständig durchführen. Die Fachkraft gibt lediglich das Signal zum Beginn der Vorbereitungen. Nur
bei jüngeren Kindern greift sie in einige Phasen unter die Arme (vgl. Protokoll Nr.4
& Nr.5). Wie zu beobachten war, scheint die Aufgabe bei den Kindern sehr beliebt
zu sein. Ich empfand es als sehr positiv zu sehen, dass so viel Eigenständigkeit
zugelassen und gefördert wird. Steht das Essen dann auf dem Tisch wissen alle
Kinder, dass sie selbstständig mit dem Auffüllen beginnen können. Mit dem Essen
warten alle, bis jeder etwas hat und bis ein Tischspruch aufgesagt wurde. Dieser
wird im Vorfeld von den Kindern vorgeschlagen. Er kann also variieren. Trotzdem
war zu beobachten, dass alle Kinder ihn mit aufsagten, er der Gruppe also stets
bekannt war. Die Fachkraft musste dabei nicht helfen oder anderweitig eingreifen
(vgl. Protokoll Nr.5 & Nr.6). Nur in Gruppen mit vornehmlich jüngeren Kindern
wurde der Tischspruch durch den Erzieher angeleitet. So kam etwa die Aufforderung an die Kinder mit einzustimmen. Sie wurden also an dieses Ritual herangeführt (vgl. Protokoll Nr.5). Beim Essen selbst wird stets auf eine angemessene
Gesprächsatmosphäre geachtet, so dass eine lockere aber keine aufdrehte Stimmung herrscht. Die Kinder sind sich in weiten Teilen diesem Rahmen bewusst und
erinnern sich teilweise gegenseitig daran (vgl. Protokoll Nr.5). Nach dem Essen ist
allen bekannt, dass wenn sie fertig sind, sie ihr Geschirr selbstständig abräumen
können und sich dann wieder an den Tisch setzen, um auf die anderen zu warten.
Diese Tischsitte haben die Kinder verinnerlicht und mussten während der Beobachtungen auch nicht weiter dran erinnert werden (vgl. Protokoll Nr.5 & Nr.6).
Auch die Vorbereitung auf den Mittagschlaf wird, wenn auch von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich, ritualisiert. In einer Gruppe war zu beobachten, dass alle Kinder noch vor, bzw. einige auch noch nach dem Essen selbstständig ihre Matten
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und ihr Bettzeug holen und diese auf ihren festen Platz legen. Dort bereiten sie
dann ihren Schlafplatz individuell vor, wobei die jüngeren Kinder von der Fachkraft
Hilfe erhalten. Die Kinder wissen genau, wo sie was finden, und wie was liegen
soll. Sie wirken routiniert und es ist eine überwiegend ruhige Atmosphäre (vgl.
Protokoll Nr.7). Vor dem Schlafen werden dann alle Kinder dazu angehalten ins
Bad zu gehen, sich zu waschen, Zähne zu putzen und auf Toilette zu gehen. Gerade auf das letzte reagieren einige Kinder mit Widerstand und beteuern nicht pullern zu müssen. Ein Paar kommen damit durch, andere müssen den Aufforderungen der Fachkraft nachkommen. Dies empfand ich als teilweise aufgezwungenes
Ritual. Der Toilettengang findet sich als Ritual an mehreren festen Punkten des
Tages wieder (vgl. Protokoll Nr.8 & Nr.9). Vor dem Schlafen gehen suchen sich
alle Kinder selbstständig einen Stuhl, auf dem sie ihre Kleidung ablegen. Von der
Fachkraft wird dabei sehr auf angemessene Ordnung geachtet. Wer fertig ist legt
sich auf seine Matte und darf noch ein Buch anschauen. Durch diesen ritualisierten Ablauf wissen die Kinder, dass sie sich langsam auf den Mittagschlaf einzustellen haben. Dies ermöglicht ihnen nach und nach ruhiger zu werden. Ich empfand diesen langsamen Übergang als sehr angenehm. Auch schön, dass sich jeder seinen Schlafplatz selber vorbereiten darf und somit entscheiden kann, was er
zum schlafen braucht (vgl. Protokoll Nr.7). Wenn alle liegen wird in den Gruppen
eine Gute-Nacht-Geschichte gehört oder vorgelesen. Dabei ist das Einschlafritual
auf eine Geschichte begrenzt. Die Kinder sind sich dieser Begrenzung bewusst
und fragen nach dem Ende auch nicht nach einer weiteren. Dieses Bewusstsein
für die zeitliche Begrenzung empfinde ich als sinnvoll, da andernfalls das Einschlafen von den Kindern stetig hinausgezögert werden kann (vgl. Protokoll Nr.7 &
Nr.10). In einer Gruppe beobachtete ich ein Ritual, was ich als sehr liebevoll und
herzlich empfand. Nach der Geschichte standen einige der Kinder nochmals auf
und gingen zur Fachkraft um sich dort, je nach eigenem Wunsch und Bedürfnis
nochmals eine Gute-Nacht-Umarmung oder ein Gute-Nacht-Küsschen abzuholen.
Dieses Ritual gestalten die Kinder jeden Tag individuell von sich aus und befriedigen auf diese Weise selbstaktiv ihren Wunsch nach Nähe (vgl. Protokoll Nr.10).
Für die Kinder der Vorschulgruppe gibt es ein festes Jahresritual, das ihnen ihren
Status bewusst machen und ihnen ein Highlight sein soll. Etwa zwei Monate vor
Schulbeginn brauchen sie keinen Mittagschlaf mehr machen. Statt sich nach dem
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Essen hinzulegen gehen sie dann auf den Hof. Den Kindern in ihrem letzten KitaJahr Höhepunkte zu setzen sehe ich als eine gute Idee. Auf diese Weise wird die
Vorfreude auf die Schule kontinuierlich aufrecht erhalten und ihnen das Bewusstsein vermitteln, dass sie nun die „ganz Großen“ in der Kita sind. Bei einem Kind
stellte sich heraus, dass es doch nicht wie erwartet, dieses Jahr in die Schule
kommt, sondern den Kindergarten noch ein weitere Jahr besuchen wird. Aufgrund
dessen wird es von dem Ritual ausgeschlossen und verbringt die Zeit in einer anderen Gruppe, in der Mittagschlaf gehalten wird. Zuerst protestierte es, doch dann
fügte es sich. Desweiteren wird das Ritual für alle Kinder bei schlechtem Wetter
ausgesetzt, da dann nicht auf den Hof gegangen werden kann. Es wird an solchen
Tagen also wieder Mittagschlaf gehalten (vgl. Protokoll Nr.11).
In mehreren Beobachtungen war eine Art Strafritual zu erkennen. Auf empfundenes Fehlverhalten einzelner wurde seitens der Fachkraft oft mit Ausschluss von
der Gruppe gemahnt oder dieser auch durchführt. So war etwa zu beobachten,
dass Kinder alleine essen sollten, nicht weiter am Angebot teilnehmen durften
oder separat zu schlafen hatten. Die Kinder reagierten darauf oft mit Protest, doch
fügten sich dem irgendwann. Dies bereitete mir oft Unbehagen (vgl. Protokoll
Nr.12).
Abschließend möchte ich ein Ritual präsentieren, dass mir sehr gut gefallen hat
und das ich durchaus kreativ empfand. Durch das Geräusch der Klangschale markiert die Fachkraft für die Kinder das nahende Ende der Freispielphase. Um ihnen
das anschließend anstehende Aufräumen zu erleichtern und schmackhafter zu
machen, verpackt sie es in eine Art Wettkampf. Es wird eine Sanduhr aufgestellt,
die fünfzehn Minuten misst. Bis zum Ende der Zeit muss alles aufgeräumt sein.
Die Kinder eifern sofort los und sind darum bemüht so schnell wie möglich fertig
zu sein um die Sanduhr zu schlagen. Dabei werden sie durch die Erzieher unterstützt und zusätzlich immer wieder angestachelt. So wird das Ende des Freispiels
verschönert und ansonsten durch das Aufräumen hervorgerufener Stress vermieden (vgl. Protokoll Nr.13).
4.Kapitel: Auswertung der Ergebnisse
Im Folgenden soll es um die Wertung der im Vorfeld beschriebenen Ergebnisse
geben. Entsprechende Schlussfolgerungen und die Fehleranalyse, formen das
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Fazit dieses empirischen Teils und bilden so den Abschluss. Ich möchte im Vorfeld darauf verweisen, dass es sich bei meinen Beobachtungen um subjektive
Eindrücke handelt, die ich letztlich mit den Ergebnissen der Fragebögen in Zusammenhang setzen werde. Dadurch kann diese Auswertung nicht als die einzig
richtige angesehen werden, sondern stellt im Sinne von Multiperspektivität eine
Wertung von vielen möglichen dar.
4.1 Schlussfolgerungen
Die Auswertung der Fragebögen zeigte, dass alle Befragten für sich eine Definition vom Begriff Ritual(e) haben und ausgehend von ihren eigenen Vorstellungen
mit dieser Begrifflichkeit etwas verbinden können. Auch ist man sich darin einige,
dass Rituale für Kinder wichtig sind. Ebenfalls sind sich die Fachkräfte der Effekte
bewusst, die durch den Vollzug von Ritualen erzielt werden können. Dabei ist jedoch auffällig, dass hier keinerlei kritische Betrachtungen oder Bemerkungen Ritualen gegenüber vermerkt wurden. Auch bei den Behauptungen, Rituale ließen
wenig Platz für Individualität oder können kindliche Entwicklung beeinträchtigen,
ordnete sich der Großteil der Befragten stets der gegenteiligen Aussage zu. Trotz
der Tatsache, dass fast alle Fachkräfte der Ansicht sind, das Rituale regelmäßig
hinterfragt werden müssen lassen die vorangegangenen Punkte darauf schließen,
dass sich mit dem Thema nicht umfassend und kritisch auseinander gesetzt wird,
bzw. lediglich die positiven Seiten Beachtung finden.
Auch ist auffällig, dass sich ungeachtet der jeweiligen Frage, der Fachkraft oder
der Einrichtung, in der diese tätig ist, sich viele Antworten doppelten oder wiederholten. Dies macht deutlich, dass das Thema Rituale und ihre Anwendung in den
Einrichtung präsent ist und Anklang findet, jedoch nicht unbedingt von den jeweiligen Institutionen und Erziehern differenziert betrachtet und auf unterschiedlichste
Art herausgearbeitet und ausgeschöpft wird. Hier könnte eine mögliche Antwort für
das Phänomen gefunden werden, warum sich der Alltag vieler Kindergruppen in
Kitas gleicht. Aus diesem Gedanken heraus stellt sich die allgemeine Frage, wie
offen Fachkräfte frühkindlicher Institutionen neuen Gedanken und Ansätzen gegenüber sind, was damit einher geht, wie tolerant sie ihnen unbekannten Ritualen
gegenüberstehen.
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Desweiteren weckten einige Aussagen den Eindruck, als würden Rituale teilweise
nicht dazu eingesetzt, um ihre positive Kraft und Effekte zu nutzen, sondern um
unangemessenes kindliches Verhalten zu vermeiden, sprich die Kinder auf diese
Weise zu reglementieren. Dies wiedersprich jedoch dem eigentlich Sinn eines Rituals. Die Befragten waren in der Lage, eine Vielzahl an unterschiedlichsten Ritualen zu nennen, die sie in ihrer pädagogischen Praxis vollziehen oder erleben. Dabei lässt sich jedoch in manchen Fällen die Frage stellen, ob sich Fachkräfte dem
Unterschied zwischen einem Ritual und einer Gewohnheit bewusst sind. So würde
ich etwa ausgehend von meinem Verständnis, die in meinen Beobachtungen erlebten Abläufe im Bad zum größten Teil weniger als Rituale, sondern eher als
Gewohnheiten bezeichnen, da sie eher dazu dienen, einen bestimmten Zweck zu
erfüllen, sprich der Hygiene nachzukommen und weitgehend ohne Gefühlsbeteiligung, sondern „einfach so“ vollzogen werden. Um an dieser Stelle Klarheit und
Deutlichkeit zu schaffen, sollte darüber nachgedacht werden, ob es für die pädagogische Praxis eine eindeutige Definition des Begriffes geben sollte, da sie die
Grundlage für das Verständnis und so für das pädagogische Handeln des einzelnen bildet.
Einige der gewonnenen Eindrücke aus den teilnehmenden Beobachtungen unterstreichen diese Gedanken. So galt manch eine Situation in der einen Kindergruppe als Ritual, die in wieder einer anderen nahezu identisch durchführt nicht als
solches bezeichnet wurde. Wieder andere wurden als normal angesehen, wo für
mich als Außenstehender jedoch rituelles Verhalten erkennbar war. So etwa beim
Strafen. Für die Fachkraft war es in diesen Momenten eine Strafe, sprich ihre Reaktion auf ein ihrer Meinung nach unangemessenes Verhalten. Nach meinem Verständnis wurde jedoch jedes Mal das gleiche Strafritual vollzogen. Wenn es aufgrund unangemessenen Verhaltens zu einer Strafe kommt, dann sollte diese auch
der Situation angemessen sein und nicht eine Art von Strafe für alle Fehlverhalten.
Sie sollte also der jeweiligen Situation entsprechen und im Zusammenhang zum
kindlichen Verhalten stehen, damit diese die Reaktion und die Konsequenz nachvollziehen können. So jedoch wurde jede Situation gleich behandelt und immer
nach identischen Ablauf und wiedekehrender Konsequenz darauf reagiert, sprich
es gibt existiert ein festes Strafritual. Der pädagogischen Fachkraft schien dies
jedoch nicht bewusst zu sein (vgl. Protokoll Nr.12).
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Betrachtet man die Ergebnisse der Fragebögen und teilnehmenden Beobachtungen und setzt sie miteinander in Zusammenhang, so lassen sich deutliche Übereinstimmungen zwischen den Aussagen der Fachkräfte und der gelebten Praxis
erkennen.
Die Vielzahl der erlebten Rituale etwa, die ich in diesen wenigen Stunden wahrnahm unterstreicht die Aussage der Befragten, dass sich Rituale in ihrem pädagogischen Handeln wiederfinden und hier einen hohen Stellwert einnehmen. Auch
durfte ich einige der genannten Rituale selber miterleben und konnte so erfahren,
wie diese umgesetzt wurden. Oft glich sich diese mit den Angaben der Befragten.
Ebenfalls im pädagogischen Alltag zu erleben, die Vermittlung von Werten und
Kultur, sowie Umgangsformen durch Rituale. Beispielhaft dafür sind die Tischrituale zu nennen (vgl. Protokoll Nr.5 & Nr.6). Zu ihnen gehört es, dass sich die Kinder
angemessen unterhalten dürfen und mit dem Aufstehen auf einander warten. Dies
zeugt von gegenseitigem Respekt und akzeptiert den anderen in seinem Essenstempo. Zudem lernen die Kinder auf diese Weise, dass es in unserer Kultur üblich
und in gewissem Maße auch angebracht ist sich am Essenstisch zu unterhalten.
An anderen Stellen nahm ich jedoch deutliche Defizite zwischen den Antworten
der Fragebögen und den Ergebnissen der teilnehmenden Beobachtung wahr, so
etwa bei der Frage, woran sich die Rituale in der Gruppe orientieren. Es wurden
u.a. das Alter, der Entwicklungsstand, sowie die jeweiligen Bedürfnisse der Kinder
genannt. Das Jahresritual der Vorschulgruppe, bei dem alle Kinder etwa zwei Monate vor Schulbeginn keinen Mittagschlaf mehr halten brauchen kommt aber eventuell nicht den Entwicklungsstand bzw. dem Schlafbedarf der einzelnen Kinder
nach. Manche wünschen sich vielleicht trotzdem eine Ruhephase, während andere diese eventuell schon seit längerer Zeit nicht mehr benötigen (vgl. Protokoll
Nr.11). In diesem Sinne ist auch das rituelle auf Toilette gehen zu betrachten (vgl.
Protokoll Nr.8 & Nr.9). Hier setzt sich die Fachkraft mit ihrer Ansicht über das Körperempfinden des Kindes hinweg.
Das Jahresritual, des Mittagschlafes wiedersprich zudem im gewissen Sinne den
Aussage der Befragten, dass Rituale u.a. deshalb vollzogen werden, um das WirGefühl zu stärken und eine gute Gemeinschaft, sowie Zusammengehörigkeit zu
erleben. Durch die strikte Auslegung des Rituals, wird das Kind, welches noch ein
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weiteres Jahr den Kindergarten besucht, aus der Gruppe ausgeschlossen und
zudem im gewissen Sinne für seinen Verbleib in der Kita bestraft. Für dieses Kind
hat das Ritual somit keinen gemeinschaftstiftenden Charakter, sondern könnte
sich im schlimmsten Fall sogar negativ auf das Kind auswirken. Desweitere empfinde ich es als schade, dass dieses von den Kindern heiß ersehnte Ritual über
den Tag immer wieder als mögliche Strafe missbraucht wird, sprich wenn etwas
vorgefallen ist wird in Aussicht gestellt, dass dies dazu führen kann, dass der Mittagschlaf stattfinden wird (vgl. Protokoll Nr.11). Dies wiederlegt die Aussage, dass
Rituale ein fester Bestandteil des Alltages zum teil. In diesem Sinne lässt sich eher
denken, dass solange Rituale ein fester Bestandteil sind, wie die Kinder angemessenes Verhalten zeigen. Auch die Aussage der Fachkräfte, dass es bedeutsam
sei, Rituale regelmäßig und konsequent auszuführen ist in dem Sinne hinfällig,
dass der Mittagschlaf bei schlechtem Wetter aufgrund von Platzmangel doch stattfindet. Somit wird das Ritual nicht konsequent durchgeführt.
4.2 Fehleranalyse
Während der Auswertung der Fragebögen wurde an einigen Stellen deutlich, dass
nicht alle Aussagen und Antworten der Befragten zu den gestellten Fragen passten. Um dem entgegenzuwirken wäre für spätere Befragungen solcher Art darüber
nachzudenken, die Fragen noch klarer und verständlicher zu stellen, bzw. sie im
Vorfeld intensiver mit den Fachkräften zu besprechen. Desweiteren waren es zum
großen Teil offene Fragen, die von den Befragten nicht beantwortet bzw. offen
gelassen wurden. Dies kann eventuell auf den höheren Zeitaufwand zurückgeführt
werden, den es zum Beantworten von Fragen dieser Kategorie bedarf. Um es den
Befragten zu erleichtern, sollte demzufolge versucht werden, möglichst viele Fragen einen weiger zeitaufwendigeren Charakter zu geben.
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SCHLUSSTEIL
Institutionen der frühen Kindheit haben einen deutlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag zu erfüllen. Um diesen in angemessener qualitativer Form umzusetzen, bedarf es in den Einrichtungen entsprechender Rahmenbedingungen und
eine gute Qualität der pädagogischen Arbeit. Dazu zählt unter anderem, dass in
den jeweiligen Gruppen eine den Gegebenheiten angepasste Tagesstruktur, sowie Bedingungen vorzufinden sind, die den Kindern Sicherheit und Vertrauen
vermitteln. Dies sind unter anderen die Grundlagen für emotionales Wohlbefinden,
welches wiederum entscheidend dazu beiträgt, dass kindliche Selbstbildungsprozesse stattfinden. Bei der Umsetzung entsprechender Bedingungen hilft der Einsatz von Ritualen. Durch ihren von Wiederholung und Beständigkeit geprägten,
festgelegten Ablauf, helfen sie Kindern dabei, sich im Fluss des Tages zu orientieren und den Überblick über die Geschehnisse zu behalten. Indem sie durch entsprechende Rituale Rückhalt erfahren, können sie den Anforderungen des Alltags
gerecht zu werden. Auf diese Weise geben Rituale dem Leben von Kindern den
sicheren Rahmen, den sie brauchen, um ihre Fähigkeiten erproben und erweitern
zu können. Es gilt jedoch zu überprüfen, ob diese durch Rituale erzeugten Wirkungen bei allen Kindern entstehen. Hilft das speziell für das Kind entwickelte Abschiedsritual dem Kind am Morgen oder gewinnt es durch die Abschiedsszene nur
den Eindruck, dass es in Ordnung ist, sich von den Eltern zu trennen, weil sich ja
alle Kinder auch von ihren Eltern verabschieden? Fühlt sich das Kind dadurch,
dass es jeden Morgen im Morgenkreis persönlich begrüßt wird als Teil der Gruppe
oder sieht es selber dieses von den Fachkräften erdachtes Ritual als individuellen
Lernprozess an, um seinen Namen wiederzuerkennen?
Doch egal in welchen Formen und mit welchen Wirkungen, Rituale gehören in vielen Institutionen elementarpädagogischer Praxis zum festen Alltag dazu, sprich
eine Vielzahl an Situationen und Abläufen wird durch die Fachkräfte ritualisiert.
Dabei gilt es jedoch von ihnen zu bedenken, dass Rituale immer den Bedürfnissen
und Anforderungen der Beteiligten, sprich der Kinder gerecht werden müssen.
Werden diese verfehlt bzw. können die Kinder keine Beziehung zu dem Ritual
aufbauen oder dessen Sinn nicht nachvollziehen, wird dessen Wirkung ins Leere
laufen. Demzufolge müssen sich Fachkräfte darüber bewusst sein, dass eingesetzte Rituale stetig reflektiert und gegebenenfalls verändert werden müssen. Um
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die positive Kraft von Ritualen nutzen zu können reicht es nicht aus, wenn Fachkräfte bisher schon mal irgendetwas diesbezüglich gehört haben. Dafür bedarf es
eines klaren Verständnisses darüber, was ein Ritual ist und Kenntnisse, welche
Wirkungen mit ihm erzielt werden können. Ein Ritual kann deshalb nicht einfach
so vollzogen werden, sondern braucht stetig sinnstiftende Hintergedanken, die für
alle Beteiligten geeignet sind.
Der empirische Teil zeigte, dass viele Fachkräfte für sich ein Verständnis entwickelt haben, was ein Ritual ist und was sie damit erzielen möchten. Demzufolge
nutzt ein Großteil diese in ihrem pädagogischen Handeln. Es zeigte sich allerdings
auch, dass viele ihre angewandten Rituale nicht ausreichend reflektieren und so
nur deren positiven Aspekte sehen. Desweiteren zeigt sich ein leichter Hang zur
„Überritualisierung“, meint, entsprechende Situationen werden sehr schnell als
Ritual bezeichnet. Demzufolge haben Rituale in der elementarpädagogischen
Praxis zwar einen hohen Stellenwert inne, jedoch wird nicht kritisch genug mit ihnen umgegangen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rituale ein bekanntes und gängiges
Hilfsmittel in der Praxis frühkindlicher Institutionen sind, die sich in vielen Teilen
des pädagogischen Alltags wiederzufinden. Es bleibt jedoch die Frage offen, wie
bewusst sich die einzelnen Fachkräfte der Thematik sind. Wie bereits angeklungen, empfiehlt es sich, im pädagogischen Sinne ein gemeinschaftliches Verständnis vom Begriff Ritual zu schaffen, etwa durch eine feste Definition, da diese
Grundlage für pädagogisches Handeln ist. Diese kann etwa im Zusammenhang
mit der momentanen Inklusionsdebatte neu erdacht werden. In diesem Zuge muss
der Ritualbegriff in Bezug auf Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gedacht werden, was bedeutet, dass einige Fachkräfte ihr Verständnis erweitern oder verändern müssen. Im Prozess der Selbsterfahrung hat mich das Schreiben dieser Arbeit und die Auseinandersetzung mit der Thematik dazu gebracht, eigene und erlebte Rituale zu reflektieren. Dabei bin ich mir erst bewusst geworden, wie ritualisiert mein Leben eigentlich ist und wie gut mir der Halt tut, den ich dadurch erfahre. Trotzdem habe ich auch gemerkt, wie wichtig es ist, sich in seinem Denken
und Handeln offen zu halten, um die neuen und aufregenden Dinge im Leben
nicht an sich vorbeiziehen zu lassen.
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'"
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Häder, Michael (2010): Empirische Sozialforschung. Eine Einführung. 2.Auflage.
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Kaufmann-Huber, Gertrud (2001): Kinder brauchen Rituale. Ein Leitfaden.
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!
ANHANG
•
Anlage 1 - Anschreiben
•
Anlage 2 - Fragebogen
•
Anlage 3 - Ergebnisse
•
Anlage 4 - Diagramme
• Anlage 5 - Protokolle der teilnehmenden Beobachtung
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!
Anlage 1 - Anschreiben
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
ich bin Studentin des Studiengangs „Early Education – Bildung und Erziehung im
Kindesalter“ an der Hochschule Neubrandenburg. Momentan studiere ich im
6. Semester und schreibe an meiner Bachelorarbeit.
Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit möchte ich mich mit der Thematik
„Rituale“ auseinandersetzten. Unter dem Titel „ Rituale im pädagogischen Alltag
als Hilfsmittel in Institutionen der frühen Kindheit“ möchte ich mich mit der Fragestellung beschäftigen, inwieweit Rituale den Alltag frühkindlicher Institutionen bestimmen und welche Wirkungen sie dabei erzielen.
Dabei bitte ich Sie als ExpertenInnen aus der Praxis um Ihre Unterstützung.
Anbei finden Sie den von mir zu dieser Thematik entwickelten Fragebogen. Bitte
nehmen sie sich in den nächsten Tagen einige Minuten, um ihn auszufüllen. Beziehen Sie Ihre Antworten immer auf Ihre Arbeit und Ihre eigenen Erfahrungen.
Falls Sie Fragen kommentieren oder bei bestimmten Fragen ausführliche Antworten geben wollen, können Sie das auf der letzten Fragebogenseite gerne tun.
Stecken Sie den Fragebogen abschließend in den beiliegenden Umschlag und
verschließen Sie diesen. Ich werde die Fragebögen am 21.05.2012 persönlich
abholen.
Die erhobenen Daten werden anonym und vertraulich behandelt und dienen lediglich als Grundlage für Thesen meiner Bachelorarbeit.
Bei aufkommenden Fragen können Sie mich gerne unter folgender Nummer bzw.
Email-Adresse erreichen:
Franziska Holm: 0173-9022070
[email protected]
An dieser Stelle bereits herzlichen Dank für Ihre Mitarbeit und viel Spaß beim Ausfüllen des Fragebogens!
Mit freundlichen Grüßen
Franziska Holm
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Anlage 2 – Fragebögen
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Anlage 3- Fragebogenauswertung
Fragebogenauswertung
Persönliche Angaben
1.
Alter
2.
20-29
30-39
40-49
50-59
60-67
3
-
2
2
-
Keine Angaben
-
Art des pädagogischen Abschluss
4x Erzieher ; 2x Heilerzieher ; 1x Sozialassistent
3.
Zusatzqualifikationen
2x Religionspädagogik ; 1x Leitungsqualifikation ; 1x Naturkindergärtnerin ;
4x keine Angaben
4.
Wie lange sind Sie als pädagogische Fachkraft tätig?
Vor
1980 – 1985 – 1990 – 1995 – 2000 – 2005 - Nach
1980
1985
1990
1995
2000
2005
2010
2010
2
2
2
5.
Wie lange sind Sie in der Einrichtung tätig?
1990 1995 2000 2005 1995
2000
2005
2010
1
2
-
Nach 2010
3
Keine
Angaben
1
Keine Angaben
1
(*
!
Rituale
6.
-
7.
-
Was verbinden Sie mit dem Begriff Ritual bezogen auf pädagogisches
Handeln?
aus Kita-Alltag nicht wegzudenken
Kinder lieben Rituale
Wertevermittlung
Hintergrundwissen vermitteln (Bsp. Warum feiern wir was?)
Gemeinschaft erleben
erleichtert Arbeit mit Kindern
Orientierungspunkte, Ordnung, Sicherheit, Rhythmus
Morgenkreis
fester Tages- Wochenablauf
Gute-Nacht-Geschichte vor dem Schlafen / Fingerspiele vor dem Essen
geben Fahrplan vor
ständiges Wiederholen löst Automatik bei Kindern aus
-
Welche Effekte erzielen Rituale Ihrer Meinung nach?
Ordnung, Orientierung, Sicherheit, Geborgenheit, Halt
reduzieren Angst
schaffen Gemeinschaft
schaffen gute Umgangsformen
Sprachförderung
Verlässlichkeit
Persönlichkeitsstärkung
einhalten von Regeln
Bindung und Zuneigung
Gespräche über Gott und die Welt
prägen Gewohnheiten / das ganze Leben lang
schaffen Erlebnisräume
Selbstständigkeit verbessern / entwickeln
-
8.
Was verstehen Sie unter dem Begriff Ritual?
immer wiederkehrende Handlung
weltliche oder religiöse Bräuche
fester Bestandteil des Lebens / der Woche / des Tages
durch Wiederholung und Festigung angeeignete Abläufe
schaffen Struktur, Zusammengehörigkeit
pflegen Tradition
(
!
Selbstreflexion
9.
Gestalten Sie Rituale im Privaten?
Ja
Nein
7
-
10.
-
11.
Wie sollten Rituale Ihrer Meinung nach gestaltet werden?
keine Hektik / genügend Zeit / in Ruhe
liebevoll / herzlich
sinnvoll
gut abgestimmt
regelmäßig / auf gleiche Art und Weise
schönes & gemütliches Umfeld
einfach / leicht zu merken
strukturiert
alle Sinne ansprechend
geprägt von Wertschätzung und Akzeptanz
Gewohnheiten prägend
sind Lebensweisheiten
sollten wiederholbar sein
-
Gibt es Rituale, die Sie als Kind erlebt haben und noch heute vollziehen bzw. weitergeben?
Rituale zu Festen, kirchlichen Anlässen, Mahlzeiten, Verabschiedungen, Gebete
Geschichte vor dem Einschlafen
Morgenkreis
Familientreffen
Ausflüge in verschiedene Städte
Feiern im Kreise der Familie
singen unterm Tannenbaum
gemeinsames Familienfrühstück am Wochenende
-
Gab es Situationen, in denen Sie sich bewusst gegen ein Ritual entschieden haben, es vielleicht sogar eingestellt haben – wenn ja, warum?
Halloween – wegen des Hintergrunds
Entspannungsübungen aus der Grundschule
frühes Frühstück am Wochenende
kein alleiniges Ausrichten mehr der Familienfeste
-
12.
Keine Angaben
-
("
!
Rituale im pädagogischen Handeln
13 - 23
Rituale haben
für mich einen
hohen Stellenwert
Ohne Rituale
kann pädagogische Arbeit
nicht gelingen
Rituale können
pädagogisches
Handeln festfahren
Rituale lassen
wenig Platz für
Individualität
Rituale können
kindliche Entwicklung fördern
Rituale können
kindliche Entwicklung beeinträchtigen
Rituale durchziehen den gesamten pädagogischen Alltag
Kinder brauchen Rituale
Es ist wichtig,
Rituale und ihre
Bedeutung regelmäßig zu
hinterfragen
und ggf. zu
verändern
Rituale müssen
für alle Beteiligten nachvollziehbar sein
Mir sind die
Rituale der anderen Kindergruppen bekannt
Trifft voll und
ganz zu
Trifft eher zu
Trifft eher
nicht zu
Trifft überhaupt nicht zu
5
1
1
-
4
2
1
-
-
4
1
2
-
2
1
4
6
1
-
-
-
1
2
4
2
4
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1
-
-
4
2
1
-
6
-
1
-
4
2
1
-
(#
!
24.
Finden sich Rituale in Ihrem pädagogischen Handeln wieder?
Ja
Nein
Keine Angaben
6
1
-
25.
Wenn ja, warum nutzen Sie diese?
kindliches Selbstbewusstsein stärken
Wir-Gefühl stärken / Gemeinschaft erleben
Übergänge bewältigen
Wertevermittlung
Verlässlichkeit, Sicherheit, Halt, Beschäftigung geben
Persönlichkeit stärken
ohne Rituale keine pädagogische Arbeit
wichtig für kindliche Entwicklung
Arbeitserleichterung
Rituale sind wichtig
um Kinder zum Aufräumen zu bewegen / Aktionen interessanter gestalten
Kinder können sich leichter beruhigen
unterstützen im täglichen Leben
sind prägend
Rätselspiele am Mittagstisch
-
26.
-
-
Worin sehen Sie die Wichtigkeit von Ritualen in Bezug auf Kinder?
haben Beständigkeit im Vergleich zu vielen Anreizen / Veränderungen
der heutigen Zeit – geben Kindern Sicherheit / Geborgenheit / Verlässlichkeit
Wertevermittlung
gemeinschaftsfördernd / Gemeinschaft erleben
gute Umgangsformen
persönlichkeitsstärkend
geben Ordnung, Struktur, Anhaltspunkte
unterstützen bei Einordnung bestimmter Situationen im Tagesablauf /
helfen sich im Tag zu orientieren und Handlungen zu planen
immer wiederkehrend werden sie zu Alltäglichkeiten
prägen sich ein
Unterstützung bei der Akzeptanz von Regeln
zur besseren Verdeutlichung von Dingen
Kinder lernen eigenständig zu sein
($
!
27.
Gibt es Rituale, die aus Ihrem Gruppenalltag nicht mehr wegzudenken
sind?
Ja
Nein
Keine Angaben
5
2
-
28.
Wenn ja, warum und wie sind diese entstanden?
Tägliches Gebet
Lieblingsspielzeugtag
Geschichte vor dem Schlafen
Morgenkreis
Umgang mit Kerzen
Tischgebet
Krippenspiel mit Kindern für Eltern und Freunde
Laternen basteln zu Sankt Martin
Muttertagsgeschenke basteln
fasten in der Fastenzeit – verzichten lernen
Entstehung aus Traditionen aus kirchlichen Jahreskreis
Fast alle Rituale nicht mehr wegzudenken, vor allem Tischspruch &
Gute-Nacht-Geschichte
Vor dem Essen – nach dem Essen – Hände waschen nicht vergessen
Mittagsruhe – zum runterfahren
Weihnachtsfeier – Gemütlichkeit, Besinnlichkeit
-
29.
-
Woran orientieren sich die Rituale in Ihrer Gruppe?
Tagesabläufe
Feste & Feiern
besondere Anlässe
Kirchlicher Jahreskreis
Bräuche & Traditionen
Bedürfnisse der Kinder
Alter der Kinder
Entwicklungsstand der Kinder
Kinder erfinden selber Rituale- fordern diese ein – machen Angebote
zu Ritualen
am Situationsansatz der Kita
Kinder bestimmen den Alltag
Pflege von Traditionen
Zusammengehörigkeit der Gruppe
(%
!
30.
Gibt es feste Rituale im Jahreskreis
Ja
Nein
6
1
31.
-
32.
-
Keine Angaben
-
Wenn ja, nennen Sie bitte Beispiele
Adventszeit / Weihnachten / Weihnachtsfeiern
Fastenzeit
Ostern
Pfingsten
Mainacht
Blumen für den Marienaltar
Basteln zum Muttertag
Erntedank
Sankt Martin
Laternen basteln zum Martinstag
Geburtstagsfeiern
Morgenkreis nach Jahreszeiten gestalten
In der dunklen / kalten Jahreszeit Kerzen beim Frühstück
Bringen am Wandertag immer etwas für den Gruppenraum mit
Sommerfest
Kindertagsumzug
Herbstfeuer
Osterfeuer
Drachenfest
Sportspiele
Abschlussfest
Arbeitseinsätze mit Kindern
Schultütenfest
Laternenumzug
Lichtfest
Sommerfest
Inwieweit werden Eltern in die Gruppenrituale einbezogen? Gibt es
eventuell sogar Rituale, die aus dem Gruppenalltag in die Familien
übernommen werden oder umgekehrt?
Vor- Nachbereitung
Mitgestaltung
in Elterngespräche wird über Kita-Rituale gesprochen
einige Eltern haben Ritual des Tischspruches oder der Gute-NachtGeschichte übernommen
wegräumen des Spielzeuges / Arbeitsmaterials
(&
!
33.
Gibt es in Ihrer Gruppe individuelle Rituale für einzelne Kinder?
Ja
Nein
Keine Angaben
3
4
-
34.
Wenn ja, nennen Sie bitte Beispiele
- Geburtstagsfeiern individuell und nach Bedarf des Kindes gestalten
- Vorschulkinder
- Sandpäckchen während des Schlafens auf Brust oder Rücken der
Kinder legen – hilft individuell beim Einschlafen
35.
Wie wirkt es sich auf Ihre Gruppe aus, wenn ein Ritual vergessen oder
abgewandelt wird?
Rituale als fester Bestandteil unseres Alltags
Kinder machen Erzieher darauf aufmerksam
Kinder sind unkonzentrierter, nervöser, kommen schwer zur Ruhe
Kinder sind sensibel - fragen nach
sind traurig
fordern Rituale zu späteren Zeitpunkt ein
nehmen es zur Kenntnis, sagen jedoch nichts weiter dazu
bei anderen Ritualen werden alte wieder aufgegriffen
gehen selbstständig in den Waschraum
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Anlage 4 – Diagramme
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Anlage 5 – Protokolle der teilnehmenden Beobachtung
Situation: Morgendlicher Abschied von der Mutter
Protokoll Nr.1
Datum/ Dauer:
Teilnehmer:
07.05.2012 7.45Uhr-8.00Uhr
Mädchen(4) + Mutter + Erzieher
Beschreibung der sozialen Situation
-
Mädchen hatte lange Zeit Probleme sich morgens
von ihrer Mutter zu trennen (wenn nur unter Tränen)
Erzieherin, Mutter & Mädchen entwickelten
morgendliches Ritual, dass noch immer beibehalten wird
-
Bevor Mädchen den Raum betritt, ist sie noch lange
Auf Arm ihrer Mutter
Schauen dann zusammen im Gruppenraum, welche
Kinder schon da sind
Mädchen begleitet Mutter dann zur Tür der Einrichtung – gibt nochmal Küsschen
Mutter verlässt Kita – Mädchen läuft zum Fenster,
wo Mutter draußen vor steht
Erzieher hebt Mädchen hoch, sodass diese auf Augenhöhe mit ihrer Mutter ist
Beide winken sich nochmals + Luftkuss
Mutter geht
Gefühle/ Reaktionen
Haben für sich individuelles + angemessene Lösung
gefunden
Zusammenspiel ist
sehr schön anzusehen
Pos. Erzieher nimmt
sich jeden Morgen
aufs neue Zeit für
das Ritual ( könnte
es ja theoretisch
auch einstellen, da
Probleme des Mädchens ja morgens
geringer als früher)
Mädchen besteht auf morgendliches Ritual, fordert es zur
Not auch von Erzieher ein
Alle Beteiligten kennen Ablauf des Rituals – achten darauf
ihn einzuhalten
)"
!
Situation: Morgendlicher Abschied von der Mutter
Protokoll Nr. 2
Datum/ Dauer:
03.05.2012
Teilnehmer:
Junge(3) + Mutter + Erzieher
Beschreibung der sozialen Situation
-
Junge kommt auf Arm der Mutter in Raum
bereits am weinen
-
-
Gefühle/ Reaktionen
Angenehm zu sehen, wie Fachkraft &
Mutter zusammen
agieren + Erfolg erzielen
Mutter versucht zu trösten – Erzieher kommt hinzu –
versuchen ihn gemeinsam von Mutter zu lösen + ihn
zu übergeben – Junge hat wie jeden Tag Spielzeug Weg gefunden, morvon zuhause mit (Teddy + Autos)
gendlichen Abschied
Mutter + Erzieher nutzen diese, um ihn zu beruhigen zu erleichtern
Erzieher schlägt vor, Junge solle die Dinge mal
zeigen, man könne ja zusammen damit spielen – lässt sich
dadurch beruhigen
Mutter + Erzieher arbeiten zusammen
-
ansonsten werden Rituale jedoch nur zwischen Kindern + Eltern ( ohne Erzieher gestaltet)
-
Erzieher holt jedoch jedes Kind vom Elternteil ab
und betritt mit ihm zusammen den Gruppenraum /
führt es rein
Abholen der Kinder
& in die Gruppe reinführen – schönes für
Kinder stärkendes
Ritual von Erzieher
)#
!
Situation: Abschied von der Mutter am Morgen
Protokoll Nr. 3
Datum/ Dauer:
02.05.2012 8.00Uhr- 8.10Uhr
Teilnehmer:
Junge-a-(5) + Junge-b-(6) + jeweilige Mütter
Beschreibung der sozialen Situation
-
-
-
-
Gefühle/ Reaktionen
Junge (a) kommt mit Mutter in Gruppe – Mutter
bleibt an Tür stehen – Aufforderung er solle Erzieher
begrüßen
Begrüßung durch Handschlag – jedoch keine Begrüßung Mutter – Erzieher untereinander
Junge (a) kehrt zur Mutter zur Tür zurück – kuscheln
und küssen viel
Junge (a) fragt immer Mutter wieder, ob sie ihn auch
wieder abholen kommt- bestätigt dies
( so läuft es jeden Morgen)
Mutter gibt letzten Kuss, schließ Gruppentür
Junge (a) setzt sich auf Stuhl neben Tür und bleibt
lange dort sitzen
Unbehagen vor allen
in Situation mit Jungen (a), da keine
Hilfe seitens des
Erziehers, obwohl
Probleme beim Abschied bekannt
Junge (b) steht mit Mutter in Tür
Geben sich Abschiedskuss
Junge läuft in Gruppe – Mutter geht
Keine Begrüßung zwischen Erzieher & Mutter
Junge (b) begrüßt Erzieher mit Handschlag
Pers. Eindruck
Kein angemessener
Rahmen geschaffen,
um sich herzlich begrüßt zu fühlen
Abschiedsrituale werden meist nur zwischen Elternteil und Kindern vollzogen
Pos. Raum für Abschiedsrituale zw.
Eltern – Kinder wir
gegeben
Anschein, als werden Kinder nebenbei
begrüßt
Keine Tür- und Angel-Gespräche
)$
!
Situation: Mahlzeiten vorbereiten
Protokoll Nr. 4
Datum/ Dauer:
02.05.2012
Teilnehmer:
jeweils 2 Kinder der Gruppe für eine Woche
Beschreibung der sozialen Situation
-
Kinder informieren sich was für Essen es gibt + zählen Kinder
Gefühle/ Reaktionen
Sehr positiv
decken nach diesen Informationen den Tisch
-
Gehen in Küche und holen Essenwagen
-
Verteilen Schüsseln auf Tisch
-
Decken nach Essen ab – bringen Wagen zurück –
wischen Tisch ab
Aufgabe bei Kindern sehr begehrt
)%
!
Situation: Essen + Vorbereitung der Mahlzeiten
Datum/ Dauer:
03.05.2012
Protokoll Nr. 5
Teilnehmer:
zur Vorbereitung jeweils 2 Kinder /
zum Essen alle Kinder + Erzieher
Beschreibung der sozialen Situation
-
Kinder entscheiden morgens selbstständig, wer
Tischdienst übernimmt
decken Tisch zum Frühstück + Mittag + holen Essenwagen + teilen Schüssel aus
-
-
andere Kinder setzen sich in der Zeit an Tisch und
warten
Kindern ist Ablauf bekannt – Erzieher geben lediglich Signal, wann Vorbereitungen beginnen
Pos. Kinder dürfen
sich unterhalten – es
wird dabei auf angemessene Sprechatmosphäre geachtet
Gelockerte und frohe
Stimmung, aber nicht
aufgedreht - einladend
Vor dem Essen füllen sich alle Kinder selbstständig
auf – warten mit Essen, bis alle etwas haben
gemeinsamer Beginn nach Tischspruch
Gefühle/ Reaktionen
-
Große sprechen mit – jüngeren Kinder werden
durch Erzieher angeleitet – Aufforderung wenn
möglich mit einzustimmen (Ranführen ans Ritual)
bleiben jedoch meist stumm
-
wer fertig ist räumt selbstständig ab, bleibt jedoch
an Tisch sitzen – aufstehen erst nach Aufforderung
durch Erzieher – wenn Großteil mit Essen fertig
Durch Ritual wird
Respekt und Selbstständigkeit geschaffen
)&
!
Situation: Tischritual
Protokoll Nr. 6
Datum/ Dauer:
02.05.2012
Teilnehmer:
alle Kinder + Erzieher der Gruppe
Beschreibung der sozialen Situation
-
-
-
Kinder füllen sich selbstständig auf, warten mit Essen, bis alle etwas auf dem Teller haben
Kinder dürfen Tischspruch vorschlagen – haben viele verschiedene + zu unterschiedlichen Situationen
passen
Beim Essen wird geflüstert – fällt Kinder schwer –
viele verfallen schnell in normale Lautstärke - werden dann von Erzieher oder anderen Kindern ermahnt
wer mit Essen fertig ist, räumt Geschirr selbstständig ab
Gefühle/ Reaktionen
Schön, das so viel
Eigenständigkeit
zugelassen wird
Sehr respektvoller
Umgang
Eventuelle Lösung
suchen, die das
Warten erleichtert
Kinder wissen, wo alles hin muss + nehmen sich
selbstständig Nachtisch und beginnen damit
= Essenstempo kann so jeder selber bestimmen
-
alle warten, bis letzter aufgegessen hat – stehen
dann gemeinsam auf
schnelle Esser müssen teilweise lange warten –
werden unruhig
-
es wird auf Tischsitten geachtet – Kinder haben diese verinnerlicht
)'
!
Situation: Schlafen und Vorbereitung
Protokoll Nr. 7
Datum/ Dauer:
03.05.2012 11.30Uhr-14.00Uhr
Teilnehmer:
alle Kinde der Gruppe + Erzieher
Beschreibung der sozialen Situation
-
-
noch vor dem Essen holen sich Kinder selbstständig Schön, dass jeder
ihre Matten + Bettzeug – legen diese auf festen
seinen Schlafplatz
Platz – bereiten Schlafplatz individuell vor
selber vorbereiten
darf
jüngeren Kinder bekommen Hilfe
Durch gleichbleibenKinder wissen genau, wo was ist + hin muss - siden Ablauf wissen
cher/routiniert – ruhige Atmosphäre
Kinder, dass sie sich
Vor dem Schlafen suchen Kinder sich selbstständig langsam auf Schlaeinen Stuhl – legen dort Anziehsachen rauf
fen einzustellen
Erzieher erinnert/achtet auf Ordnung
-
-
Gefühle/ Reaktionen
Wichtig, dass Ritual
zeitlich begrenzt ist
wer ausgezogen ist legt sich auf Matte, darf Buch
anschauen – schafft ruhige + angenehme Atmosphäre, die zum Schlafen einlädt
wenn alle liegen – CD zum Einschlafen
1 Geschichte wird gehört – Kinder fragen nicht nach weiterer
- nach Geschichte Aufforderung – alle mögen jetzt
Augen zu machen
- Erzieher sitzen neben einigen Kindern, um diese zu
beruhigen
- Kinder, die unruhig sind werden namentlich erwähnt
- Außer Kuscheltiere keine individuelle Einschlafhilfen-rituale
- Kindern ist Ablauf bekannt, sehr selbstständig, reagieren routiniert auf Aufforderungen
)(
!
Situation: Abläufe im Badezimmer
(vor/nach dem Essen; vor/nach dem Rausgehen;
Vor dem Schlafen)
Protokoll Nr. 8
Datum/ Dauer:
02.05.2012
Teilnehmer:
alle Kinder der Gruppe
Beschreibung der sozialen Situation
-
-
-
vor + nach dem Essen gehen die Kinder selbstständig & ohne Aufforderung ins Badezimmer – waschen sich Gesicht + Hände + putzen sich nach
dem Essen die Zähne
wenn Kinder von draußen kommen gehen sie ebenfalls selbstständig Händewaschen
werden dazu angehalten vor dem Rausgehen + vor
dem Schlafen auf Toilette zu gehen
Kinder reagieren teilweise mit Widerstand – sie
müssten nicht pullern
Gefühle/ Reaktionen
Erstaunen, dass
Kinder so selbstständig auf Hygiene
achten
Ist es nicht eher Gewohnheit als Ritual?
Toilettengang als
teilweise aufgezwungenes Ritual
manche kommen damit durch, andere müssen trotzdem
gehen
-
Erzieher überprüft hinterher, ob Ergebnis Vorstellungen entspricht – wenn nicht, wird Kind zurück ins
Bad geschickt
))
!
Situation: Abläufe im Badezimmer
(vor/nach dem Essen; vor/nach dem Rausgehen;
vor dem Schlafen)
Protokoll Nr. 9
Datum/ Dauer:
03.05.2012
Teilnehmer:
alle Kinder der Gruppe + Erzieher
Beschreibung der sozialen Situation
-
-
Vor/ nach den Mahlzeiten werden Kinder aufgefordert Hände zu waschen + vor Rausgehen zusätzlich
auf Toilette zu gehen
Kinder werden von Fachkraft ins Bad begleitet achtet darauf, dass entsprechende Vorgänge
durchgeführt werden + kontrolliert Resultat
bei Unzufriedenheit – Wiederholung
-
Vor allem kleinen Kinder werden zum Toilettengang
verpflichtet – auch bei Protest
Situation wird sehr von Fachkraft angeleitet, gesteuert
Kindern ist Ablauf trotzdem bekannt
Gefühle/ Reaktionen
Gut das auf Vorgänge geachtet wird –
hilft Hygienegefühl
bei Kindern zu entwickeln
Kinder bräuchten in
manchen allerdings
mehr Entscheidungsfreiheit Bsp. Toilettengang
eigene Entscheidung
darüber wichtig, um
eigenes Körperempfinden zu entwickeln
Gerade deshalb könnte man ihnen mehr
Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung geben?!
**
!
Situation: Einschlafritual
Datum/ Dauer:
07.05.2012 15min
Protokoll Nr. 10
Teilnehmer:
Fachkraft + alle Kinder der Gruppe
Beschreibung der sozialen Situation
-
-
-
-
Gefühle/ Reaktionen
Liebevolle, harmoniErzieher liest vor dem Schlafen ausgesuchte Geschichte vor – alle Kinder liegen dabei auf ihren Mat- sche Atmosphäre
ten
Schafft Gemeinschaft
Wenn möglich werden Kinder in die Geschichte
Kinder haben Mögeinbezogen
lichkeit für sich gefunden, Bedürfnisse
nach Nähe individuell für sich zu befrieNach einer Geschichte ist Schluss – Kinder ist dies
digen
bekannt – fragen nicht nach weiterer und protestieren auch nicht
Schön, dass dem
Platz eingeräumt
Erzieher wünscht „ Gute Nacht“
wird
Einige Kinder stehen daraufhin nochmal auf und geben/ holen sich bei Erzieher Gute-Nacht-Küsschen /
Gute-Nacht-Umarmung
Rituale wird jeden Tag von Kindern gestaltet – jedes
Kinde entscheidet für sich, ob es dran teilnimmt
*
!
Situation: Schlafen in der Vorschulgruppe
Datum/ Dauer:
02.05.2012 11.30Uhr-14.00Uhr
Protokoll Nr. 11
Teilnehmer:
alle Kinder,
die im Sommer in die Schule kommen
Beschreibung der sozialen Situation
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Festes Jahresritual, dass Kinder der Vorschulgruppe ca. zwei Monate vor Schulbeginn keinen Mittagsschlaf mehr machen müssen
Gefühle/ Reaktionen
Pos. , dass Kindern
im Jahr Highlights
geschaffen werden,
die ihnen ihre Situation verdeutlicht
gehen nach dem Essen auf den Hof
soll für Kinder Highlight darstellen + verdeutlichen, Ritual wird eventuell
nicht Entwicklungsdass sie bald zur Schule kommen
stand / individuellen
Schlafbedarf einzel- Rituale wird über den Tag als mögliche Strafe miss- ner Kinder gerecht
braucht – bei unangemessenen Verhalten wird in
Aussicht gestellt, das Mittagschlaf doch stattfindet,
wenn Verhalten nicht eingestellt wird
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Rituale stiften
Junge, der doch noch ein Jahr in der Kita bleibt,
muss als einziger der Gruppe drinnen bleiben und in Gemeinschaft – hier
wird 1 Junge jedoch
anderer Gruppe schlafen – obwohl er doch Teil der
durch das Ritual
Vorschulgruppe ist
ausgeschlossen
Kinder freuen sich, dass sie keinen Mittagsschlaf
mehr machen müssen – Junge protestiert anfangs,
fügt sich dann jedoch
Bei schlechtem Wetter, wenn Hofgang nicht möglich, findet der Mittagsschlaf wieder statt
Ritual wird nicht
konsequent vollzogen
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Situation: Strafritual
Protokoll Nr. 12
Datum/ Dauer:
07.05.201
Teilnehmer:
Fachkraft + Kinde, das Strafe erhält
Beschreibung der sozialen Situation
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Häufig angedrohtes bzw. teilweise auch durchgeführtes Strafritual, das jeweilige Kind bei Fehlverhalten von der Gruppe zu separieren
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Bsp.
Alleine essen
Keine weitere Teilnahem am Angebot
Alleine schlafen
Gefühle/ Reaktionen
Wenn schon Strafe,
dann individuell, angemessen + für das
Kind nachvollziehbar
+ der Situation entsprechend
Nicht eine Strafe für
alle
Ritual nicht im Sinne
von Gemeinschaftsförderung
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Situation: Aufräumen
Protokoll Nr. 13
Datum/ Dauer:
07.05.2012
Teilnehmer:
alle Kinder der Gruppe + Erzieher
Beschreibung der sozialen Situation
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Erzieher markieren durch Geräusch der Klangschale
das Ende der Freispielzeit – fordern Kinder zum Aufräumen auf
Sanduhr wird umgedreht (15min) – gibt Kindern
Zeitrahmen für das Aufräumen
nach Ablauf müssen alle fertig sein
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Gefühle/ Reaktionen
Kinder sind angespornt und mit Begeisterung dabei
Kinder wollen möglichst viel in möglichst kurzer Zeit aufräumen
macht Aufräumen für Kinder zum Wettkampf – alle
bemühen sich möglichst schnell fertig zu werden
Erzieher helfen – unterstützen vor allem jüngere +
neue Kinder
Kinder wissen mit der Sanduhr etwas anzufangen
und wissen, dass sie die Zeit zum Aufräumen verdeutlicht
Kinder sind angespornt
Ritual verringert Stress, der sonst oft durchs Aufräumen ausgelöst wird + verschönert das Ende des
Freispiels
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EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG
Ich versichere hiermit, dass ich die vorstehende Bachelorarbeit selbstständig angefertigt, keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt habe und sowohl
wörtliche, als auch sinngemäß entlehnte Stellen als solche kenntlich gemacht habe. Die Arbeit hat in gleicher oder ähnlicher Form noch keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegen.
Neubrandenburg 2.Juli 2012
Franziska Holm
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